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George Orwell hätte seine Freude an der aktuellen Diskussion um die Staatsschulden in der Eurozone. Vor allem der Ansatz, Schulden nicht mehr nicht zurückzuzahlen, sondern sie einfach nie zurückzuzahlen ist geradezu atemberaubend. Das lässt sich ebenso kindgerecht für die Tagesschau oder die Nachwuchs-Propagandasendung „logo“ aufbereiten…

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Freiheit, Einheit, Trostlosigkeit

Wer die Finanzbranche kennt, wundert sich über nichts. Das könnte man jedenfalls glauben. Die täglichen Geschichten von vermeintlichen Rettern und Geretteten sorgen aber stets für neue Glanzlichter. So finden sich derzeit zwei jüngst noch als “Säulen der Stabilität” gehandelte europäische Staaten im tiefsten Schlamassel wieder.

Den Spaniern macht der Immobilienmarkt Sorgen, in Italien weiß man selber nicht so recht, wo es eigentlich klemmt. Nur langsam wandert die Aufmerksamkeit in Richtung Frankreich, das sich immer noch im Schutz der Nichtbeachtung aufhält. Abseits von politischen Wünschen gibt es dafür jedoch leider nicht viele Gründe.

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Im ökonomischen Fantasialand

Der Finanzmarkt ist eine wundervolle Arena, in der zu jeder Zeit die passenden Gäule ihre Kreise im Zelt drehen dürfen. Bis zur Jahrtausendwende waren dies die Zinsklepper. Sinkende Langfristrenditen und damit steigende Bonds und Aktien ließen viele Investoren in einem Glanz erscheinen, zu dem Sie genauso wenig beigetragen haben, wie die Milchkühe zur Eierausbeute eines Landwirts. Auch Machthaber aller Herren Ländern sonnten sich im Lichte eines Fantasieaufschwungs, zu dem sie nur durch dauerhafte Kreditaufnahme beisteuerten. Keine Meisterleistung…

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Schulden-Altmeister im Erregungszustand

Ein hochverschuldeter Nachbar hat seine Vorteile. Ist man selbst geringer verschuldet, steht man im Vergleich gut da. Dennoch empfiehlt sich die Befolgung des alten Ratschlags: „Ein jeder kehre vor seiner Tür, und rein ist jedes Stadtquartier.“ Zu fegen gibt es auch vor den Toren der Posada Alemania genug.

Seit den 60er Jahren steigen die Schulden der Bundesrepublik kontinuierlich an. Auch das Bruttoinlandsprodukt wuchs und gedieh, konnte aber mit der Geschwindigkeit der  roten Zahlen nicht ansatzweise mithalten. Werfen wir einen Blick auf die längerfristigen Verläufe beider Zeitreihen.

Die Grafik zeigt seit Mitte der 90er Jahre beide Verläufe, einmal mit und einmal ohne den Erblastentilgungsfonds. Eines lässt sich auf den ersten Blick erkennen. Die Kosten des Beitritts der DDR für alles Ungemach der deutschen Schuldenlast verantwortlich zu machen, greift deutlich zu kurz, wie auch die folgende Grafik zeigt.

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Stress-Test Dummies

Jetzt sind sie draußen, die Ergebnisse des Tests der EBA. Die Untersuchung, die sich – sachlich nicht nachvollziehbar – mit dem Titel “Stresstest” schmücken darf, war denn auch gleich Thema zahlreicher Nachrichten. Ein bisserl wurde gehadert wegen der Landesbank Hessen-Thüringen wegen der Anerkennung einiger öffentlicher Einlagen, aber das war nur ein kleiner Schatten aufs Gemüt einiger Betroffener…

Invitation

Voller Eifer wurden sogleich von manch hohem Regierungsbeamten die Ergebnisse als „positives Signal“ gewertet. Darüber mag man wegen der entspannten Stimmung des Wochenendes noch humorvoll hinwegsehen. Schlimm und unverantwortlich ist es aber, wenn Bundesminister äußern, für Deutschland seien somit keine weiteren Anpassungen erforderlich, denn die Banken hätten bereits Kapital stärkende Maßnahmen vorbereitet.

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© Bankhaus Rott

House of (S)Pain

 

Die mediterrane Lebensart hat es so manchem angetan. Alles ein bisschen entspannter, besseres Wetter und überhaupt. Ganz relaxed geht man daher auch mit den Lasten um, die die vergleichsweise dürren Beine der iberischen Ökonomie durch die Gegend schleppen müssen.

