Bergab gehts zu Fuß!

Die europäischen Autohersteller werden derzeit von den Erfolgen der Eurozonen-Romantik geradezu erschlagen. Peugeot wäre ohne die frisch verteilten Steuergelder wohl bankrott, und andere Lahme und Blinde der Autobranche schließen sich zu wenig erfolgversprechenden Allianzen zusammen. Gegen eine sinkende Nachfrage ist jedoch langfristig kein Kraut gewachsen.

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Imperium, neu definiert

Auf hoher See begründete sich einst der Ruf des britischen Empires. Das ist lange her. In der jüngeren Vergangenheit wurde die Insel dann gern als Muster einer konkurrenzfähigen Ökonomie gepriesen. Diese wunderbaren Wirtschaftsträume hatten eine Substanz, die offenbar ebenso marode war, wie so manch britische Immobilie.

Die Leistungsfähigkeit wurde – keine Seltenheit in den oft unerträglichen TV-Sprechkreisen – anhand von irgendwelchen Wachstumszahlen und Bildern glänzender Hochhäuser in der Londoner City gemessen. Wer einmal mit der Bahn vom Flughafen Heathrow in die Innenstadt gefahren ist, weiß, wie wenig diese Glas- und Stahlbauten mit der normalen oft sehr traurig anzuschauenden Bebauung der Stadt zu tun haben. Ohnehin gehören die Großbauten in der Regel Anlagefonds und nicht den Firmen, die ihre Namensschilder an die Fassade kleben. Das ist in Deutschland übrigens nicht anders.

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Schlummerfunktion

In einigen Ländern stößt der Aktionismus der US-amerikanischen Notenbank auf offenen Widerspruch. Eine chinesische Ratingagentur nahm das aufgefrischte Paket der Fed folgerichtig zum Anlass, die Kreditwürdigkeit der Staaten herabzusetzen. Die Zahlung von Kupons mit gedruckten Dollars scheint nicht mehr als „normale Zahlung“ angesehen zu werden, was in der Tat ein beachtenswerter Fortschritt ist. Vielleicht sollte generell überlegt werden, aus Ländern, die versuchen, mittels Druckerpresse Probleme auf die lange Bank zu schieben, nur noch besicherte Papiere zu erwerben. Warum nicht beispielsweise US Treasuries mit (vorzugsweise im Ausland liegenden) Werten besichern?

Ja, eine schöne Idee, leider werden sich auf Grund ähnlicher Krankheiten weder die Amerikaner, noch die Japaner, die Kontinentaleuropäer oder die Briten auf etwas derartiges einlassen. Wenn alle drucken ist es ja auch fast egal. Druckt der eine, druckt der andere eben auch. Das Beispiel der japanischen Notenbank, die über jahrelange Erfahrung im erfolglosen Drucken verfügt, zeigt dies eindrucksvoll. Andere Länder, die keine Lust mehr darauf haben, Assets gegen frisch Gedrucktes herauszurücken, sinnen über Kapitalkontrollen – ob explizit oder implizit – nach. Auch wenn derartige Maßnahmen in der Regel keine positiven Auswirkungen zeigen, kann man diesen Nationen den Ärger und dieses Vorgehen nicht übel nehmen, handelt es sich doch lediglich um eine Reaktion auf ein anderweitig stattfindendes Fehlverhalten.

Die Sorgen, die sich nach Dekaden der mehr oder weniger schweigenden Akzeptanz fast jeglicher von den USA ausgehender monetärer Experimente zeigen, sind nicht unbegründet. Die monetäre Leichtigkeit als Allheilmittel für einen krankenden Wirtschaftsprozess verliert derzeit offenbar ihren Nimbus der Unfehlbarkeit. Gelang es nach dem Zusammenbruch in Folge der massiven Fehlallokationen am Aktienmarkt um die Jahrtausendwende noch, eine Immobilienblase steigen zu lassen, so gibt sich die Realwirtschaft in den Staaten derzeit störrisch. Geradezu garstig weigern sich diejenigen Wirtschaftszweige, die für neue Jobs und eine Konsolidierung der Haushaltseinkommen Sorge tragen könnten, jeglicher Versuchung irgendeinem Aktien- oder Bondindex nach oben zu folgen. Von der Finanzbranche, die anscheinend nicht einmal mehr weiß, welchen Kredit sie wem wann und wie oft verkauft hat, wollen wir heute gar nicht sprechen.

Die Klagen des Mittelstands, der in der Regel für den größten Teil der Beschäftigungsentwicklung zuständig ist, betreffen denn auch nicht die Verfügbarkeit von Krediten. So meldete die NFIB Research Foundation erschreckende Zahlen.

(NFIB) Overall, 91 percent reported that all their credit needs were met or that they were not interested in borrowing. Nine percent reported credit needs not satisfied, and a record 52 percent said they did not want a loan.

Only three percent reported financing as their number one business problem. However, 30 percent of the owners reported weak sales as their top business problem, a major cause of the lack of credit demand observed in financial markets.

Drei Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen beklagen sich über mangelnde Kreditverfügbarkeit, während mehr als die Hälfte der Firmen gar kein Interesse an einer Kreditaufnahme hat. Das ist im Grunde nicht überraschend, denn die Aufnahme eines neuen Kredites muss durch eine erwartete lohnende Investition zu rechtfertigen sein, in den USA halten sich derartige Gelegenheiten aber derzeit gut versteckt. Immerhin wollen wohl nicht alle Handwerker eine kreditfinanzierte Aktienhandelsabteilung einrichten, eine gute Nachricht.

Die Schwierigkeiten für die genannten Unternehmen zeigen sich auch in den Einschätzungen zum größten einzelnen Problem der Firmen. Seit 2006 befindet sich das Thema Umsatz in der Liste der Probleme auf dem Weg nach oben und hat sich nun zum eindeutigen Spitzenreiter aufgeschwungen. Selbst die ungeliebten Steuern hat das Absatzproblem weit hinter sich gelassen.

Kredite aufnehmen um zu investieren, obwohl man nichts verkauft? Das ist nun doch eher Neuer Markt Romantik als normaler wirtschaftlicher Alltag.

NFIB Problems

Einstellungen drängen sich in einem derartigen Umfeld nicht eben auf. Reale Erholung? Fehlanzeige.

NFIB Jobs

Die Frühindikatoren zur US-Ökonomie, die auf wöchentlicher Basis vom Economic Cyle Research Institute (ECRI) veröffentlicht werden, deuten ebenfalls nicht auf eine nachhaltige Erholung hin. Das ECRI sieht das erstaunlicherweise derzeit den eigenen Zahlen zum Trotz anders und möchte den abknickenden Verlauf nicht als Hinweis auf einen möglichen Rückfall in eine Rezession verstanden wissen. Das ist interessant, denn noch vor zwei Jahren war man stolz auf die Treffsicherheit des hauseigenen Index. Die Zukunft wird es zeigen. Wie das Institut allerdings einen Index an den Mann bringen will, der keine Aussagekraft hat, erschließt sich uns nicht.

ECRI Weekly

Auch auf längere Sicht ist den Zahlen leider wenig Positives abzugewinnen.

ECRI 3 Jahre

Das von Ben Bernanke offen formulierte Ziel, über steigende Assetpreise den Volkswohlstand zu mehren, darf auf zweierlei Weise interpretiert werden. Entweder der große Vorsitzende glaubt in der Tat weiterhin an diese Vorgehensweise, oder er hat es in einem Augenblick aufblitzender Einsicht schlicht aufgegeben, auf eine strukturelle Besserung der Realwirtschaft zu setzen und widmet sich der Hoffnung, die bekanntlich zuletzt das Zeitliche segnet. Bei der Beurteilung aller frohen Botschaften zur realen Lage, die den Bürgern eine neue Phase der bald beginnenden Prosperität einreden sollen hilft ein Blick in die Belletristik, um das oft gesagte einzuordnen.

“Es spielt keine Rolle, wie lächerlich eine Lüge ist, wenn die Lüge die einzige Möglichkeit zur Flucht ist” sagte sie. “Und es spielt keine Rolle, wie offenkundig die Wahrheit ist, wenn sie bedeutet, dass Dir niemals die Flucht gelingen wird.”

