Wärmer wird’s nicht

Hallo,

diesen Artikel haben wir im Rahmen unserer Kooperation mit Cashkurs veröffentlicht.

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Die britische Wirtschaft war eins das Zentrum der weltweiten Textilindustrie. Lange ist es her, mag man denken, aber vielleicht erleben die Tuchmacher in der kommenden Dekade einen überraschenden neuen Aufschwung. Denn angesichts der Lage der britischen Energieversorgung kann man gar nicht genug warme Decken auf Vorrat produzieren.

Auf Bilder aus den Zeiten der Industrialisierung verzichten wir an dieser Stelle, da Verwechslungen mit bestehenden britischen Industrieanlagen nicht auszuschließen sind. Wenn selbst den Redakteuren der altehrwürdigen Times angesichts der in Windeseile vollzogenen Wandlung der britischen Wirtschaft vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur von Energie die Ärmelschoner jucken, wollen wir einmal in Ruhe nachschauen, was da los ist im ehemaligen „Empire“.

UK runs out of Gas

Die Entwicklung der britischen Energieversorgung ist in der Tat beeindruckend. Nach einer etwa 20 Jahre dauernden Ära als Nettoexporteur von Energie, die mit dem Anzapfen der Gas- und Ölfelder in der Nordsee begann, ist Großbritannien im Jahr 2004 in die roten Zahlen gerutscht und weitet seither sein Energiedefizit mit zunehmender Geschwindigkeit aus. Mittlerweile sind die Briten in allen vier Segmenten des Energiesektors von Einfuhren abhängig, also sowohl bei den festen Energieträgern (z.B. Kohle), bei der Elektrizität, beim Gas und nun sogar beim Öl.

Als Begründung nennen die Energiebehörden und Unternehmen wie British Gas und Centrica die rascher als geplant abschmilzenden Reserven der Gas- und Ölfelder, die ihre maximale Produktion im Mittel im Jahr 2000 hinter sich gebracht haben. Beim Nordseeöl etwa sinkt die Produktion konstant seit 1999. Auch neue Produktionsstätten konnten die Rückgänge der ehemals gigantischen Felder nicht kompensieren.

Von besonderer Bedeutung ist in Britannien das Gas. Seit 1970 hat sich der Konsum dieses Energieträgers mehr als verachtfacht. Gleichzeitig ging die Produktion vom leichten Gleiten in den freien Fall über. In einem Memo aus dem Parlament liest sich dies folgendermaßen:

Net exports (of gas) peaked in 2000 – the same time as production- at 4.2% of primary supply. The decline in production was initially fairly small, but has increased and 2007 production was 33% below the 2000 peak. Demand has remained more stable and resulted in a sharp fall in exports and increase in imports.

Großbritannien Energie Importe und Exporte

Nun taugt Gas nicht nur zum Heizen. Auf Grund der Entwicklung effizienter Gaskraftwerke und Preisverschiebungen im Vergleich zur Kohle ist Gas ein beliebter Energieträger zur Stromerzeugung geworden. In Großbritannien basiert mit über 46% fast die Hälfte der gesamten landesweiten Stromerzeugung auf diesem Rohstoff, Tendenz steigend.

Großbritannien Gas zur Stromerzeugung

Selbst die in dem zitierten Memo, dass aus dem Herbst des Jahres 2008 stammt, genannten Projektionen für die Importquoten wurden in den letzten Tagen geradezu zerbröselt, was zu einer hohen Nervosität führte. So wird Großbritannien im kommenden Winter nun etwa bereits die Hälfte des verbrauchten Gases importieren müssen. Wie das Energieunternehmen National Grid sagte, sei allein beim Flüssiggas (LNG) eine Steigerung der Importe per Schiff auf 40 Millionen Kubikmeter pro Tag nötig, das ist das Vierfache des Vorjahrevolumens. Weitere Importe sollen über Pipelines aus Norwegen und Holland in das Land strömen. Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen. Noch bis in das Jahr 2003 hinein war das Land Nettoexporteur dieses Rohstoffs. Stellen Sie sich einfach folgendes vor: Bayern München spielt in 5 Jahren in der vierten Liga mit den entsprechend geringen Einnahmen, hält aber die Kosten konstant. Das sollte die Situation ungefähr beschreiben.

Man darf gespannt sein, wie die Briten mit der Problematik umgehen. Sich darauf zu verlassen, zufällig ein neues Gasfeld passender Größenordnung zu finden, wäre wohl naiv. Ginge man nach diesem Konzept vor, könnte man auch täglich Schulden machen und für die Verrechung schon einmal einen baldigen Lottogewinn einplanen (und so etwas machen bekanntlich nur Staaten). Die Abhängigkeit von Energieimporten ist ein ernstes Problem, nicht nur auf der Insel. Gerade für Nationen, die für die kommenden Jahre schlecht aufgestellt sind, und zu dieser Gruppe zählt Großbritannien mit Sicherheit, wird es zunehmend problematisch werden, diese Importe zu finanzieren. Die Summen, die sich bei derartigen Nettoeinfuhren auftürmen, sollte man nicht unterschätzen, vor allem dann nicht, wenn man sich in den Jahren bis 2002/2003 relativ sicher gefühlt hat und ein dementsprechendes Verbrauchsprofil hat. Bequemlichkeiten, an die man sich in einer ganzen Generation gewöhnt hat, gibt man nicht leichten Herzens und ohne politische Grabenkämpfe ab.

Neben der mittlerweile schon strukturell zu nennenden finanziellen Abhängigkeit der britischen Wirtschaft und vor allem des Staates, der sich wie der große Bruder im Westen mit Zentralbankkäufen der eigenen Schuldtitel mühsam über Wasser hält, gesellt sich hier nun eine weitere strukturelle Abhängigkeit im Bereich Energie hinzu. Wir wissen nicht, wie Sie ein Land nennen, dass sowohl von Kapital-, Energie- und Warenimporten abhängig ist und nebenbei ein überbordendes Militär unterhält. Da wir keinem Schwellenland zu nahe treten wollen, wollen wir uns nur darauf festlegen, dass wir es hier offensichtlich nicht mit einem gesunden und aktiv agierenden Industrieland zu tun haben, was in verschiedenen Ausprägungen natürlich auch für viele andere europäische Staaten gilt. Drücken wir also den Jungs auf der Insel die Daumen, dass es keiner merkt. Viele werden sich übrigens dort sicher fragen, wo denn eigentlich die ganzen schönen Überschüsse aus den 20 Jahren als Exporteur hingewandert sind. Ein Blick auf die Infrastruktur löst die Frage nicht, zeigt aber zumindest eindrucksvoll, wo das Geld nicht gelandet ist. Und das ist ja auch schon eine Erkenntnis.

Eines wollen wir natürlich nicht vergessen: Bei den Energierohstoffen kann auch Deutschland locker um die Importweltmeisterschaft mitspielen. Aber in der BRD ist man daran ja gewöhnt. Ein kurzes Wort noch zur Gegenseite. Nimmt man die offiziellen Daten des Jahres 2008, so findet sich bei relativer Betrachtung Norwegen ganz vorne in der Tabelle. Das Land exportiert rund siebeneinhalb mal soviel an Energieträgern wie es selbst konsumiert. In absoluten Zahlen aber lagen die Exporte Russlands nach den Daten der OECD (2005) mehr als doppelt so hoch, wie die jedes anderen OECD Mitgliedes und betrugen gut 40% der gesamten OECD Energieexporte. Viel Spaß also bei geopolitischen Experimenten.

Und was tut sich in England? Auf Grund der Findigkeit der Briten kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich interessante Lösungen finden. So ist die britische Armee beispielsweise ohnehin längere Reisen gewohnt und bevorzugt seit jeher die wärmeren Regionen des Globus. Für die alten Kolonialgesellschafter gilt das gleiche, und wer weiß, vielleicht kann man ja ein paar Bürger ins (zumindest in großen Bereichen) warme Indien schicken. Einige der Hinterlassenschaften der Briten aus ihrem längeren Aufenthalt bräuchten dringend eine Generalüberholung. Jeder Kubikmeter daheim gespartes Gas zählt! Von den Banken ist hier nicht viel zu erwarten, haben doch die Geldhäuser trotz der überaus engagierten und anhaltenden Verbrennung ihres Eigenkapitals keinen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung leisten können. Bliebe noch die Möglichkeit, die beliebte Einfachverglasung auszutauschen (Noppenfolie, Bretter, Doppelglas) oder sich, das hat ja bereits ein jetziger Bundesbankvorstand den Deutschen Bürgern geraten, einen dickeren Pullover überzuziehen. Vielleicht steht ja auch der alte Webstuhl noch im Keller.

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FDIC – Unendliche Weiten

In werter Gesellschaft mit so genannten Schwarzsehern und ebenfalls so genannten Pessimisten kann der interessierte Mensch nur sein müdes Haupt schütteln und laut ausrufen: Hey, es sind nur die Fakten. Oder, um es in den Worten des Landes zu sagen, das sich rühmen darf, Ursprungsherd der aktuellen Krise zu sein: “Don’t shoot the messenger!”.

