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Nur keine Selbstzweifel!

Unternehmen, denen der Staat via Anteilskauf unter die Arme greift, haben die unangenehme Eigenschaft, alle Steuerzahler zwangszubeteiligen. Bei der Commerzbank beispielsweise  trifft dieses jeden Bundesbürger über den Anteil des Bundes, der ein Viertel des Ganzen Gebildes beträgt. Da die Firma gemessen am Markwert nicht sonderlich viel zu bieten hat, lohnt es nicht, den Anteil pro Bürger auszurechnen. Lohnenswert ist dagegen, wenn auch nur Unterhaltungszwecken, seit Jahren der Blick in die Zwischenberichte der Bank – so auch dieses Mal.

Wie gewohnt ist der Bericht, aus dem alle folgenden Zitate stammen, voll von teils erstaunlichen Erkenntnissen:

(Quelle: CoBa) Die Anweisung der Regierung an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung, ungedeckte Leerverkäufe in Aktien von zehn deutschen Finanzkonzernen sowie in Staatsanleihen aus Euroländern zu verbieten, sorgte in der dritten Maiwoche dann wieder für herbe Verluste an den deutschen Aktienmärkten.

Ob die Führungsriege dies der Regierung schon mitgeteilt hat? Waren es nicht die großen Finanzinstitute, die Löcher in den Bilanzen haben aber die Schuld bei Short-Sellern suchten, obwohl vielfach bei den hauseigenen „Alternativen Investments“ freimütig für Long-Short Strategien geworben wurde?

Seisdrum, man beschäftigt sich lieber nicht mit dem gestern oder dem morgen, sondern widmet sich voller Freude der Kurstafel. Bescheidenheit ist Trumpf.

Demut pur

Allen Unbillen zum Trotz ist man offensichtlich stolz auf die Kursentwicklung der Aktie – ausgerechnet. Hier zeigt sich eine naturbelassene Bescheidenheit, auch auf wenig kann man stolz sein!


Fast schon ein Aufwärtstrend

Nun, sich mit den Zuckungen der Kurse von Bankaktien im Zeitraum weniger Monate zu beschäftigen greift für den Investor wohl ein wenig zu kurz, wird doch gerade bei der Aktienanlage von den bankeigenen Anlageberatern zur Langfristigkeit geraten. Daran wollen wir uns auch bei der Beurteilung des Anlageerfolgs halten.

Immerhin noch nicht bei Null

Langfristig ist selbst die blutarme Entwicklung der selbstgewählten Benchmark traurig. Auch hierauf kann man natürlich stolz sein, wenn man mag. Eine gewisse Sehschwäche ist allerdings vorteilhaft.

Auch der lächerliche Bankenstresstest ist den Semi-Staatsbänkern ein Sätzlein wert:

Des Weiteren haben wir auf unserer Hauptversammlung Weichen gestellt, die es uns erlauben, SoFFin-Mittel spätestens ab dem von uns avisierten Zeitraum zurückzuführen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass wir auch unter dem von dem Committee of European Bank Supervisors (CEBS) vorgegebenen Stresstest in allen drei Szenarien deutlich oberhalb der Anforderungen liegen und somit auch unter schwierigen Bedingungen gut aufgestellt sind.

In diesem Zusammenhang möchten wir der Vollständigkeit halber zumindest kurz erwähnen, dass auch die unlängst kollabierte AngloIrish Bank den erwähnten „Test“ bestanden hatte und jetzt wohl den irischen Haushalt zu einem Jahresdefizit von mehr als 30% des BIP führen wird, womit noch lange nicht alle Abschreibungen abgegolten sein dürften.

Neben den bekannten Risikoschauplätzen, wie etwa den Gewerbeimmobilien, die zwar im schweren Fahrwasser sind, aber die richtigen Probleme noch vor sich haben sollten, bestehen weiterhin nicht unerhebliche Altrisiken aus dem Segment strukturierter Finanzprodukte.

Insgesamt hat sich das Risikoexposure zum Stichtag in dieser Assetklasse auf 7,6 Mrd Euro (31. Dezember 2009: 7,3 Mrd Euro) leicht erhöht, was auf den stark gestiegenen US-Dollar zurückzuführen ist. Der größte Anteil hiervon entfällt mit 52 % des Risikowertes auf CDOs, denen überwiegend Unternehmenskredite für Corporates in den USA und in Europa zugrunde liegen (CLOs). CLOs profitieren unverandert von weiter sinkenden Ausfallzahlen und -prognosen als auch gestiegenen Recovery-Erwartungen im Unternehmenssektor. Jungst haben Spreadausweitungen und gestiegene Spreadvolatilitäten aber auch in diesem Sektor zu leicht rückläufigen Marktwerten in unserem Portfolio geführt. Die Mark-Down-Ratio zum Berichtsstichtag liegt bei 16 %.