Irina Asanova, “Gorki Park”, von Martin Cruz-Smith

Wer kennt es nicht vom einen oder anderen Sonntagmorgen. Einmal aufgewacht ist es schwierig noch einmal einzuschlummern und einen schönen Traum zu verlängern.


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Welches Schweinderl hätten Sie denn gern?

Das heitere Ratespiel um die neuesten Schätzungen des Ausstoßes der elektronischen Druckerpressen der amerikanischen Zentralbank erinnert ein bisschen an  „Was bin ich?“, Robert Lemkes dramatische Abendshow. „Wie viel pumpe ich?“ ist das neuzeitliche Äquivalent, das dazu führt, dass sich weltweit Zigtausende bei Finanzinstituten Beschäftigte nur noch damit die Zeit vertreiben, zu raten, ob es nun 1 Billion frische Dolares werden oder deren zwei, drei oder sechs. Prima! Damen und Herren, faites vos jeux, das spart die fundamentale Analyse und lässt sich auch völlig von Argumenten befreit prima diskutieren.

Ob es nun zu einer nicht ganz unwahrscheinlichen Gegenreaktion an den Märkten kommt, für die dann wohl eine „Enttäuschung“ ob der nicht ganz klaren Aussagen des Herrn Bernanke oder eines nicht ganz erfüllten Ausmaßes der Aktion verantwortlich gemacht werden dürfte, werden die kommenden Wochen zeigen. Wer auch immer sich noch über unklare Aussagen vom Vorsitzenden des Federal Reserve Boards enttäuscht zeigt, der hat offenbar die elende Lachsbrötchenhusterei des Alan Greenspan nicht miterleben müssen. Man weiß bis heute nicht, ob das Gefasel des damaligen großen Vorsitzenden unwürdiger war, oder das tumbe Verhalten der interpretierenden Anwesenden. Hat er seine Tasche dabei? Trägt er sie heute unter dem rechten oder linken Arm? Trägt er heute vielleicht nichts drunter? Während die aus dem Hause der Fed kommenden Aussagen sich heute immer noch einer großen Verdrehtheit erfreuen, unterscheidet die Schar der Beobachter aber nur noch zwischen Dingen die man „genau beobachtet“ oder „sehr genau beobachtet“. Das ist mal ein Job!

Die Konzentration der Beobachtung auf die Ziele und die Möglichkeiten, die eine Zentralbank hat, wird in der Regel außen vor gelassen. Dabei bieten gerade die letzen Jahre geradezu hervorragendes Anschauungsmaterial.

Die Ziele sind – es wird auch an der Wurzel kaum ein Hehl daraus gemacht – die Stützung der Assetpreise. Diese ergibt sich über den direkten Weg der Käufe von US Staatsanleihen für die ganze Palette der investierbaren Assets. Des Weiteren ergeben sich über kostenlose Versorgung mit kurzfristiger Finanzierungen Subventionen über die Anlage dieser Mittel in langlaufenden Staatstiteln. Das Gesamtwerk vollzieht sich mit freundlicher Unterstützung der Bilanzierungsregeln (keine fair value Bewertung) und den ach so schlimmen Basel-Kriterien (im Grunde ist keine Eigenkapitalunterlegung nötig).

Die als Begründung für die schon zwanghafte Lockerung einer ohnehin zügellosen Geldpolitik angeführte Versorgung der Firmen oder gar der Konsumenten mit Kapital ist Unsinn, orientiert sich doch die Nachfrage nach neuen Krediten in der Regel nicht allein nach dem Zinssatz, sondern vielmehr nach den möglichen Investitionen. Die Rendite muss höher sein, als die Fremdkapitalkosten. Wenn dies auch bei historisch niedrigen Zinsen kaum noch der Fall ist, spricht dies im Hinblick auf die reale Situation Bände. Einen Kredit nimmt man ja nicht zum Spaß auf. Beliebt ist daher verständlicherweise fast nur die kostengünstige Refinanzierung alter Kredite, um eine Senkung der Zinsbelastung zu erzielen.

Neben dem immer wiederkehrenden Versuch, die Assetpreise zu stützen oder gar zu heben, um über diese Entwicklung einen Vermögenseffekt und entsprechende Konsum- und Steuersteigerungen zu erzielen ist das langsam langweilende Dauerexperiment der Fed. Durch die aus der Größe des kollabierten Immobilienmarktes resultierenden Probleme, die nur mit einem Nachlauf weniger Jahre auf die geplatzten Blase an den Aktienbörsen folgen, ist dieses Gebaren der Zentralbank nun offensichtlich an seine Grenzen gestoßen. Der allein bis jetzt in den Bankbilanzen aufgelaufene Bestand an Immobilien etwa ist derart groß, dass es bei einer auf aktuellem Niveau liegen Zahl an Transaktionen gut neun Jahre dauern würde, bis die Banken diese Häuser los wären. Bekanntermaßen steigt die Zahl dieses real estate owned weiter an, da die Banken per Saldo wesentlich mehr kaufen, als sie am Markt platzieren können.

Selbst, wenn sich die Situation am Immobilienmarkt schlagartig verbessern würde, die Institute keinerlei Zwangskäufe mehr vornehmen würden, und die Zahl der Transaktionen auf das Doppelte anstiege, bliebe von heute an ein Überhang von mehr als viereinhalb Jahren. Wie Sie vielleicht vermuten ist dies – vorsichtig formuliert – ein eher unwahrscheinliches Szenario. Die kurze Delle im Frühjahr stammt übrigens aus einer temporär leicht erholten Verkaufsaktivität, die Bestände steigen stetig an. Auch die gerade beginnende Zwangspause wegen der unüberschaubaren falschen Abwicklungen von Zwangsversteigerungen schiebt das Problem lediglich ein paar Monate in die Zukunft. Strukturelle Lösungsansätze? Fehlanzeige.

Auf Vorrat gekauft

Assetpreise hin oder her, der gewünschte Vermögenseffekt ist schon auf Grund der immer schieferen Vermögensverteilung innerhalb der Bevölkerung nicht zu erzielen. Ob sich der S&P 500 verdoppelt oder verdreifacht, es hat fast keinen Einfluss mehr auf die finanzielle Situation der durchschnittlichen US Bürger Jane und John Doe. In Europa ist das nicht anders. Der Versuch, auf die dargestellte Art und Weise eine Stabilisierung der knietief im Dispo watenden Pensionsfonds herbeizuführen, ist wegen der massiven Defizite nicht erfolgreich abzuschließen. Das gilt vor allem, wenn man inflationäre Effekte einmal beiseite lässt, die zwar zu kurzen nominalen Glücksgefühlen führen mögen, real aber keine Auswirkung haben. Es mag ja sicher sein, dass jemand in 2030 eine Rente von $1000 bekommt, aber die Zahl alleine sagt rein gar nichts aus. Was kann man in der Zukunft für diesen Betrag erwerben? Ein Haus vielleicht, oder auch nur eine halbe Marlboro. Die nominale Rente mag sicher sein, die Preise sind es nicht.

Auch die Einkommen sind alles andere als sicher. Zuallererst ist die Frage, ob man überhaupt ein monatliches Einkommen bekommt, in den USA unsicherer denn je. So ist das gesamte steuerpflichtige Einkommen aller US Bürger weiterhin auf deutlichem Schrumpfkurs. Durch zahlreiche Steuererhöhungen – vor allem im Segment Sales Tax – ist das was hinten rauskommt noch stärker gesunken. Mehr brutto für das gleich netto könnte man in Anlehnung an einige Darsteller der teutonischen Politpuppenkiste sagen.

Schon vor Steuern bergab

Das ist weniger eine Überraschung denn eine logische Entwicklung. Die umfassende Arbeitslosenquote nähert sich der 20% Marke, dazu gesellt sich eine Menge an vollkommen desillusionierten Menschen, die auch in dieser umfassenden Kennzahl nicht enthalten sind. Mehr als 40 Millionen Empfänger von Lebensmittelmarken sind auch nicht eben Ausdruck einer prosperierenden Volkswirtschaft, die auf dem fliegenden Teppich eines selbsttragenden Aufschwungs dem ökonomischen Morgenland entgegensegelt.

