Alles kaputt, nichts gewusst und viel vergessen

Kollaps der Hypo Real Estate und die Folgen. Funke vor Gericht.

Erinnern Sie sich noch an die Hypo Real Estate, kurz HRE? Falls nicht ist das nicht schlimm, denn selbst manche Führungskraft in manchem Unternehmen hadert bekanntlich mit dem Gedächtnis. Geht es dann mal schief, weiß niemand mehr so recht warum, wieso und weshalb. Und deshalb zahlen dann alle und keiner ist dafür verantwortlich.

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Von aufholenden Ausfällen – Qualitätskonvergenz.

In guter Erinnerung aus der Zeit des Beginns der aktuellen Krise blieb vielen Menschen der Begriff subprime. Die dieser Kategorie zugeordneten Kredite waren ein Sammelsurium von Geldern, die an Kreditnehmer gingen, bei denen sich bereits bei Abschluss des Geschäftes deutlich abzeichnete, wie unwahrscheinlich eine spätere Rückzahlung war. Während Vertreter von Analyseabteilungen eher marketinglastiger Anbieter von Finanzdienstleistungen sich für Aussagen nach dem Motto „the subprime crisis is contained“ nicht zu schade waren, stiegen die weltweiten Kreditverluste bekanntermaßen auf mehr als $1800 Mrd.

Nun sind viele dieser Papiere vom Markt verschwunden und die Banken lecken ihre Wunden. Einige deutsche, darunter auch einige mittlerweile teilweise bundesdeutsche, Institute fabulieren derweil uneinsichtig noch immer von einer möglichen Rückzahlung erhaltener Staatsmittel. Derweil vermeldete die Frankfurter Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung, bekannt durch ihr Fondsvehikel SoFFin, wenig Erbauliches. Der Jahresfehlbetrag für 2009 wurde mit €4,29 Mrd. beziffert, der finanzielle Schaden stamme vornehmlich aus den Beteiligungen an der HRE und der HRE Tochter Deutsche Pfandbriefbank (in tutto €4,75 Mrd., davon gehen dann einige operative Einnahmen ab). Die spannenden Sätze in der entsprechenden Pressemitteilung aus der Anstalt waren die folgenden:

Die übrigen Beteiligungen des SoFFin wurden ebenfalls nach den Vorschriften des HGB unverändert zum Anschaffungspreis bilanziert. Das vorgelegte Bewertungsergebnis reflektiert unsere aktuelle Einschätzung der Situation bei der HRE und den anderen Beteiligungen“, so Dr. Hannes Rehm, der Sprecher des Leitungsausschusses des SoFFin.

Ein Blick auf die bisher bereitgestellten Garantien und Eigenkapitalmittel:

Wo ist die Mark?

Das von vielen Menschen ohnehin belächelte Mantra, man könne mit der „Rettung“ insolventer Banken Geld verdienen wird nun auch von der Anstalt nicht mehr aufrecht erhalten. So heißt es auf der Internetseite des SoFFin fast schon erfrischend:

Retten kostet Geld – ebenso wie Feuerlöschen Wasser verbraucht.

und auch Herr Rehm schließt folgerichtig in der oben zitierten Pressemitteilung mit den Worten:

Retten ist leider kein lukratives Geschäft.

Mit dieser Aussage sollte er im allgemeinen richtig liegen. Allerdings möchten wir -  etwas spezifischer – anmerken: Retten ist für einige ein lukratives und für andere ein schlechtes Geschäft. Der nach kurzer Amtszeit ausgeschiedene Herr Wieandt hat auch nach der staatlichen Stützung des gekippten Institutes laut FAZ ab dem 60sten Geburtstag einen Anspruch auf mehr als €230.000 jährlichen Ruhegeldes. Das fällt vermutlich eher in die Kategorie lukrativ.

Wir wollten an dieser Stelle nur kurz auf diese Aussagen hinweisen, die als es um die Durchsetzung der Bankenstützungen ging noch anders klangen. Am Beispiel der Stützung Griechenlands lässt sich eine ähnliche Veränderung von Einschätzungen gegebenenfalls in nicht allzu ferner Zukunft gut nachvollziehen. Auch in diesem Fall wird ja gerne geäußert, mit einer solchen Aktion ließe sich vielleicht sogar Geld verdienen. Neben der Grübelei, wen man in diesem Falle denn eigentlich wirklich stützt wird sich auch hier die Frage stellen, für wen dies alles ein gutes und für wen es ein schlechtes Geschäft war.

Zurück zur “subprime Krise”. Diese  ist alles andere als begrenzt geblieben, die Auswirkungen sind allgemein ersichtlich. Mag von vielen schlechten Papieren ohnehin nur noch wenig übrig sein, der Schwung aus dem größeren Bereich für qualitativ bessere Kredite, den so genannten prime loans, nimmt ungeachtet dessen stetig weiter zu. Vergleicht man die Ausfallraten für solche Kredite mit denen der schlechteren Papiere zu Beginn der Krise, so sind die Aussichten für die Bilanzen weiterhin nicht rosig.