Weitere 40 % des Risikowertes entfallen auf US-CDOs of ABS, die größtenteils durch US Subprime RMBS besichert sind. Die Mark-Down-Ratio betragt aufgrund der unverändert geringen Bonitätseinschatzung fur private Immobilienfinanzierungen im US-Subprime-Markt und der konservativen Berücksichtigung daraus resultierender Verluste 57 %, obgleich die von der Commerzbank gehaltenen Verbriefungen zum überwiegenden Teil aus den höchstrangigen Tranchen solcher CDOs bestehen.


Potpourri der guten Laune - Geldanlage mit Struktur

Ach ja, „höchstrangige“ ABS CDO, die subprime besichert sind. Angesichts steigender loss severities und ungelöster Probleme am US Hypothekenmarkt fühlt sich der geneigte Betrachter nicht beruhigt sondern eher an Aussagen aus dem Sektor in den vergangenen Jahren erinnert. ABS CDOs sind die Assetklasse, die am stärksten gelitten hat, es gab hier Produkte, die nicht einmal ein Jahr brauchten um von 100% auf Null zu fallen, in Ratings ausgedrückt war diese eine Bewegung von AAA auf default. Nichts ist unmöglich. Die aktuellen Preise für die oberen Tranchen synthetischer ABS CDOs liegen zwischen 23% und 56% – Man bewegt sich also auf nicht gerade konservativem Abschreibungsniveau. Insgesamt ist die Summe von mehr als €47 Mrd. an strukturierten Papieren nicht zu unterschätzen, einen großen Abbau kann man angesichts der Nominalwerte nicht erkennen. Die Entwicklung bei “höchstrangigen” Tranchen von ABS CDO hat mit der Kurve des einen oder anderen Aktienindex jedenfalls nicht viel zu tun. Je nach Positionsgröße bedeutet ein Kursverlust von 10% ein ordentliches Sümmchen.

Sagen Sie mal AAAAAAAA

Beeindruckend ist aber die Neuordnung der Organisationsstruktur, die strukturierten Papiere wurden in eine Portfolio Restructuring Unit (PRU) ausgelagert. Warum?

Die Bündelung (in der PRU) erlaubt ein einheitliches und effizientes Management dieser Positionen.

Da fragt man sich, wie die Dinge vorher verwaltet wurden. Uneinheitlich und ineffizient? Ein bisschen Motivationsgeseier gehört ja mittlerweile leider zum guten Ton, aber die Drift ins Lächerliche ist diesbezüglich in der gesamten Wirtschaft nicht zu übersehen. Aber was will man erwarten, wenn schon eine Entlassung nur noch Freisetzung heißt. Vielleicht werden in -Zukunft noch weitere „Bündel an Maßnahmen“ geschnürt, klingt auch immer prima.

Kommen wir noch kurz zum abschließenden Grußwort an die verbliebenen freiwilligen Aktionäre und an die eher unfreiwilligen Anteilseigner – die Steuerzahler.

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, aufgrund der erfreulichen Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr und unter der Bedingung eines stabilen Marktumfelds gehen wir davon aus, das Geschäftsjahr 2010 mit einem Gewinn abschließen zu können.

Das wäre wirklich schön, vor allem wenn die Gewinne erwirtschaftet werden könnten und nicht aus der Reduktion der Risikovorsorge kämen, wie dies nicht nur bei US Banken der Fall ist. Aber neben der in 2010 wohl nicht durchsetzbaren Kapitalerhöhung sind auch die sonstigen Aussichten für das „Loch Bless“ unverändert.  Als Steuerzahler würden wir uns dennoch freuen, wenn wider Erwarten auch nach HGB Bilanzierung ein Gewinn herauskäme, so dass die Bank die Zinsen auf die stillen Einlagen endlich einmal bedienen könnte. Das wird aber wohl kaum der Fall sein, lägen die fälligen Zinsen doch weit über einem wie auch immer zustande gekommenen Gewinn, was sich schlecht auf die Argumentation für höhere Gehälter auswirken könnte.

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