John Wayne FDIC

Schließlich haben es dortige Protagonisten vollbracht, den alleinseligmachenden, schuldenfinanzierten Konsum soweit in den Status einer Religion zu erheben, dass es sicher schon Pläne für eine “Vierfaltigkeits-Shopping Mall” (inkl. drive in) gab. Mögen auch in den Herstellernationen die Produzenten schon mit den Hufen scharren, um die Produktion wieder anzufahren und so das “zarte Pflänzchen Aufschwung” (immerhin schon wieder satte minus 5% BIP Wachstum) zu einer wahren Wachstumswelle aufzublasen und über die wartenden Massen zu senden. Trotz allem hakt es im Getriebe. Oder ist es gar der Tank, der leer ist? Letzeres ist zumindest die naheliegende Vermutung, wenn man sich das aktuelle Memorandum der (auch nur noch so genannten) Einlagensicherungsbehörde FDIC durchliest. Der Treibstoff des Konsums waren Kredite. Diese wurden von Banken vergeben, die nun derartige Verluste einfahren, dass sie keinen Sprit mehr anbieten können. Nachdem wir uns bei den amerikanischen Bankenpleiten allein im Jahre 2009 im gestreckten Galopp auf die 100er Marke zubewegen, hat der Einlagensicherungsfonds, der DIF (deposit insurance fund), nun alle Viere von sich gestreckt. Laut FDIC Memo ist der Fonds leer. Weil es so furchtbar pessimistisch klingt, aber doch nur ein Fakt ist, wiederholen wir es noch einmal in einer eigens dafür leergeräumten Zeile.

USA Einlagensicherungsfonds

Nach offiziellen Angaben der FDIC ist der Einlagensicherungsfonds der Vereinigten Staaten von Amerika leer. Und er wird es bleiben. (Quelle: Memo FDIC http://www.fdic.gov/news/board/Sept29no1.pdf).

Pursuant to these requirements, staff estimates that both the Fund balance and the reserve ratio as of September 30, 2009, will be negative.
(…)
Staff has also projected the Fund balance and reserve ratio for each quarter over the next several years using the most recently available information on expected failures and loss rates and statistical analyses of trends in CAMELS downgrades, failure rates and loss rates. Staff projects that, over the period 2009 through 2013, the Fund could incur approximately $100 billion in failure costs. Staff projects that most of these costs will occur in 2009 and 2010.

Genauer gesagt ist das Vehikel nicht nur leer sondern erstreckt sich gleich in den negativen Bereich, und auch die weiteren Aussichten hören sich nicht attraktiv an. Angesichts der vollkommenen Fehleinschätzungen, die sich die FDIC in den vergangenen Jahren geleistet hat, darf man auch als Optimist gerne von deutlich schlechteren Werten ausgehen. Wächst in Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, da nicht auch ein zartes Pflänzchen Sicherheit? Dann wollen wir uns alle jetzt für eine Minute nicht bewegen, damit wir es nicht achtlos zertrampeln.

Aber wie heißt es so schön? Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Und so wollen wir uns ganz optimistisch an dieser Veröffentlichung erfreuen und im Vorbeigehen ein paar weitere Zahlen als Dessert genießen.

Kurz ein paar Worte zum Einlagensicherungsfonds DIF. Dieser speist sich aus Beiträgen der über 8000 Banken, die am Einlagensicherungssystem in den Staaten teilnehmen. Um eine gewisse Sicherheit zu gewährleisten, hat man – ähnlich einer normalen Versicherung – errechnet, wie hoch die Beiträge sein müssen, um bei gelegentlichen Bankenpleiten die Einlagen der Kontobesitzer absichern zu können. Die in den Statuten der FDIC vorgeschriebene (!) Höhe der Reserven des Fonds liegt bei einem Niveau von 1,15% aller abgesicherten Einlagen. Diese haben derzeit eine Höhe von ca. 9,02 Billionen Dollar, folglich müsste der Fonds derzeit Sicherheiten von etwas über 100 Mrd. Dollar vorhalten. Selbst diese Summe wäre natürlich in einer Krise von diesem Ausmaß nicht annhähernd ausreichend, aber wie man so schön sagt, ein bisschen ist besser als nichts.

Immerhin zeigt uns dieser Wert das aktuelle Defizit des Fonds, für dessen Deckung sich nun sicher der Staat bereithält. Präsident Obama ist ja diesbezüglich für seine modischen und in die Zeit passenden Spendierhosen bekannt. Ganz locker macht er das, so richtig pragmatisch, einfach toll, wie damals John Wayne. “Was, pleite? Da muss man doch was tun!” Immer wieder beeindruckend wie flexibel die Jungs auf der anderen Seite des Atlantiks mit Problemen umgehen. Zack, ein paar Moneten gedruckt und schon hat sich das. Nicht immer diese endlose Diskutiererei von wegen struktureller Lösung oder ähnlichem Firlefanz. Es handelt sich doch schließlich um denselben Staat, der sich in einer derart desolaten finanziellen Situation befindet, dass er sich einen Großteil der Neuverschuldung direkt von seiner Zentralbank finanzieren (sprich: drucken) lässt, da sich die Nachfrage anderer Kreditgeber verständlicherweise in engen Grenzen hält.

Die Vorschläge der FDIC, die im Memorandum im Detail nachzulesen sind, beinhalten unter anderem den Folgenden, der uns auf Grund seiner Kreativität am meisten beeindruckt hat:
Vorgeschlagen wird eine Vorauszahlung der von den Banken zu leistenden Beiträge zur Einlagensicherung für die Jahre 2010, 2011 und 2012. Diese würde zusammen mit der Zahlung für das vierte Quartal 2009 fällig werden. Auf Grund der Art der Verbuchung (mit schlauer Verbuchung kennt man sich ja aus) würde diese Zahlung bei den Banken allerdings nicht ergebniswirksam sein (puh!) und so natürlich auch die Reserve Ratio des Fonds nicht erhöhen (ooh!). Es handelt sich also schlicht um einen Liquiditätsvorschuss, mit dem die akuten Auszahlungen des Fonds finanziert werden sollen.

Unlike a special assessment, prepaid assessments would not immediately affect the DIF balance or depository  institutions’ earnings. Staff is proposing prepaid assessments as a means of collecting enough cash to meet upcoming liquidity needs to fund future resolutions.

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie das nicht im Detail verstehen, sondern sehen sie dies als ein untrügliches Zeichen geistiger Gesundheit. Eine normale Zahlung und Bilanzierung bei den Banken bietet sich derzeit wohl auch nicht an, hat die Branche doch gerade das zweite branchenweit negative Quartal der vergangenen 18 Jahre nach dem vierten Quartal 2008 aufs Parkett gelegt. Und das trotz fantasievoller oder gar nicht vorhandener Verbuchung von Kreditverlusten sowie einem Verhältnis von Reservenbildung zu Abschreibungen von 0,6. Ein weiterer Negativrekord.

Nachhaltig ist dieser Ansatz logischerweise nicht, denn die Beiträge für die genannten Jahre wären bereits verfrühstückt, die Ausfälle werden sich davon aber kaum abhalten lassen. Interessant ist es, hier wieder den gleichen Ansatz zu sehen, der die gesamte Kreditwirtschaft dahin gebracht hat, wo sie heute ist. Geld heute ausgeben und die Ausgaben morgen bilanzieren. Falls das Geld dann nicht reicht, macht man dasselbe nochmal, lediglich eine Nummer größer.

In Lichte dieser Entwicklungen darf man sich schon einmal fragen, ob die Bereitstellung von Krediten an die Vereinigten Staaten (sprich der Kauf von US Staatspapieren) auf einen Betrachter in der Zukunft einmal soviel schlauer wirken wird, als es die seinerzeit viel belächelte Überweisung der KfW an die schon insolvente Investmentbank Lehman Brothers. Wir würden darauf nicht wetten.

Ach so, Sie kaufen gar keine US Staatsanleihen? Macht nichts, denn das erledigt bereits der Bund für Sie. Aus Gewohnheit.

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Der FDIC haben wir uns auch im April gewidmet:

Grand Reserva 2009

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Versteuert

Die, die meinen die Kraft zu haben und ihre Knappen sind mit wehenden Fahnen zum großen G20 Gipfel geflogen, um der großen weiten Welt ihre Agenda zur Befriedung der Finanzmärkte zu unterbreiten. Besonders gut gefallen hat uns dabei der Ansatz, jetzt etwas zu tun „damit so etwas sich nicht wiederholt“. Wiederholen? Es hat doch gerade erst richtig angefangen! Die beiden wichtigsten Punkte auf der Agenda der deutschen Regierung scheien dabei die Managergehälter und die Einführung einer Börsenumsatzsteuer zu sein. Das Thema der Vergütung so genannter „Manager“ werden wir hier heute nicht beackern, wir müssen erst noch darüber nachdenken, was es mit Management zu tun hat, in einem Bullenmarkt mit Wertpapieren Geld zu verdienen und das zehnfache im Bärenmarkt wieder zu verlieren.

