Die Banken, die schaffen das

Frei nach der bundesdeutschen Vorzeigeschweigerin ist auch in der Finanzbranche der Satz „Wir schaffen das“ auf dem Vormarsch. Zum Thema Negativzinsen äußerte sich der Chef des Filialgeschäftes der Deutschen Bank und sagte „Bei uns nicht“. Wie lange diese Aussage Gültigkeit hat, sagte er nicht.

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Onkel Sam legt die Daumenschrauben an

Still und leise werden in den USA die Daumenschrauben an den Händen europäischer Großbanken angezogen. So manche Bank, die sich aus unerfindlichen Gründen noch immer für ausreichend kapitalisiert hält, wird sich bald auf Kapitalsuche begeben müssen …

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EK-Land ist abgebrannt

Seit der letzten Woche darf der ESM auch direkt Kapital an Banken vergeben. Mit den nun beschlossenen 60 Milliärdchen wird man zwar nicht weit kommen, aber die EU zeigt erneut, dass ihre Beschlüsse von gestern nicht mehr wert sind als unbesicherte spanische Immobilienkredite…

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Keine Kohle, aber Vollgas fahren

Das Geschacher um die Art und Weise der griechischen Staatspleite überlagert das grundsätzliche Problem des europäischen Finanzsektors. Der Kontinent hat zu große Banken mit zu wenig Eigenkapital. Geradezu erschreckend ist der hohe echte Hebel im Vergleich zu den Werten der US-Banken. Die europäischen Institute haben samt und sonders beide Füße auf dem Gaspedal, aber die Krone des europäischen Hebelkönigs geht nach Deutschland …

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Elite im Peinlichkeitsrausch

Wie lange es wohl noch dauern mag, bis die Damen und Herren aus der Politik begreifen, dass sie den Menschen in der Regel dann den größten Gefallen tun, wenn sie schweigen. Was alleine in den vergangenen Tagen an offenkundigem fachlichem Unwissen ans Licht kam war bemerkenswert…

Immerhin erklären die Wissensdefizite die Zähigkeit, mit der an seltsamen Behauptungen festgehalten wird. Aus Hessen erreichten Nachrichten vom dortigen Ministerpräsidenten Bouffier die Redaktionen der Welt. Dort sprach der Regierungschef auf dem International Bankers Forum und scheiterte kläglich beim Versuch Kritik und Sachkunde unter einen Hut zu bringen. Wir wollen die Leser nicht mit der Masse an Kauderwelsch belästigen, aber ein Satz des Mannes ist auch vor dem Hintergrund der EU sehr interessant! Und zwar folgender…

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Gesundheit ist relativ

Die quartalsweise veröffentlichten Daten der US Einlagensicherungsbehörde FDIC sind immer wieder einen Blick wert. Das Papier gibt einen guten Überblick über die Situation der Finanzinstitute in den Vereinigten Staaten, vor allem hinsichtlich der Entwicklung und Entstehung der Erträge. Der aktuellen Ausgabe ist wiederum eine anhaltende Tendenz zur Rückführung der Reserven zu entnehmen, die der Haupttreiber verbesserter Erträge ist. Im Behördensprech heißt das „Lower Loan-Loss Provisions Remain Key to Earnings Gains”. Steigende Erträge sind zunächst einmal positiv, allerdings ist immer auf die Qualität derselben zu achten. Seit einigen Quartalen, im Grunde seit der Stabilisierung der Erträge, ist ein Gleichlauf zwischen der deutlichen Rückführung der Reserven und der Konsolidierung der Überschüsse zu beobachten. Von einer operativen Verbesserung ist hingegen wenig bis gar nichts zu sehen.

Die Reduzierung hat mittlerweile – vor allem angesichts der nicht verbesserten Situation vieler Kreditsegmente – ein sehr erstaunliches Niveau erreicht.

Quarterly Provisions Are Lowest Since 2007. Provisions for loan losses totaled $34.9 billion, the lowest quarterly amount since fourth quarter 2007 and $28 billion (44.5 percent) less than insured institutions set aside a year earlier (FDIC)

Um mehr als 40% wurden die Rücklagen verringert. Solange sich die Reserven auf einem angemessenen Niveau befinden ist gegen eine derartige Maßnahem nichts einzuwenden. Das ist aber nicht der Fall. Die wichtige coverage ratio, das Verhältnis von Reserven zu angeschlagenen Außenständen, ist weiter gesunken und befindet sich nahe historischer Tiefs. Der Wert liegt aktuell bei nur noch 63,9%. Bei einer derartigen Strategie ist es wenig verwunderlich, wenn zum einen weiter munter Banken zum Konkursrichter gehen und zum anderen die Zahl der als problematisch eingestuften Insitute anwächst. Die so genannte problem list der Behörde weist derzeit den höchsten Wert seit 1993 auf.

The number of insured institutions on the FDIC’s “Problem List” increased from 829 to 860 during the quarter. This is the largest number of “problem” institutions since March 31, 1993, when there were 928. (FDIC)

Die Tendenz zeigt weiter aufwärts, da hilft auch auch die eher zurückhaltende Einstufung der FDIC nicht, die nicht eben im Verdacht steht, den Zustand der Branche zu negativ darzustellen. Inoffizielle Listen weisen folgerichtig teils deutlich höhere Zahlen aus, was nicht heißt, dass die offiziell genannten 829 Banken einen Anlass zur Freude geben.

