Schöne Reise – 700 Jahre Häuserpreise

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So wie die Brötchen immer teurer werden so können auch Hauspreise nur steigen. Daher ist zur Hausfinanzierung jeder Kredit gerechtfertigt. So oder so ähnlich klingt der Kern vieler Gespräche zum Thema Immobilien. Auch bei anderen Anlagen geht man von mindestens tausendjährigen Aufwärtstrends aus.

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Temporäre Nachhaltigkeit

Von großen Erfolgen der staatlichen Eingriffe und Konjunkturspritzen ist derzeit viel zu lesen. Die großen Leistungen liegen in der Regel darin, Menschen unter bestimmten Bedingungen Geld zu schenken, das sie dann ausgeben müssen. Ein tolles Rezept, fast schon nobelpreiswürdig. Geld verschenken unter der Bedingung, dass es ausgeben wird und sich dann zu freuen, wenn es ausgegeben wird ist schon eine tolle Sache. Guck mal, ich werfe einen Apfel hoch und dann kommt er von ganz alleine wieder herunter. Faszinierend, Abenteuer Wirtschaft kann man da nur sagen.

Leider halten einige im Sog der anhaltenden Tendenz zur Kurzfristorientierung diese rein temporären Effekte für eine nachhaltige Entwicklung. Das mag menschlich verständlich sein, ist aber eine sehr hoffnungsfrohe Annahme. Das einzig nachhaltige an derartigen Vorgehensweisen sind die Schulden, die im Zuge derartiger finanzpolitischer Hasardspiele verbleiben.

Werfen wir aus gegebenem Anlass einmal einen Blick auf die Situation in Großbritannien. Auf der Insel gab es, nachdem man bei den Teutonen den „Erfolg“ der Abwrackprämie beobachten konnte, ein vergleichbares Programm zur Stützung der Automobilfirmen und der Zulieferindustrie. Der Weg von der Idee bis zur Öffnung des finanziellen Füllhorns war kurz und wurde von den Medien freudig begleitet. Viele scheinen offensichtlich gerne eine fremde Hand in der Tasche zu spüren, die für entscheidet, wann und für wen das eigene Geld ausgegeben werden soll.

ja ja, alles klar

Nun kann man sich ohnehin fragen, was die Abwrackprämie auf einer Insel zu suchen hat, die eher für diejenigen Fahrzeuge bekannt ist, die vor einigen Jahrzehnten die Betrachter begeisterten. Heute schraubt der Angelsachse mit der Komibzange in der Regel nur noch am eingedeutschen BMW Kleinwagen herum. Die Politik muss sich wohl mangels sonstiger Industrien auch um ebendiese Jobs gesorgt haben. Oder sie haben sich Sorgen gemacht, was los sein könnte, wenn die Zahl derartiger Arbeitsplätze abnimmt. Auch eine Zukunftsperspektive, die man mit finanziellen Mitteln ein wenig in die Zukunft verschoben hat.

Nun hat die ganze Aktion in der Tat für einen deutlichen Aufwärtsschub aus einem massiven Abschwung heraus gesorgt– wir haben die unterschiedlichen Zeitpunkte im Chart markiert. Allerdings ging dem „Markt“ auch direkt nach dem Absetzen der Luftpumpe rasch die Puste aus, woraufhin er erneut in den freien Fall überging. Lassen Sie sich übrigens nicht von den jährlichen Anstiegsraten täuschen. Wer bei 100 startet und dann nach einem Minus von 37% ein Plus von 55% vorweist, der landet immer noch unter dem Ausgangsniveau. Durch die starken Ausschläge nach unten sind derzeit viele derartige Charts nach oben deutlich verzerrt.

auf und nieder, für und wieder

Der gesamten britischen Industrie hat dies alles nicht auf die Beine geholfen. Schlaff geistert die britische Industrie aktuell durch einen bizarren Scheinaufschwung, der lediglich in den Medien stattzufinden scheint. Nur die Schulden, zu denen auch die genannte Abwrackprämie nicht unwesentlich beigetragen hat, bleiben real. So real, wie Schulden nun einmal sein können.

watNu

Die Industrieproduktion laviert unterdessen auf dem Stand von 1988 herum und ist weit, weit entfernt von den ehemaligen Hochs. Nimmt man einmal ganz optimistisch die mittlere jährliche Wachstumsrate seit 1948 an, so würde es mehr als 10 Jahre dauern, diese Marke wieder zu erreichen. Bei der schwächeren Wachstumsrate seit dem Tief (!) im Jahre 1981, wäre man schon bei mehr als 15 Jahren. Mit den mittleren Steigerungsraten der letzten zehn oder zwanzig Jahre freilich würde man nie wieder dort ankommen, die Werte sind negativ. Das alles ist vor dem Hintergrund wohl auch weiterhin zweistelliger Budgetdefizite zu sehen, die Her Majesty’s Treasury in den kommenden Jahren bevorstehen dürften.