Leere Börse

Zur Börsenumsatzsteuer. Eine solche Steuer ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema, sehen die einen doch bei deren Einführung bereits den nahenden Untergang des kapitalistischen Abendlandes und die anderen einen heilsbringenden Geldsegen aus an Ketten gelegten Finanzkolchosen, mit dem sich gegebenenfalls eine weitere, dringend benötigte zweite Reichstagskuppel finanzieren ließe. Was angesichts der hitzigen Debatten ganz in den Hintergrund gerät ist die Frage, was eine Börsenumsatzsteuer eigentlich mit den aktuellen Problemen zu tun hat und was diese in Zukunft bezogen auf diese Krise verbessern könnte. Der Grund, warum diese Frage nicht gestellt wird, könnte – wie es so oft ist – an der Antwort liegen. Lautet diese doch: Nichts.

Diese Krise ist bekanntermaßen eine Schuldenkrise. Zu viele Kredite wurden aus verschiedenen Gründen zu anscheinend völlig falschen Konditionen vergeben. Diese wurden verbrieft und von „Managern“, die sich daran sicher „nach bestem Wissen und Gewissen“ nicht mehr erinnern können, gekauft und als mehr oder minder illiquide Assets in die Bücher der Banken dieser „Manager“ gebucht. Schon erstaunlich wie selektiv das Gedächtnis dieser Menschen ist, wenn Sie mal kritisiert werden, können Sie sich das üblicherweise geschätzte 1000 Jahre merken. Aber bei den Investments ging es schließlich auch nur um ein paar Billionen, das rutscht einem schon mal durch, die vielen Zahlen jeden Tag, man ist ja auch nur ein Mensch.

Diese Assets lieferten übrigens auch ohne Kreditausfälle keine sonderlich attraktiven Erträge, so lag der Risikoaufschlag vieler Transaktionen oft im tiefen einstelligen Basispunktebereich (ein Basispunkt ist 0,01%). Deshalb musste man ja auch mehrere hundert Milliarden dieser Papiere kaufen und so erklären sich auch die bizarr anmutenden, aufgeblasenen Bilanzen zahlreicher Banken. Viele Assets, viele Risiken, wenig Ertrag.

Sie merken, das Thema Börse und Börsenumsätze haben wir bisher gar nicht erwähnt, denn all diese Geschäfte sind so genannte OTC (over the counter) Geschäfte, die in der Regel per Telefon zwischen den Banken getätigt werden. Eine Börse existiert für diese Papiere nicht. Das ist von den Investmentbanken, die diese Papiere verkauften (und das übrigens immer noch tun), auch gar nicht gewünscht, denn eine Börse bedeutet Transparenz. Wenn Sie heute eine Daimleraktie kaufen (was Sie bitte nicht als Empfehlung missverstehen) und ihre Order über ihre Bank aufgeben, so wird dieses Papier über einen zentralen Markt (mittlerweile gibt es mehrere Anbieter) gehandelt. Das sieht in einer Institution folgendermaßen aus:

DAI GY BidAsk

Das Bild zeigt eine typische Übersicht dessen, was sich in Bezug auf die entsprechende Aktie tut. Viele von Ihnen werden das so oder so ähnlich schon einmal gesehen haben. Kurse werden quasi sekündlich gestellt und es findet laufend Handel, das heißt ein erfolgreiches Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage, statt.

Vergleicht man diese Situation mit dem OTC Handel, so kann man teilweise nur noch den Kopf schütteln, wie und vor allem auf Basis welcher Daten Entscheidungen zu Investments getroffen wurden und werden. Der Prozess ist folgendermaßen: Eine Investmentbank bietet anderen Banken ein Produkt an, sagen wir mal verbriefte Kredite. Dieses Produkt ist nicht standardisiert, es gibt keine zentrale und vor allem neutrale Stelle, bei der sich ein Investor über aktuelle ernstzunehmende Kursdaten oder Handelsvolumina informieren kann. Folglich gibt es keinen Mechanismus der beiderseitigen Preisfeststellung, wie ihn eine Börse bietet. Vereinfacht gesagt, nennt die Investmenbank einen Preis, die anderen kaufen oder nicht. In einem steigenden Markt wird auch zu absurdesten Niveaus alles gekauft, was nicht wegläuft (verbriefte Kredite sind in der Regel keine guten Läufer). So lange der Markt nicht dreht, sonnen sich die Strategen im Lichte der steigenden Preise. Dreht der Markt, geht die Sonne unter. Das Problem am OTC Handel ist, dass er sich vor allem dann durch Illiquidität auszeichnet, wenn man Dinge wieder loswerden möchte. Für eine Vielzahl an Papieren gibt es nach wie vor keinen Markt. Zudem ist die Größe des OTC Markts nicht von Pappe, dagegen nehmen sich die weltweiten Aktienmärkte geradezu zwergenhaft aus.

OTC Derviate global

So, bevor wir abschweifen, belassen wir es bei dieser zugebenermaßen groben Beschreibung und nennen noch einmal kurz Problem und Regierungslösungsvorschlag.

Problem:
Banken haben Papiere OTC gekauft. Diese Papiere lassen sich oft nicht mehr verkaufen. Durch Ausfälle und Ratingverschlechterung steigt die Eigenkapitalbelastung. Die de facto Insolvenz zahlreicher Banken konnte bisher nur durch vollkommene Aufweichung von Bilanzierungsregeln, Staatsgarantien und Eigenkapitalspritzen aufgeschoben werden. Die Papiere sind noch da. Da sie, wie bereits erwähnt, schlecht laufen können, werden sie auch nicht von alleine von der Bilanz heruntergehen (von Ausfällen einmal abgesehen).

Einer der Kernlösungsvorschläge der Regierung, um zu verhindern „das so etwas sich nicht wiederholt“:
Einführung einer Börsenumsatzsteuer.

Prima. Das muss ja funktionieren. Dummerweise zahlt die Börsenumsatzsteuer der normale Anleger. Sollte diese Steuer bei Institutionen anfallen, werden diese Kosten natürlich weitergereicht, sie können also schon mal die Renditerechnungen für ihre Altersversorgung und das Radiergummi herausholen. Wenn Sie zukünftig bei jedem geplanten Kauf und Verkauf jeweils 1% zahlen müssen, wird sich da so einiges ändern. Aber vielleicht kann man das ganze ja bis zu einem Freibetrag von €63,50 (bei Ehegatten €78,90) vorbehaltlich weiterer abgestufter Kinderbörsenumsatzsteuerfreibeträge in Höhe von 10% des Kindergeldes (bei studierenden Kindern Sonderregelung NK-G-stud 11 beachten!) von der Einkommensteuer absetzen. Dumm nur, dass immer weniger Menschen in Deutschland Einkommen beziehen.

Sie sehen, wir können alle gemeinsam guter Dinge sein, die machen das schon! Wenn dann noch die Bezuschussung intransparener Geschäfte eingeführt wird, dann klappts auch mit den Banken.

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Todos rotos

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diesen Artikel haben wir im Rahmen unserer Kooperation mit www.cashkurs.com veröffentlicht.

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Gerade, wenn man nicht im Urlaub, oder gerade wieder daheim angekommen ist, sind die Geschichten zum Thema Urlaub oft schmerzlich. Noch schmerzlicher aber, als gerade einmal nicht wegfahren zu können, ist es, wenn man wartet, bis die Urlauber kommen, und sie kommen nicht. Da in Deutschland der Urlaub in der Heimat wieder als standesgemäß gilt, und es möglich ist, ohne gleich mit gehäkelten Klorollen auf der Hutablage in Verbindung gebracht zu werden ins schöne Emsland zu pilgern, erfreut sich dieser Urlaub zunehmender Beliebtheit. Auch die Sprachbarriere ist innerhalb des deutschsprachigen Raums – mehr oder weniger – flach und leicht zu überwinden. Doch wie es oft ist, hat auch dieses begrüßenswerte Phänomen eine Schattenseite, die sich dort zeigt, wo man eigentlich für den einen oder anderen Quadratmeter Schatten sehr dankbar ist. In Spanien. Die aktuellen Zahlen des Instituto de Estudios Turisticos in Madrid sind erneut ein Bild des Jammers, das man durchaus auf den ersten Blick mit den spanischen Häuserpreisen verwechseln kann. Zu einem „stell Dir vor es ist Urlaub und keiner geht hin“ könnte man den guten alten Friedensbewegungsschlachtruf auf der iberischen Halbinsel verbiegen.Auf Jahresbasis strömten insgesamt gut 10% weniger Touristen nach Spanien. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den deutschen, britischen und irischen sowie den holländischen Gästen.