Problem Insitutions

Die Assets der derartig eingestuften Banken summieren sich auf rund $380 Mrd. Bei Rückgängen seit 2009 ist zu beachten, dass insolvente Insitute natürlich aus der Statistik herausfliegen, da sie ja aller Probleme ledig sind. Wenn man die Werte für die bisher gescheiterten Geldhäuser und die aktuell als kritisch eingestuften addiert, so ergibt sich ein Wert in Höhe von mehr als $1100 Mrd. – die Assets der aktuell noch nicht abgewickelten Banken machen dabei etwa 34% aus, Neuzugänge exklusive. Das Jahr 2008 war von Großpleiten dominiert, obwohl es viele staatlich dirigierte Rettungen gab, wie etwa die Übernahmen von Wachovia oder Merrill Lynch. Seither ist die Auflösung des Sektors zu einem eher stetigen Prozess mutiert.

Für die Derivatepositionen gilt aber weiter das Sätzlein „the sky is the limit“. Hier werden die Bestände immer noch munter ausgeweitet.
Derivateexposure

Während die Einlagen der Institute im dargestellten Zeitraum um $219 Mrd. zulegten, wuchsen die Derivatebestände um rund $25.000 Mrd. Auf die Mär von sich gegenseitig vollkommen auslöschenden Risiken wollen wir nicht weiter eingehen, das hat ja bereits 2007/2008 bestens funktioniert. A versichert B per Swap. Weil A nicht das nötige Kapital hat um B im Schadensfalle zu bedienen (siehe AIG) kollabiert A und somit sind die Rechte von B nicht mehr viel Wert. B hat bis dahin die Prämien bezahlt, erhält aber keinen Gegenwert und A ist trotz der Prämien pleite. Wenn B dann auch noch alle viere von sich streckt kommt man allerdings in der Tat wieder bei Null raus, nur anders als vermutet.

Besonders interessant ist im Hinblick auf die Eigenkapitalausstattung die so  genannte Kernkapitalquote, die den impliziten Hebel der Bank darstellt. Allenthalben wird bereits wieder von einer „gesunden Eigenkapitalbasis“ fabuliert. Dieser Satz scheint sich entweder auf die Hoffnung oder auf die Zukunft zu beziehen, zu sehen ist trotz der dankbaren Nichtabschreibungspraxis von dieser Stärkung wenig. Zu beachten ist, wie oben bereits erwähnt, dass die insolventen Banken die Statistik verlassen. Ein Prozess, der auch ohne eine reale Verbesserung der Ausstattung der einzelnen verbliebenen Banken zu einer höheren mittleren Eigenkapitalausstattung führt.

Sonderlich erfolgreich sind die zahlreichen Hilfs- und Verzögerungsprogramme offensichtlich nicht, zumindest wenn es um eine strukturelle Verbesserung geht. Eine gewisse Bremswirkung der staatlichen und zentralbankinitiierten Aufkaufprogramme lässt sich aber nicht leugnen. Das allerdings kann die Laune nicht wirklich anheben, denn ebenso wie der Arbeitsmarkt befinden sich auch die Bankbilanzen in einem nach wie vor nicht beneidenswerten Zustand.

Hier noch einmal eine erläuternde Grafik, die leider nicht mehr in der offiziellen Publikation dargestellt wird. Wir haben uns die eigenhändige Erstellung dennoch nicht nehmen lassen.

invertierte Nachhaltigkeit


Wir sehen einen Sektor, der seine Reserven im Verhältnis zu den Problemkrediten stetig herunterfährt, kein Zeichen von Vorsicht oder Nachhaltigkeit. Beide Charakterzüge sind in Zeiten der bail out-Manie scheinbar wenig gefragt. Noch 2006 lagen die Reserven über den in der näheren Zukunft potenziell ausfallenden Papieren. Das hat sich dramatisch geändert und zuletzt durch den auch absoluten Abbau der Risikovorsorge verstärkt. Das mag wenig spektakulär klingen, aber es handelt sich um sehr hohe Summen, die zur Schönfärbung eines Ergebnisses eingesetzt werden, dass in der Realität – höflich formuliert – wenig attraktiv ist. So hat sich die Differenz in Verzug befindlichen Kredite und der Reserven massiv ausgeweitet.

Rechnet man die nicht vorgenommenen Abschreibungen und die zurückgeführten Reserven aus den Ergebnissen heraus, so würden die Zahlenwerke des Sektors noch deutlich schwächer ausfallen, als dies bereits der Fall ist. Wenn das ein gesunder Sektor ist, dann mögen uns kranke Branchen bitte erspart bleiben.

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Systemrelevanz leicht gemacht

Heute war es wieder so weit. Eine hörbar gut gelaunte Stimme erklärte den verbliebenen Radiohörern, wie es mit der grünen Insel soweit kommen konnte. Als Ursache wurde – kaum zu glauben – ein „Lehman Schock“ genannt. Der geneigte Hörer musste sich zunächst einmal kurz setzen um sich dann langsam wieder zu sammeln. Die Pleite einer Bank, die eine der desolatesten Bilanzen des Sektors vor sich herschob als Ursache der Misere eines Landes anzuführen, das finanziell unter den Folgen eines kollabierenden künstlichen Booms am Immobilienmarkt leidet, ist doch ziemlich abenteuerlich. Ungefähr so abenteuerlich, wie eine Aussage, die Krise am Immobilienmarkt sei durch die Insolvenz genannten Geldhauses ausgelöst worden.

