Home » Fragen über Fragen » Forza Ben. Heiter weiter!

Forza Ben. Heiter weiter!

Nun ist es endlich heraus, erwartungsgemäß wird fleißig weitergedruckt. Neben der Nennung zukünftig beliebig adjustierbarer Summen, die das Zentrum der Ratespiele der letzten Wochen bildeten, machte der große Vorsitzende der Fed auch keinen Hehl mehr aus den eigentlichen Zielen der Zentralbankpolitik.

(Bloomberg) Federal Reserve Chairman Ben S. Bernanke said resuming large-scale asset purchases should boost economic growth through lower borrowing costs and higher stock prices and that concerns about the strategy are “overstated.”

“This approach eased financial conditions in the past and, so far, looks to be effective again,” Bernanke said today in an opinion article for the Washington Post released hours after the Fed announced the $600 billion of Treasury buying through June in a second round of unconventional monetary stimulus.

“Stock prices rose and long-term interest rates fell when investors began to anticipate this additional action,” Bernanke said. “Easier financial conditions will promote economic growth.”

Was es angesichts der Nullzinspolitik noch großartig zu „easen“ gibt, steht in den Sternen. Immerhin wird nun aber nicht mehr mit einer direkten Förderung der Realwirtschaft argumentiert, sondern vielmehr der ohnehin offensichtliche Versuch einer Stützung der Assetpreise offen eingestanden. Schöne Grüße aus dem selbst ernannten Mutterland der Marktwirtschaft. Wirtschaft ist scheinbar doch planbar, Ben Bernanke befindet sich auf dem Weg zum monetären Fünfjahresplan. Die Finanzkombinate dürfte es freuen, denn auf diese Weise wird weiterhin ein Sektor, der keinerlei Wertschöpfung erbringt, massiv gehätschelt. Interessant ist vor diesem Hintergrund immer wieder die geäußerte Hoffnung, durch eine Vermehrung der Verrechnungseinheiten reales Wachstum generieren zu können. Warum eigentlich noch Steuern erhoben werden, wenn alle Sorgen bezüglich der Geldschaffung als übertrieben gelten, bleibt hingegen im Dunkeln. Bleibt die Druckerei folgenlos, so ist der Aderlass der Steuerzahler doch nicht mehr als ein symbolischer Akt. Print your way to financial freedom!

Die hoffnungsfrohen Kommentare pendeln zwischen offensichtlichem Unverständnis und kritikloser Freude. Das alles erinnert an die seligen Lobeshymnen auf die „effizienteste und freieste Marktwirtschaft der Welt“, die in den Neunzigern in allen deutschsprachigen Talkshows ungestraft hervorgebracht werden durften. Eigentlich ist die Wiederholung der Ereignisse kein Wunder, denn diejenigen, die seinerzeit die Staaten als Hort des unbeschränkten Volkswohlstandes feierten, sind die gleichen Personen, die auch heute die Luftschlangen parat haben. So durfte der unbedarfte Beobachter sich auch belehren lassen, dass eine Verstaatlichung nicht generell schlecht ist. Das ist überraschend, allerdings muss scheinbar fein unterschieden werden, wo eine solche stattfindet. Verstaatlicht ein Hugo Chavez Rohstofffirmen, so wird dies rasch als teuflischer, geradezu neokommunistischer Akt gebrandmarkt. Verstaatlicht Onkel Sam einen seit Dekaden nicht überlebensfähigen Autobauer oder ein marodes Bankensystem, so ist dies Ausdruck von Cleverness und Handlungsfähigkeit. Ohne hier der einen oder anderen Politik das Wort reden zu wollen, eine gewisse Verwirrung darf den Beobachtern durchaus zugestanden werden.

Kommen wir zurück auf die Politik der euphemistisch mit dem Begriff quantitative easing bezeichneten Geldvermehrung. Ein Rückblick auf die wundervollen Erfolge, die bereits die erste Auflage des QE in der Realwirtschaft hinterlassen hat, macht wenig Freude. So ist der US Arbeitsmarkt vor lauter Freudentaumel ins Koma gefallen.

QE 1 2 3 ...

Ein schöner Aufwärtstrend, wer weiß, vielleicht konnte sich die Arbeitslosenquote im Zuge allgemein freundlicher Markttendenzen einfach nicht zurückhalten und stieg solidarisch mit den Aktien- und Bondkursen. Ähnlich sieht es bekanntermaßen bei der amerikanischen Version der Sozialhilfe, den Empfängern von Lebensmittelmarken und den Einkommen der privaten Haushalte aus. Der Mittelstand, hüben wie drüben der Kern der Beschäftigung, kommt nicht auf die Beine. Beneidenswert ist, wer auch den Misserfolg noch zu feiern vermag.