Tourismus Spanien

Angesichts der trüben Aussichten für die Konjunkur der Nachbarländer, die anhaltende Arbeitsplatzunsicherheit und der – durch den Euro bedingten – fehlenden Wechsekursflexibilität gehen im nach dem Bausektor zweitwichtigsten Wirtschaftssektor (ca. 11% des BIP) so langsam die Lampions aus. Geht man von einer Stabilisierung des Sektors aus, was wohl als optimistisch gelten darf, werden die Touristenzahlen für 2009 unter den Werten des Jahres 2000 landen. Klingt nicht schlimm, trifft aber auf eine in den Jahren gewachsene bzw. teils aufgeblasene Infrastruktur. Da schließt sich dann der Kreis zum arg in Schieflage befindlichen Bausektor.

Selbst wenn man annimmt, dass der Bausektor weder wächst noch schrumpft – wiederum ein sehr optimistischer Gedanke – müsste angesichts der Größe dieser beiden Sektoren die verbliebene Wirtschaft massiv wachsen, was weder bei der Industrie noch beim Agrarsektor realistisch ist.

Nachteilig wirkt sich neben den fehlenden Einnahmen durch die gar nicht erst anreisenden Urlauber auch die größere Sparsamkeit derjenigen aus, die ihre freien Tage unter der iberischen Sonne verbringen. Insgesamt schlagen diese Probleme direkt auf die Zimmerpreise durch, wie der spanische Hotelpreis Index in der unten stehenden Grafik verdeutlicht. Sinkende Hotelpreise bedeuten aber nichts anderes als sinkende Renditen auf die Hotelimmobilien, was sich in der Folge in niedrigeren Verkaufspreisen für die Gebäude niederschlägt.

Hotelpreise Spanien

Das Ganze setzt den bekannten Prozess in Gang: Sinkende Preise führen zu nicht mehr funktionierenden (oder uninteressanten) Finanzierungen, Zwangsversteigerungen sorgen für weiteren Druck auf die Preise. So stellt der zweitwichtigste Sektor nun dem Bausektor ein Bein, und die Reste der spanischen Ökonomie sind nicht in der Lage, diese Effekte zu mildern. Nimmt man einmal die Hotelpreise als Anhaltspunkt für die Größenordnung der sinkenden Einnahmen, so ergibt sich aus 10% weniger Touristen und der bei den verbliebenen 90% gelebten Ausgabenreduzierung von etwa einem Zehntel insgesamt ein Rückgang der Einnahmen des Tourismusgewerbes um satte 20%. Das kann man finanziell nicht lange mit dem gesamten Personalbestand überleben. Weitere Arbeitslosigkeit ist die Folge und die üblichen Ideen, die der politischen Kaste im Rahmen ihrer „Konjunkturprogramme“ so in den Sinn kommen, drehen sich meistens um öffentliche Bauprojekte. Diese traurigen Versuche einer erneuten Aufblähung des Sektors sind wenig Erfolg versprechend. Aber vielleicht neigt man in Spanien ja bald nicht mehr zum Süd- und Nordbalkon sondern ganz unbescheiden zum Süd- und Nordhaus, das würde den Überschuss an Immobilien zumindest ein wenig einschränken.

Also, wer neben seinem persönlichen Steuerbeitrag zu den Strukturbeihilfen der EU (auch „Brücken für die Welt Programm“ genannt) etwas für die spanische Wirtschaft tun möchte, kann das sogar im Liegen tun (Handtuch nicht vergessen). Obwohl die Nordsee auch auch nicht schlecht ist. Und mit dem Kauf einer Immobilie in Spanien können Sie sich noch Zeit lassen. Nach fest kommt bekanntlich ab und nach „ach wie günstig“ kommt meistens „oh, noch günstiger“. Hasta luego.

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Zwielicht

Niemand kann behaupten, es herrsche ein Mangel an „historischen Tagen“ in unseren Kalendern. Es handelt sich hier um globales Phänomen und beschert uns Tage wie den „Murmeltiertag“ (2. Februar) in Nordamerika, der sich zufällig mit dem „Tag der Feuchtgebiete“ überschneidet. Dann gibt es den Tag des deutschen Bieres am 23. April eines jeden Jahres, der nicht verwandt oder verschwägert ist mit dem „Deutschen Lebertag“, der jährlich am 20. November begangen wird. Im vergangenen Jahr kam nun mit der Lehmanpleite der 15. September als „The bank formerly known as too big to fail“-Tag hinzu. Teilweise wird bereits in den Medien darauf verwiesen, es handle sich gleichzeitig um den Beginn der Krise. Das ist natürlich grober Unfug, der sich auch durch ständiges Wiederholen nicht den Fakten annähern kann. Viel eher entspringt diese Vorstellung wohl dem Wunsch, die strukturellen Fehlentwicklungen der vergangen Jahrzehnte zu verdrängen.

Nun ist so ein Tag trotz allem ein passender Anlass, einmal innezuhalten und zu schauen, was sich denn im Finanzsektor seither getan hat. Viel wurde geredet, neue Regulierungen wurden gefordert. Gleichzeitig wurden höhere Kreditvergabe, weniger Hebel und vereinfachte und dabei trotzdem verschärfte Eigenkapitalregeln gefordert. Prima, bei so unverständlichen und sachlich eher belustigenden weil völlig unsinnigen Forderungen ist es doch interessant, einmal zu schauen, wie sich die aktuelle Lage darstellt und was aus den guten Vorsätzen geworden ist.

Wir werfen daher einmal einen Blick in die Bilanzen des US Bankensektors und beziehen uns auf die offiziellen Daten der FDIC (Abschlussdokumente zum zweiten Halbjahr, Daten von über 8000 US Instituten), der so genannten Einlagensicherungsbehörde in den USA. Da man in vielen westlichen Ländern nur die großen Institute wahrnimmt, gerät schnell der für die Staaten wichtige Sektor der Regionalbanken in den Hintergrund. Diese Institute weisen keine Milliarden an Scheingewinnen aus und sinken auf Grund der zentralistisch ausgerichteten Subventionierung der politisch gut vernetzten Großbanken immer tiefer in den Sumpf. Einige Daten zur aktuellen Lage, die die Augenwischerei einer vermeintlichen strukturellen Stabilisierung eindeutig zurückweisen.

Die Abschreibungsrate auf Kredite (net charge off rate) erreichte einen neuen Quartalsrekord. Dabei stiegen die Abschreibungen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 85% auf nun $48,9 Mrd. Am übelsten erwischte es die Kredite an gewerbliche Kunden mit einem Anstieg von über 165%. Dagegen nimmt sich der Wert für die Kreditkartenabschreibungen mit einem Plus von gut 85% schon beinahe bescheiden aus.
Als positiven Aspekt vermeldet die Branche stolz die Verbesserung der Zinsmarge, was vor allem an den staatlich subventionierten Kosten der Liquiditätsbeschaffung liegen sollte. Immerhin stellt allein die FDIC mittlerweile Garantien im Umfang von ca. $340 Mrd. bereit. Selbstverständlich hat die Behörde diese Mittel gar nicht, um wirklich im Fall der Fälle als Garantor auftreten zu können, aber daran hat man sich allem Anschein nach bereits gewöhnt. Dummerweise hilft die Verbesserung der Margen nicht, denn schneller als diese stiegen sanken die zinsbringenden Assets der Banken. Auch an diesem Zopf kann sich die Branche also keinen Zentimeter weit aus dem Schlamm ziehen.

Dazu gesellen sich dann noch Verzüge, also ausbleibende Zahlungen, die sich gemessen am Volumen ebenfalls auf einem Rekordniveau wiederfinden. Auch die Rate der Verzüge liegt mit 4,35% nahe dem Rekordwert und stellt ein 26-Jahreshoch dar. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen, 4,75% aller Kredite werden derzeit nicht bedient. Schaut man sich den zu Staub zerfallenden Arbeitsmarkt und die vollkommen ungestört grassierende Verschuldungsseuche des Staates, der Unternehmen (inkl. Banken) und der Bürger an, lässt sich leicht erraten, in welche Richtung sich diese Zahl in den kommenden Quartalen entwickeln wird. Das Eigenkapital lässt schon mal schön grüßen.

Die folgende Grafik zeigt, dass sich die Banken bei der Risikovorsorge nicht eben mit Ruhm bekleckern (Rum wäre wohl auch tatsächlich angemessener).

Coverage Ratio sinkt

Die Reserven (loan loss reserves) stiegen an, das bedeutet die Institute erhöhen die Verlustvorsorge. Die angeschlagenen Kredite (noncurrent loans) stiegen allerdings wesentlich schneller, so dass sich bereits eine Deckungslücke von über $60 Mrd. aufgebaut hat. Die so genannte coverage ratio, das ist schlicht die Ratio von Reserven zu noncurrent loans liegt bei 60%. Bei einem Vorsorgelevel von 60% in einer Branche, die INSGESAMT Quartalsverluste aufweist, von Vorsorge zu sprechen ist grob fahrlässig. Von Erholung oder stabiler Entwicklung zu faseln zeugt leider von vollkommener Unkenntnis der öffentlich zugänglichen Fakten. So liegt der Anteil an allen 8195 über das FDIC System „versicherten“ Banken, die sich auf der Liste der angeschlagenen Geldhäuser (problem list) befinden, derzeit bei deutlich über 400. Die Namen der Betroffenen werden natürlich zum Wohle der Kunden nicht genannt. Diese Zahl bedeutet den höchsten Wert seit 15 Jahren und ist fast viermal so hoch wie noch vor einem Jahr. Die Prognosegüte dieser Liste ist allerdings recht einseitig, kommen doch Banken auf der Liste in der Tat oft unter die Räder, erwischt es aber auch zahlreiche Institute, die nie auf ihr gestanden haben.

