Augen auf beim ETF-Kauf!

Was beim Kauf von Rohstoff ETPs zu beachten ist. ETP bedeutet Exchange Traded Product.

Die letzten Jahre waren für viele Rohstoffproduzenten eine harte Zeit. Während nahezu alle Anlageklassen rund um den Globus neue Hochpunkte markierten und die Weltwairtschaft robust vor sich hin wächst erreichten die Rohstoffpreise neue Tiefpunkte. Ist das Ende der Abwärtsbewegung bald erreicht?

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Tanker voraus

Ein beliebtes Vorgehen an den Rohstoffmärkten war es vor einiger Zeit, die Terminstruktur der Öl Futures auszunutzen. Die Situation, dass Kontrakte für die weiter in der Zukunft liegende Lieferung des Rohstoffes signifikant höher notierten als der Spotpreis (ein sehr deutliches so genanntes Contango) lockte zahlreiche Protagonisten auf den Plan, darunter so illustre Namen wie Royal Dutch oder BP. Die Geldbranche durfte natürlich nicht fehlen, so fanden sich unter anderem JP Morgan und Morgan Stanley auf der Spielfläche ein.

Tanker Intro

Das Prozedere ist vergleichsweise einfach und funktioniert auch bei anderen lagerfähigen Rohstoffen mit entsprechender Terminstruktur. Wir bleiben aber aus gegebenem Anlass beim schwarzen Gold.

Der Marktteilnehmer kauft das Öl physisch und sichert sich über die entsprechenden Futures ab. Zum Ende der Kontraktlaufzeit konvergieren Spot- und Terminpreis, aus dieser Konvergenz ergeben sich wegen der Terminstruktur bei Abschluss teils massive Gewinne. Zur Einschätzung der Größenordnung des Trades: Eingelagert wurde eine Menge Öl, die den gesamten Verbrauch der 27 EU Staaten für drei Tage decken könnte. Insgesamt wurden zu diesem Zwecke 168 Tanker für die Lagerung eingesetzt.

Diesem synthetischen Preis muss man die realen Kosten gegenüberstellen. Die Versicherungskosten sind in der Regel vernachlässigbar. Die realen Finanzierungskosten orientieren sich an den aktuellen Zinskurven und unterscheiden sich für verschiedene Investoren. Auch die echten Lagerkosten können in Abhängigkeit vom Investor sehr stark variieren. Kurz gesagt, wer über günstige Finanzierungsmöglicheiten verfügt und dazu noch Lagerkapazitäten besitzt oder günstig mieten kann, ist klar im Vorteil. In der Regel handelt es sich bei solchen Entitäten um Banken und Anbieter von Lagerkapazitäten. Viele Banken besitzen für derartige Spielchen eigene Rohstoffhandelshäuser oder sind an solchen beteiligt. Diese Firmen arbeiten sowohl im physischen Handel als auch am Terminmarkt. Es ist leicht nachvollziehbar, warum oft beide Aktivitäten in einem Konzern integriert sind. In einem Bullenmarkt sind die Lagerhäuser leer, aber der Terminhandel blüht, in einer lang anhaltenden Periode wirtschaftlicher Schwäche dünnt der Futureshandel aus, aber die Läger schwillen an, so dass hier Einnahmen aus der Lagerung generiert werden können.

Die Entwicklung des Contango bis zu ihrem Maximum im Jahre 2009 lässt sich an den folgenden Grafiken ablesen. Von der inversen Terminstruktur im Juli 2007 dreht sich die Struktur komplett um und zum  Januar 2009 wird eine Differenz zwischen Front Monat und dem 5 Monate später fälligen Futures Kontrakt von mehr als $10 erreicht.

contango am Ölmarkt

Seit Beginn des Jahres hat sich im Zuge der Normalisierung der Terminstruktur diese Differenz bereits wieder um 50% reduziert und liegt aktuell in etwa bei $5.

contango am Ölmarkt 2009

Zu den Lagerkapazitäten gehören in Zeiten des drastisch eingedampften Welthandels auch die nicht benötigten Schiffe. Bedeutende Teile der weltweiten Tankerflotte liegen brach, was viele Handelshäuser und Banken dazu inspirierte, diese Tanker nicht als Transportvehikel sondern als einfache Lagerkapazitäten anzumieten. Die so entstandene zusätzliche Nachfrage nach Tankern aus Gründen der Lagerung ließ den Einbruch auf dem eigentlichen Frachtmarkt milder erscheinen, als er wirklich war, und sorgte für eine Abfederung des Einnahmeneinbruchs bei den Betreibern der Schiffe. Nun endet aber bald der Öltrade, denn die entsprechenden Kontrakte werden fällig, Positionen werden aufgelöst und das Öl wird gegen die Futures geliefert. Die Tanker werden nun nicht mehr benötigt und schwimmen fortan wieder als leere Kostenstellen über die Meere oder werden eingemottet. Da der Welthandel weiterhin darbt, stoßen diese Schiffe unglücklicherweise auf weiterhin bestehende deutliche Überkapazitäten.

Die Tanker, die für den oben beschriebenen Trade eingesetzt wurden, haben aneinandergereiht eine Länge von etwa 40 Kilometern. Allein innerhalb der kommenden sechs Monate werden mehr als ein Viertel der Kontrakte fällig. Diese wieder frei gewordenen Kapazitäten stoßen zudem auf einen hohen Ausstoß der Werften, der sich noch aus alten Aufträgen aus der seligen Boomzeit speist.

So wird die weltweite Tankerflotte in 2010 trotz sinkender Frachtnachfrage um 12% wachsen, wobei 5 Prozentpunkte der Ausweitung allein auf das Konto der nicht mehr zur Lagerung eingesetzten Schiffe gehen. Der Einfluss auf die Frachtraten ist sehr negativ einzuschätzen. Es wird mit einem Rückgang um rund 25% gerechnet. Diese weitere Senkung der Einnahmen kommt für viele Schiffseigner zu einem Zeitpunkt, zu dem es ohnehin nicht um das Geldverdienen geht, sondern um das Kleinhalten von Verlusten.

Oder, wie es Herr Stopford, Director beim weltweit größten Schiffsbroker Clarkson Plc, ausdrückt:

“There are a lot of things to worry about on the economic front,” Clarkson’s Stopford said. “You don’t get over body shocks like that overnight. You get run over by an 8-wheeler truck and you don’t go back to work the next day.”
Bloomberg

So wie es ausschaut, werden noch viele Schiffsfonds ihre Eigner mit Nachschussforderungen erfreuen….

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