Schöne Reise – 700 Jahre Häuserpreise

houses

So wie die Brötchen immer teurer werden so können auch Hauspreise nur steigen. Daher ist zur Hausfinanzierung jeder Kredit gerechtfertigt. So oder so ähnlich klingt der Kern vieler Gespräche zum Thema Immobilien. Auch bei anderen Anlagen geht man von mindestens tausendjährigen Aufwärtstrends aus.

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Vertrauen lässt sich nicht drucken

Die Daten zum Verbrauchervertrauen in Großbritannien waren so wie das typische Herbstwetter in der britischen Hauptstadt. Nur der Nebel hat sich verzogen, denn viel klarer als die Briten kann man eine schlechte Beurteilung der Lage nicht aussprechen.

Die Briten können so einiges vertragen. Das gilt für den Pub offenbar genauso wie im Alltag. Die regelmäßige Auswertung von Nationwide liefert erneut eine beispielhaft düstere Beurteilung der wirtschaftlichen Lage. Wenn es mit dem Aufschwung schon nicht klappt, dann will das ehemalige Empire wenigstens beim Verbrauchervertrauen und den Zukunftsaussichten neue Rekorde aufstellen. Erneut sind es Negativrekorde.

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Hundstage auf der Insel

Der turnusmäßige Report zur Konsumentenstimmung in Großbritannien scheint sich trotz der teils deutlichen Worte in der Pressemitteilung nun zum Teil dem Prinzip Hoffnung verschrieben zu haben. Das Gespenst der Rückkehr der Rezession sei vertrieben worden, heißt es…

Wie sich dies aus einem weiter fallenden Index ablesen lässt, bleibt das Geheimnis der britischen Auguren…

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Neu in London: Walk like an Egyptian

Die Schätzungen der Protestteilnehmer in London schwanken zwischen 100.000 und 400.000 Menschen. Während Medien derartige Versammlungen, die auf offensichtlicher Unzufriedenheit basieren, gerne auf unangenehme Gestalten und Bilder von Ausschreitungen reduzieren, spricht die Zahl eher für eine breiter angelegte Bewegung…

Vor allem scheint es sich um eine erst beginnende Bewegung zu handeln, wie das auch in Griechenland, Spanien oder anderen Ländern zu sehen war. Diese Tendenzen sind der Bumerang der politischen Unaufrichtigkeit und der naiven Hoffnung, ein in weiten Teilen bankrottes Finanzsystem ließe sich durch Aussitzen heilen. An Behäbigkeit haben es die meisten der großen Vorsitzenden in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht mangeln lassen.

Wir sind in den vergangenen Monaten des Öfteren auf die desolate Lage in Großbritannien eingegangen. Die Tendenz zeigt seit Krisenbeginn deutlich nach unten. Auch das in anderen Teilen der Welt angefachte und derzeit verlöschende monetäre Strohfeuer hat auf der Insel nie gezündet.

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Imperium, neu definiert

Auf hoher See begründete sich einst der Ruf des britischen Empires. Das ist lange her. In der jüngeren Vergangenheit wurde die Insel dann gern als Muster einer konkurrenzfähigen Ökonomie gepriesen. Diese wunderbaren Wirtschaftsträume hatten eine Substanz, die offenbar ebenso marode war, wie so manch britische Immobilie.

Die Leistungsfähigkeit wurde – keine Seltenheit in den oft unerträglichen TV-Sprechkreisen – anhand von irgendwelchen Wachstumszahlen und Bildern glänzender Hochhäuser in der Londoner City gemessen. Wer einmal mit der Bahn vom Flughafen Heathrow in die Innenstadt gefahren ist, weiß, wie wenig diese Glas- und Stahlbauten mit der normalen oft sehr traurig anzuschauenden Bebauung der Stadt zu tun haben. Ohnehin gehören die Großbauten in der Regel Anlagefonds und nicht den Firmen, die ihre Namensschilder an die Fassade kleben. Das ist in Deutschland übrigens nicht anders.

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Lage, Lage, Schieflage

Viele deutsche Fonds-Investoren betrachten die Vorgänge um ihre ehemals offenen Immobilienfonds staunend, wurden doch diese Papiere noch vor wenigen Jahren fast schon als Witwen- und Waisenpapiere dargestellt. Nach zahlreichen Schließungen und Kursverlusten von teils mehr als 50% kommt es nun bekanntermaßen bereits zu ersten Abwicklungen. Wer bei den notwendigen Verkäufen auf der Bieterseite auftreten soll, bleibt bei vielen nicht immer erstklassigen Objekten unbekannt. Der groß angelegte Versuch illiquide Assets in liquide Anlagen zu verwandeln ist somit an der Hürde der Realität gescheitert – auch wenn dies sich scheinbar noch nicht überall herumgesprochen hat, wie die vereinzelten Versuche, diese Anlageklasse mit leichten Veränderungen zu retten, zeigen.