Mag die über den Äther gesandte Aussage schlicht einer gewissen, weit verbreiteten Nachlässigkeit geschuldet sein. Die rückwirkend betriebene Verdrehung des Ursache-Wirkung Schemas hat derzeit Hochkonjunktur. Wir erinnern uns an die aktuellen, geradezu bizarren „Vorschläge“, Banken sollen sich „an den Kosten der Rettung Irlands“ beteiligen. Hä? Die Banken in Irland haben – wie Banken auf dem ganzen Globus – Investitionen finanziert, die sie entweder gar nicht oder falsch analysiert haben. Viele Investitionen, beispielhaft sei der Häusermarkt genannt, haben sich als mehr oder weniger verlustreich entpuppt. Auf Grund der lächerlich laxen Eigenkapitalregeln für Banken reicht das Eigenkapital der Banken für die Absorption der entstandenen Verluste nicht aus, so dass nun Staaten eben deshalb einspringen, weil der Sektor nicht dazu in Lage ist.

Wir nennen es "Investments", Sire

Vielen Staaten geht das genauso, daher werden nun Schirme aufgespannt und ungeahnte ebenfalls geliehene Mittel in die Hand genommen um über eine Staatenstützung den Bankensektor und die Versicherungen zu subventionieren. Diese Banken sollen nun diese Rettung finanzieren? Vielleicht geht es nur uns so, aber hier scheint ein geistiger Zirkelbezug vorzuliegen. Entweder sollten Investoren die selbst verschuldeten Verluste tragen und sich das hierzu benötigte Eigenkapital besorgen oder es kommt zur planwirtschaftlich-lobbyistischen Stützung des Sektors. In letzterem Falle sollte uns allen aber das Gewäsch erspart bleiben, dass die Banken auch noch zu Rettern hochstilisiert. Derartige Aussagen sind ebenso peinlich wie offensichtlich.

Zwei Ursachen der Bankenmalaise, abseits von Gier, Unvermögen und Selbstüberschätzung sind wohl die Möglichkeit der Querfinanzierung – also der Ausweitung der Kreditvergabe von Banken an Banken – und die unseligen Eigenkapitalrichtlinien des Basel Komitees in Zusammenhang mit der ebenso aberwitzigen Methodik der Risikogewichtung von Assets. Beides ermöglichte erst die hochgehebelten Unternehmensmodelle, die nichts anderes als Schönwetterkonstrukte sind.

Ein schönes Beispiel für die wachsende Vernetzung der Risiken innerhalb des Bankensektors ist der steigenden Anteil der Kredite, den die Insitute untereinander vergeben. Bank eins leiht Bank zwei Geld, diese vergibt einen Kredit an Bank drei, die wieder beim ersten Geldhaus in der Kreide steht. Prima, ein Modell, dass ein ähnliches Risiko trägt wie die Massentierhaltung auf engstem Raum, als etwa ein dicht gedrängter Schweinestall. Fängt sich eines der Tierchen einen Husten ein, so ist der ganze Bestand gefährdet. Dann heißt es: Was dem einen die Dosis Antibiotika ist dem anderen die Staatshilfe. Veterinärmediziner mögen uns diese laienhafte Darstellung nachsehen!

Das Wachstum bei den innerhalb des Bankensektors vergebenen Finanzierungen ist deutlich höher als dies bei den Nichtbanken der Fall ist (alle Werte in Euro).

Immer her mit der Kohle

Diese Tendenz zeigt sich denn auch deutlich beim Anteil der intrasektoral vergebenen Mittel. Seit den 50er Jahren hat dieser Part deutlich zugelegt.

Anteilig betrachtet

Bis auf knapp über 45% am gesamten Kreditvolumen haben es die gegenseitigen Ausleihungen gebracht, ein stolzer Wert, hat sich der Anteil doch seit den 50er Jahren verdoppelt. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der immer wieder angeführten Aufgabe des Bankensektors interessant, die ja in der Regel mit der Vergabe von Krediten an Unternehmen und Konsumenten gleichgesetzt wird.

Neben der zunehmenden Vernetzung der Banken wurde die Situation durch die Basel Kriterien verschärft. Die Einstufung verschiedener Assetklassen und Wertpapierkategorien nach bestimmten Modellen – bei Anleihen gerne nach Ratings – führte zu einer bizarren Ausgangslage, die wir hier ein wenig vereinfacht darstellen wollen. Für ein vermeintlich qualitativ gutes Asset musste wenig, für eine vermeintlich schlechtes Asset viel Eigenkapital hinterlegt werden. Klingt zunächst plausibel, führt aber im Endeffekt dazu, dass sich die Institute mit angeblichen Qualitätspapieren die Bücher fast ohne Eigenkapitalbelastung vollladen konnten. Selbst wenn es sich um ein relativ gutes Papier handelt, so ist auch dieses natürlich nicht risikolos, dieser Begriff existiert nicht in der Realität sondern hält sich lediglich tapfer in einigen Lehrbüchern. Kommt es nun zum seltenen Ereignis eines Ausfalls derartiger eigentlich als gut eingestuften Papiers (z.B. durch Bilanzbetrug oder ähnliches) so ist die Auswirkung katastrophal, denn die Instituten haben gar nicht die Eigenkapitalausstattung um einen solchen Fall auffangen zu können. Gesellt sich hierzu noch eine Unmenge an Papieren, die zwar schlecht sind aber ein gutes Rating haben, so kommt es zu der Situation, die wir heute vorfinden.