Kaum eine der aktuell verbreiteten Stabilisierungsgeschichten kommt ohne den Krisensektor Immobilien aus. So wird jedes Zucken der Preiskurve mittlerweile freudetaumelnd als “Trendwende” oder “Boden” hingenommen. Das Verhalten erinnert an euphorische Jubelarien bei dem der sichere Bundesligaabsteiger am letzten Spieltag im heimischen Stadion den ersten und einzigen Punkt der Saison holt. Nach der Sommerpause wacht man dann mit Kater in der zweiten Liga wieder auf. Den Punkt vor Augen hat man den Abstieg ganz vergessen. Der Punkt, der bezogen auf den Immobilienmarkt gerne außen vorgelassen wird, ist das so genannte „other real estate owned“, kurz REO, auf den Bilanzen der Banken.

Other real estate owned – primarily foreclosed property. Direct and indirect investments in real estate ventures are excluded. The amount is reflected net of valuation allowances.

Hierbei handelt es sich nicht etwa um den gewöhnlichen Immobilienbesitz der Banken, sondern im Grunde allein um Bestände aus Zwangsvollstreckungen. Ein Anstieg in diesem Bereich ist nicht sonderlich erstaunlich, ist doch oft die Bank, die ein Haus versteigert, auch gleichzeitig der einzige Bieter bei der Auktion. So lässt sich mehr oder weniger geschickt -zumindest zeitweise – ein tieferer Preis vermeiden. Das hat den vom Institut gewünschten Nebeneffekt, für die Häuser in der Nachbarschaft ebenfalls keine tieferen Schätz- bzw. Bilanzierungspreise zu verursachen. Echte Marktwirtschaft, american style.

Immobilien aus Zwangsversteigerungen

Der Anteil des REO in den Bilanzen (siehe oben stehende Grafik) ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, eine Änderung der Tendenz ist nicht zu erkennen. Denken Sie daran, wenn Ihnen jemand von erfolgreichen Auktionen und steigender Nachfrage bei US Immobilien erzählt. Oft sind es die Gläubiger selbst, die in die Tasche greifen.

Ein ähnliches Bild liefert die Statistik zum Gesamtvolumen der Derivate in den Bilanzen der Banken, dargestellt auf der folgenden Grafik. Von einer Rückehr zur Normalität ist auch hier nichts zu erkennen, es sei denn man hält das ungebrochene Wachstum für Normalität.

Derivate in den Bilanzen

Viel wird hier von „netting“ gesprochen, dass heißt man könne beispielsweise long und short Positionen gegeneinander aufrechnen, so dass allein das Volumen der Positionen keine allzu starke Aussagekraft habe. Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz korrekt. Löst man eine Position mit dem gleichen Geschäftspartner auf, mit dem man ursprünglich gehandelt hat, dann verschwindet die gesamte Position. Schließt man eine Position, die man mit Bank A gehandelt hat durch ein Gegengeschäft mit Bank B, so ist zwar das Marktrisiko vom Tisch, dafür hat die Bank nun ein neues Kontrahentenrisiko durch den zweiten Geschäftspartner. Risiken verschwinden nicht, sie wechseln nur Form, Farbe und den Besitzer.

Aber wollen wir uns nicht allzu sehr ärgern, am letzten Werktag im Oktober ist wieder Weltspartag. Da kann dann jeder über seinen Steuerbeitrag hinaus ein paar Groschen zur Bankenrettung beitragen.

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Ausgeliefert

Ohne die Leser mit dem Thema Gold langweilen zu wollen, wollen wir heute aus aktuellem Anlass die gestern verkündete Strategie von Barrick Gold und dessen Beratern aus der Finanzbranche, JP Morgan, ein wenig näher beleuchten. Barrick (und JPM) sind vielen Goldkäufern bestens als Shortie-Zweigestirn am Goldmarkt bekannt. Die perfekte Symbiose eines politisch seit Dekaden bestens vernetzten Bankhauses und einer gigantischen Minengesellschaft (Marktkapitalisierung ca. $34 Mrd., bzw. 34 Millionen Unzen Gold). Barrick ist weltweit der größte Goldproduzent.

Nun kam die beachtenswerte Meldung über den Ticker, Barrick Gold werde eine Kapitalerhöhung durchführen. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf neuer Aktien plane man „Verluste aus Hedgegeschäften“ zu verrechnen. Das stimmt nachdenklich, vor allem wenn man an die zahlreichen Minen denkt, die in früheren Zeiten durch vermeintliche Absicherungsmaßnahmen einem starken Goldpreisanstieg zum Opfer fielen.

Der Mechanismus hinter diesen Geschäften vollzieht sich folgendermaßen. Eine Minengesellschaft verkauft für die kommenden Jahre einen Teil ihrer erwarteten Produktion bereits heute über den Terminmarkt (etwa über Futures) um sich so bereits fixe Preise zu sichern. Handelt es sich um ein Futuresgeschäft, so wird dieses Geschäft jeden Tag nach Handelsschluss abgerechnet, dass heißt, Verluste oder Gewinne aus diesen Geschäften werden börsentäglich verrechnet. Hat eine Firma einen Gewinn erzielt, steigt die Summe auf dem Konto, im anderen Falle sinkt sie. Unterschreitet der Kontostand einen bestimmten Schwellenwert, muss das Unternehmen Geld auf das Konto nachschießen (Margin call), ansonsten werden die Geschäfte über den Broker liquidiert. Zur Fälligkeit des Terminkontrakts erfolgt dann die Lieferung des jeweiligen Produktes, in unserem Falle also des Goldes.

Dieses Vorgehen erhöht, so sagt man, die Kalkulationssicherheit. Das ist allerdings nur eine Seite der Medaille, denn wenn das Unternehmen beispielsweise mit einem Produktionsausfall konfrontiert wird, kann es die Menge des Metalls, die es bereits per Termin verkauft hat, nicht aus der Produktion decken und muss diese Bestände am Spotmarkt nachkaufen. Das ist übrigens nicht auf Minen beschränkt, sondern stellt das ganz normale Vorgehen am Terminmarkt dar. Dieser Markt ist auch gar nicht das Problem, das Problem sind wie so oft die Teilnehmer. So kam es, dass einige Unternehmen vor einigen Jahren so große Bestände am Terminmarkt verkauften, dass sie schlicht und einfach nicht in der Lage waren, genug Geld auf ihr Konto nachzuschießen, als der Goldpreis stieg. Es entstand ein bemerkenswertes Szenario, in dem ein steigender Goldpreis die Minen in Bedrängnis brachte, die im Grunde an einem steigenden Goldpreis interessiert sind. Die Situtation war derart vertrackt, da die Unternehmen ihr Gold zur Erzielung von Zusatzeinnahmen nicht einfach verkaufen konnten, handelte es sich doch um die Zukunftsproduktion und die lag ja noch in der Erde. Für viele Minen war dies der Weg in die Insolvenz oder Übernahme – oder beides.

Beim Namen Barrick denkt man wohl nicht zuallererst an den Begriff Pleite, aber die Positionen, die jetzt genannt wurden, sind schon bemerkenswert. Die beeindruckende Zahl von 9,5 Millionen Unzen ist das Unternehmen short, hat es also auf Termin verkauft. Diese Position liegt etwa in der Größenordnung der spanischen Goldreserven und weist aktuell einen Marktwertverlust von satten $5,6 Mrd. auf – bei einem Positionswert von 9,5 Mrd. Wohlgemerkt, Barrick rechnet für das Gesamtjahr 2009 lediglich mit einer Produktion von etwa 7,5 Millionen Unzen.

Ein 10%iger Goldpreisanstieg bedeutet für Barrick bezogen auf diese Position fast eine Milliarde Dollar Verlust, gut $220 Mio. Dollar mehr als der gesamte Nettoertrag in 2008. Was bei einer deutlicheren Steigerung des Goldpreises herauskommen würde, kann sich jeder selbst ausrechnen. Das haben nun auch die Herren von Barrick anscheindend getan.