Die Fonds investierten in verschiedenen Regionen, oftmals erstreckt sich der geographische Anlagehorizont über den gesamten Globus. Besonders beliebt war in den vergangenen Dekaden unter anderem der Markt in Großbritannien, dessen Attraktivität gerne einmal mit blumigen Worten wie most mature market oder auch highly liquid unterstrichen wurde. Nun ist es zwar wenig zielführend, von einem liquiden Markt zu sprechen, wenn es zwanzig Jahre nur in eine Richtung geht. Wie liquide ein Markt wirklich ist, zeigt sich erst, wenn es stürmisch wird. Das ist bei CDOs nicht anders als bei Immobilien.

Die letzten Daten von der Insel, regelmäßig von der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) veröffentlicht, deuten nicht auf eine baldige Wetterbesserung hin. Vor dem Hintergrund drastischer Maßnahmen zur Stabilisierung des staatlichen Haushaltes – direkt oder indirekt immer verbunden mit Einschnitten beim Konsum – und eines nicht mehr bedeutungsvollen wertschöpfenden Sektors sowie Problemen bei den Jobs und Einkommen kommen diese Entwicklungen nicht überraschend. Staunen verursachten eher die in den Jahren 2009 und 2010 vermeldeten Botschaften, die Probleme seien behoben und die Nachfrage, und mit ihr die Preise, sollte bald wieder steigen. Ein wenig erinnert dies an die vielerorts zu hörenden Aussagen, die Krise sei vorbei. In einigen Medien kam kürzlich gar die Frage auf, ob die „Probleme der Peripheriestaaten der EU“ zu einer neuen Krise führen könnten. Dies zeigt eine Ignoranz hinsichtlich der Zusammenhänge, sind doch die Schieflagen der Banken und der Staatshaushalte keine neuen Erscheinungen sondern Symptome der anhaltenden Krise.

Der aktuelle Report des RICS verdeutlicht den Charakter der Marktentwicklungen der vergangenen beiden Jahre. Es handelte sich um eine Korrektur eines raschen und drastischen Einbruchs, nicht aber um eine neue dekadenlange Schönwetterperiode.

RICS Price Balance

Die Entwicklung des vielzitierten Londoner Marktes befindet sich übrigens leicht unter dem Durchschnitt, relative Stärke sieht anders aus. Gut abzulesen ist die vergleichsweise kurze Phase oberhalb der Nulllinie. Die neuerliche Abwärtsdynamik ist in etwa vergleichbar mit der des scharfen Einbruchs am Beginn der Krise.

Die vorlaufenden Erwartungen zur Preisentwicklung zeigen ebenfalls nach unten. Gerechnet wird mit stagnierenden Umsätzen bei in der Tendenz sinkenden Preisen. Die Frage, die sich viele Investoren und Hausbesitzer stellen müssen, lautet, wie lange sie dazu bereit und in der Lage sind, auch bei einer sich privat verschlechternden Finanzsituation Raten für eine Hypothek zu zahlen, die bei schnell sinkenden Preisen den Hauspreis zu übersteigen droht (so genanntes negative equity). Das ist eine sehr belastende Situation, ist doch in diesem Falle das Eigenkapital – wenn überhaupt vorhanden – bereits vom Preisrückgang aufgezehrt worden. Die Hypothek interessiert dies alles nicht. Selbst wenn das Haus über nacht zusammenfallen sollte, werden die Raten in gleicher Höhe fällig.

Beachtenswert ist die erneute deutliche Abschwächung des britischen Marktes vor dem Hintergrund vorherrschender negativer Realzinsen. Bei den Zinsen kann die britische Version des QE sich, zumindest bis zu einer ernstzunehmenden Vertrauenskrise, noch entfalten, bei den Hauspreisen kam es dagegen lediglich zu einer Art Strohfeuer.

Realzinsen UK

Die Darstellung legt die Entwicklung des künstlich gedrückten Zinsniveaus offen. Um sich auszumalen, wie der Markt bei einer Annäherung an halbwegs „normale“, sprich höhere Renditeniveaus reagiert, braucht es nicht viel Fantasie. Wenn ein Markt über 15 Jahre mit einer jährlichen Steigerungsrate von mehr als 9% klettert, wird ein Niveau erreicht, dass Raum für deutliche Korrekturen lässt.