Die folgende Darstellung der Bundesbank zu Basel 2 gibt einen guten Überblick.

Verbaselt

Bei den dargestellten Werten handelt es sich um die so genannten Risikogewichte. Des Weiteren gibt es den so genannten Kapitalkoeffizienten in Höhe von 8%. Mit diesem Wert und dem Anlagebetrag ist das entsprechende Risikogewicht zu multiplizieren um auf die vorgeschriebene Eigenkapitalunterlegung zu kommen. Ist das Risikogewicht bei 0% spielt dieser Koeffizient allerdings keine Rolle, denn dann liegt die vorgeschriebene Eigenkapitalunterlegung bei Null. Ein Risiko in der Bilanz, laufende Zinseinnahmen aber keine Sicherheiten. So klappt es dann einerseits mit der Staatenfinanzierung und andererseits mit der Eigenkapitalrendite – jedenfalls so lange die Sonne scheint. So ist es möglich, mit nur €40 Mrd. eine Bilanz im Volumen von €2000 Mrd. vor sich her zu schieben und von großen Eigenkapitalrenditen zu schwadronieren. Ein besonderer Schulabschluss ist dafür nun wirklich nicht von Bedeutung, es ist halt ein einfaches Geschäftsmodell.

Spannend wird es dann, wenn ein großer Bestand an Papieren in den Büchern liegt, die bisher ein Risikogewicht von Null hatten, dann aber herabgestuft werden. Bei einem Volumen von €140 Mrd. an europäischen Staatsanleihen kommt man dann allein auf Grund des Downgrades auf einen zusätzlichen Kapitalbedarf von €28 Mrd. – das ist mehr als die jeweilige Kapitalbasis der meisten deutschen Banken. In diesem Fall muss neues Kapital aufgetrieben werden oder Assets müssen verkauft werden. Es erfordert nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, wie unattraktiv beide Varianten sind, wenn alle Branchenvertreter gleichzeitig davon betroffen sind. Daher ist der Begriff „politisches Rating“ kein Terminus aus der Märchenwelt sondern gelebte Realität. Besser wird es dadurch aber nicht – ganz im Gegenteil.


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Sektorengrippe

Die Nachrichten und Talkshows füllen sich derzeit wieder mit selbstzufriedenen Menschen, die mit wissendem Lächeln erläutern, wie sie sich freuen, dass sie die Krise hinter sich gelassen haben. In der Regel scheinen diese Helden offensichtlich eine eigene, sprich persönliche Krise zu meinen. Man solle nun mal nichts schlechtreden, es laufe doch. Ja, es ist schon erstaunlich, was man mit geborgtem oder frisch geschöpftem Mammon so alles anfangen kann. Es ist sogar möglich, Geld zu erschaffen, damit die Banken zu stützen, bei denen man sich dann wiederum Geld leiht, um in denjenigen Ländern einen möglichen Staatsbankrott aufzuschieben, die für die schönen Exportzahlen verantwortlich sind.

Im Untergrund hingegen gärt es weiter munter vor sich hin. Der Bankensektor kommt wenig überraschend nicht auf die Bein. Ein Problem, dass angesichts der damit zusammenhängenden gesamtwirtschaftlichen Probleme auf erstaunlich wenig Resonanz stößt. Es scheint ein bisschen wie mit dem Gedanken an eine anstehende Zahnbehandlung zu sein, wer will schon jeden Tag daran denken!

Im genannten Sektor ist die Krise nie vorbei gewesen. Gewisse temporäre Entlastungen ergaben sich größtenteils aus staatlichen Kaufprogrammen für Schrottpapiere (z.B. WestLB/Erste Abwicklungsanstalt) und aus der großzügigen Auslegung bestehender Bilanzierungsregeln. In vielen Veröffentlichungen der Institute selbst wird die Lage vergleichsweise nüchtern dargestellt, woher die Jubelstürme manches Zeitungsschreibers ihren Treibstoff beziehen bleibt ungewiss. So wies JP Morgan im Rahmen seiner unlängst vermeldeten Quartalszahlen, die nun wirklich alles andere als gut waren, alle Geschäftsrückgänge gewohnt offen aus. Wenn einige Gazetten daraus einen Gewinnsprung machen, mag diese Aussage ans Licht der Öffentlichkeit kommen, korrekt wird das Statement selbst durch Fettdruck nicht. Diese recht weit verbreiteten Fehlerhaftigkeit bei der raschen Kommentierung derartiger Berichte ist erstaunlich, ist doch das Lesen der entsprechenden öffentlich zugänglichen Ergebniszusammenfassung des jeweiligen Institutes eine Sache von wenigen Minuten.

An den Aktienmärkten erfreuen sich die Banken weiterhin nicht gerade sonderlicher Beliebtheit, angesichts der anstehenden Kapitalerhöhungen kann von einem Mangel an Anteilsscheinen auf absehbare Zeit keine Rede sein.