Nach Irland, Griechenland und Portugal heißt es nun – auch aus vielen Finanzinstituten – Spanien werde es schon schaffen. Die Begründung ist leider häufig eine gestammelte Mischung aus irgendwie wird es schon gehen, billiges Geldoder, ganz schlimm, der scheinbar nicht auszurottende Gedanke an ein Schnäppchen. Beim Anblick des Vergleiches mit der Wirtschaftskrise in den 90ern sollte dem ein oder anderen Sparfuchs der Begriff Vorsicht in den Sinn kommen. Wie heißt es so schön: Schnipp, schnapp, Finger ab!


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Neu in London: Walk like an Egyptian

Die Schätzungen der Protestteilnehmer in London schwanken zwischen 100.000 und 400.000 Menschen. Während Medien derartige Versammlungen, die auf offensichtlicher Unzufriedenheit basieren, gerne auf unangenehme Gestalten und Bilder von Ausschreitungen reduzieren, spricht die Zahl eher für eine breiter angelegte Bewegung…

Vor allem scheint es sich um eine erst beginnende Bewegung zu handeln, wie das auch in Griechenland, Spanien oder anderen Ländern zu sehen war. Diese Tendenzen sind der Bumerang der politischen Unaufrichtigkeit und der naiven Hoffnung, ein in weiten Teilen bankrottes Finanzsystem ließe sich durch Aussitzen heilen. An Behäbigkeit haben es die meisten der großen Vorsitzenden in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht mangeln lassen.

Wir sind in den vergangenen Monaten des Öfteren auf die desolate Lage in Großbritannien eingegangen. Die Tendenz zeigt seit Krisenbeginn deutlich nach unten. Auch das in anderen Teilen der Welt angefachte und derzeit verlöschende monetäre Strohfeuer hat auf der Insel nie gezündet.

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In der Schuldenschlinge

Eine Besonderheit im Vorlauf der aktuellen Krise war die massivste Anhäufung von Schulden in der Geschichte der USA. Umso erstaunlicher ist die Einfallslosigkeit oder schlichte Naivität, die sich in der Hoffnung zeigt, mit neuen Schulden dauerhaft etwas bewirken zu können.

Dabei sind faule Kredite, zu geringes Eigenkapital im Bankensektor und die massive Ausweitung des Kredithebels in weiten Teilen der Volkswirtschaft offensichtlich nicht dauerhaft durchzuhalten. Bei dem Hebel, den viele Bankbilanzen aufweisen, reichen schon vergleichsweise geringe Kreditausfallraten, um das Eigenkapital vollständig aufzuzehren. Durch die laxe Handhabung von Bilanzregeln und die vertrauensselige Reduktion des Blickwinkels auf die unseligen risikogewichteten Assets werden derartige Probleme nicht gelöst. Sie werden lediglich ausgeweitet, die Lösung dabei in die Zukunft verschoben.

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Japan – Strukturelles Elend

Im mittlerweile dicht bevölkerten Teich der Länder mit Schuldengrippe dreht ein besonders großer Fisch schon seit längerem seine Runden. In Japan ist das Schatzamt durch jahrelanges hartes Training, hartnäckige Budgetdefizite und zahllose erfolglose Konjunkturprogramme ebenso gewohnt wie die stetig wachsende Staatsverschuldung.

Allen fruchtlosen Maßnahmen zum Trotz wird mit Disziplin und Ausdauer von neuen Konjunkturmaßnahmen, finanziellen Lockerungen und einer „Stabilisierung der Staatsschulden“ gesprochen. Was genau bei absurd niedrigen Zinsen noch gelockert werden soll bleibt offen.

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Ja in der Eurodruckerei, da gibt’s so manche Leckerei

Mit nur durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre gebremstem Erstaunen nahmen wir das vermeintliche Ziel des durch die europäischen Staaten und deren Zentralbank vermeldeten Hilfspaketes zur Kenntnis. Den Euro retten, darum ginge es. Aha, der Euro also war es, dem die finanziellen Krücken auf die Beine helfen sollten. Das ist natürlich Unfug, aber die häufige Wiederholung auf allen Kanälen hinterlässt den Eindruck, viele würden das tatsächlich glauben. Einmal davon abgesehen, ob diejenigen, für die hier mal wieder entschieden wird, eine derartige Rettung überhaupt wünschen, ist die dargestellte Lösung für das genannte Problem schon seltsam. Drastische Zentralbankmaßnahmen sollen es nun richten. Wie man mit dem Drucken von Geld eine Währung langfristig stützt, entzieht sich unserer Kenntnis, allerdings sind wir noch nicht dazu gekommen, die Veröffentlichungen der Zentralbank von Zimbabwe durchzuarbeiten. In diesen Papieren muss sich der heilsbringende Ansatz wohl verstecken. Schade übrigens, dass man sich seinerzeit bei einer möglichen Rettung von Schilling, Groschen, Mark und Pfennig nicht dazu berufen fühlte, sich auch nur ein Jota Mühe zu geben.