Viel Raum für Bewegung

Die Grafik enthält die Daten bis zum Beginn des Jahres 2010 und bildet somit den vorläufigen Gipfel der Erholung ab. Sich bei neuen Investitionen am Bild im Rückspiegel zu orientieren kann schnell in die Irre führen. Vor allem nach langanhaltenden Trends wird in den ersten Jahren oft mit einer raschen Wiederaufnahme der vorherigen Tendenz gerechnet. Gerade bei illiquiden und teils sehr intransparenten Märkten braucht eine Bereinigung aber eine ganze Weile. Zumindest sollte die Annahme, die alten Steigerungsraten würden auf absehbare Zeit wieder erreicht werden, sich als Täuschung entpuppen. Ein Entkoppelung der Immobilienpreise und Mieten von der Einkommenssituation der Bevölkerung mag über einige Zeit möglich sein, auf alle Zeiten ist dies nicht durchzuhalten. Nach einer Phase der Ernüchterung, in der sich die Erkenntnis breit macht, dass Preise nicht immer nur steigen, konzentrieren sich Investoren wieder auf wichtige Parameter, wie etwa die Höhe und Sicherheit der Mieteinnahmen und – vor allem in Großbritannien – auf die Qualität von Bausubstanz und Ausstattung. Neben den laufenden Raten für Zins und Tilgung heißt es dann statt Lage, Lage, Lage oft ganz schnell Kosten, Kosten, Kosten.


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Reif für die Insel

Aus dem schönen England und den angegliederten Segmenten des Vereinigten Königreichs kommen erneut unschöne Meldungen. Nein, es dreht sich nicht um die Qualifikationsspiele der Three Lions, vielmehr ist der seit längerem schlingernde Immobilienmarkt unglücklich auf das Gaspedal gefallen. Die Preise wechselten bei eingelegtem Rückwärtsgang auf die Überholspur.

(Bloomberg) — U.K. house prices plunged in September by the most since records began a quarter of a century ago amid “renewed uncertainty” about the British economy, Halifax said.

Immerhin, im September beschleunigte sich der Rückgang der Hauspreise und erreichte ein monatliches Minus von erklecklichen 3,6%. Das ist in der Tat der stärkste Rückgang seit Beginn der Datenerhebung durch Lloyds TSB im Jahre 1983. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies einen im Mittel um knapp €10.000 gesunkenen Preis. Nicht schlecht, das macht rund €330 pro Tag. Dabei ist der britische Markt noch weit entfernt von den Korrekturen, die in anderen Ländern zu beobachten sind. An besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen kann dies allerdings nicht liegen. Die folgende Grafik zeigt die Veränderungen der vorangegangenen Jahre.

Es ist ein auf und ab

Die als Begründung für den aktuellen „überraschenden“ Rückgang geäußerte Aussage ist famos. Die Zahl der zum Verkauf stehenden Einheiten sei gestiegen und es sei eine renewed uncertainty zu beobachten. Die Überraschung dürfte nur diejenigen Auguren überrumpelt haben, die sich bei der Betrachtung ökonomischer Zyklen an der seuchenhaft um sich greifenden kurzfristigen Denkweise festhalten. Aktien steigen – alles wird gut. Aktien fallen – da wird schon einer eingreifen. Nun ist der Aktienmarkt leider vollkommen ungeeignet, um eine Beurteilung der übergreifenden Prozesse zu ermöglichen. Mag ein Index sich halbieren oder verdoppeln, auf die Lebenssituation der meisten Bürger wird das bestenfalls einen marginalen Einfluss haben.

Die Aussichten für den Immobilienmarkt bleiben unsicher. Das ist schön, die Entwicklungen an den meisten Märkten sind unsicher, wir haben es nicht mit deterministischen Prozessen zu tun. Vielleicht ist aber mit dem Begriff uncertain vielmehr eine anhaltende Schwäche gemeint – angesichts zunehmenden Angebots bei sinkenden Preisen eine nicht ganz unwahrscheinliche Möglichkeit.

“An increase in the number of properties available for sale” and “renewed uncertainty about the economy and jobs has led consumer confidence to falter recently, dampening the

Demand or home purchase,” Martin Ellis, an economist at Halifax, said in the statement. “Prospects for the housing market remain uncertain.”

Die Lage hat sich also im Wesentlichen nicht verändert und verläuft nach dem bekannten Schema. Nach einem deutlichen Absturz setzt eine kurze Phase orientierungsloser Konsolidierung ein. Nachdem sich die Marktteilnehmer wieder halbwegs sortiert haben, setzt sich der lange, durch das Zurückfahren des Kredithebels beim Verbraucher in Gang gehaltene Prozess wieder fort. Die Mischung aus zunehmendem Angebot und verunsicherten potentiellen Nachfragern ist für zukünftige Käufer ein gutes Zeichen. Nur keine Eile, es wird billiger.

Für die Staatskasse bedeutet dies nichts Gutes, verdient doch das Schatzamt an jeder Transaktion mit. Je größer das Geschäft, desto besser für den Fiskus. Eine sinkende Zahl an Geschäftsvorgängen und ein auch insgesamt sinkendes Geschäftsvolumen sind keine guten Voraussetzungen für eine Gesundung der britischen Finanzen. Von einer auf normalem Wege erreichbaren Heilung des desolaten ökonomischen Organismus auszugehen ist illusorisch. Wie in fast keinem anderen westlichen Land, ist zu allem Elend auch der industrielle Sektor auf der Insel in einer Phase ernstzunehmender Disintegration.