Die Erfolge der US Zentralbank sind im Grunde seit ihrer Gründung auf lediglich einen Punkt zurückzuführen. Die optisch wundervolle Steigerung nominaler Kennzahlen durch die schleichende Zerstörung der Kaufkraft der Verrechnungseinheit, in diesem Falle des US Dollars, der Aktie der USA Inc.

Huuuuiiii

Das sieht doch prima aus. Freuen wir uns also weiterhin an nominalen Jubelfesten, während es dem ein oder anderen asiatischen Land so langsam dämmert, dass es keine gute Idee sein muss, Assets gegen frisch Gedrucktes einzutauschen. Viele afrikanische Länder sind auf diesem Wege schon große Mengen ihrer Rohstoffe losgeworden, ein Beispiel, aus dem viele Nationen derzeit ihre Lehren zu ziehen scheinen. Die schwindende Voreingenommenheit gegenüber Kapitalkontrollen ist ein deutliches Indiz für den beginnenden Sinneswandel.

Auch am heimischen Bondmarkt erfreuen sich auf Grund der Geldschwemme vor allem Junkbonds einer Rekordnachfrage. Selbst Unternehmen, die im Grunde nicht mehr überlebensfähig sind, kommen mit Anleihemissionen durch.

The rally is robust enough to extend into next year, said James Murren, chief executive officer of Las Vegas-based casino operator MGM Resorts International, which sold $500 million of notes rated CCC+ on Oct. 25.

“The bond market will get better,” Murren said yesterday in an interview at Bloomberg headquarters in New York. “People are going to start to have a more positive outlook toward 2011. They’re going to be searching for yield and they’re going to go down the rating scale and that’s going to benefit companies like us.”

Herr Murren wird sich sicher freuen, selbst ein CCC+ schreckt die Investoren nicht ab. Die Aussage, die Anleger würden auf der Suche nach Rendite zu immer schlechterer Qualität greifen, auch noch zu begrüßen, ist allerdings fast schon dreist. Wie war das noch bei den Hypotheken? Zu viele Kredite an Schuldner, die eigentlich nicht kreditwürdig waren. Das hat sich erwartungsgemäß als nicht sonderlich erfolgreich herausgestellt. Warum dies bei Schrottanleihen anders sein sollte erschließt sich uns nicht. Es mag ja schön für den Unternehmer sein, wenn er Geld kriegt, dass er vermutlich nicht zurückzahlen kann. Aber lauert hinter diesem sonderbaren Verhalten nicht wieder die Idee, die zukünftig in diesem Segment anfallenden Verluste erneut auf das Staatskonto zu buchen? Vielleicht ist dies alles aber auch ein Zeichen der allgegenwärtigen Schnelllebigkeit. Einfach mit der nächsten Krise schon anfangen, obwohl die anhaltende noch gar nicht beendet ist. Nur keine Zeit verlieren, Zeit ist schließlich Geld.

****************************************************

Wollen Sie regelmäßig über neue Artikel informiert werden?

Hier geht es zur Anmeldung!


Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken


2 thoughts on “Forza Ben. Heiter weiter!

  1. Da kann einen nur noch das kalte Entsetzen packen. Weltweit Volkswirtschaften mit Geld zu überfluten, um sie abzuwürgen und dadurch der eigenen Wirtschaft einen Vorteil zu verschaffen sowie die Macht zu sichern – ganz schön skrupellos für einen Notenbanker, der auch Hüter der Weltleitwährung ist.
    Begonnen hat der Währungskrieg ja nun schon eine ganze Weile, aber von nun an wird sich das Karussell schneller drehen. Auch wenn das Wort so häßlich klingt: “Krieg” ist das einzige, das passt. Man kämpft eben nur mit anderen Mitteln. Geld statt Kugeln. Ausblick: hoffnungslos!
    Und warum das an der Börse so gefeiert wird, ist mir schleierhaft. Glauben die denn alle, dass sie am Ende auf der Gewinnerseite stehen werden?? Das ist ja nicht mehr zum Aushalten!

Add Comment Register



Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

add_filter( 'default_content', 'my_editor_content' ); function my_editor_content( $content ) { $content = "If you like this post, then please consider retweeting it or sharing it on Facebook."; return $content; }