Die direkten Auswirkungen dieser Melange sind an den Konsumzahlen abzulesen. Zu unterscheiden ist wie immer zwischen einigen offiziellen Zahlen aus dem Sektor und dem tatsächlichen Ausgabeverhalten der Menschen. Die gerne offiziell vermeldeten Zahlen zum Einzelhandel enthalten beispielsweise lediglich die Werte zu noch geöffneten Geschäften. In die Betrachtung geht so zum Beispiel die Schließung eines Supermarktes nicht als Rückgang der entsprechenden Umsätze auf Null ein, vielmehr verschwindet der Eintrag komplett aus den Daten. Wenn alle US Supermärkte bis auf den Kwik-E-Mart in Springfield morgen schlössen und dieser Supermarkt würde auch nur eine Büchse Duff Beer mehr verkaufen als in der Vorwoche, so würde dies zu einem in den meisten offiziell vermeldeten Statistiken veröffentlichten Umsatzanstieg und somit zu guten Zahlen aus dem US Retail Sektor führen. Oder auf Reuters-Bloomberg Sprech: FED Beige Book and stable weekend weather boost Retail Revenues!. Klingt doch toll, oder? Immer optimistisch bleiben. Einfach durchsacken lassen durch die Krise.

Befragt man hingegen, wie dies unter anderem das Institut Gallup regelmäßig macht, die Konsumenten selbst, so packt man das Problem an der Wurzel. Diese Zahlen entsprechen den Entwicklungen am Arbeitsmarkt, den trotz Steuererhöhungen sinkenden Verkaufssteuern und den Tendenzen bei den persönlichen Einkommen.

Weniger ist mehr

Die Auswirkungen aller bisherigen konzertierten Aktionen der Fed und des Schatzamtes haben bisher nur einem Sektor unter die Arme gegriffen, dem Finanzsektor. Das wird auch so bleiben. Die Frage ist, wie lange diese synthetischen und realwirtschaftlich wenig hilfreichen Maßnahmen dies noch schaffen. Bei allen vermeintlichen Zielen, über eine Stützung der Assetpreise und eine Dauermanipulation weiter Teile der Zinskurve ein bisschen Glanz auf die Realwirtschaft zu übertragen, stellt sich das Resultat bisher als einziger gewaltiger Fehlschlag dar. Das sollte daran liegen, dass eine Krise, die auf übermäßiger Verschuldung fußt, nicht mit mehr Schulden oder gar mit dem Drucken von Geld zu heilen ist. Im übergeordneten Bild zeigt sich weiterhin ein gewaltiger Prozess des Deleveragings, ein Zurückfahrens des Kredithebels. Für ein Netzwerk kreditbasierter Ökonomien sind dies keine guten Aussichten.

Im Casino heißt es erst „Nichts geht mehr“ und dann gerne einmal „Zero, die Bank gewinnt“. In der Geschichte kehrt sich diese Reihenfolge nun um. Eine Short Vola Position ist in diesem Umfeld sicher keine gute Idee.


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Reif für die Insel

Aus dem schönen England und den angegliederten Segmenten des Vereinigten Königreichs kommen erneut unschöne Meldungen. Nein, es dreht sich nicht um die Qualifikationsspiele der Three Lions, vielmehr ist der seit längerem schlingernde Immobilienmarkt unglücklich auf das Gaspedal gefallen. Die Preise wechselten bei eingelegtem Rückwärtsgang auf die Überholspur.

(Bloomberg) — U.K. house prices plunged in September by the most since records began a quarter of a century ago amid “renewed uncertainty” about the British economy, Halifax said.

Immerhin, im September beschleunigte sich der Rückgang der Hauspreise und erreichte ein monatliches Minus von erklecklichen 3,6%. Das ist in der Tat der stärkste Rückgang seit Beginn der Datenerhebung durch Lloyds TSB im Jahre 1983. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies einen im Mittel um knapp €10.000 gesunkenen Preis. Nicht schlecht, das macht rund €330 pro Tag. Dabei ist der britische Markt noch weit entfernt von den Korrekturen, die in anderen Ländern zu beobachten sind. An besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen kann dies allerdings nicht liegen. Die folgende Grafik zeigt die Veränderungen der vorangegangenen Jahre.

Es ist ein auf und ab

Die als Begründung für den aktuellen „überraschenden“ Rückgang geäußerte Aussage ist famos. Die Zahl der zum Verkauf stehenden Einheiten sei gestiegen und es sei eine renewed uncertainty zu beobachten. Die Überraschung dürfte nur diejenigen Auguren überrumpelt haben, die sich bei der Betrachtung ökonomischer Zyklen an der seuchenhaft um sich greifenden kurzfristigen Denkweise festhalten. Aktien steigen – alles wird gut. Aktien fallen – da wird schon einer eingreifen. Nun ist der Aktienmarkt leider vollkommen ungeeignet, um eine Beurteilung der übergreifenden Prozesse zu ermöglichen. Mag ein Index sich halbieren oder verdoppeln, auf die Lebenssituation der meisten Bürger wird das bestenfalls einen marginalen Einfluss haben.

Die Aussichten für den Immobilienmarkt bleiben unsicher. Das ist schön, die Entwicklungen an den meisten Märkten sind unsicher, wir haben es nicht mit deterministischen Prozessen zu tun. Vielleicht ist aber mit dem Begriff uncertain vielmehr eine anhaltende Schwäche gemeint – angesichts zunehmenden Angebots bei sinkenden Preisen eine nicht ganz unwahrscheinliche Möglichkeit.

“An increase in the number of properties available for sale” and “renewed uncertainty about the economy and jobs has led consumer confidence to falter recently, dampening the

Demand or home purchase,” Martin Ellis, an economist at Halifax, said in the statement. “Prospects for the housing market remain uncertain.”

Die Lage hat sich also im Wesentlichen nicht verändert und verläuft nach dem bekannten Schema. Nach einem deutlichen Absturz setzt eine kurze Phase orientierungsloser Konsolidierung ein. Nachdem sich die Marktteilnehmer wieder halbwegs sortiert haben, setzt sich der lange, durch das Zurückfahren des Kredithebels beim Verbraucher in Gang gehaltene Prozess wieder fort. Die Mischung aus zunehmendem Angebot und verunsicherten potentiellen Nachfragern ist für zukünftige Käufer ein gutes Zeichen. Nur keine Eile, es wird billiger.

Für die Staatskasse bedeutet dies nichts Gutes, verdient doch das Schatzamt an jeder Transaktion mit. Je größer das Geschäft, desto besser für den Fiskus. Eine sinkende Zahl an Geschäftsvorgängen und ein auch insgesamt sinkendes Geschäftsvolumen sind keine guten Voraussetzungen für eine Gesundung der britischen Finanzen. Von einer auf normalem Wege erreichbaren Heilung des desolaten ökonomischen Organismus auszugehen ist illusorisch. Wie in fast keinem anderen westlichen Land, ist zu allem Elend auch der industrielle Sektor auf der Insel in einer Phase ernstzunehmender Disintegration.

Kometenhafter Aufstieg, UK Style


Die obige Abbildung verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich gerade in volatilen Zeiten nicht auf das Betrachten von Veränderungsraten zu versteifen. Der gelegentliche Blick auf die absoluten Niveaus ökonomischer Kennzahlen rückt die Situation schnell wieder in das rechte Licht.

Im Zeitverlauf ergibt sich ein Bild des Jammers. Kein Grund für überschwänglichen Jubel möchte man meinen. Die Tabelle zeigt die Veränderung der Industrieproduktion im Vergleich zm jeweils genannten Zeitpunkt. Ein verlorenes Jahrzehnt, dass zudem durch die Konzentration auf die vermeintlich erfolgreichen Illusionisten des Finanzgewerbes zu einer Vernachlässigung nötiger struktureller Schritte führte. Dieses Verhalten rächt sich nun, denn nun steht man in Großbritannien vor zwei Scherbenhaufen.