Kometenhafter Aufstieg, UK Style


Die obige Abbildung verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich gerade in volatilen Zeiten nicht auf das Betrachten von Veränderungsraten zu versteifen. Der gelegentliche Blick auf die absoluten Niveaus ökonomischer Kennzahlen rückt die Situation schnell wieder in das rechte Licht.

Im Zeitverlauf ergibt sich ein Bild des Jammers. Kein Grund für überschwänglichen Jubel möchte man meinen. Die Tabelle zeigt die Veränderung der Industrieproduktion im Vergleich zm jeweils genannten Zeitpunkt. Ein verlorenes Jahrzehnt, dass zudem durch die Konzentration auf die vermeintlich erfolgreichen Illusionisten des Finanzgewerbes zu einer Vernachlässigung nötiger struktureller Schritte führte. Dieses Verhalten rächt sich nun, denn nun steht man in Großbritannien vor zwei Scherbenhaufen.

Elend, tabellarisch

Keine ernstzunehmende Industrie, ein im Grunde direkt oder indirekt vollständig von der öffentlichen Hand oder der Zentralbank abhängiger Finanzsektor und ein Staat, der all dies zusammenhalten soll, aber selbst ohne die Gymnastik der Bank of England nicht mehr zur Refinanzierung in der Lage ist. So stellt sich das ehemalige Empire im Jahr 2010 dar.

Die rhetorischen Hinweise auf einen Prozentpunkt mehr oder weniger Wachstum mögen als Beruhigungspille gemeint sein. Solange aber die Rückgänge bei den Hauspreisen noch einen langen Weg zu gehen haben, und auch die Probleme der gewerblichen Immobilienkredite noch nicht einmal im Ansatz adressiert wurden, ist mit einem weiterhin hohen Kapitalbedarf bei den Banken zu rechnen. Wie das Beispiel Irland zeigt, nimmt die Summe der notwendigen Mittel rasch derartige Höhen an, dass auch dem Staat nur noch der Offenbarungseid bleibt. Im Falle Irlands oder Griechenlands mag dies noch für eine gewisse Zeit verdeckt werden können, diese Volkswirtschaften sind von überschaubarer Größe. Die Schwierigkeiten sind aber nicht auf die kleineren Ökonomien beschränkt.

Nicht nur für die öffentliche Hand sind sinkende Preise ein Problem. Wie in den USA so war die Möglichkeit, neben der Hypothek noch weitere Kredite auf sein Haus aufzunehmen, eine beliebte Methode, die Einkäufe zu finanzieren. Im englischen heißt dieser Vorgang equity mortgage withdrawal. Das Haus als Bankautomat. Das vollzieht sich auf recht einfache Weise. Sie kaufen ein Haus, das auf €200.000 geschätzt wird und zahlen €50.000 aus dem eigenen Kapital. Den restlichen Betrag erhalten sie über eine Hypothek. Nun bestellen Sie nach einigen Monaten einen Hauspreisschätzer – privat oder von einer Bank – der einen neuen „Wert“ ermittelt. In der Zeit ewig steigender Preise wäre nun vielleicht die Zahl €225.000 herausgekommen. Den virtuellen Zuwachs können Sie nun über einen Konsumkredit aus dem Haus ziehen, ein in der Tat ebenso abenteuerliches wie beliebtes Vorgehen.

Auf diese Weise kamen US-Amerikaner und Briten zu ihrem gar nicht so erstaunlichen Konsumwunder, man kaufte halt auf Pump und war beim Pumpen sehr kreativ und arglos. Die Summen, die allein aus dieser Quelle zu Tesco, Escada und Co. flossen waren beachtlich, wie die folgende Grafik zeigt.

Die Zitrone ist leer, Sire

In Spitzenzeiten lag der Wert des Equity mortage withdrawals deutlich höher als der Gesamtumsatz des Einzelhandelsriesen Tesco in Großbritannien. Die Erwartungshaltung bezüglich steigender Umsätze dürfte angesichts bestenfalls stagnierender Einkommen, wachsender Arbeitslosigkeit und massiver Belastungen aus bestehenden Kreditverpflichtungen nicht haltbar sein.

Die Zentralbanken können die Geldhähne aufdrehen, wie sie wollen. Für die Rettung ihrer Freunde und Bekannten im Bankensektor mag das eine Weile funktionieren. Für Konsumenten, die schon jetzt überhebelt sind, stellt selbst die Verfügbarkeit billiger Kredite keine Lösung dar. Die Belastung aus den Tilgungen der Kredite, die nicht mehr durch die Hauspreise gedeckt sind, wird lange auf dem Konsumklima lasten. Auch für die allgemeine Stimmung wird es nicht förderlich sein, wenn zahlreiche Menschen über einige Dekaden Schulden für einen Konsum abtragen sollen, den sie schon lange verfrühstückt haben. Die gerade von der britischen Regierung angekündigten Steuererhöhungen dürften den Sekt als Stimmungsmacher ebenfalls nicht ersetzen können.