Banken und der Rest der Welt



Wer von einem „attraktiven Zeitpunkt“ für eine Kapitalerhöhung liest, der sollte daran denken, dass diese Bewertung in der Regel das Vorgehen aus dem Blickwinkel des Institutes heraus beurteilt. So ist es aufschlussreich, wie die ehemals großen Aktienrückkäufer nun Schlange stehen, um Aktien loszuwerden. Ob es attraktiv ist, einem Unternehmen Geld zu geben, damit es Löcher stopft, die es nicht vor einer Kapitalerhöhung in voller Höhe offen legt?

Um das Eintreiben von Geldern zu rechtfertigen – an eigenen Fehlern kann es nicht liegen – wird gerne ein Sündenbock gesucht. Die neuen Eigenkapitalrichtlinien werden gerne genannt. Oder die unabänderlichen Kosten einer „strategisch wichtigen Übernahme“. Was auch immer angeführt wird, der Eigenkapitalmangel ist ein hausgemachtes Problem. Durch die Devise, Verluste aus illiquiden Papieren nicht anzuerkennen, und somit einen Verkauf unter Einstand auszuschließen, dürfte sich in vielen Büchern eine Menge illiquides Zeug tummeln. Viele dieser Anlagen werden das Tageslicht des Ausgabekurses nie wieder sehen – das weiß der Großstratege. Die Frage ist, wie man sich für die entsprechenden Abschreibungen wappnet, die Werbung mit einer im Vergleich zur Konkurrenz geringeren Cash-Burn-Rate wird kaum ein zweites Mal funktionieren.

Von der Einkommensseite her ist auch nicht viel werbewirksames zu erwarten. Durch die extremen Einengungen der Risikoprämien ist mit klassischen Anlagen nicht mehr viel zu verdienen. Zudem sind verschiedene Arten von „Barwerttrades“ nicht mehr attraktiv, wenn man nicht in den Bereich der Ramschanleihen möchte oder darf. Bei derartigen Geschäften wird – vereinfacht gesagt – ein Papier mit einer Laufzeit von beispielsweise 10 Jahren gekauft. Alle über diese Laufzeit anfallenden Kuponzahlungen werden barwertig bei Geschäftabschluss abzüglich deutlicher Gebühren ausgeschüttet. Das Papier liegt die ganze Zeit auf der Bilanz und belastet das Eigenkapital ohne laufende Einnahmen zu generieren. Klingt irrsinnig, ist irrsinnig aber trotzdem nicht unüblich. Bei derartigen Geschäften geht es um wirklich große Summen, ein paar Hundert Millionen Euro bekommt man so noch schnell vor dem Jahresabschluss in die Kasse. So klappt es dann mit dem schönen Jahresergebnis, im Zweifelsfall sogar ohne Geschäftsmodell. So unterhaltsam sich dieses Vorgehen anhören mag, mit dem, was eine Bank machen sollte, hat das rein gar nichts mehr zu tun. Zudem wird es auf diese Weise auch nichts mit den bei Krisenstart beginnenden Verkürzungen der Bilanzen. Wir befinden uns übrigens, wenn man ein paar Jahre weiter zurückschaut, auf einem immer noch enorm aufgeblähtem Niveau.

Bankbilanzen

Unabhängig von den kurzfristig im Dreimonatsrhythmus getakteten Schwankungen der Nettoergebnisse zeigt sich die übergeordnete Entwicklung der Ertragslage sehr widerborstig. Das liegt zum einen an der sich nicht bessernden realen Finanzierungslage – also der Welt außerhalb der Sagenwelt der Zentralbanken. Die Lage des europäischen Interbankenmarktes deutet in den vergangenen Wochen bereits wieder auf kommenden Stress hin. Wie sollen sich auch Institute untereinander über den Weg trauen, wenn doch jedes einzelne weiß, wie es in der eigenen Bilanz zugeht. Wer will schon seine Papiere in der Bilanz herunterschreiben, nur weil ein paar Mal die Zinsen nicht bezahlt wurden? Die so genannten Impairments, also Verluste, werden nur dann anerkannt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das ist immer noch der Fall. Man kann sich nur darüber wundern, was manche Wirtschaftsprüfer scheinbar so alles abnicken. Es ist durchaus keine Seltenheit, dass Wertpapiere, für die am Markt weniger als 10% (zehn) vom Nominalwert zu bekommen wären, mit 100% in den Büchern ausgewiesen werden. Das ist nicht nur in so genannten „Zockerbuden“ oder den viel gescholtenen Hedge Funds der Fall. Im Gegenteil, hier muss in der Regel der Marktwert ausgewiesen werden, vielmehr dürfte dieses Prinzip des Aufschiebens in vielen Banken mit einem mehr oder weniger soliden Ruf der Fall sein. Falls es noch Institute mit solidem Ruf gibt. Deshalb wäre es höchst interessant, welche Preise von öffentlichen Auffanggesellschaften bezahlt wurden. Nur dann lässt sich entscheiden, wem hier welche Verluste zugeschanzt werden.

In der ganzen Breite betrachtet steht das ursprüngliche Geschäft der meisten Finanzkonzerne kopf. Die Finanzierungskosten am Markt übersteigen diejenigen, die bei Industriekonzernen anfallen. So ist es kein Wunder, wenn sich viele Großunternehmen anschicken, eigene Banken zu gründen.