Elend, tabellarisch

Keine ernstzunehmende Industrie, ein im Grunde direkt oder indirekt vollständig von der öffentlichen Hand oder der Zentralbank abhängiger Finanzsektor und ein Staat, der all dies zusammenhalten soll, aber selbst ohne die Gymnastik der Bank of England nicht mehr zur Refinanzierung in der Lage ist. So stellt sich das ehemalige Empire im Jahr 2010 dar.

Die rhetorischen Hinweise auf einen Prozentpunkt mehr oder weniger Wachstum mögen als Beruhigungspille gemeint sein. Solange aber die Rückgänge bei den Hauspreisen noch einen langen Weg zu gehen haben, und auch die Probleme der gewerblichen Immobilienkredite noch nicht einmal im Ansatz adressiert wurden, ist mit einem weiterhin hohen Kapitalbedarf bei den Banken zu rechnen. Wie das Beispiel Irland zeigt, nimmt die Summe der notwendigen Mittel rasch derartige Höhen an, dass auch dem Staat nur noch der Offenbarungseid bleibt. Im Falle Irlands oder Griechenlands mag dies noch für eine gewisse Zeit verdeckt werden können, diese Volkswirtschaften sind von überschaubarer Größe. Die Schwierigkeiten sind aber nicht auf die kleineren Ökonomien beschränkt.

Nicht nur für die öffentliche Hand sind sinkende Preise ein Problem. Wie in den USA so war die Möglichkeit, neben der Hypothek noch weitere Kredite auf sein Haus aufzunehmen, eine beliebte Methode, die Einkäufe zu finanzieren. Im englischen heißt dieser Vorgang equity mortgage withdrawal. Das Haus als Bankautomat. Das vollzieht sich auf recht einfache Weise. Sie kaufen ein Haus, das auf €200.000 geschätzt wird und zahlen €50.000 aus dem eigenen Kapital. Den restlichen Betrag erhalten sie über eine Hypothek. Nun bestellen Sie nach einigen Monaten einen Hauspreisschätzer – privat oder von einer Bank – der einen neuen „Wert“ ermittelt. In der Zeit ewig steigender Preise wäre nun vielleicht die Zahl €225.000 herausgekommen. Den virtuellen Zuwachs können Sie nun über einen Konsumkredit aus dem Haus ziehen, ein in der Tat ebenso abenteuerliches wie beliebtes Vorgehen.

Auf diese Weise kamen US-Amerikaner und Briten zu ihrem gar nicht so erstaunlichen Konsumwunder, man kaufte halt auf Pump und war beim Pumpen sehr kreativ und arglos. Die Summen, die allein aus dieser Quelle zu Tesco, Escada und Co. flossen waren beachtlich, wie die folgende Grafik zeigt.

Die Zitrone ist leer, Sire

In Spitzenzeiten lag der Wert des Equity mortage withdrawals deutlich höher als der Gesamtumsatz des Einzelhandelsriesen Tesco in Großbritannien. Die Erwartungshaltung bezüglich steigender Umsätze dürfte angesichts bestenfalls stagnierender Einkommen, wachsender Arbeitslosigkeit und massiver Belastungen aus bestehenden Kreditverpflichtungen nicht haltbar sein.

Die Zentralbanken können die Geldhähne aufdrehen, wie sie wollen. Für die Rettung ihrer Freunde und Bekannten im Bankensektor mag das eine Weile funktionieren. Für Konsumenten, die schon jetzt überhebelt sind, stellt selbst die Verfügbarkeit billiger Kredite keine Lösung dar. Die Belastung aus den Tilgungen der Kredite, die nicht mehr durch die Hauspreise gedeckt sind, wird lange auf dem Konsumklima lasten. Auch für die allgemeine Stimmung wird es nicht förderlich sein, wenn zahlreiche Menschen über einige Dekaden Schulden für einen Konsum abtragen sollen, den sie schon lange verfrühstückt haben. Die gerade von der britischen Regierung angekündigten Steuererhöhungen dürften den Sekt als Stimmungsmacher ebenfalls nicht ersetzen können.

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Sonderangebot

Mittlerweile ist es wieder erlaubt, von großartigen wirtschaftlichen Entwicklungen zu erzählen. Woran das liegt, während die Seuche der politischen Korrektheit ebenfalls pandemische Ausmaße annimmt, ist nicht überliefert. Arbeitslosen oder „Ein-Euro-Jobbern“ die Mär vom allgemeinen Wohlbefinden an den Kopf zu werfen, scheint sich jedenfalls auf der erlaubten Seite der allgegenwärtigen roten Linien zu befinden. Richtig wird es dadurch nicht.

Subventionierte Absätze in verschiedensten Industriezweigen, direkte Förderung von Industriegewinnen durch massive Fördermaßnahmen und die staatliche Zahlung von Lohnananteilen, weil nur so Einstellungen vorgenommen werden, das sind die Zeichen des neuen Wirtschaftswunders. Auch in den USA, die ja nur gerüchteweise keine derartigen Mechanismen aufweisen, findet eine derartige breit angelegte „Stützung der Statistiken“ statt. Dem Bürger hilft es wenig, denn von den im Kern nur auf mediale Wirkung angelegten Kampagnen, die vermeintliche „politische Erfolge“ zeigen sollen, kommt in der Realtität nichts an. Es sei denn, wir betrachten die Verlängerung der Warteschlangen vor Suppenküchen und die Verlängerung der Bezugsdauer von Stützungsgeldern als Zeichen wirtschaftlicher Prosperiät.

Nun sollte, wenn diese Entwicklung einen Sinn haben soll, auch bei den Menschen etwas ankommen. Ein Blick auf das Ausgabeverhalten, die Entwicklung der Konsumentenkredite und die eigenen Angaben zum persönlichen Konsumverhalten zeichnen ein anderes Bild der Realität. Vor dem Hintergrund der desolaten Lage am Arbeitsmarkt – die Verspannungen sind wesentlich heftiger als in vorangegangenen Krisen – ist die Einschränkung der täglichen Konsumausgaben wenig erstaunlich. Allein das Ausmaß ist beeindruckend.

und alle

Von der gepriesenen Erholung scheint nicht sonderlich viel bei den Menschen angekommen zu sein. Die Ausgaben sanken bereits unter den schwachen Wert des Vorjahres, damit liegen sie rund 35% unter dem im Jahr 2008 ermittelten Wert.

Während sich verständlicherweise die Niveaus der Ausgaben je nach Einkommensklasse stark unterscheiden, so zeigen sind doch die Trends des Konsumverhaltens einen erstaunlichen Gleichlauf. Zur Illustration folgen die Darstellungen der Ausgaben der Bezieher höherer, sowie mittlerer und tiefer Einkommen.

und die Mitte und die weniger betuchten

und oben

In beiden Bevölkerungsschichten wurde eigenen Aussagen zufolge weniger ausgegeben als im Jahr 2008. Insgesamt ergibt sich ein Rückgang um 37% (mittlere und niedrige Einkommen) respektive 21% (höhere Einkommen). Beide Kurven sind unter die Werte des Vorjahres gerutscht. Von einer großen Euphorie bei den Konsumenten ist nicht viel zu spüren.

Was heißt das alles im größeren  Maßstab? Nehmen wir einmal die gesamte Erwerbsbevölkerung als Maß der Dinge, hierin werden rund 140 Millionen Einkommenbezieher zusammengefasst, so ergibt sich anhand der Umfragen ein Rückgang der persönlichen Ausgaben von rund $4,7 Mrd. pro Tag. Auf annualsierter Basis zeigt sich eine Schrumpfung um $1.737 Mrd. – das ist alles andere als ein Pappenstiel. Klar, die Rechnung gibt sicher nicht en detail die Entwicklung der Erlöse der Einzelhändler wieder, aber das kleine Beispiel verdeutlicht die Dimension des Problems.