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Temporäre Nachhaltigkeit

Von großen Erfolgen der staatlichen Eingriffe und Konjunkturspritzen ist derzeit viel zu lesen. Die großen Leistungen liegen in der Regel darin, Menschen unter bestimmten Bedingungen Geld zu schenken, das sie dann ausgeben müssen. Ein tolles Rezept, fast schon nobelpreiswürdig. Geld verschenken unter der Bedingung, dass es ausgeben wird und sich dann zu freuen, wenn es ausgegeben wird ist schon eine tolle Sache. Guck mal, ich werfe einen Apfel hoch und dann kommt er von ganz alleine wieder herunter. Faszinierend, Abenteuer Wirtschaft kann man da nur sagen.

Leider halten einige im Sog der anhaltenden Tendenz zur Kurzfristorientierung diese rein temporären Effekte für eine nachhaltige Entwicklung. Das mag menschlich verständlich sein, ist aber eine sehr hoffnungsfrohe Annahme. Das einzig nachhaltige an derartigen Vorgehensweisen sind die Schulden, die im Zuge derartiger finanzpolitischer Hasardspiele verbleiben.

Werfen wir aus gegebenem Anlass einmal einen Blick auf die Situation in Großbritannien. Auf der Insel gab es, nachdem man bei den Teutonen den „Erfolg“ der Abwrackprämie beobachten konnte, ein vergleichbares Programm zur Stützung der Automobilfirmen und der Zulieferindustrie. Der Weg von der Idee bis zur Öffnung des finanziellen Füllhorns war kurz und wurde von den Medien freudig begleitet. Viele scheinen offensichtlich gerne eine fremde Hand in der Tasche zu spüren, die für entscheidet, wann und für wen das eigene Geld ausgegeben werden soll.

ja ja, alles klar

Nun kann man sich ohnehin fragen, was die Abwrackprämie auf einer Insel zu suchen hat, die eher für diejenigen Fahrzeuge bekannt ist, die vor einigen Jahrzehnten die Betrachter begeisterten. Heute schraubt der Angelsachse mit der Komibzange in der Regel nur noch am eingedeutschen BMW Kleinwagen herum. Die Politik muss sich wohl mangels sonstiger Industrien auch um ebendiese Jobs gesorgt haben. Oder sie haben sich Sorgen gemacht, was los sein könnte, wenn die Zahl derartiger Arbeitsplätze abnimmt. Auch eine Zukunftsperspektive, die man mit finanziellen Mitteln ein wenig in die Zukunft verschoben hat.

Nun hat die ganze Aktion in der Tat für einen deutlichen Aufwärtsschub aus einem massiven Abschwung heraus gesorgt– wir haben die unterschiedlichen Zeitpunkte im Chart markiert. Allerdings ging dem „Markt“ auch direkt nach dem Absetzen der Luftpumpe rasch die Puste aus, woraufhin er erneut in den freien Fall überging. Lassen Sie sich übrigens nicht von den jährlichen Anstiegsraten täuschen. Wer bei 100 startet und dann nach einem Minus von 37% ein Plus von 55% vorweist, der landet immer noch unter dem Ausgangsniveau. Durch die starken Ausschläge nach unten sind derzeit viele derartige Charts nach oben deutlich verzerrt.

auf und nieder, für und wieder

Der gesamten britischen Industrie hat dies alles nicht auf die Beine geholfen. Schlaff geistert die britische Industrie aktuell durch einen bizarren Scheinaufschwung, der lediglich in den Medien stattzufinden scheint. Nur die Schulden, zu denen auch die genannte Abwrackprämie nicht unwesentlich beigetragen hat, bleiben real. So real, wie Schulden nun einmal sein können.

watNu

Die Industrieproduktion laviert unterdessen auf dem Stand von 1988 herum und ist weit, weit entfernt von den ehemaligen Hochs. Nimmt man einmal ganz optimistisch die mittlere jährliche Wachstumsrate seit 1948 an, so würde es mehr als 10 Jahre dauern, diese Marke wieder zu erreichen. Bei der schwächeren Wachstumsrate seit dem Tief (!) im Jahre 1981, wäre man schon bei mehr als 15 Jahren. Mit den mittleren Steigerungsraten der letzten zehn oder zwanzig Jahre freilich würde man nie wieder dort ankommen, die Werte sind negativ. Das alles ist vor dem Hintergrund wohl auch weiterhin zweistelliger Budgetdefizite zu sehen, die Her Majesty’s Treasury in den kommenden Jahren bevorstehen dürften.