Die Bank steht kopf

Geld für 4% leihen und es dann für 3% wieder ausleihen? Mit dieser Idee hätte man es bestenfalls in den Neuen Markt geschafft. Niedrige Zinsen bei der Finanzierung gibt es nur auf Grund der Zentralbankeingriffe und Rettungstöpfe. Dieser Zustand hat mit Wettbewerb und Markt nichts zu tun. Wenn ein Geschäftsmodell über lange Jahre nicht funktioniert, muss das Unternehmen geschlossen werden. Viele Besitzer von Unternehmen haben diese oder ähnliche Aussagen in den vergangenen Dekaden gehört, wenn eine Finanzierung geplatzt ist. Die Aussage ist durchaus korrekt, allerdings sollte sie in einer Marktwirtschaft für alle gleichermaßen gelten.

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Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Alle Quartale wieder lockt die Ergebnisssaison. Während der Anfang bekanntermaßen in den Staaten vom Aluminiumkonzern Alcoa gemacht wird, ist für die Absurditäten seit längerer Zeit der Bankensektor zuständig.

Die kürzlich gemeldeten Zahlen von JP Morgan waren erneut ein Beispiel für die in den Medien leider weit verbreitete oft kritiklose Übernahme von Meinungen, die ihren Ursprung scheinbar direkt in New York haben. So wird eine Nachricht, oder oft nur eine Überschrift, via Reuters oder Bloomberg verbreitet und findet mehr oder weniger abgewandelt und übersetzt ihren Weg in die Gazetten. So kam es auch diesmal wieder zu vielen sehr positiv gefärbten Veröffentlichungen, die den Ursprung der aktuellen Kennzahlen nicht oder sehr unzureichend zur Kenntnis nahmen. Oft geben sich die Kommentatoren sogar bass erstaunt darüber, dass die vermeintlich „guten Zahlen“ dem Aktienmarkt nicht helfen.

So lag das Ergebnis für das vergangene Quartal von JPM ungefähr auf der Höhe des Wertes aus der besten aller Bankenwelten, also aus der Zeit kurz vor dem Beginn der anhaltenden Krise. Nun ist JPM nicht mehr das gleiche Institut wie damals, daher soll uns  an dieser Stelle der Anschaulichkeit halber der Vergleich zum Vorjahresquartal genügen.

Um satte 75% stieg das ausgewiesene Ergebnis. Das ist für den unbedarften Betrachter gelinde gesagt erstaunlich, aber ein Blick ins Zahlenwerk verschafft rasch Klarheit. Zunächst einmal fällt das geringere Handelsvolumen aus, das zusammen mit rückläufigen Erträgen aus der Sparte Rentenhandel und Investmentbanking daherkommt. Nun offenbart ein gleichzeitiger 75%iger Ergebnisanstieg bei darbendem Trading und Investmentbanking, dass hier irgendwas im Argen liegt. Die Suche nach dem Ursprung ist kurz, die Bank hat die Risikovorsorge zurückgefahren und zwar drastisch.

Die Rücklagen für Verluste aus dem Kredit- und Bondgeschäft wurden um rund $5,3 Mrd. eingedampft. Wir möchten hier anmerken, dass der wundervolle, für das Quartal ausgewiesene Gewinn bei insgesamt $4,8 Mrd. zum Stehen kam. Bei konstanter Risikovorsorge wäre das Bild des Bankenriesen folglich schon ziemlich rissig. Angesichts der weiter anziehenden Ausfallraten in den  meisten Kreditkategorien und der wohl doch eher „L“ als „V“-förmigen Wirtschaftsentwicklung mit den bekannten Auswirkungen auf Konsumentenkredite, Hypotheken und Finanzierungen im Bereich Gewerbeimmobilien, erscheint uns die Rückführung der Reserven zum jetzigen Zeitpunkt als ziemlich gewagter Schritt. Vielleicht ist man bei den Morgans derzeit eher auf die Öffentlichkeitsarbeit als auf die Einschätzung kommender Risiken fokussiert, wer weiß das schon.

Reserven JP Morgan, Ausfallrate Hypotheken insgesamt

Angesichts der schieren Größe von JP Morgan lässt sich das Argument, die Bank habe vielleicht eine sehr gute Auswahl bei der Kreditvergabe oder den Anleihenkäufen getätigt, schnell entkräften. Ein Blick auf die Allokation der verschiedenen Investments lässt wie zu vermuten ist,  das Fazit zu, dass sich die Bank auch bei vielleicht besseren Auswahlverfahren als die Konkurrenz dem Gesamtmarkt nicht entziehen kann. Wenn dies nicht der Fall wäre, lägen die Problemkredite halt bei den anderen Banken, so dass diese die Risikovorsorge steigern sollten.

Eine solche Entwicklung ist in der Breite nicht erkennbar. Vielmehr gehen die Institute in der Breite dazu über, die Erholung der letzten Quartale in die Zukunft fortzuschreiben. Damit folgen die Firmen den zahlreichen Analysehäusern, die eben dies mit den Erholungen bei Firmeneinnahmen, Auftragseingängen und einigen makroökonomischen Kennzahlen zu tun pflegen. Das sollte sich angesichts der Ausgangslage wohl als deutlich zu optimistisch herausstellen.
Immerhin nimmt die Rückführung der Risikovorsorge zukünftige Intransparenzen aus dem Markt, schlagen doch Verschärfungen der Situation demnächst wieder direkt auf die Ergebnisse durch Aber bis dahin hat der ein oder andere seine Prämie bereits wieder vereinnahmt.