Geplant ist nun zur zumindest teilweisen Deckung dieser Verluste die Durchführung einerKapitalerhöhung in Höhe von $3 Mrd. Wer sich genau für diese 81,2 Millionen neuen Aktien interessieren soll überlassen wir der Phantasie der Leser, schließlich ist es nicht gerade ein faszinierendes Geschäftsmodell, Verluste aus Absicherungsgeschäften mit Kapitalerhöhungen zu „bezahlen“. Interessant für den Goldmarkt ist Barrick’s Plan im Rahmen der Auflösung der Shortpositionen, für $1,9 Mrd Gold am Spotmarkt zu kaufen und dieses Gold an die Geschäftspartner zu liefern. Es handelt sich immerhin um etwa 4% der Weltjahresproduktion. Eine weitere Milliarde will man nutzen um die Auflösung von sogenannten „floating hedges“ mit den Geschäftspartnern (JP Morgan?) zu erreichen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass die COMEX (Rohstoffbörse New York) im vergangenen Jahr für die Lieferung von Gold trotz massiver Proteste anstelle von phyischem Gold auch ETF zugelassen hat, und zwar den SPDR Gold Trust. Zweitgrößter Anteilseigner dieses ETF ist derzeit übrigens – richtig – JP Morgan.

Da Barrick laut eigener Aussage seine gesamten Shortpositionen in Gold innerhalb von 12 Monaten auflösen will, bekommt der Goldmarkt von dieser Seite Unterstützung. Sollte es sich um eine taktische Auflösung handeln, die nicht so dilettantisch ausgeführt wird, wie das im vergangenen Jahr die SocGen mit ihren Aktienfutures vorgemacht hat, dürften die Strategen von Barrick sich dem Muster der chinesischen Käufe anpassen und nach dem bewährten Trendfolgemodell „buy on dips“ verfahren. Es, scheint als geselle sich zum stützenden „China-Put“ im Goldmarkt nun auch ein „Barrick-Put“.

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Verkaufen? Verlieren!

Gold, liebe Leser. Viel haben wir darüber gelesen. Auch in der Bundesbank muss man sich ständig mit den ganz kreativen Vorschlägen herumschlagen und erklären, warum man das Gold nicht verkaufen will. Eine der vernünftigen Begründungen ist der Beitrag des Metalles zur Stabilisierung eines inhärent instabilen Papiergeldsystems. Soweit so gut, also haben wir doch alles im Griff, verkaufen unsere Edelmetallbarren nicht und leben mit einer Sorge weniger. Das trifft den Kern der Sache leider nicht. Denn zum einen lagern Deutschlands Barren zum Großteil nicht in Deutschland sondern jenseits von Atlantik oder Ärmelkanal. Das habe sich laut Bundesbank „historisch und marktbedingt“ so ergeben. Ob das allerdings der bevorzugte Lagerplatz für ein Metall sein kann, dass man gerade für das Gegenteil der „Friede, Freude, Eierkuchen“-Zeiten vorhält, ist mehr als fraglich. Aber das ist ein anderes Thema, denn vielleicht schaffen wir es auch, einen Teil der Goldreserven anderweitig zu verlieren, das würde uns in der Folge auch den lästigen Heimtransport ersparen.

Auf einem guten Wege ist die Bundesbank diesbezüglich anscheinend schon, denn nach eigenen Angaben verleiht sie regelmäßig große Bestände an internationale Banken mit einer „sehr guten Bonität“. Aha, na, da achtet man also so richtig auf die Sicherheit. Gute Bonität klingt aber sowas von sicher. Gehen wir mal davon aus, dass die Vorstadtbank Ohio-Ost sich nicht als großer Player im Goldleihe und –handel profilieren will und die bedeutenden Transaktionen über große Banken in den USA stattfinden. Also ein Blick auf die Bonitäten der zehn größten Institute und deren langfristige Kreditratings.

Rating USA Banken

Da sind wir aber alle zusammen beruhigt, hat doch die Sache mit den Ratings schon bei Lehman ganz prima funktioniert. Zur besseren Einordnung folgt eine Tabelle mit den Ratingskalen der Agenturen Moody’s, Fitch und Standard & Poors die den Bereich des so genannten Investment Grade abdeckt, das sind alle Papiere die nicht zu den Junk Bonds (Ramschanleihen) gezählt werden.

Ratingentwicklung Lehman Brothers

Gelb unterlegt ist in der Tabelle der Part, in dem sich die Ratings der oben genannten Banken befinden. Wie man sieht, sind einige besser und einige schlechter als Lehman vor der Pleite. Unten zur Erinnerung noch einmal der Verlauf der Ratingänderungen von Lehman. In der rechten Spalte sehen Sie das jeweilige Änderungsdatum zum Rating in der ersten Spalte. Man sieht, dass bis zum Tag der Pleite das Rating auf A2 gesetzt war (Beispiel: Moody’s, die anderen Agenturen zeigen das gleiche Muster). Erst am Tag der Pleite erfolgte eine Herabstufung. Zu spät, um noch zu handeln.

Rating Lehman Brothers

Es ist schon bizarr, dass diejenigen, die den ganzen lieben Tag nichts anderes machen, als die Kreditwürdigkeit von Unternehmen zu analysieren, nicht merken, dass Lehman pleite ist. Es handelt sich hier ja nicht um eine Dorfmelkerei aus einem kleinen Dorf im Allgäu sondern um einen der ehemals größten Broker der Welt. Angesichts der Haftungserklärung (bei allen ähnlich, wir picken hier nur zufällig Moody’ heraus) kommt das dann aber doch nicht mehr so arg überraschend.

Aus der Haftungserklärung von Moody’s:

>>>
„Sie erkennen hiermit ausdrücklich an, dass die Ratings und sonstigen Meinungen, die auf dieser Website bereitgestellt werden, reine Meinungsäußerungen sind und auch nur als solche aufgefasst werden dürfen und keine Tatsachenfeststellungen zur Kreditwürdigkeit oder Empfehlungen, bestimmte Kreditentscheidungen oder Entscheidungen zum Kaufen, Halten oder Verkaufen bestimmter Wertpapiere zu treffen, oder Bestätigungen der Richtigkeit der Daten oder Schlussfolgerungen oder Versuche einer unabhängigen Bewertung von oder Verbürgung für die finanzielle Situation von Unternehmen sind(…)“
<<<

Wir erinnern uns auch alle gerne noch an die Auszüge aus den Disclosures der Rating Agenturen:

Moody’s:”Moody’s has no obligation to perform, and does not perform, due diligence“

S&P: “Any user of the information contained herein should not rely on any credit rating or other opinion contained herein in making any investment decision”.

Ja, es ist schon komisch, wenn man daran denkt, wie abhängig das Bankensystem von diesen anscheinend nicht verlässlichen Aussagen gemacht wurde (Stichwort Basel II, Risikogewichtung). Dabei stand es doch in Fettdruck in den Papieren der Agenturen, was man von den Feststellungen zu halten hat. Wie es um deren Objektivität bestellt war, war eigentlich auch kein Geheimnis, gibt es doch Ratings nicht zum Nulltarif sondern gegen Bezahlung. Naja, wer will schon nachkarten. Aber schön, dass die Bundesbank sich darauf verlässt, ihr Gold „überwiegend kurzfristig an international tätige und im Goldgeschäft „erfahrene Banken höchster Bonität“ zu verleihen. Leider äußert sie sich nicht dazu, wen sie damit meint und ob sich das Verhalten in den vergangenen Jahren geändert hat. Werden Sicherheiten verlangt? Arbeitet man mit denselben Banken wie früher? Macht man diese Geschäfte auch, wenn die Leihesätze unter den CDS Spreads der entsprechenden Banken liegen, oder lässt man sich zumindest das Kontrahentenrisiko vergüten? Nutzt man vollständig eigenständige Bewertungsmaßstäbe für die Bonität der Banken oder verlässt man sich allein auf die Urteile der Agenturen?

Viele Fragen, keine Antworten. Aber irgendwie hat sich auch dieses Vorgehen wohl „historisch und marktbedingt“ so ergeben.

Wer übrigens glaubt, es handele sich hier um ein fiktives Risiko, der kann gerne in Portugal anrufen (internationale Telefon-Vorwahl 0351), dort hat man auf diesem Weg seinerzeit gute 17 Tonnen Gold verloren, als die Investment Bank Drexel Burnham bankrott ging.

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Haben und nicht haben

Eine der auch an kühleren Abenden mehr oder weniger heiß diskutierten Fragen der Wirtschaftswelt ist die Thematik der Preis- und Kaufkraftentwicklung. Der gute alte Zwist zwischen Deflationisten und Inflationisten hat durch die Experimentalökonomen bei den internationalen Zentralbanken neue Nahrung erhalten. Als Bewohner der Eurozone weiß man zwar spätestens seit der Währungsunion, was man von offiziellen Inflationszahlen halten soll, trotzdem wollen wir uns davon nicht abhalten lassen, und heute einmal eine andere Sichtweise auf die Preisentwicklung eröffnen.

Rabatt Intro

Einleitend vielleicht der Grund, warum wir uns diesem Thema widmen. Angesichts der Entwicklung der Löhne und Gehälter, vor allem aber auch der Vermögen, die seit 2007 im Allgemeinen einen üblen Schlag einstecken mussten, stellt sich doch die Frage, ob es denn allein entscheidend ist, was etwas kostet. Mal angenommen, ich besitze €100 Vermögen (zum Beispiel 400 Arcandor Aktien) und ein Bier kostet €1,00. Einmal angenommen, im Folgemonat kostet ein Bier nur noch €0,90 (Klatschen aus der Deflationsecke) und mein Vermögen hat sich auf €80 reduziert. Jetzt ist zwar das Bier billiger geworden, trotzdem ist es für mich, aus Vermögenssicht, teurer geworden, da mein Vermögen um 20% geschrumpft ist, während das Bier nur 10% günstiger zu haben ist.