Wer sich die Frage stellt, wie sich die britische Wirtschaft aus diesem Elend befreien könnte, dem wird schnell eines klar. Herauswachsen wird sie sich sicher nicht, dazu ist die Gesamtverschuldung des Staates, der Unternehmen und der Haushalte mit annähernd 500% des BIP zu hoch und die wirtschaftliche Struktur viel zu schwach. Mit einem teilverstaatlichten Bankensektor und einer auf Gegenseitigkeit basierenden öffentlichen Finanzierungsschaukel (Eigenkapital vom Staat an die Banken, Staatsfinanzierung durch die Banken) ist der absurde Ökonomiebasar vollends komplett. Vielleicht können die Behörden ja ein paar gebrauchte Kameras verkaufen, denn davon gibt es in Britannien reichlich. Ausreichen dürfte diese Maßnahme aber nicht.

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Fälligkeiten und Merkwürdigkeiten

Während die Europäische Währungsunion derzeit ein Opfer ökonomischer Fehlkonstruktionen und der erschreckenden Unfähigkeit zur konsistenten Kommunikation wird kommt die Situation der britischen Wirtschaft ein bisschen kurz. Das ist erstaunlich, denn die Lage jenseits des Ärmelkanals ist alles andere als feierlich. Wenig ist geblieben von den forschen Auftritten der City Banker. Die Erinnerungen an die jahrelang mit alberner Ernsthaftigkeit durch Lobbyisten in Talkshows und der Tagespresse herausposaunten Hinweisen auf die „Dienstleistungsgesellschaft“ im angelsächsischen Raum sind verblasst. Trotz der zahlreichen Wiederholungen des immergleichen Mantras ist der Wahrheitsgehalt desselben nicht größer geworden.

Während den Menschen im deutschsprachigen Raum immer wieder die Miespetrigkeit und die mangelnde Konsumlust vorgeworfen wurde haben dieselben Menschen nun angeblich über ihre Verhältnisse gelebt. Da darf man schon einmal erstaunt die Brauen lupfen. Sicherlich wurde hier mehr ausgegeben, als die Einnahmen hergaben, und sicherlich ist das langfristig weder sinnvoll noch aufrecht zu erhalten. Trotzdem wollen wir doch einen Blick auf die kommenden Finanzierungsbedürfnisse verschiedener Wirtschaftsräume werfen. Als besonders schneidig – im finanziellen Sinne – galten die Banker der Londoner City. Nun sind die meisten britischen Banken teilverstaatlicht oder auch direkt von staatlichen Mitteln abhängig. Die Probleme sind dadurch aber nicht beseitigt sondern nur verschoben worden. Widerborstig wie Probleme leider sind, tauchen die Löcher ganz unbedarft im britischen Haushalt wieder auf. Und die Löcher sind nicht von Pappe.

Finanzierungsbedarf Wirtschaftsräume

Der IMF steht als angelsächsisch geprägte Institution nicht im Verdacht, die Lage im Vereinigten Königreich zu beschönigen. Faszinierend an der oben zu sehenden Grafik ist zum einen die Veränderung der Finanzierungslücken im Vergleich zum Mittel der Jahre 2003 bis 2008. Angesichts der Krise und des unseligen too big to fail Paradigmas fast aller Regierungen ist aber ein Anstieg an sich nicht ungewöhnlich. Viel bedeutender erscheint uns der Zerfall der Finanzlage in Großbritannien. Das Land ist bei weitem der kleinste der drei dargestellten Wirtschaftsräume und steht industriell nicht besser da als schwache EU Staaten. Sollten die Schätzungen des IWF zutreffen, so wird der Schatzkanzler mindestens drei Mal in Folge ein zweistelliges Defizit vorweisen. Für ein zumindest in der Selbsteinschätzung einflussreiches Land eine desolate Bilanz. Beachtenswert ist die zwar nicht schöne aber vergleichsweise stabile Situation in der Eurozone. Vielleicht sollte die EU sich so langsam zusammenreißen. Es ist nicht hilfreich, die Probleme und Konstruktionsfehler der Währungsunion kleinzureden. Aber ein deutlicher Hinweis auf die relative Betrachtung sollte auch unter „Partnern“ (wenn man so will) erlaubt sein. Die Gegenseite ist ja ebenfalls nicht zimperlich. Wenn sich allerdings ein britischer Schatzkanzler über die Lage in der EWU besorgt zeigt, dann, ja dann darf ruhig einmal aus voller Kehle herzlich gelacht werden, bevor es wieder zur Arbeit geht.
Neben den öffentlichen Schatzämtern drückt auch die Unternehmen und die privaten Haushalte der Schuldpantoffel. Auch hier zeigt sich, wie sehr sich die Briten aus dem Fenster gelehnt haben. Das Problem ist folgendes: Diese Verschuldung war die Basis des kreditinduzierten Scheinaufschwungs der Vorkrisenzeit. Wenn jedes finanzierte Auto über Nacht verschwinden würde, gäbe es in deutschen Großstädten eine Menge Parkplätze.