JP Morgan ist übrigens nicht allein. Allerdings ist die Bank jede Woche ein bisschen einsamer, denn bei vielen Banken kommt es in den Staaten gar nicht mehr zur Anpassung der Risikovorsorge, da sie vorher zum Konkursrichter schreiten. Am vergangenen Wochenende hat es erneut sechs Insitute erwischt, im laufenden Jahr kommt man bei der FDIC derzeit auf 96 Geldhäuser (siehe auch unser aktualisiertes Pleit-O-Meter).

Nur nicht drängeln - im Horrorkabinett der FDIC

Nun ist diese Tendenz kein Zufall sondern vielmehr eine absehbare Entwicklung, die zu nicht unwesentlichen Anteilen auf eine branchenweit viel zu geringe Risikoreserve zurückzuführen ist. So sinkt die coverage ratio, das Verhältnis von Reserven zu problematischen Krediten, seit Jahren und pendelt derzeit um die Marke von 64%.

 

Ein branchenweites Phänomen

Für kritische Positionen in einer Höhe von $1 Mio. liegen also lediglich $640.000 an Reserven bereit. Da zudem der Quotient der Summe sich verschlechternder Kredite zu sich verbessernden Krediten bei deutlich mehr als zwei liegt, ist hier mit einer Entspannung vorerst nicht zu rechnen.

Es ist also ein ganz erstaunlicher Zeitpunkt, zu dem sich JP Morgan zum Abbau von Reserven entschließt. Aber wie heißt es so schön? „Man muss die Feste feiern wie sie fallen“. Wir wünschen ein frohes Fest.

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Finanzierung neuester Stand

Im Grund ist eine Bank kein sonderlich kompliziertes Geschäft. Der Vorgang, Geld zu leihen und dies wieder zu verleihen, ist sicher wesentlich einfacher als der Bau eines komplizierten technischen Apparates oder die Zubereitung ausgefeilter Mahlzeiten. Eine Zentralbank legt den Zinssatz am kurzen Ende fest, die Einschätzung des eigenen Institutes durch den Markt bestimmt über die Risikoaufschläge die Finanzierungskosten. Ein schöner Regulierungsüberbau mit abenteuerlicher Risikogewichtung und anderen Anwendungen scheinwissenschaftlicher Methoden ermöglicht über rein virtuelle Eigenkapitalentlastungen das Fahren eines großen Hebels. Selbiger lässt dann so manchen Branchenvortänzer angestrebte Eigenkapitalrenditen äußern, die den eher bodenständigen Teilnehmern der Realwirtschaft entweder das Staunen, den Unglauben oder beides zugleich ins Gesicht treibt.

Folglich ist es prinzipiell, wenn man sich andere Branchen wie etwa den Maschinenbau anschaut, vergleichsweise einfach, mit einer Bank Geld zu verdienen. Problematisch wird es erst dann, wenn der ein oder andere, oder auch fast alle, über das Ziel hinausschießen, und bei der Beurteilung der Qualität der Investments und des Marktes nachlassen und sich mehr auf das Verwalten der Vergütungen und des Controllings der zwölften Nachkommastelle von Positionen widmen. Es gibt sogar Menschen in der Branche, die meinen man könne auch „einige Jahre ganz ohne Marktmeinung auskommen“. Ein überaus interessantes Modell. Das ist ungefähr so, als würde ein Flugzeugentwickler sagen, er könne für gewisse Zeit auch ohne auf die lästigen Einschränkungen der Physik zu achten ein paar funktionierende Flieger konstruieren. Diese Person käme sicherlich nicht in den Genuss einer Leitungsposition im Konstruktionsbereicht bei Boeing oder Airbus. Hoffentlich.

Nun macht der Markt sich hinsichtlich der Risiken von Banken, Staaten und Unternehmen so seine eigenen Gedanken. So konvergierten die Risikoprämien von Staaten und Unternehmen und die von Staaten und Banken. Allem Anschein nach bringen die Rettungs-, Stützungs- und Überbrückungsprogramme eines Teils der weltweiten Staatengemeinschaft das ultimative Risiko auf den Weg. Aus einer ehemals differenzierten Betrachtung der Einzelrisiken gelangt der Markt zusehends zu einer reinen Aufteilung zwischen direkt und indirekt staatlich subventionierten Sektoren. Zu den direkten Empfängern von Staatshilfen gehören größtenteils die Hauptdarsteller der FIRE Economy (Finance, Insurance, Real Estate). Banken wurden direkt gestützt, Versicherer auf Grund der Signalwirkung eher indirekt, wie auch der überaus seltsame Erwerb des Trümmerhaufens Dresdner Bank von der Allianz durch die Commerzbank vermuten lässt. Auch Industrieunternehmen haben profitiert, zum einen über Zeitarbeitsregelungen aber auch über direkte Subventionen. Letzteres zeigt sich in der auf höchst einfältige Art und Weise als „ökologisch“ vermarkteten Prämie für die Verschrottung funktionsfähiger und den Kauf neuer Automobile.