Wer sich die Frage stellt, wie sich die britische Wirtschaft aus diesem Elend befreien könnte, dem wird schnell eines klar. Herauswachsen wird sie sich sicher nicht, dazu ist die Gesamtverschuldung des Staates, der Unternehmen und der Haushalte mit annähernd 500% des BIP zu hoch und die wirtschaftliche Struktur viel zu schwach. Mit einem teilverstaatlichten Bankensektor und einer auf Gegenseitigkeit basierenden öffentlichen Finanzierungsschaukel (Eigenkapital vom Staat an die Banken, Staatsfinanzierung durch die Banken) ist der absurde Ökonomiebasar vollends komplett. Vielleicht können die Behörden ja ein paar gebrauchte Kameras verkaufen, denn davon gibt es in Britannien reichlich. Ausreichen dürfte diese Maßnahme aber nicht.

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Wärmer wird’s nicht

Hallo,

diesen Artikel haben wir im Rahmen unserer Kooperation mit Cashkurs veröffentlicht.

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Die britische Wirtschaft war eins das Zentrum der weltweiten Textilindustrie. Lange ist es her, mag man denken, aber vielleicht erleben die Tuchmacher in der kommenden Dekade einen überraschenden neuen Aufschwung. Denn angesichts der Lage der britischen Energieversorgung kann man gar nicht genug warme Decken auf Vorrat produzieren.

Auf Bilder aus den Zeiten der Industrialisierung verzichten wir an dieser Stelle, da Verwechslungen mit bestehenden britischen Industrieanlagen nicht auszuschließen sind. Wenn selbst den Redakteuren der altehrwürdigen Times angesichts der in Windeseile vollzogenen Wandlung der britischen Wirtschaft vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur von Energie die Ärmelschoner jucken, wollen wir einmal in Ruhe nachschauen, was da los ist im ehemaligen „Empire“.

UK runs out of Gas

Die Entwicklung der britischen Energieversorgung ist in der Tat beeindruckend. Nach einer etwa 20 Jahre dauernden Ära als Nettoexporteur von Energie, die mit dem Anzapfen der Gas- und Ölfelder in der Nordsee begann, ist Großbritannien im Jahr 2004 in die roten Zahlen gerutscht und weitet seither sein Energiedefizit mit zunehmender Geschwindigkeit aus. Mittlerweile sind die Briten in allen vier Segmenten des Energiesektors von Einfuhren abhängig, also sowohl bei den festen Energieträgern (z.B. Kohle), bei der Elektrizität, beim Gas und nun sogar beim Öl.

Als Begründung nennen die Energiebehörden und Unternehmen wie British Gas und Centrica die rascher als geplant abschmilzenden Reserven der Gas- und Ölfelder, die ihre maximale Produktion im Mittel im Jahr 2000 hinter sich gebracht haben. Beim Nordseeöl etwa sinkt die Produktion konstant seit 1999. Auch neue Produktionsstätten konnten die Rückgänge der ehemals gigantischen Felder nicht kompensieren.

Von besonderer Bedeutung ist in Britannien das Gas. Seit 1970 hat sich der Konsum dieses Energieträgers mehr als verachtfacht. Gleichzeitig ging die Produktion vom leichten Gleiten in den freien Fall über. In einem Memo aus dem Parlament liest sich dies folgendermaßen:

Net exports (of gas) peaked in 2000 – the same time as production- at 4.2% of primary supply. The decline in production was initially fairly small, but has increased and 2007 production was 33% below the 2000 peak. Demand has remained more stable and resulted in a sharp fall in exports and increase in imports.

Großbritannien Energie Importe und Exporte

Nun taugt Gas nicht nur zum Heizen. Auf Grund der Entwicklung effizienter Gaskraftwerke und Preisverschiebungen im Vergleich zur Kohle ist Gas ein beliebter Energieträger zur Stromerzeugung geworden. In Großbritannien basiert mit über 46% fast die Hälfte der gesamten landesweiten Stromerzeugung auf diesem Rohstoff, Tendenz steigend.

Großbritannien Gas zur Stromerzeugung

Selbst die in dem zitierten Memo, dass aus dem Herbst des Jahres 2008 stammt, genannten Projektionen für die Importquoten wurden in den letzten Tagen geradezu zerbröselt, was zu einer hohen Nervosität führte. So wird Großbritannien im kommenden Winter nun etwa bereits die Hälfte des verbrauchten Gases importieren müssen. Wie das Energieunternehmen National Grid sagte, sei allein beim Flüssiggas (LNG) eine Steigerung der Importe per Schiff auf 40 Millionen Kubikmeter pro Tag nötig, das ist das Vierfache des Vorjahrevolumens. Weitere Importe sollen über Pipelines aus Norwegen und Holland in das Land strömen. Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen. Noch bis in das Jahr 2003 hinein war das Land Nettoexporteur dieses Rohstoffs. Stellen Sie sich einfach folgendes vor: Bayern München spielt in 5 Jahren in der vierten Liga mit den entsprechend geringen Einnahmen, hält aber die Kosten konstant. Das sollte die Situation ungefähr beschreiben.