Wachstum finanziert über Schulden, vorgezogener Konsum, der den Geldbörsen nun schwer zu schaffen macht. Das sollte der Weg ins gelobte Land sein und nach vielen Jahren ist das Ziel der Reise nun offenbar erreicht. Was helfen tiefe Zinsen, wenn der Konsument schon die Bestandsschulden kaum bedienen kann? Welche Investitionen sollen angesichts deutlicher Überkapazitäten und eines trüben Ausblicks getätigt werden? Wie sich die zu großen Teilen vom Konsum abhängigen Volkswirtschaften USA und UK aus dieser Lage herauswachsen sollen, wenn die Gelder nicht mehr da sind, ist schleierhaft.

Verschuldung der Sektoren

Auch hier steht die Eurozone zumindest im Vergleich nicht schlechter da. Vor allem die Verschuldung der Haushalte hält sich einigermaßen im Rahmen.

Weniger zu lachen gibt es in der Eurozone allerdings, wenn wir den Blick auf die Höhe der kommenden Refinanzierungsnöte des Bankensektors werfen. Hier haben die Banken der EWU die traurige Führung übernommen.

Fälligkeiten bei den Banken

Nun fällt es zunehmend schwer, den Finanzsektor vom öffentlichen Sektor zu trennen. Zu eng ist die Verflechtung geworden, zu stark sind die Abhängigkeiten der Institute von öffentlichen Garantien und Kapitalinjektionen. Während bereits wieder Vertriebskräfte der Investmentbanken durch die Lande touren und nun die Kommunen beraten wollen (ausgerechnet) tüftelt man in den Staaten erneut an Finanztransaktionen, die man den Kunden nahe bringen möchte.

Der neueste Schrei ist – kein Witz – die Verbriefung von Krediten, bei denen bereits mehrere Zinszahlungen ausgefallen sind.

Chief Executive Officer of the distressed loan buyer, Kondaur Capital Corporation, Jon Daurio said recently, Wall Street firms are very likely to package a bunch of delinquent loans into securities, in order to satisfy higher yields demanded by investors (…).
Securitization of these non-performing loans is perhaps the most important action to take for investors, who recently, have been accepting poor assets in exchange for a greater yield. (Mc Farlin & Guerts LLC).

Hier handelt es nicht um das klassische „distressed debt“ Geschäft, das für wirklich professionelle Investoren durchaus interessant sein kann. Vielmehr sollen die Bilanzen der Kreditgeber von den ungeliebten Papieren befreit werden. Wieder werden vermutlich einfache Modelle zusammengebastelt, um die einmaligen Chancen in einem edlen Foliensatz anzupreisen. Wer erneut auf die Masche „schön Essen gehen, zwei Worte über’s Geschäft und ein bisschen Lobhudelei“ hereinfällt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Hoffentlich verhindert die Notwendigkeit zur Bilanzverkürzung diesmal größere Auswüchse.

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Wer gut ölt, der gut fährt.

Der anhaltende Niedergang der britischen Wirtschaft zieht sich nun schon einige Dekaden hin. Unterbrochen von mehr oder weniger unterhaltsamen Episoden – etwa einer temporären Rettung durch einen IWF Kredit – zeigt der langfristige Trend stetig nach unten. Die Ausschläge nach oben waren durch die Bank kurzfristiger Natur. In der einen Periode fand man Öl in der Nordsee, dann fand man sein Heil (und Kapitalertragssteuern) in der Techblase und bis vor einigen Jahren dachte man, mit einer steigenden Verschuldung tatsächlich Werte schaffen zu können. Der Fokus auf den so genannten Dienstleistungssektor mit einer gediegenen Schwerpunktsetzung im Bereich der FIRE Ökonomie (Financial, Insurance, Real Estate) sorgte dafür, dass die britische Wirtschaft die Stufen des gefühlten Wohlstands so rasch emporkletterte, dass sie es gar nicht mitbekam, als sie über die Klippe lief. Wie Wile E. Coyote, der ewige Konkurrent von Road Runner, folgten noch ein paar Schritte in der Luft bevor es abwärts ging.

Nun, in Zeiten des Wahlkampfes, wird wieder verbal um die richtigen Konzepte und Theorien gefochten. Abwerten, Sparen, Angebotspolitik, Nachfragepolitik, und so weiter. Auch im deutschsprachigen Raum kennen wir die geschliffenen Reden zu Genüge. Gerne werden vermeintlich in der Vergangenheit umgesetzte Modelle mit den damals an der Spitze der Regierung stehenden Personen verknüpft. So wie die oder der es gemacht hat, so muss es auch heute gemacht werden. Dabei werden die großen Strömungen der Ökonomie gerne ausgeblendet, und die Streithähne tänzeln um ein paar Jahre, die es später in die Rente gehen könnte oder um eine Verschiebung von Steuerlasten von einem zum anderen. Es ist aus Sicht der Politiker durchaus verständlich, möglichst kleinteilige Dinge in den Vordergrund zu rücken, von denen dann noch kleinteiligere Dinge umgesetzt werden. Dies schafft, man kennt es aus der Bankenbranche, den gewünschten Eindruck von Komplexität und Intransparenz, der für so manchen Arbeitskreis erst die Berechtigung schafft.