Das Geld, das man hat, wird eher zusammengehalten. Revolvierende Konsumkredite werden zurückgeführt, mittlerweile übersteigen sogar schon die Studentenkredite das Volumen der gesamten Kreditkartenschulden. Anhand der jährlichen Veränderungsrate dieser Kredite kann man den Wandel gut erkennen.

revolving credit outstanding yoy percent

Und noch einmal die Schrumpfung in absoluten Beträgen, wieder als Veränderung auf Jahresbasis.

revCreditabs

Der Umschwung bei den Konsumenten und beim Ausgabeverhalten scheint struktureller Art zu sein, das zeigen auch die Umsatzentwicklung verschiedener Einzelhandelsketten sowie die anhaltenden Filialschließungen im großen Stil. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.


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Bodenhaftung

Vor rund einem Jahr sollte die große Konjunkturhilfe noch aus den Vereinigten Staaten kommen. Mit frischer Kraft würden die USA auf den Wachstumspfad zurückkehren, so durfte man lesen, und auf ihre Weise die Welt aus dem Schlamassel ziehen. Dann hat sich der Wind scheinbar gedreht, die so genannten Schwellenländer dürfen nun ran. Sie sollen es also nun sein, die die Weltwirtschaft auf Kurs bringen. Heute wird ein ISM, der einmal die in der Regel falschen Konsenserwartungen nach oben verfehlt, gefeiert. Die Nebensächlichkeit des industriellen Sektors in den Staaten fällt in der Beurteilung der Situation unter den Tisch. Am nächsten Tag werden dann, wie gewohnt, die Daten zum Häusermarkt betrachtet und weitgehend ignoriert. Nun mag es auf Dauer ermüdend sein, sich die Lage in diesem Marktsegment ständig vor Augen zu führen.

Nichtsdestoweniger ist die Entwicklung in diesem Teil der Realität für die weitere Entwicklung wesentlich wichtiger als der Industriesektor. Der Anteil des produzierenden Gewerbes sinkt beständig, auch das eine keineswegs neue Tendenz.

Wachstumspfad a l'Americain

Nun ist es derzeit in Mode, der amerikanischen Wirtschaft insgesamt ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft abzusprechen. Das ist, obwohl die langfristige Tendenz eine solche Entwicklung bestätigt, wohl ein bisschen zu voreilig. Der Trend dürfte sich fortsetzten, aber eine rasche Kontraktion in den USA hätte massive Konsequenzen, die weit über das amerikanische Territorium hinaus spürbar wären.

Weithin unterschätzt wird – erstaunlicherweise auch Jahre nach dem Beginn der Malaise – die Dimension der begonnenen Umwälzungen. In den Bereichen des privaten Konsums und des gesamten Immobilienmarktes kommt es zu vollkommen neuen Situationen. Dekadenlange Verhaltensmuster werden aufgebrochen, alte Gegenmittel versagen. Beides, Konsum und das vermeintliche Betongold, sind natürlich untrennbar miteinander verquickt, beinflussen doch die Hauspreise und die Kreditbedingungen direkt die Möglichkeiten zum Konsum.

Wie eine Studie der Harvard-Universität kürzlich vermerkte, zeigt sich der Immobilienmarkt insgesamt in einer nicht beneidenswerten Verfassung. Besonders frappierend ist eine für die USA vollkommen neuartige Situation. Der Wert des in allen Immobilien gebündelten Eigenkapitals ist deutlich unter die Gesamtsumme der ausstehenden Hypotheken gesunken.

uiuiui, Tiffy


Man darf sich das ruhig auf der Zunge zergehen lassen und im Hinterkopf darüber nachdenken, was das denn für die Häuser bedeutet, die noch nicht abbezahlt sind. Die Statistik sähe, wenn man nur Immobilien dieser Kategorie betrachtete, noch düsterer aus. Die sich öffnende Lücke in enorm, immerhin steht das Loch stellvertretend für gut $4.000 Mrd. Dollar. Zum Vergleich, der Betrag der weltweit realisierten Kreditverluste seit 2007 liegt bei ca. $1.800 Mrd., zwei Drittel davon in Amerika.

Da darf man sich schon einmal fragen, wie groß das Interesse der Betroffenen im Mittel sein dürfte, die Kredite überhaupt noch abzubezahlen. Eine Hypothek von $250.000 abzustottern, während das Haus nur noch $150.000 wert ist macht sicher keine große Freude. Daran ändern auch niedrige Zinsen nichts. Von der Fähigkeit, diese Zahlungen fortzuführen einmal ganz zu schweigen.

Oder, wie es in der Studie der Universität formuliert wurde:

The drop in home equity is startling when placed in historical context.Aggregate real home equity has not been this low since 1985 when there were far fewer homeowners than today. In addition, the amount of home equity and the amount of mortgage debt outstanding essentially flipped in just one decade. As a result, mortgage debt climbed from 65 percent of home equity in 2000 to 163 percent in 2009.

Gerade der letzte Satz sollte vielen Auguren zu denken geben.

Bezogen auf das Vermögen der privaten Haushalte ist die Lage ähnlich. Die vergangene Dekade beendeten die Haushalte im Mittel mit einem marginalen Plus, man zehrtenoch von den Vorkrisenjahren. Die Summe entfällt allerdings auf eine gestiegene Zahl von Haushalten. Auf den einzelnen Haushalt bezogen ging das Vermögen um 8% zurück. In den Steigflug hingegen ging die Hypothekenlast über, von 1999 bis 2009 stieg diese um 67% auf nunmehr $10.000 Mrd. Interessanterweise ging diese steigende Verschuldung mit einem deutlichen Rückgang der Zahl der hausbesitzenden Haushalte einher.

Aufstieg und Fall

Die kurze Phase vermeintlichen Reichtums auf Basis kreditinduzierter Glückseligkeit ist wieder an ihren Ursprung zurückgehrt. Dummerweise ist das Vermögen wieder da, wo es herkam, die Schulden aber wuchsen deutlich an. So ist das, wenn man die Bratwurst auf Pump kauft.  Erst ist man satt und zufrieden. Dann ist man wieder hungrig, aber neben dem Hunger habe ich jetzt auch noch Schulden. Von nichts kommt halt nichts.

Wir lassen  noch einmal die Damen und Herren von Harvard ans Mikrofon:

Household wealth went through a sharp boom-and-bust cycle over the last decade. After sliding from $55 trillion in 1999 to $49 trillion in 2002 in the wake of the dot-com bubble, real aggregate household wealth soared to nearly $69 trillion in 2006. Then in 2008, household wealth plummeted to $51 trillion—a drop of more than $17 trillion in just two years. Although recovering to $54 trillion in 2009, household wealth ended the decade showing little gain. On a per household basis, real household wealth actually fell from $526,000 in 1999 to $486,600 in 2009. Meanwhile, household mortgage debt exploded from less than $6 trillion to more than $10 trillion in inflation-adjusted dollars.

Nun braut sich weiterhin Ungemach über dem verdatterten Häusermarkt zusammen. Der Überhang an Wohneinheiten nimmt nicht ab, sondern zu, eine Entwicklung, die auch am Vermietungsmarkt deutliche Spuren hinterlässt. So legte zwar der Anteil der Menschen, die zur Miete wohnen, stark zu. Die Zahl der fertiggestellten neuen Mietbehausungen aber konterkarierte jeden Versuch, die Leerstände zu drücken. Mehr Mieter, aber noch mehr neue Mietflächen, das ist das Dilemma der Hausbesitzer und derjenigen Kreditgeber, die solche oft gewerblich betriebenen Bauten finanziert haben.

Nun sieht man sich einer Problematik in beachtlicher Größenordnung gegenüber. Es gibt zuviele Flächen, sei es für Eigentümer oder zur Vermietung. Die finanzielle Lage der privaten Haushalte ist prekär, von einem Aufschwung ist am Arbeitsmarkt rein gar nichts zu spüren. Es ist schon vielsagend, wenn die besten Nachrichten nicht in netto geschaffenen Stellen sondern in langsamer verloren gegangenen Jobs gesehen werden. So wie es sich darstellt, müssen also die Preise weiter deutlich herunter. Damit ergibt sich aber erneuter Abschreibungsbedarf bei den Banken, die ja mangels anderer Nachfrager bei zahlreichen Zwangsversteigerungen oft als einziger Bieter zugriffen. Was glauben Sie, wieviel haben die in der Bilanz genannten Werte für diese Anwesen mit der Realität zu tun?