Es ging am Wochenende wohl mehr um eine kurzfristige, beinahe panisch beschlossene Aktion der mehr oder weniger Informierten. Laut eigener Aussage ließ man sich die eigenen tiefgreifenden Änderungen der Geldpolitik durch den Handelsstart der Börsen in Japan diktieren. Als könnte ein Absturz des Nikkei, wenn es denn soweit gekommen wäre, noch irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Warum nicht die Börsen schließen? Das wäre alles andere als ein Novum und hätte zumindest der dann vielleicht anders ausgefallenen Entscheidung zumindest einen kleinen Schimmer Seriosität verleihen können. Aber sicher wollte man „die Märkte nicht verunsichern“. Wunderbar, der hohe Rat wirft also Dekaden der Zentralbankunabhängigkeit (in einigen wenigen Mitgliedsstaaten) und die eventuell noch bei einigen Menschen vorhandenen Reste der Hoffung auf strukturelle Lösungsansätze leichtfertig aus dem Fenster. Zugleich fährt man zur „Beruhigung der Märkte“ auch an der nächsten Ausfahrt auf der Fiat-Money Autobahn mit dem Fuß auf dem Gaspedal vorbei.

In den Gazetten wird der Knochen auch gleich aufgeschnappt. Die Freude ist groß, die Märkte feiern die Entscheidung, so war zu lesen, und wieder einmal erfreuen sich die Aktienindizes einer krankhaften Wahrnehmung als Wohlstandsindikator. Das ist über alle Maßen bitter aber leider die logische Konsequenz des fahrigen und oft hilflos wirkenden Treibens der Staaten und Zentralbanken in den vergangenen Jahren. “Journalisten” und Politikern sei bezüglich der Beurteilung der Situation wie bei der Suche nach Sündenböcken ein Blick auf die Historie unseres Zwangswährungsraumes angeraten. Manchmal beschleicht uns das Gefühl, ein bisschen weniger Stalingrad und ein bisschen mehr Wirtschaftsgeschichte würde der Medienlandschaft gut tun.

was nicht passt wird passend gemacht

Von einer Rettung des Euro sollte man wohl bei aller anderslautenden Rhetorik nicht ausgehen. Es ist offensichtlich, wie sehr das Handeln eine schlichte Reaktion auf die Erkenntnis ist, dass ein Staatsbankrott im Gegensatz zu den Äußerungen des EZB Chefs Trichet sehr wohl eine Option ist. Der Begriff Währungshüter verbietet sich bekanntermaßen nicht erst seit dem vergangenen Wochenende. Das unentschlossene Gerede von „nicht möglichen“ oder „nicht vorgesehenen“ Staatspleiten und die zahlreichen Strategiewechsel innerhalb weniger Tage sind die Sahnehäubchen auf der Trümmertorte der Selbstdemontage der Europäischen Zentralbank. Von einer Akzeptanz bei den Bürgern war allerdings schon vorher keine Rede. Angesichts der Tatsache, dass viele Bürger der EU nie danach gefragt wurden, was sie denn von einer Einheitswährung halten wundert uns das nicht.

Nun sollen „Spekulanten“ schuld an der Situation sein. Wir erinnern uns, im Falle Lehman waren es auch die „Short Seller“, die das „kerngesunde“ Unternehmen in die Insolvenz trieben. Im Falle Lehman musste man unlängst übrigens offiziell zurückrudern, die Bilanz war derart faul, dass nichts zu retten war. Auch bei den Problemen einiger EU Länder darf man wohl von selbst verursachten Problemen ausgehen. Die Basis der Währungsunion war nicht vorhanden, die Struktur und Entwicklung der Mitgliedsstaaten war bekanntermaßen schon vor dem Start der EWU vollkommen unterschiedlich. Leider war entweder die Urteilsfähigkeit oder der Wille nicht vorhanden, das Offensichtliche zu erkennen. Nur so lässt sich manches erklären, wie etwa die Verwechslung einer spanischen Immobilienblase mit struktureller wirtschaftlicher Stärke. Schade.