Ohne den einzelnen Entscheidungen ihre jeweilige Wirkung auf einzelne Menschen abzusprechen, soll unser Blick heute einer größeren wirtschaftlichen Strömung gelten, die einen beachtenswerten Einfluss auf die volkswirtschaftliche Gesamtlage hat, die Abhängigkeit von Energieimporten.

Vor allem die britische Wirtschaft profitierte seit den späten siebziger Jahren von den Ölfunden in der Nordsee. Großbritannien wurde innerhalb weniger Jahre vom Nettoimporteur zum Exporteur von Energieträgern. Von der Wirtschaft – und von der Währung – wurde einer enormer Druck genommen.

UK Energiesaldo und Haushaltsdefizit

Die in der Grafik invertiert dargestellte Importquote ist der prozentuale Anteil der Importe am gesamten Energiebedarf des Landes. Ein Wert von –10% bedeutet also, dass im entsprechenden Zeitraum 10% des gesamten Energiebedarfs durch Importe gedeckt werden mussten.

Sehr gut zu sehen ist die in den siebziger Jahren stetig abnehmende Importabhängigkeit. Seit der Mitte der folgenden Dekade begann eine Phase der Energieüberschüsse, dem Nordseeöl sei es gedankt. Mittlerweile, die Vorkommen in der Nordsee schrumpfen mit beeindruckenden Jahresraten, ist die Insel wieder zum Nettoimporteur geworden. Die steigenden Preis für Energieträger sorgen für eine enorme Belastung für die Ökonomie, die schwächelnde Währung eingeschlossen.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die Betrachtung, wie sich die Amtszeiten der gemeinhin als wirtschaftlich erfolgreich geltenden Premiers Thatcher und Blair in dieses Bild einfügen.

Energiesalden und Amtszeiten

Während sich die so genannte eiserne Lady zunächst einer sinkenden Importabhängigkeit erfreuen durfte, erhielt das von ihr regierte Land später anhaltenden Rückenwind durch die Phase massiver Energieüberschüsse.

Auf Margaret Thatcher folgte der gerne als glücklos titulierte John Major. Bezogen auf den Energiesaldo hatte er in der Tat kein fortune. Sein Nachfolger, der stets vom Trauma einschlagender Raketen aus Nahost verfolgte Anthony Blair, durfte sich dann wieder anziehender Exportmöglichkeiten im Energiesektor erfreuen. Angesichts der Kombination aus sinkenden Ölvorkommen und steigenden Energiepreisen dürfte der kommende britische Premier diesbezüglich wenig Unterstützung erhalten. So schließt sich dann der Kreis. Die finanzielle Situation des Vereinigten Königreichs ist durch den Einsturz des Finanzsektors schwer angeschlagen, an Haushaltsdefizite im zweistelligen Prozentbereich scheint sich Her Majesty’s Treasury gerade zu gewöhnen und auch die Notwendigkeit eines IWF Kredits ist durchaus realistisch.

Im Jahr 1976 war es in Großbritannien erstmals soweit. Im Dezember des Jahres beantragte die Regierung einen Kredit in Höhe von £2.3 Mrd. beim Internationalen Währungsfonds. Das ist ein Wert, der im Hinblick auf die aktuelle Verschuldung und die Fälligkeiten in 2010 und 2011 wohl in den Schatten gestellt werden dürfte, wenn der Ernstfall eintritt.

Die Frage, wer denn schlussendlich für die Rettung des IWF zuständig ist, bleibt leider offen. Die Liste der Mitgliedsstaaten des IWF und die aktuelle Zusammensetzung der Sonderziehungsrechte des Fonds lässt hier leider ebenfalls fast nur Staaten erscheinen, die wirtschaftlich nicht eben auf Rosen gebettet sind. Eine „Rettung“ würde sich wohl ähnlich gestalten, wie die so genannte Bankenrettung in vielen Ländern. Große Banken sind insolvent. Diese Banken bekommen Geld vom Staat, von Zentralbanken oder von durch Staaten finanzierte Institutionen. Den Staaten geht dann verständlicherweise ebenfalls das Geld aus. Die entstandenen Löcher stopft man nun mit Krediten, die bei den de facto insolventen Banken aufgenommen werden. Klingt schon ziemlich absurd, aber so ist sie manchmal, die Realität.

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