Unterdessen fault es auch an der Kreditfront munter weiter. Wie sollte es angesichts der geschilderten Lage auch anders sein?

Das Elend ballt sich besonders in einigen bekannten Krisenstaaten. So sind in Kalifornien und Florida allein gut ein Viertel aller Kredite beheimatet, die länger als 90  Tage in Verzug sind. Man könnte diese Gegend einen Problemballungsraum nennen. Die insgesamt schon nicht geringe Zahl anstehender Zwangsvollstreckungen wird zunehmen und noch lange auf die Preise drücken. Das gilt gerade hinsichtlich des zusätzlichen Angebots, das noch in den Bankbilanzen lauert. Ein Haus wird ja im Zeitverlauf nicht besser, wenn niemand mehr darin wohnt.

Trotz der höheren Problemquote bei subprime loans und ähnlichen faulen Früchten stammt die Mehrzahl der angeschlagenen Papiere mitttlerweile aus dem prime Segment.


in Verzug


Die Schwere der Immobilienkrise unterscheidet sich um Größenordnungen von den Schwierigkeiten in vorangegangenen harten Zeiten. Dies lässt sich gut an den Verzugsraten für prime loans ablesen.

In „normalen“ Abschwungphasen liegt die entsprechende Kennzahl in der Regel deutlich unter 2%. Aktuell liegt der Wert – alle prime loans zusammen betrachtet – bei 7,1%. Laut Freddie Mac nennen übrigens 58% der Menschen, die ihre Raten nicht zahlen können, Arbeitslosigkeit oder Einschnitte beim Gehalt als Begründung. Diese Tendenz wird sich wohl ebenfalls noch lange halten. Auf den Beinen ist der desolate Immobilienmarkt in den Staaten noch lange nicht. Es wird Zeit, dass auch die Banken dies bei der Bewertung der entsprechenden Risiken in den Bilanzen anerkennen. Gewinnausweise, die aus der Rückführung von Reserven resultieren, sind jedenfalls nicht das richtige Signal.


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Gesunde Einschätzung

Kopfschütteln regiert, sobald man im Rundfunk das fröhliche Wabern der Stimmen hört, die wieder einmal einen sprunghaften Kursanstieg oder eine gesunde Nachfrage vermelden. Die Frage nach der Grund legenden Schizophrenie, warum es gut ist, wenn Krabben aus Vietnam immer billiger und Anteilsscheine an Unternehmen immer teurer werden, stellt sich ohnehin nicht. Ebensowenig geht es wohl um Ursachen und Folgen, was zählt ist die Veränderung am heutigen Tag. Von wo man kommt und wohin man geht ist dabei gleichgültig, Hauptsache es ist irgendetwas passiert.

Nun unterscheiden sich offensichtlich die Inhalte und Sichtweisen manch einer Berichterstattung von der allgemeinen Wahrnehmung der Realität. Die Freude darüber, dass Firmen mit dem Sitz in Land A in Land B fertigen lassen um dann nach Land C zu liefern, während selbige Unternehmung dazu noch stolz verkündet, weder in Land A, B oder C Steuern zu zahlen, sorgt doch zusehends für Stirnrunzeln. Grund zur Freude? Mag ja sein, es fragt sich nur für wen.

Die Stimmung zur Lage wirkt bisweilen realistischer als die Berichterstattung zu dieser Situation. Während der ein oder andere beispielsweise in den Vereinigten Staaten von Amerika von einer nicht vorhandenen Gefahr eines double dip spricht, kann man nur sagen: Ja! Denn die Wirtschaft ist gar nicht hoch genug gekrabbelt um dippen zu können. Denn ein Zeichen von gesunder Konjunktur sind weder die Arbeitsmarktdaten noch die schrumpfenden Absatzzahlen der Einzelhändler. Angesichts der drastischen Einflussnahme von Fed und Schatzamt ist das gesamtwirtschaftliche Resultat nicht nur von fragwürdiger Ausgestaltung sondern zudem auch gemessen an etwaigen Erfolgen sehr, sehr dürftig. Der amerikanische Konsument lässt sich unterdessen von allem allzu klischeelastigen Optimismusgefasel nicht aus der Ruhe bringen und beurteilt die Dinge in der Tendenz ebenso ruhig wie negativ. Das geht übrigens seit Jahren so, genauer gesagt seit dem ursprünglichen Beginn der anhaltenden Krise um die Jahrtausendwende.

alles wie gehabt

Gut zu erkennen ist die Spitze der gemessenen Konsumlaune. Seither geht es in groß angelegten Wellen talwärts. Die gefeierten Aufschwungphasen, also der Anstieg bis zum Immobilienschock sowie die schuldengestütze Korrektur des vergangenen Jahres, waren offensichtlich nur kleine Atempausen. Die Rechnnung für beide Pausen liegt übrigens noch an der Theke.

Auch im laufenden Jahr hält der Trend zur sinkenden Feierlaune an. Dabei erwecken die Daten immer stärker den Eindruck einer anhaltenden Entkopplung von optimistischen Berichten und realtistischer Beurteilung der Situation.

wer nichts erwartet wird nicht enttäuscht

Auch ein Bad von el Presidente im Golf von Mexiko in seiner unnachahmlichen Art als „Klaus Töpfer von Louisiana“ dürfte den Unmut vieler Betroffener in den USA nicht mildern. Lediglich 3% der US Bevölkerung gaben „natural disaster response/relief“ als größte aktuelle Sorge an. Für die beiden Antworten „economy in general“ sowie „unemployment/jobs“ sprachen sich dagegen 58% aus. Ein Bad in der Menge mit einer möglichen Diskussion bietet sich so wohl kaum an.

Die wohl auf absehbare Zeit nicht wiederkehrende Neigung von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Neueinstellungen wird wohl leider nicht dafür Sorge tragen, die Kauflaune in neue Höhen zu katapultieren. So ist im aktuellen „Small Business Economics Trend Report“ unter anderem folgendes zu lesen:

Seventy-three (73) percent of the owners report that the current period is not a good time to expand. Of those, 66 percent cite the weak economy as the main reason, but 18 percent cite the “political climate” as the source of uncertainty.

Und die unbezahlten Versuche, den Laden anzukurbeln, haben offenbar nicht gefruchtet:

This elevated level of concern has prevailed since January
2008 when Congress began debating the “stimulus” and other possible actions to deal with the economy and the government changed hands.

The Index of Small Business Optimism lost 0.9 points in July following a
sharp decline in June. The persistence of Index readings below 90 is
unprecedented in survey history. The performance of the economy is
mediocre at best, given the extent of the decline over the past two years.

Auf die neuesten Errungenschaften von der Finanzfront ist der Sektor ebenfalls nicht sonderlich gut zu sprechen.

The expiration of the Bush tax program and the implementation of the health care bill represent the two largest tax increases in modern history. (…) Add to that serious talk of a VAT and passing cap and trade. Nothing here to create optimism about the future for business owners or consumers. Top that off with government borrowing of $1.8 trillion last year and $1.5 trillion this year and on into the future, it is no surprise that owners are
fearful and pessimistic.

Das klingt nicht nach unmittelbar bevorstehenden Kapazitätsausweitungen. Aber da die Auslastung derselben ja noch unter dem tiefsten Stand des Krisenjahres Jahr 2001 liegt, sind ja genügend Kapazitäten ungenutzt. Das Interesse an nennenswerten Invesititionen liegt folgerichtig auf dem tiefsten Stand seit 35 Jahren. Steigende Gehälter werden sich so wohl auch kaum durchsetzen können.

ja, ja, wunderbar

Wie sich hieraus in den kommenden Jahren ein gesundes Investitionsklima entwickeln soll bleibt rätselhaft. Wenn Wirtschaft, wie so gerne erzählt wird, nur Psychologie ist, dann ist die US Wirtschaft reif für die Couch. Und das nicht erst seit heute.