Für eine bessere Darstellung ziehen wir den Quotienten, um darzustellen, wieviele Biere ich für mein Vermögen bekomme. Vor einem Monat wären dies genau einhundert Biere gewesen, jetzt bekäme ich noch 88,8 Biere (bei einem netten Gastwirt also 89). Bezogen auf mein Vermögen bekäme ich nun also etwa 11% weniger Bier, das Getränk ist also gemäß dieser Betrachtung um diese 11% weniger erschwinglich.

Diese Betrachtung werden wir nun auf die US Vermögen der privaten Haushalte und auf deren Gehälter und Einkommen richten. Wie im obigen Beispiel dividieren wir den Vermögens- bzw. Gehaltsindex durch den Verbraucherpreisindex. Den Wert des Quotienten wollen wir nicht überinterpretieren, es geht um die generelle Tendenz, daher zeigen die Grafiken die prozentuale Veränderung dieses „Erschwinglichkeits-Wertes“. Die Ergebnisse sind recht erstaunlich!

Vermögen BRD

Gehalt BRD

Angesichts des Jubels über vermeintliche Reallohnzuwächse und „endlich sinkende Preise“ hilft die oben stehende Betrachtung das Gefühl zu erklären, sich trotzdem weniger leisten zu können. Während das Bild bei der gehaltsbezogenen Betrachtung deutlich, aber nicht umwerfend ist, stimmt die Vermögensbetrachtung schon nachdenklich. Immerhin erreichte dieser Typ des „Rott’schen Inflationsindex“ (der Leser möge uns die Bezeichnung verzeihen) ein neues Rekordhoch von deutlich über 5%.

Vor allem, wenn man sich den offiziellen Index zur Preisentwicklung vor Augen hält, der ja in den negativen Bereich gerutscht ist, erklärt die veränderte Betrachtungsweise zumindest zum Teil die „gefühlte Inflation“, denn diese ist in dieser Betrachtung alles andere als gefühlt, sie ist real.

USA Inflationsrate

Bevor uns empörte Definitionstheoretiker aufs Dach steigen, wollen wir natürlich nicht vergessen anzumerken, was Inflation laut Definition bedeutet. Mit diesem Begriff bezeichnet man im Allgemeinen einen Preisanstieg. Vereinfacht gesagt, bekommt man für die gleiche Menge Geld morgen weniger vom selben Gut als heute. Das Gut wird in der Theorie durch einen mehr oder weniger realitätsnahen Warenkorb dargestellt, dessen Zusammensetzung des Öfteren geändert wird. Unsere Betrachtungen stellen folglich nicht das dar, was man gemeinhin mit Inflation bezeichnet, das ist auch nicht das Ziel der Betrachtung.

Vielmehr zeigen die Darstellungen eines: Eine negative Inflationsrate bedeutet nicht zwingend, dass die Menschen sich mehr leisten können. Aktuell ist das Gegenteil der Fall, der offizielle Preisindex sinkt langsamer als die Gehälter und viel langsamer als die Vermögen. Es geht also in diesem Falle nicht dem Geld die Kaufkraft verloren (was natürlich nichts am langfristigen Trend des Verdampfens der Fiat-Währungen, also des Papiergeldes ändert) sondern den Menschen geht das Geld verloren. Der Effekt ist der Gleiche, ein deutlicher Kaufkraftverlust.

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(Klatschen aus der Inflationsecke, Vorhang und aus.)

Es ist serviert

Was dem in der Regel wohlgenährten Durchschnittsmenschen seit den Fünzigern erspart bleibt, ist das Ausschneiden von Lebensmittelmarken. Im Jahre 1950 wurden die Lebensmittelmarken in Deutschland (West) abgeschafft, in der DDR wurden Marken noch bis 1958 ausgegeben, nachdem Bezugsscheine für Lebensmittel, Sprit und Kleidung teils bereits vor Kriegsbeginn ausgegeben wurden.

Jenseits des Atlantiks hat man auf Grund der starken Nachfrage nach „Food Stamps“ nun auch die Notwendigkeit einer neuen Marketingstrategie entdeckt. Nach der deutlichen Zunahme der Anzahl hilfsbedürftiger Menschen änderte man nun den Namen des Programmes zur Vergabe von Lebensmittelmarken von „Food Stamp Program“ (anscheinend zu trivial) in „Supplemental Nutrition Assistance Program“ (SNAP) (beeindruckend). Übersetzt heißt das in etwa „Nahrungsergänzungs-Hilfsprogramm“. Das klingt tatsächlich gleich viel wissenschaftlicher und macht die USA als Verteiler von Speiseempfangsberechtigungszetteln fast schon zur globalen Speerspitze der Wohlfahrtsstaaten. Der Leser kann sich den Programmnamen auf der Zunge zergehen lassen, und den Skandinaviern zittern sicher schon die Knie wegen des baldigen Verlustes des Sozialthrons.

Zur Begründung der Namensänderung gibt es auf den Seiten des Agrarministeriums folgendes zu lesen:

Q. Why was the name of the Program changed?
A. The new name reflects our focus on nutrition and putting healthy food within reach for low income households.

Q. What does the name change mean for me – a food stamp recipient?
A. Only the name of the Food Stamp Program is changing. SNAP is not a new Program.

Pragmatisch ins deutsche übertragen heißt das also: Alter Wein in neuen Schläuchen.

Food Stamps Intro

Eins ist aber sicher, die Anzahl der Hilfsempfänger steigt stetig an und hat mit aktuell 34 Millionen Menschen in den USA ein neues Hoch erreicht. Ein trauriges Gipfelfest. Bei der USDA, dem US Agrarministerium tut man sich bei der Preisung dieser bizarren Wachstumsstory keinen Zwang an und vermeldet offenherzig die folgenden Zahlen:

The Supplemental Nutrition Assistance Program – SNAP (fomer Food Stamp Program)
served an average of 2.9 million people per month in 1969. Forty years later in April 2009, FNS estimates SNAP participation at over 33.7 million.

Um die beiden Werte ins rechte Licht zu rücken, wollen wir kurz erwähnen, wie sich diese als prozentuale Anteile an der jeweiligen Gesamtbevölkerungszahl darstellen. Anno 1969 zählten 1,4% der US Bevölkerung zu den Betroffenen. Zum Zeitpunkt der Publikation des oben stehenden Zitats, April 2009, hatte die Zahl den ebenso erstaunlichen wie erschreckenden Wert von 10,6% aller US Bürger erreicht. Mehr als jeder zehnte US Amerikaner ist somit in den Kreis der Empfänger von Lebensmittelmarken eingetreten – Die Zahl hat sich in den letzten vier Dekaden mehr als versiebenfacht und die Tendenz bleibt stark steigend. Seit April ist die Quote bereits weiter gestiegen und liegt aktuell bei 11,2%.

Lebensmittelmarken in den USA

Angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit, die umfassende Quote U.6 liegt aktuell immerhin bei über 16%, ist der angestiegene Bedarf an Zuschüssen für Nahrungsmittel nicht wirklich überraschend, das generelle Niveau von über 11% wirkt allerdings angesichts der anhaltenden, arg unkritischen Selbstdarstellung der US Ökonomie durch ihre blassen Vertreter nicht wirklich passend. Hinter den gläsernen Fassaden lauert halt nicht landesweit der reich gedeckte Esstisch aus Mahagoni.

Das zeigt sich auch an der Einkommensverteilung, ein Problem, dass es natürlich ebenso wie generelle Armut nicht nur in den Staaten gibt. Das Auseinanderklaffen der Einkommensschere ist jedenfalls ungebremst, trotz zahlreicher in der Krise verdampfter Großvermögen.

Vermögensverteilung in den USA

Die Daten sind eindeutig und stammen aus den letzten in der Gesamtheit vom US Census Bureau veröffentlichten Werten. Aktuelle Daten zu Teilsegmenten zeigen, dass sich die Entwicklung in den vergangenen Jahren noch verschärft hat.
Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt 34% der Vermögenswerte. Die 80% der Menschen mit dem geringsten Besitz kommen gemeinsam auf lediglich 15%. Bezogen auf das reine Geldvermögen sieht die Lage noch deutlicher aus, hier verbleiben für die wenig begüterten 80% der Bürger nur dünne 7% des gesamten finanziellen Besitzes. Nimmt man die „obersten“ 10% unter die Lupe, so besitzen diese 81% des finanziellen Reichtums, die breite Masse von 90%, die den viel umworbenen Mittelstand mit einschließt, darf sich um die verbleibenden 19% streiten.

