Vereinzelter Handel

fish market

Die Abhängigkeit der US-Wirtschaft vom Konsum ist geradezu sprichwörtlich. Damit sich alle in Konsumlaune fühlen wird fleißig am Vermögenseffekt geschraubt. Um alle Konsumwünsche auch umgehend bedienen zu können, wurde in den Staaten ein unermessliches Einkaufs-Disneyland geschaffen. Immer weitere Teile dieser schönen bunten Welt verdienen sich derzeit einen Platz in einer ungeliebten Kategorie: Überkapazitäten…

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Einkauf oder kein Kauf?

„Der Konsum, der Konsum, der hat immer Recht“, so könnte eine angelsächsische Hymne der vergangenen Dekaden gelautet haben. Hätte ein solches Liedchen existiert, so würde es sicher derzeit nicht allzu laut in den Fluren der Marketingabteilungen von Wall Street gepfiffen werden. Sollte der Konsum nämlich derzeit Recht haben – wovon durchaus auszugehen ist – dann ist es um die US Wirtschaft und diejenigen, die über Exporte am Wohl und Wehe derselben hängen, schlecht bestellt. Das ist nicht sonderlich überraschend, sorgen doch Job- und Vermögensverluste nicht für ein überschäumendes Konsumklima. Dass ein paar Goldmänner nun, nach staatlich subventionierter Risikoausweitung ihres Arbeitgebers, wieder ein paar Münzen mehr in die hingehaltenen Hüte an den Straßenecken werfen können, macht den Kohl auch nicht fett. Die de facto Pleite des Bundesstaates Kalifornien, der derzeit durch die Beurlaubung von Staatsangestellten und die Ausgabe von IOUs (Schuldscheine als Geldersatz), von sich reden macht, trägt ihren Teil zur mauen Kauflaune bei.

Spannend ist nicht der allgemeine Konsumrückgang, das ist in einer Reaktion auf eine Wirtschaftskrise nicht ungewöhnlich. Beeindruckend ist vielmehr das schiere Ausmaß der Konsumverweigerung (siehe Grafik).

USA Konsumausgaben

Während allenthalben von nötigem Optimismus und den bekanntermaßen schon zu Beginn welken „green shoots“, also den vermeintlichen ersten Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung, schwadroniert wurde, zeichnet die Realität ein anderes Bild. Obwohl der Konsum durchaus schwankungsfreudig ist, wie man der oben stehenden Grafik entnehmen kann, ist die aktuelle Situation bezogen auf die vergangenen 50 Jahre eine völlig neue. Selbst in den Krisen der 70er und 80er Jahre stiegen die nominalen Konsumausgaben der US Bürger immer an. Das war auch in der uns allen bekannten Zeit der geplatzten Tech-Blase der Fall.

Mal stiegen sie stärker, ein anderes Mal stiegen sie langsamer, aber stets wurde unter dem Strich auf Jahresbasis mehr Geld verkonsumiert. Diese sehr lange Entwicklung hat nun ein drastisches Ende genommen, liegt doch der Wert für das Wachstum der Konsumausgaben deutlich unter der Nulllinie.

Aktuell verstärkt sich in diesem Segment die Abwärtsdynamik weiter, wie der Tabelle mit den wöchentlichen und monatlichen Daten zu entnehmen ist.

US Konsum

Ohne erneute Steuergeschenke, die aber ohne zusätzliche Schulden nicht möglich sind, wird sich an der tristen Lage nichts ändern. Mit Steuergeschenken mag eine kurzfristige Stabilisierung eintreten, die aber strukturell nichts zu bedeuten hätte. Ohnehin scheinen einige US Bürger ihre Lektion aus dem aktuellen Elend schneller zu ziehen, als ihre so genannten Repräsentanten. Nach einer Umfrage des bekannten Unternehmens Gallup (gallup.com) sagen mittlerweile 23% der US Bürger, sie würden weniger ausgeben, davon planen 27%, dieses tiefere Ausgabenniveau auch nicht wieder anheben zu wollen. Sehr interessant auch die Erkenntnis von 47% der Konsumenten, die in der Tat aussagten, sie hätten bereits alles was sie bräuchten“. Da kann der Einzelhandel nur noch auf die mangelnde Haltbarkeit der bereits verkauften Produkte hoffen, ein Hoch auf die Sollbruchstelle.

Besonders hart trifft dies die Einzelhandelsketten in den Staaten, weil diese sich bis vor gar nicht so langer Zeit in einem immerwährenden Aufschwung wähnten. Es wurden neue Geschäfte geöffnet, neue Verkaufsflächen auf-, und bestehende ausgebaut. Die Mieten für Einzelhandelsobjekte stiegen.

Jetzt versiegt die Nachfrage, niemand benötigt die neu errichten Konsumtempel. Die Preise fallen und allein in 2009 sind bereits über $100 Mrd. Dollar an Krediten für Gewerbeimmobilien in Verzug. Eine enorme Summe und ein Wert, der bereits jetzt gut doppelt so hoch liegt wie der Vergleichswert aus dem gesamten Jahr 2008. Auch die Goldmänner haben bei den Gewerbeimmobilien allein im zweiten Quartal einen Verlust von $700 Mio. hinnehmen müssen.

Faszinierend ist vor allem, wie unbedarft die großen der Einzelhandelsbranche im Expansionswahn mit anscheinend verbundenen Augen in die Krise geschlittert sind. Ähnlichkeiten zur Finanzbranche sind sicher rein zufällig. Ein Blick auf die eindeutige Tendenz des Umsatzwachstums der Top 10 der US Einzelhändler offenbart eine erstaunliche Klarheit schon lange vor dem aktuellen Kollaps.

Umsatz der Top Einzelhändler in den USA

Welcher Berater auf die schlaue Idee gekommen ist, dem stetig sinkenden Umsatzwachstum mit deutlich mehr Fläche zu begegnen, ist unbekannt. Jedenfalls muss es sich um ein hochbezahltes Genie handeln, ein Normalbürger mit gesundem Menschenverstand wäre auf einen derartigen Unsinn sicherlich nicht gekommen. Vielleicht ist es derselbe Berater, der aktuell dazu rät, eine zu hohe Verschuldung mit höheren Schulden zu bekämpfen.

Drücken wir uns die Daumen, dass es nicht so ist.