Good Morning Kanada!

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Die letzten 20 Jahre hatten einige Immobilienblasen zu bieten. Die Auswirkungen des Zusammenbruchs waren beim US-Markt auf Grund der Abhängigkeit vieler Finanzprodukte von den Hauspreisen und Cash Flows am größten. Die größten Preissteigerungen fanden und finden jedoch andernorts statt…

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In der baltischen Steppe

Wie viele kleinere Nationen hat es auch die Vertreter des Baltikums hart getroffen. Die Träume, auf die Schnelle aus dem Nichts unter Zuhilfenahme billiger Kredite, steil ansteigender Immobilienpreise und massiver Mittelzuflüsse aus dem Ausland zur Riege der wirtschaftlich großen Nationen aufzuschließen ist gründlich misslungen. Derzeit plagt man sich eher mit einer drastisch schrumpfenden Wirtschaft und kollabierenden Hauspreisen herum und kann trotz einer durch IWF Eingriffe temporären Stabilisierung des Euro-Pegs nur machtlos den Auslandsgeldern beim Abfließen zuschauen.

Baltikum Abfluss

Der ein oder andere mag sagen, wen interessiert schon das Baltikum. Im Gründerland von Ikea wird man ob dieser Frage die Augenbrauen lupfen, steckt man über das heimische Bankensystem bis zur Halskrause in den baltischen Untiefen. Gut zu sehen ist die enge Kopplung der Skandinavier, wenn man sich die Korrelation zwischen der Schwedischen Krone und den Risikoaufschlägen für baltische Staatsanleihen via CDS Spreads anschaut.

Schweden Krone Baltikum CDS Spread

Den schwedischen Banken ging unterdessen auch die Luft aus, allerdings war das ja durchaus ein Branchenproblem, unter dem die Bankenwelt insgesamt litt. Interessant wird zu beobachten sein, wie sich die skandinavischen Finanzinstitute bei den kommenden baltischen Eruptionen auf den Beinen halten. Die Krücken des IWF und der EZB stehen bestimmt schon mal griffbereit.

Da die Währungen der Balten an den Euro gebunden sind (Euro-Peg) entweicht die Luft nun halt an anderer Stelle. Ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur Energie im Universum nicht verloren geht. Mit Problemen ist es genauso, nur können diese sich bei anhaltender Verdrängung ärgerlicherweise auch ausweiten. Man kann sich einfach einen großen Hefeteig vorstellen – Durch bloßes Liegenlassen ist auch der nicht kleinzukriegen.

Die Kernprobleme zeigen sich besonders deutlich am Beispiel Lettland. Im Schwerpunkt kämpfen die Balten gegen die „Dollarisierung“ und den Abfluss ihrer Bankeinlagen. Unter dem ersten Begriff fasst man generell den Umtausch von Einlagen in heimischer Währung in Fremdwährungen zusammen. Die Einlagen bleiben bei der Bank, allerdings wird über den Währungstausch zusätzlicher Druck auf den Lettische Lats ausgeübt. Durch die Währungsbindung kann der Druck aber nicht auf natürlichem Wege über eine Abwertung des Lats abgebaut werden, es baut sich eine ungesunde Spannung auf. Die britische Währung ist seinerzeit ja ebenfalls nich kollabiert, nur weil irgendjemand auf fallende Kurse spekuliert hat, sondern sie ist unter der Last ihrer fundamentalen Unzulänglichkeit eingeknickt. Das alte Ursache und Wirkung Phänomen.

Baltikum Banken Einlagen

Zweiter Brandherd ist die Verschuldung in Fremdwährungen, hier ist vor allem das inländische Bankensystem betroffen. Zudem plagen sich die Letten mit akuten Liquiditätsproblemen herum, eine Folge von schlichter Währungsintervention. Wie schnell man auf diese Art und Weise Geld verbrennen kann, davon können viele Asiaten nach den Erfahrungen aus den 90ern ein Liedchen pfeifen.

Lettland Banken und externe Verschuldung

Prima sind auch die allgemeinen Wirtschaftsdaten am schönen Ostseestrand. Diese sind mittlerweile derart übel, dass niemand ernsthaft von einer möglichen Aufrechterhaltung der Währungsbindung ausgeht (außer vielleicht extremistische Vertreter der green shoots Sekte). Das mag unspektakulär klingen, ist es aber – nicht nur für die Einheimischen – ganz und gar nicht. Eine Währungsabwertung führt zu einem enormen Kaufkraftverlust. Eine großartige Exportwirtschaft, die von den verringerten relativen Produktionskosten profitieren könnte existiert nicht wirklich. Zudem dürften die Mittelabflüsse vor und nach diesem Schritt anhalten, ändern sollte sich zwischenzeitlich dann nur die Geschwindigkeit mit dem entsprechenden katastrophalen Konsequenzen für die Assetpreise in den betroffenen Regionen. Und man sollte nicht denken, diese verdampfenden Assets lauerten nur in den Bilanzen von Banken des baltischen Raums.

Trübe Aussichten, aber jeder kann etwas tun! Fahren Sie einfach mal nach Tallinn, Vilnius oder Riga. Schöne Städte, nette Menschen und ein bisschen Seeklima haben noch nie geschadet. Es könnte allerdings noch billiger werden, Sie müssten nur noch ein bisschen warten.