Nun geht der Kreislauf weiter. Staaten stützen Banken, Banken finanzieren Staaten, Zentralbanken finanzieren Staaten und manipulieren Zinsniveaus auf vermeintlich erträgliche Niveaus. Das alles bekommen wir – oh Wunder – natürlich ohne Nebenwirkungen. Die EZB spricht gar von einer „Sterilisierung“ der Auswirkungen von Anleihenkäufen. Auch bei den US Amerikanern und den Britischen Institutionen wundern wir uns seit jeher, wie das funktionieren soll. Geld drucken, den Banken faule Kredite abnehmen, das System am laufen halten – alles ohne negative Auswirkungen. Die großen Auguren sehen hier anscheinend das Wunder einer Medaille mit lediglich einer Seite. Wenn das so einfach ist, fragen wir uns, warum wir eigentlich nicht immer so verfahren. Fehlt Geld, wird dieses gedruckt, die Erhebung von Steuern ist nur noch ein symbolischer Akt!

Nun war man sich offensichtlich der positiven Strahlkraft und der heilenden Wirkung solcher Maßnahmen in Zentralbank- und Regierungskreisen immer schon bewusst, ist man doch tunlichst jedem Ansatz zum strukturellen Wandel mit großer Sicherheit ausgewichen.

Die Credit Default Swaps sind nun mal wieder Schuld. Wir halten das für einigermaßen absurd, selbst wenn es uns ziemlich schnurz ist, ob es diese Produkte gibt oder nicht. Warum aber hat man sich der Thematik, die ja nun seit einigen Jahren bekannt ist, nicht gewidmet? Außer großen Reden ist nichts passiert. Keine Regulierung, kein zentrales Clearing und schon gar kein Verbot. Seltsam, oder? Ein Blick auf die Eigenkapitalbelastungen durch schlecht eingestufte Papiere, wie die Anleihen Griechenlands, macht jedem sofort klar, dass es für Banken vollkommen unattraktiv ist, diese weiter zu halten. Die Eigenkapitalbelastung ist schlicht zu hoch. Es ist uns durchaus bekannt, dass Angestellte bei Zeitungen unter Druck gesetzt werden und nicht mit sehr viel Zeit gesegnet sind. Ein Blick in die frei verfügbaren Papiere der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr sollte aber für sachorientierte Journalisten durchaus drin sein.

Risikogewichte für Staatsanleihen - von Null auf hundert

Eine Steigerung der Eigenkapitalbelastung von 0 auf 100, eine Tabelle spricht oft mehr als tausend Worte. Auf der Suche nach Schuldigen könnte also durchaus die Frage aufkommen, wer denn vor einigen Jahren ein Risikogewicht von absurden 0% für gut eingestufte Staatspapiere festgelegt hat. Die Suche ist übrigens relativ einfach, wenn man berücksichtigt, dass die Staaten seit Jahren darauf angewiesen sind, dass Banken ihre Anleihen kaufen. Spekulanten schreiben übrigens keine derartigen Vorschriften…

„Wer jetzt noch spekuliert, weiß, dass er sich die Finger verbrennen kann“, so lautete einer der besonders seltsamen Jubelschreie in den Medien heute. Womit wir nun auch wissen, wie dünn das Wissen über Marktteilnehmer und wie asymmetrisch die Wahrnehmung des Wesens der Spekulation ist. Fallende Kurse sind gut für böse Menschen, steigende sind gut für gute Menschen. So einfach ist das also. Dumm nur, wenn jemand die Frage stellt, wie sich das bei Währungen verhält, z.B. beim EUR/USD. Einmal angenommen, der Euro fällt gegen den Dollar, dann steigt ja der Dollar gemessen in Euro. Kaufen hier gute Investoren den Dollar, während böse Spekulanten den Euro verkaufen?

Sei es wie es ist, ein Markt spricht seit Jahren eine klare Sprache, wenn es um das Vertrauen der Menschen in verbale Ausbrüche aus der Politik, in fahrige und scheinbar nur eine Richtung kennende Notenbankpolitik und die bilanziellen Turnkunststücke zahlreicher Finanzinstitute geht. Der Goldmarkt und sein kleiner Verwandter, der Silbermarkt, indizieren nicht erst seit den jüngsten Anstiegen ein berechtigtes Misstrauen in das Papiergeldsystem. Freuen wir uns, denn da die Kurse an diesen Märkten steigen, handelt es sich per Definition um gute Investoren und nicht um böse Spekulanten. Schwein gehabt!

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