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Verkauft und vergessen

Die Lage der Konsumenten ist laut Zentralbank und Schatzamt in den USA zwar nicht gut, aber irgendwie will man das Ganze vorerst „sehr genau beobachten“ und „alles nötige tun“ um weitere Probleme abzuwenden. In der Realität fällt dem Betrachter ökonomisch neben der mit dem albernen Begriff quantitative easing bezeichneten Anleihenkauferei und den ewigen Steuergutschriften offensichtlich nicht viel mehr ein. Gut, eine Verpflichtung der Bürger zum Konsum bei angedrohter Haftstrafe für ganz und gar unpatriotische Bescheidenheit wäre noch denkbar. Aber wie lässt sich das mit der kalifornischen Idee der vorzeitigen Haftentlassung kombinieren, die die Gefängiskosten im Sonnenstaat senken soll? Wie wäre es mit einer zufällig ausgewählten Versendung von Artikeln durch Amazon und der Bezahlung der entsprechenden Rechnungen durch die öffentliche Hand? Die erhaltenen Artikel müssen dann im Garten verbrannt werden, um die zukünftige Nachfrage  nicht zu beeinträchtigen.

Ein solcher Zwang könnte den hohen Herrn allen Ernstes in den Sinn kommen, denn das Rückgrat der US Wirtschaft ist seit langem der private – zu großen Teilen schuldenfinanzierte – Konsum. Um selbigen ist es schlecht bestellt, was sich nicht aus jeder Statistik direkt ablesen lässt. Wie so oft lauert der Teufel im Kleingedruckten. Bei den personal consumption expenditures (PCE) wird die Statistik durch Zinseffekte nach oben verbogen, so dass die Datenreihe mit der Entwicklung des Kaufverhaltens weniger gemein hat als man vermuten könnte.

So ist zum Beispiel die Situation bei den Einzelhandelsumsätzen seit jeher in der Tendenz nach oben verzerrt.
Bei diesen Umsätzen ist alleine die Methode der Erhebung ähnlich absurd wie das Birth/Death Model des Arbeitsministeriums bei den Daten zum Jobmarkt. Wir lesen die folgende Beschreibung immer wieder gerne.

” The advance estimates are based on a subsample of the Census Bureau’s full retail and food services sample. A stratified random sampling method is used to select approximately 5,000 retail and food services firms whose sales are then weighted and benchmarked to represent the complete universe of over three million retail and food services firms. (census.gov)”

Es tauchen hier natürlich nur die Unternehmen auf, die man noch befragen kann. Die mehr als 25.000 geschlossenen Läden aus den letzten beiden Jahren nehmen ja keine Anfragen mehr entgegen. Der gute alte survivorship bias aus der Indexwelt macht sich auch bei diesen Daten breit.

Nun sind die einzig brauchbaren Daten zum Zustand des Einzelhandels zum einen die Zahl der Geschäftsschließungen und zum anderen die aussagekräftigen, aber mühseliger aufzutreibenden Daten zur Sales Tax. Diese wird in den US Bundesstaaten auf kommunaler Ebene festgelegt, die mittleren Sätze für die fünf am BIP gemessen bedeutendsten Bundesstaaten liegen zwischen 4% und 8,25%. Bundesweit stiegen die Sätze in den USA in den letzten Monaten auf neue Rekordwerte. Der Durchschnittssatz aller Staaten liegt mittlerweile bei mehr als 8,6%. Die Anhebungen der letzen Jahre sorgten dennoch nicht für einen Anstieg der Einnahmen.

In Texas feierte unlängst Comptroller Susan Combs trotzdem einen Anstieg von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr.

“Total sales tax collections have met or exceeded year ago levels for a second month in a row, following 14 months of decline,” Combs said in a statement. “This may indicate that a bottom has been reached.”

Danach zeigt Frau Combs, dass sie Ihre Bernanke Fibel gelesen hat. Vor einem Jahr waren die Einnahmen übrigens nicht sonderlich gut, der Sommer 2009 steht aus bekannten Gründen nicht im Verdacht, einen Konsumrekord zu markieren.

“Remittances from other sectors, however, such as construction and manufacturing, fell below last year,” she said. “While overall economic conditions and sales tax revenues appear to be stabilizing, there remains a risk of further deterioration, before a sustained recovery is underway.”

Es sieht gar nicht so schlecht aus, aber auch nicht gut und es ist nicht ausgeschlossen, dass es noch einmal viel schlechter wird bevor es besser werden könnte. Ja, genau, und morgen ist heute schon gestern, bevor wir es vergessen. Nach einem Rückgang über 14 Monate in Folge hat man nun in etwa das Niveau von vor einem Jahr erreicht. Erstaunlich, dass die vermeintlichen Retail Sales ein viel positiveres Bild zeichnen, als dies bei den trüben Steuerdaten der Fall ist. Blüht hier etwa schon die Schattenwirtschaft oder stimmt mit den Daten etwas nicht?
Der Jubel kommt in der Tat ein wenig voreilig, liegt man doch im auf zwei Jahre ausgerichteten texanischen Haushaltsplan nach bisher neun Monaten um gut $1,5 Mrd. hinter der Richtschnur. Mehr als 50% der Steuereinnahmen des Bundesstaates stammen aus der Sales and Use Tax. Bezieht man die staatlichen Transferleistungen mit ein, so verbleibt ein immer noch stattlicher Anteil von 25%, den die sales tax zu den Einnahmen beitragen. Alles in allem steuert der Staat auf ein Defizit von $18 Mrd zu. Mit großartiger Unterstützung von der Einnahmenseite ist vorerst nicht zu rechnen. Will man das Defizit trotzdem senken, werden entsprechende Ausgabenkürzungen notwendig sein, auch kein Konjunkturprogramm. Aus Kalifornien kennt man ja bereits verschiedene Überlegungen zum Sparen, wie etwa die vorzeitige Entlassung von Strafgefangenen.
Der Arbeitsmarkt sendet bis dato und wohl auch auf absehbare Zeit keine positiven Signale. Die deflationären Tendenzen aus der Verkürzung der Bankbilanzen sorgen ebenso wie mögliche öffentliche Einsparungen für einen Deckel auf allen möglichen Erholungsversuchen. Die im kreditinduzierten Aufschwung gebauten Häuser drücken zudem auf den wichtigen Immobiliensektor. Dessen Wichtigkeit liegt zum einen in der Bedeutung für die Arbeitsplätze und für die Nachfrage in nachgelagerten Sektoren. Zum anderen sind die Preise der Immobilien enorm wichtig für die Banken, die ja mittlerweile mangels echter Käufer vielfach über eigene Gebote bei Zwangsversteigerungen zu großen Immobilienbeständen gelangten.

Der Sektor ist zwar bedeutend, pfeift aber leider weiterhin aus dem letzten Loch. Die Neubaubeginne und die Bauanträge liegen wie toter Fisch auf oder in der Nähe historischer Tiefststände. Die künstliche Vermeidung weiterer Preisanpassungen und Abschreibungen, in erster Linie eine Maßnahme zur Stützung des Finanzsektors, hat nur für eine zeitliche Streckung der Problematik gesorgt. In Ordnung ist hier nichts, das sehen übrigens die Baufirmen genauso.

Homebuilder Confidence

Bemerkenswert an den letzten Werten sind auch die Entwicklungen in den Subkomponenten. Die Beurteilung der aktuellen Lage fiel schon sehr mau aus, die Erwartungen zeigen aber bereits einen wieder anziehenden Pessimismus. Angesichts der Lage des Immobilienmarkt einen immer noch wachsenden Pessimismus zu zeigen ist schon beeindruckend. Betroffen waren im vergangenen Monat übrigens durch die Bank alle Regionen. Die Zahlen zu den Autoverkäufen sehen nach dem kurzen Anriss im vergangenen Jahr durch das cash for clunkers Programm auch nicht besonders gesund aus.

