Gründerjahre und Hundejahre

Autor: Vorstand März 15th, 2010

In Europa ist auf Grund der wenigen Hauptdarsteller am Bankenmarkt, die das Land mit ihren Filialen überziehen, seit längerem eine eher zentralistische Bankenwelt mit dezentralem Antlitz zu beobachten. Die genossenschaftliche Organisation, das öffentlich-rechtliche Lager und die mehr oder weniger privaten Großbanken haben ihre Netze soweit an der Kandare, wie es eben geht. Der Begriff der Bankenpleite ist daher im deutschsprachigen Raum ein größeres Schreckgespenst als dies in den USA der Fall ist. Nun hat man auf der anderen Seite des Atlantiks zweifellos eine Menge Übung in solchen Dingen, auch in den vergangenen Jahren wurde bereits wieder fleißig trainiert. Die Zahl der insolventen Banken steigt. Der Einlagensicherungsfonds ist bekanntermaßen leer. Allein durch seltsame, nicht bilanzwirksame Vorauszahlungen der Banken wird das Vehikel zumindest pro forma am Atmen gehalten.

Wirft man einen Blick auf die Ausbreitung der Insolvenzen der Institute in den Vereinigten Staaten, so erinnert die Tendenz ein wenig an Pilze, die aus dem Boden schießen und sich scheinbar sehr wohl fühlen. Aktuell 192 der an die FDIC angeschlossenen Banken mussten die Türen schließen. Die heftigsten Einschläge waren die ehemals größte Sparkasse des Landes, Washington Mutual, sowie die IndyMac Bancorp. Die drastischen Mittelabzüge, die zu hastigen Zwangsübernahmen führten, lassen sich nur mit dem Begriff Bank Run bezeichnen (siehe: “I want my money back!”).

Vor zwei Jahren, im März 2008, sah die Bankenlandkarte noch geradezu friedlich aus und nur kleine Schandflecken vergrätztendem Betrachter den schlierenfreien Blick auf die Branche.

032008 Bankenpleiten

Die Größe des Kreises, der für eine Bankenpleite steht, bemisst sich an der Summe der Assets des Instituts zum Zeitpunkt der Insolvenz. Der kleine Kringel in Missouri ist zwar früh dran, wird aber nicht auf Grund seines Umfangs in Erinnerung bleiben.

Ein Jährchen später hatten die beiden genannten Großinstitute bereits vor dem Ansturm der Kunden, der sowohl real als auch digital ablief, kapituliert und die Pforten für immer geschlossen. Das war ein harter Schlag für den Einlagensicherungsfonds, der als Initialzündung zum raschen Absturz der Rücklagen in den negativen Bereich angesehen werden kann. Washington Mutual ist der große dunkle Kreis im Staat Washington, Indymac ist der größte der darunter liegenden Kringel im Sonnenstaat Kalifornien, einem Zentrum des Immobilienirrsinns.

und der Stand der Pleiten im März 2009

Wie sieht es aktuell aus? Gut 192 Banken hat es erwischt, die Karte zeigt, wie sich die Insolvenzen, die jetzt hauptsächlich Regionalbanken treffen, über den nördlichen Teil des Kontinents ausbreiten. Nicht vertreten sind übrigens Kreditgenossenschaften, von denen es allein in 2010 schon vier Institute in den Ruin getrieben hat (2009: 14).

In den vergangenen Monaten hat sich die Seuche auf den Osten ausgebreitet. In den Rocky Mountains dagegen herrscht offensichtlich relative Ruhe, wahrscheinlich ist der Weg zum nächsten Bank Run dort schlicht zu viele Tagesritte entfernt, und die einsamen Reiter haben sicher noch ihre alten Silver Eagles in der Satteltasche, neue sind ja schwer zu bekommen.

Bankenpleiten 2010 - so far...

Die offizielle „problem list“ der FDIC, von der sinnigerweise nur die Größenordnung veröffentlicht wird, umfasst mittlerweile mehr als 700 noch bestehende Banken mit Assets von mehr als $400 Mrd. Damit hat diese von der Behörde geführte Liste nun sogar einige inoffizielle Listen überholt, deren Publizisten noch vor 12 Monaten als eine Art „Bilanzskeptiker“ bezeichnet wurden. Nun ist ein Platz auf der Liste keine Garantie darauf, in die Pleite zu schlittern, wie die Behörde so schön in ihren Veröffentlichungen vermerkt. Wir wollen ergänzen, dass es ebenfalls keine Garantie ist, nicht bankrott zu gehen, wenn sich der Name der Bank nicht auf der Liste findet.

Sehr interessant finden wir auch die Statistiken zu den Gründungsjahren der bankrotten Firmen. Die älteste Firma, die es erwischt hat, war die First National Bank of Danville (Illinois), gegründet 1857, also noch während des anhaltenden Sezessionskriegs. Nun hatte das Haus einige weitere Kriege überstanden (fanden ja auch außerhalb des Landes statt), das Dach des einbrechenden Häusermarktes war aber für dieses alte Institut zu viel des Übels. Das frischeste Institut wurde tatsächlich erst vor 3 Jahren gegründet. Es handelte sich um die Waterford Village Bank  aus New York. Drei Jahre, Respekt, so geht Bank also heute. Und ein Blick auf die Verteilung der Gründungsjahre der bisherigen Pleiteinstitute zeigt, es ist keine Ausnahme, wenn ein vergleichsweise jüngeres Institut verschwindet. Mehr als die Hälfte der zum Konkursrichter geschleppten Banken waren nicht älter als 20 Jahre. Viele sind sogar wesentlich jünger.

Bankpleiten in den USA nach Gründungsjahr

Dazu sei noch gesagt, dass diese ebenso schnell erblühten wie verwelkten Institute nicht die wenigsten Assets auf den Büchern hatten, sondern oft wesentlich mehr als alteingesessene Banken. Im Falle einer Insolvenz hat es zwar beiden Seiten nicht geholfen, trotzdem wäre eine Untersuchung interessant, die sich einmal detailliert mit den seit den 90er Jahren gegründeten Banken beschäftigt. Wie heißt es noch bei Brecht: Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Für drei Groschen allerdings, soviel steht fest, haben sich die Damen und Herren die Mühe einer Gründung wohl kaum gemacht.

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Geschrieben am Montag, März 15th, 2010 at 14:15 und abgelegt in der Kategorie Fragen über Fragen. Sie können diese Einträge über den RSS 2.0 feed erhalten. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen trackback von ihrer Seite hinterlassen.

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