Man darf gespannt sein, wie die Briten mit der Problematik umgehen. Sich darauf zu verlassen, zufällig ein neues Gasfeld passender Größenordnung zu finden, wäre wohl naiv. Ginge man nach diesem Konzept vor, könnte man auch täglich Schulden machen und für die Verrechung schon einmal einen baldigen Lottogewinn einplanen (und so etwas machen bekanntlich nur Staaten). Die Abhängigkeit von Energieimporten ist ein ernstes Problem, nicht nur auf der Insel. Gerade für Nationen, die für die kommenden Jahre schlecht aufgestellt sind, und zu dieser Gruppe zählt Großbritannien mit Sicherheit, wird es zunehmend problematisch werden, diese Importe zu finanzieren. Die Summen, die sich bei derartigen Nettoeinfuhren auftürmen, sollte man nicht unterschätzen, vor allem dann nicht, wenn man sich in den Jahren bis 2002/2003 relativ sicher gefühlt hat und ein dementsprechendes Verbrauchsprofil hat. Bequemlichkeiten, an die man sich in einer ganzen Generation gewöhnt hat, gibt man nicht leichten Herzens und ohne politische Grabenkämpfe ab.

Neben der mittlerweile schon strukturell zu nennenden finanziellen Abhängigkeit der britischen Wirtschaft und vor allem des Staates, der sich wie der große Bruder im Westen mit Zentralbankkäufen der eigenen Schuldtitel mühsam über Wasser hält, gesellt sich hier nun eine weitere strukturelle Abhängigkeit im Bereich Energie hinzu. Wir wissen nicht, wie Sie ein Land nennen, dass sowohl von Kapital-, Energie- und Warenimporten abhängig ist und nebenbei ein überbordendes Militär unterhält. Da wir keinem Schwellenland zu nahe treten wollen, wollen wir uns nur darauf festlegen, dass wir es hier offensichtlich nicht mit einem gesunden und aktiv agierenden Industrieland zu tun haben, was in verschiedenen Ausprägungen natürlich auch für viele andere europäische Staaten gilt. Drücken wir also den Jungs auf der Insel die Daumen, dass es keiner merkt. Viele werden sich übrigens dort sicher fragen, wo denn eigentlich die ganzen schönen Überschüsse aus den 20 Jahren als Exporteur hingewandert sind. Ein Blick auf die Infrastruktur löst die Frage nicht, zeigt aber zumindest eindrucksvoll, wo das Geld nicht gelandet ist. Und das ist ja auch schon eine Erkenntnis.

Eines wollen wir natürlich nicht vergessen: Bei den Energierohstoffen kann auch Deutschland locker um die Importweltmeisterschaft mitspielen. Aber in der BRD ist man daran ja gewöhnt. Ein kurzes Wort noch zur Gegenseite. Nimmt man die offiziellen Daten des Jahres 2008, so findet sich bei relativer Betrachtung Norwegen ganz vorne in der Tabelle. Das Land exportiert rund siebeneinhalb mal soviel an Energieträgern wie es selbst konsumiert. In absoluten Zahlen aber lagen die Exporte Russlands nach den Daten der OECD (2005) mehr als doppelt so hoch, wie die jedes anderen OECD Mitgliedes und betrugen gut 40% der gesamten OECD Energieexporte. Viel Spaß also bei geopolitischen Experimenten.

Und was tut sich in England? Auf Grund der Findigkeit der Briten kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich interessante Lösungen finden. So ist die britische Armee beispielsweise ohnehin längere Reisen gewohnt und bevorzugt seit jeher die wärmeren Regionen des Globus. Für die alten Kolonialgesellschafter gilt das gleiche, und wer weiß, vielleicht kann man ja ein paar Bürger ins (zumindest in großen Bereichen) warme Indien schicken. Einige der Hinterlassenschaften der Briten aus ihrem längeren Aufenthalt bräuchten dringend eine Generalüberholung. Jeder Kubikmeter daheim gespartes Gas zählt! Von den Banken ist hier nicht viel zu erwarten, haben doch die Geldhäuser trotz der überaus engagierten und anhaltenden Verbrennung ihres Eigenkapitals keinen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung leisten können. Bliebe noch die Möglichkeit, die beliebte Einfachverglasung auszutauschen (Noppenfolie, Bretter, Doppelglas) oder sich, das hat ja bereits ein jetziger Bundesbankvorstand den Deutschen Bürgern geraten, einen dickeren Pullover überzuziehen. Vielleicht steht ja auch der alte Webstuhl noch im Keller.

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