FDIC Subprime und Prime

Die amerikanischen Kreditmärkte sind weit von einer Erholung entfernt. Die Ausfallraten für ARMs (variable verzinste Kredite) im prime Segment zeigen beachtliche Werte. Angesichts der nahe den Rekordtiefs notierenden Hypothekenraten mag dies auf den ersten Blick erstaunlich sein, müssten doch die Refinanzierungsraten nach dem Zinsanpassungstermin eigentlich sinken. Leider ist dies nicht der Fall, sind doch viele der ARMs mit weit unter dem damaligen Marktniveau liegenden Zinssätzen versehen worden. Das Vorgehen ist dem im schwachen Segment durchaus vergleichbar, auf englisch heißt das dann „teaser rate“, ein Lockangebot. Nun möchte sich der Betrachter nicht ausmalen, wie denn die Ausfallraten aussähen, wenn nicht durch die Zentralbankkäufe von US Staatsanleihen das auch für die Hypothekenraten ausschlaggebende Renditeniveau am langen Ende der Zinskurve künstlich niedrig gehalten würde.

Auch die weiter anhaltenden Käufe der zur Refinanzierung der desolaten Institute Freddie Mac und Fannie Mae ausgegebenen Anleihen sorgen für eine langfristig nicht aufrechtzuerhaltende Scheinstabilität, die nicht zur Trendumkehr, sondern bisher lediglich zu einem langsameren Fall führte. Mehr als 90% aller Hypothekenkredite liefen bis vor einiger Zeit über diese unter einem staatlichen Schutzschirm (conservatorship)befindlichen Institute, die mit schöner Regelmäßigkeit ein „negatives Eigenkapital“ melden, woraufhin sie dann neues Eigenkapital vom Schatzamt bekommen. Mittlerweile hat die öffentliche Federal Housing Administration (FHA) die beiden Firmen bei der Garantievergabe sogar überholt und nannte im ersten Quartal eine Summe von $52,5 Mrd. (Freddie Mac und Fannie Mae: $46 Mrd.). Es ist falsch, auch nur von Ansätzen einer realen Erholung des US Immobilienmarktes zu sprechen.

Wir fassen noch einmal kurz zusammen. Freddie Mac und Fannie Mae sind nach der de facto Insolvenz unter die staatliche Conservatorship geschlüpft. Gemeinsam mit der Federal Housing Administration garantieren diese Institute im Grunde alle im privaten Bereich vergebenen Hypothekenkredite, um so die weitere Auflösung des US Immobilienmarktes und der Bankbilanzen zu bremsen. Freddie Mac und Fannie Mae bekommen regelmäßig neues Eigenkapital vom Staat, für die FHA projiziert das Government Accountability Office für die kommenden drei Jahre notwendige öffentliche Mittel in Höhe von $500 Mrd. Die Anleihen, die von Freddie Mac und Fannie Mae zur Refinanzierung emittiert werden werden derweil von der amerikanischen Zentralbank erworben. Es existieren im Grunde keine ernstzunehmenden inländischen und ausländischen Käufer für diese Papiere. Die Gelder des US Schatzamtes kommen aus Anleiheemissionen des Bundes, die zum Teil ebenfalls von der Fed mit erzeugtem Geld erworben werden. Eine Refinanzierung über den Markt wäre im nötigen Ausmaß nicht möglich, ohne Aufwärtsdruck auf das Zinsniveau auszulösen. Zöge das Zinsniveau an, drohte eine Beschleunigung der Verwerfungen bei der Vergabe neuer Hypotheken und bei bereits bestehenden Krediten mit variablen Zinssätzen in den Bilanzen von Banken und Versicherungen. Einen Kreislauf mag man hier durchaus erkennen, mit einem gesunden Wirtschaftssystem hat das Ganze aber nichts mehr zu tun.

Bevor nun eine Art europäischer Euphorie aufflackert, von der wir aktuell ein gutes Stück entfernt zu sein scheinen, hilft ein Blick in die Bilanzen europäischer Banken. In den Büchern tummeln sich nach wie vor mehr amerikanische Papiere, als es der Gesundheit der Bücher angemessen wäre. Gerade die laufende Finanzierung der dollarbasierten Transaktionen bereitet den Verantwortlichen graue Haare, wie die wieder zunehmenden Spannungen am Dollar Geldmarkt zeigen. Dazu gesellen sich noch viele andere Papiere aus der weiten und globalen Finanzwelt, die nicht die 100% wert sind, zu denen sie oft in den Bilanzen stehen. Der Begriff der temporären Marktwertverluste führt hier in die Irre, wenn er auch für viele Werte stimmen mag. Diejenigen Anlagen aber, wegen denen man die Bilanzierungsregeln gelockert hat, sind nicht nur oft keine 100% wert, sie werden dieses Niveau auch nie wieder erreichen.

Das alles lässt neben anhaltend schwierigen Zeiten für Banken und Versicherungen auch für die kommenden Ergebnisse des SoFFin nichts gutes ahnen. Laut eigener Aussage bilanziert man am Main ja ebenfalls HGB konform zum Anschaffungspreis und fühlt sich scheinbar wohl, wenn man sagt, dies entspräche der Einschätzung der Situation. Wie sagt man in Russland so schön: Ein guter Kaufmann lobt das Eisen, bis es Silber wird.

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PS: Bei den US Banken fordern die anhaltenden Kreditausfälle weiter zu Insolvenzen unter den Regionalbanken. Die Zahl der Ausfälle pro Quartal stieg unlängst auf 49, im Mittel tritt alle zwei Tage ein Institut den Weg zum Konkursrichter an.

Wir haben die Daten auf der Chartseite aktualisiert.

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