Der gerne von den Empfängern übermäßiger Einkommen – auch in Deutschland – verbreitete Eindruck, diese ließen sich mit den entsprechenden Leistungen begründen, sollte doch spätestens seit dieser Krise zu 100% wiederlegt worden sein. Wem das nicht genügt, der möge sich erinnern, etwa an das nun schon Dekaden dauernde Elend im Hause Daimler, dass von Edzard Reuter über Schrempp bis zum Chrysler-„Sanierer“ (heute ja bekanntermaßen bankrott) Zetsche reicht. BMW hat sich ja auch schon einmal fast zu Tode expandiert, die Auslandsabenteuer deutscher Großfirmen wie etwa der Deutschen Post in den USA sind ebenfalls noch bestens in Erinnerung. Über Banken müssen wir nicht gesondert sprechen, das Elend ist ja bekannt. Allerdings wird von vielen Verantwortlichen der Bezug von den Verlusten zur eigenen strategischen Fehlleistung nicht gezogen, man verweist schlicht auf die „außergewöhnliche Krise“ (jaja, Lehman, siehe dazu: http://blog.bankhaus-rott.de/#post1) und verdrängt, dass es keinen Großverdiener braucht, um in einem ewigen Bullenmarkt Geld zu verdienen. Aber wer es schon für eine Einschränkung hält, für eine schlappe halbe Million im Jahr morgens aufzustehen, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Macht im Monat gute €41.600, selbst bei 365 Arbeitstagen im Jahr käme man noch auf ein Tageseinkommen von €1.369. Immerhin, das ist 3,8 mal der Hartz 4 Regelsatz – wie gesagt, pro Tag. Da befindet sich der betroffene Manager allerdings wirklich in einer offensichtlich prekären Notsitutation. Unser Vorschlag entspricht dem, den viele Angestellte derzeit von ihren Personalabteilungen zu hören bekommen – „Wenn Ihnen das nicht reicht, suchen Sie sich doch etwas anderes.“ Bei den ja immer im Zusammenhang mit den großen Schlachtenlenkern genannten Fähigkeiten dürfte das ja kein Problem sein.

Für ein auch zukünftig friedliches Zusammenleben dürfte nun auch die ein oder andere kleine Einschränkung nicht mehr ausreichen, dafür sind die Unterschiede und die Dynamik des Auseinanderdriftens zu stark. Da es an strukturellen Merkmalen krankt, wird es auch struktureller Änderungen bedürfen. Das hat mit der Abschaffung der Marktwirtschaft nichts zu tun, ganz im Gegenteil, sind doch die extremen Gehaltsunterschiede im Allgemeinen nicht Ausdruck von Marktkräften sondern von Lobbyismus, Vetternwirtschaft und seltsamen Entscheidungsprozessen, bei denen ein Zweigestirn aus „Führungskräften“ und externen Beratern für stetig anziehende und von der Realität vollkommen entkoppelte Bezahlung sorgt. Diese Welt der Gefälligkeiten, die sich nach außen hin den Anstrich einer leistungsorientierten Gesellschaft gibt, ist keine soziale Marktwirtschaft sondern gefährdet diese und stellt somit ein Grund legendes Problem dar. Es sei denn, man hält die Ausgabe von Lebensmittelmarken für ein wünschenswertes Modell.

Das haben wir uns verdient

So, nachdem die Berichtssaison sich dem Ende nähert und eine Menge Sektkelche geleert wurden, ist es Zeit nachzusehen, was unter dem Strich bleibt, wenn der Staub sich gelegt hat. Von positiven Überraschungen war die Rede und von um drastische Raten eingebrochenen Erträgen und erstmaligen Verlusten und Kapitalerhöhungen. Klingt nicht so, als würde das alles zusammenpassen. Der Einfachheit und der verfügbaren Daten halber schauen wir uns das Spektakel einmal bezogen auf die Mitglieder des S&P 500 Index an.

Zunächst wollen wir uns vergewissern, was es denn eigentlich zu feiern gab. Bekanntermaßen war ein Auslöser des Jubels das regelmäßige Übertreffen der Erwartungen (wessen auch immer). Die Verteilung in der folgenden Grafik zeigt, dass es bezogen auf diese Schätzungen kaum negative Überraschungen gab. Die Vermutung liegt nahe, es hier nicht unbedingt mit guten Erträgen sondern vielmehr mit schlechten Schätzungen zu tun zu haben.

Aktien Earnings Überraschungen

Ein Blick auf die Verteilung der Ertragszuwächse verdeutlicht dies in der Tat. Genauso wenig, wie es viele negative Überraschungen gab, sah man auch wenig gute earnings. Auf eine handvoll Unternehmen mit Ertragszuwächsen kommt eine massive Zahl an Firmen mit nahezu kollabierten Erträgen. Ein Minus (Plus) von über 100% kommt zustande, wenn die Erträge von der Gewinnzone in die Verlustzone (bzw. umgekehrt) wandern.

Gut zu sehen ist, das zahlreiche Unternehmen einen Gewinneinbruch von mehr als 50% hinnehmen mussten, trotz aller Bilanzgymnastik und Intransparenzen.

Es sind übrigens nicht die Banken, die in dieser Statistik den Ton angeben, diese „überraschten“ eher posititv, was zum Großteil auf ein erhöhtes Risiko und die neue bilanziere-es-wie-es-Dir-am-besten-passt Regulierung zurückzuführen ist. Besonders hart erwischt hat es Energieunternehmen und allgemein den Grundstoffsektor.

Ertragsveränderung Aktienunternehmen

Aber es zählt ja das morgen, nicht das heute, wie wir spätestens seit 2007 wissen. Das war das Jahr, als Ben „Prognostix“ Bernanke seine famose Schätzung für die gesamten Kreditverluste mit „etwa 50-100 Mrd USD“ bezifferte und das Wörtchen „contained“ Eingang in die Alltagsliteratur fand. Die Verluste belaufen sich bisher auf etwas mehr als 1500 Milliarden Dollar, naja, was solls, bitte unter Datenrauschen verbuchen. Andere haben so oft nach hinten geschaut und die Krise nicht sehen können, dass sie ganz überrascht waren, sie vor sich wieder zu finden. Aber das ist Vergangenheit und die Zukunft zählt.

Alle Großschätzer und Zahlenauguren haben also nocheinmal die Würfel gewetzt und sich an die Arbeit gemacht. Das Ergebnis ist eigentlich wie es in trüben Zeiten immer ist. Es kann noch ein bisschen bergab gehen, aber dann geht es steil bergauf. Ja, so ist es. Und das schon seit 2007, wir erinnern uns.

Für das vierte Quartal 2009 ergibt die Konsenssoße bezogen auf alle Aktien einen Anstieg des Gewinns pro Aktie um über 80% im Vergleich zum Vorquartal. Rechnet man seit dem Beginn des Gewinnverfalls im vierten Quartal 2007 die aggregierten Rückgänge aus, so sind die Gewinne seither um mehr als 90% rückläufig. Wohlgemerkt: Bezogen auf alle Unternehmen im S&P 500. Bei einem Anstieg von 80%, wenn er denn einträte, lägen dann die Gewinne pro Aktie auf einem Level, das etwa 18% des Vorkrisenniveaus beträgt. Respekt, da darf der gemeine Investor ja gespannt sein, wie hoch denn der warme Dividendenregen im kommenden Jahr ausfallen wird. Vielleicht gibt es ja anstelle von albernen Dividenden ein Vorrecht für die Teilnahme an Kapitalerhöhungen, damit der große Stimmrechtsanteil des Privatinvestors nicht allzu arg verwässert wird.

Seltsame Ertragsprognosen

Ohnehin bleibt abzuwarten, ob die Schätzungen realistisch sind. Selbst bei einer temporären Stabilisierung bleibt der Margendruck vorhanden, kurzfristige operative Maßnahmen verlieren ihre Wirkung und die Möglichkeit, einmalige positive Effekte beim Gewinnausweis einzubringen, sind weitestgehend erschöpft. Zudem gesellen sich höhere Finanzierungskosten zum Problemreigen, und Kapitalerhöhungen mit Verwässerungsefffekten sorgen für anhaltenden Druck auf die Erträge pro Unternehmensanteil.

Nach dem alten Aktion-Reaktion Schema ist eine Gegenbewegung allein auf Grund der verringerten Basis, ähnlich wie bei vielen volkswirtschaftlichen Daten, möglich. Auch bei absolut nur sehr geringen Veränderungen, fällt diese dann prozentual nach einer langen Durstrecke auch gerne einmal heftig aus. Trotz allem missfällt uns die immer wieder gleiche Annnahme, nach diesem „Befreiungsschlag“ würden die Unternehmen zu einem stabilen „Wachstumspfad“ (ein fürchterliches Wort) zurückkehren. Diese Annahme sollte sich eher als Holzweg entpuppen. Aber, wie die aktuelle Berichtssaison gezeigt hat, genügt es manchmal, die Schätzungen nur regelmäßig nach unten anzupassen, um am Ende ein buntes Bild malen zu können. Nur bei Verlusten wird es dann ein bisschen eng. Aber für diesen Fall gibt es ja noch die gute alte cash-burn rate.

1 42 43 44 45 46 48