In einem anderen Sektor, bei den Retailern, sieht es bezogen auf die Arbeitsplätze noch nicht ganz so arg aus wie im Baugewerbe, aber die zunehmende Zahl der Geschäftsschließungen geht nicht ohne Arbeitsplatz- und somit Kaufkraftverluste einher. Besonders skurril sind in diesem Zusammenhang die Umfragen zu den Verkäufen der Retailer. Wie oben bereits kurz erwähnt, finden sich die Unternehmen, die die Pforten für immer schließen, in den Ergebnissen nicht wieder.

Das ist sehr erstaunlich, denn eigentlich müsste man diese Geschäfte mit einem Geschäftsrückgang auf Null in die Daten einbeziehen. So weist man dann durchweg zu positive Werte aus, denn die Umsätze der verblichenen Märkte kamen weder aus dem nichts, noch lösen sie sich in nichts auf. Den verbleibenden Teil schnappen sich die Wettbewerber, die gegebenenfalls sogar von der verschwundenen Konkurrenz profitieren. Wenn man aber nur noch die existierenden Geschäfte in die Datensammlung einbezieht, dann klappt’s auch mit dem Aufschwung. So trägt auch der Pleitier noch etwas zu den schönen Zahlen bei, ob er will oder nicht. So sieht er aus, der amerikanische Optimismus.

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Jobs (nein, nicht Steve)

Während der große Vorsitzende des Federal Reserve Boards in einer seiner regelmäßigen Sprechstunden die Seelen der Anwesenden beruhigen wollte, führt die Realität seine oft schwammigen Ausführungen laufend ad absurdum.

intro

Ein paar Beispiele vom Chairman, den wir hier nicht persönlich grillen möchten. Er steht vielmehr stellvertretend für die zahllosen ähnlichen Aussagen aus Teilen der Regierung und der Ökonomenzunft. Vor allem das US Schatzamt unter Timothy Franz Geithner steht dem Chef der Fed hier in nichts nach.

“There seems to be a good bit of momentum in consumer spending and investment,” Mr. Bernanke said at a dinner hosted by the Woodrow Wilson International Center for Scholars. “My best guess is we’ll have continued recovery, but it won’t feel terrific.” (WSJ, 06.2010)

Ein bisschen Schwung, die beste Schätzung ist eine Fortsetzung der Erholung, die sich aber nicht so dolle anfühlen wird.

However he added Europe to the long list of caveats that give Fed officials pause. “We’re watching that whole situation very carefully, he said referring to European efforts to rein in large government budget deficits. (WSJ, 06.2010)

Das ist unser Lieblingssatz, der sich bei Zentralbänkern in aller Herren Länder wachsender Beliebtheit erfreut. Die Situation genau beobachten. Aber was beobachtet er genau? Die Sorge um Europa ist zudem sehr nett, vielen Dank dafür. Ein ebenfalls fälliger Dank der Staaten an die europäischen Banken, die so clever waren, sich amerikanische Firlefanzverbriefungen in die Bilanzen zu laden, wurde sicherlich bei einem der reichhaltigen Arbeitsessen der Branche ausgesprochen.

Aber wohin schaut der Meister nun, wenn er sich ein Bild machen will?

Mr. Bernanke has said many times before that movements in employment, inflation and inflation expectations were his main criteria for assessing the need for a rate hike, but he noted Monday, “we’re looking at financial markets and other things as well. (WSJ, 06.2010)

Man schaut sich also so ziemlich alles an. Arbeitsmarkt, Inflation und diesbezügliche Erwartungen, die Finanzmärkte und andere Dinge. Other things.

Wir schauen uns heute einmal den Arbeitsmarkt an. Die zuletzt gemeldeten Zahlen sind ja allseits bekannt, ebenso die positive Verzerrung durch die nur kurzfristig öffentlich als Volkszähler angestellten Bürger. Interessant auch hier mal wieder die erneut schwachen Zahlen im Bau- und Finanzsektor. Sicher war aber einfach der letzte Monat ungewöhnlich kalt, außergewöhnlich warm oder für die Jahreszeit zu früh.

Government und Private Jobs, ein Beispiel

Die entscheidenden Punkte bei der Betrachtung der Arbeitslosigkeit sind zum einen der Fokus auf die umfassende Zahl U6, sowie die Einbeziehung der Empfänger von Sozialhilfe, die nicht zu den Arbeitslosen zählen. Das ist bekanntermaßen nicht nur in den USA der Fall. Ein Blick auf die Arbeitslosenquote, wenn man die aggregierte Zahl ins Verhältnis zur Erwerbsbevölkerung setzt, zeigt eines. Die Lage am Arbeitsmarkt in den USA ist vergleichbar mit der in Spanien, dem Land, das derzeit ein Aushängeschild europäischer Perspektivlosigkeit ist.

U6 und Sozialhilfeempfänger

Das Programm zur Sozialhilfe (Emergency Unemployment Compensation) wurde im Juni 2008 ins Leben gerufen. Es ist ein temporäres Programm, der Präsident verlängerte kürzlich die Laufzeit bis in den Juni des laufenden Jahres. Wie bei der Obergrenze zur Staatsverschuldung ist angesichts der desolaten Lage am Arbeitsmarkt mit weiteren Verlängerungen zu rechnen. Die Gelder stammen vollständig aus der Kasse des Bundes. Rund 5 Millionen Menschen beziehen derzeit Gelder aus dem EUC Programm, die maximale Bezugsdauer liegt aktuell bei rund einem Jahr, wobei die mögliche Bezugsdauer im Einzelfall von der Lage im jeweiligen Bundesstaat abhängig ist.

Endet das EUC Programm, so werden viele aus dem System herausfallen. Sollte es also zu keiner Verlängerung der Sozialhilfe kommen, hätte dies auf die Statistiken einen positiven Effekt. Auch diejenigen Arbeitslosen, die dann aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik herausfallen, würden sich nicht mehr in der EUC Statistik wiederfinden. Sinkende Quoten allenthalben sollten in diesem Falle äußerst kritisch hinterfragt werden.

Neben der aktuellen Farce um die in den USA eingestellten Volkszähler, die die Zahl der geschaffenen Stellen auf ein hohes Niveau hievten, bleibt der absurdeste Beitrag zu den nach oben gedrückten Beschäftigungskennzahlen der des Birth/Death Models. Es handelt sich hierbei bekanntermaßen um ein Modell, dass den Effekt auf Firmengründungen und Schließungen abschätzt. Die Zahl basiert allein auf einem Modell. Interessant an diesem Modell ist, dass es seit der Einführung im Jahr 1999 in jedem Jahr eine positive Stellenzahl auswies. In einem Umfeld zweier übler Rezessionen ist dies gelinde gesagt erstaunlich, vielleicht wäre es an der Zeit, eine Modellvalidierung ins Auge zu fassen. Zur Verdeutlichung hier einmal die jährlichen Beiträge durch das Modell in den vergangenen Jahren.

Birth Death Model - Immer weiter....

Der kürzlich gemeldete Stellenzuwachs von etwa 430.000 wäre ohne die Volkszähler und die Modellstellen deutlich in den negativen Bereich gewandert. Nun arbeiten die Volkszähler ja wirklich, so dass man die Stellen natürlich nicht ausblenden darf. Allerdings werden die Damen und Herren nicht so furchtbar lange Arbeit haben, denn der Menge an Volkszählern bleibt für jeden ja nicht so viel zu zählen. Allein im Rahmen der Adressverifizierung arbeiten im Außendienst 140.000 Angestellte. Man könnte auch rund 300 Millionen einstellen, die sich alle selbst zählen. Das wäre dann der größte Stellenzuwachs der Geschichte – Job Growth XXL sozusagen. Vorerst läuft aber in der Realität leider weiterhin das Programm „Job Kill“, um es einmal in der albernen Titelgebung eines prominenten britischen Ölunternehmens zu sagen.

Arbeitslose, die nicht mehr gezählt werden verbessern die Arbeitslosenquote. Jobs, die es nie gab, erscheinen in den Daten zu neu geschaffenen Stellen. Wie heißt es so schön? Die Wirklichkeit ist eine konstruierte. Was sich aus dieser Situation schließen lässt? Nun, vielleicht sollte man die Entwicklung erst einmal sehr genau beobachten.

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