Die Zahlen der Commerzbank, die erwartungsgemäß übel ausfielen („Loch Bless“ lässt grüßen) sowie die neuen Abgründe bei britischen und irischen Banken (RBS, Lloyds, Irish Banks) legen den Schluss nahe, dass der mit Steuermitteln erkaufte Zeitgewinn langsam aber sicher ausläuft. Die Krone der Finanzbranche teilen sich wieder einmal die beiden unter staatlicher conservatorship stehenden Hypothekeninstitute Freddie Mac und Fannie Mae aus den USA. Gemeinsam haben die beiden allein in 2009 einen Verlust von gut $100 Mrd. aufs Parkett gelegt. Der Verlust legte in dem in weiten Teilen der öffentlichen Darstellung doch so positiven Jahr sogar zu.

For the full year of 2009, Fannie Mae reported a net loss of $72.0 billion, compared with a loss of $58.7 billion for 2008. The fourth-quarter loss resulted in a net worth deficit of $15.3 billion as of December 31, 2009, taking into account unrealized gains on available-for-sale securities during the fourth Quarter.

Das im Zitat erwähnte “net worth deficit” in Höhe von $15,3 Mrd.  bedeutet für Onkel Sam nichts anderes als eine wieder einmal anstehende neue Kapitalspritze in genannter Höhe.

[Freddie Mac] Full-year 2009 net loss was $21.6 billion. After dividend payments of $4.1 billion during the year to Treasury on the senior preferred stock, net loss attributable to common stockholders was $25.7 billion (…) for the full-year 2009.

Hier wird wieder einmal die Schizophrenie der staatlichen Stützung deutlich. Zum einen muss das Schatzamt ständig Milliarden nachschießen, auf der anderen Seite sind Teile der Verluste des Gesamtkonzerns auf Dividendenzahlungen auf Vorzugspapiere zurückzuführen, die der Staathält. Daran sollte man denken, wenn wieder einmal ein feierlicher Artikel zum Thema zu lesen ist, in dem darauf verwiesen wird, der Staat nehme doch durch die von ihm erworbenen Papiere auch Geld ein.

Zur Einordnung der genannten Summen, gemeinsam haben die beiden Institute in einem Jahr eine Summe verbrannt, die annähernd ein Drittel des griechischen Bruttoinlandsprodukts beträgt. Wir erinnern uns, dass die aktuell vordringlichste Aufgabe der beiden Institute derzeit eigenen Aussagen zufolge in der „Bereitstellung von Liquidität am Hypothekenmarkt“ liegt. Übersetzt in die Alltagssprache heißt dies, die Firmen kaufen Papiere, für die es keinen Markt mehr gibt. Dazu zählen nun einmal unter anderem fast alle Kategorien von US Hypotheken. Ärgerlich, ist dies doch kein gutes Segment, wenn es um die Erzielung von Gewinnen geht.

Ein Blick auf die Risikoprämien für europäische Finanzinstitute und Unternehmen anderer Sektoren in Europa zeigt nun, dass der Markt den mit Steuermitteln erworbenen Zeitgewinn für die Branche ein weiteres Mal auch auf unserem Kontinent für aufgebraucht hält.

financial versus nonfinancial CDS

Die Risikoprämien, die einen Eindruck von den Refinanzierungskosten der einzelnen Sektoren vermitteln, indizieren erneut eine Ausnahmesituation. Die Risikoprämien der Finanzinstitute (im iTraxx Financial Index) überschreiten seit kurzem wieder die Spreads der non financials, eine Situation die sich auch bei den Anleiherenditen zeigt und somit keine Anomalie des Marktes für synthetische Produkte darstellt. Das kommt, so zeigt auch die Historie, nicht häufig vor. Betrachtet man diese Situation vom Standpunkt der Refinanzierungskosten, so stellt dies den gesamten Prozess der Kreditvergabe auf den Kopf. Wenn eine Bank höhere Fremdkapitalkosten hat als das Unternehmen, dem es Geld leiht, so ist dies gelinde gesagt im System so nicht vorgesehen. Wie die Darstellung zeigt, kommt es in der Regel nur zu besonderen Anlässen zu derartigen Bewegungen.

Nun laufen Refinanzierungen zumindest im Rahmen des möglichen gerne auch kurzfristig, etwa auf Quartalsbasis, so dass es  für Banken durchaus möglich ist, mit positiver Gewinnerwartung zu finanzieren. Voraussetzung für ein Eintreffen der Erwartung ist dabei das Funktionieren des kurzfristigen Interbankenmarkts. Wer sich das Spektakel in den vergangenen Jahren von innen anschauen durfte weiß, dies ist nicht immer der Fall. Kurzfristig leihen und langfristig ausleihen beinhaltet nun einmal zwei Risiken, wie auch immer der einzelne Marktteilnehmer diese gewichten mag. Zum einen kann der Kreditnehmer ausfallen und das Geld ist futsch, zum anderen kann meine Finanzierung platzen bzw. Probleme bereiten. Hält man dann ein illiquides Asset auf dem Buch kommt es bei nicht fristenkongruenter Finanzierung rasch zu Schwierigkeiten.  Aber dieses Risiko können sich viele sicher schon nicht mehr vorstellen.


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