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Sonderangebot

Mittlerweile ist es wieder erlaubt, von großartigen wirtschaftlichen Entwicklungen zu erzählen. Woran das liegt, während die Seuche der politischen Korrektheit ebenfalls pandemische Ausmaße annimmt, ist nicht überliefert. Arbeitslosen oder „Ein-Euro-Jobbern“ die Mär vom allgemeinen Wohlbefinden an den Kopf zu werfen, scheint sich jedenfalls auf der erlaubten Seite der allgegenwärtigen roten Linien zu befinden. Richtig wird es dadurch nicht.

Subventionierte Absätze in verschiedensten Industriezweigen, direkte Förderung von Industriegewinnen durch massive Fördermaßnahmen und die staatliche Zahlung von Lohnananteilen, weil nur so Einstellungen vorgenommen werden, das sind die Zeichen des neuen Wirtschaftswunders. Auch in den USA, die ja nur gerüchteweise keine derartigen Mechanismen aufweisen, findet eine derartige breit angelegte „Stützung der Statistiken“ statt. Dem Bürger hilft es wenig, denn von den im Kern nur auf mediale Wirkung angelegten Kampagnen, die vermeintliche „politische Erfolge“ zeigen sollen, kommt in der Realtität nichts an. Es sei denn, wir betrachten die Verlängerung der Warteschlangen vor Suppenküchen und die Verlängerung der Bezugsdauer von Stützungsgeldern als Zeichen wirtschaftlicher Prosperiät.

Nun sollte, wenn diese Entwicklung einen Sinn haben soll, auch bei den Menschen etwas ankommen. Ein Blick auf das Ausgabeverhalten, die Entwicklung der Konsumentenkredite und die eigenen Angaben zum persönlichen Konsumverhalten zeichnen ein anderes Bild der Realität. Vor dem Hintergrund der desolaten Lage am Arbeitsmarkt – die Verspannungen sind wesentlich heftiger als in vorangegangenen Krisen – ist die Einschränkung der täglichen Konsumausgaben wenig erstaunlich. Allein das Ausmaß ist beeindruckend.

und alle

Von der gepriesenen Erholung scheint nicht sonderlich viel bei den Menschen angekommen zu sein. Die Ausgaben sanken bereits unter den schwachen Wert des Vorjahres, damit liegen sie rund 35% unter dem im Jahr 2008 ermittelten Wert.

Während sich verständlicherweise die Niveaus der Ausgaben je nach Einkommensklasse stark unterscheiden, so zeigen sind doch die Trends des Konsumverhaltens einen erstaunlichen Gleichlauf. Zur Illustration folgen die Darstellungen der Ausgaben der Bezieher höherer, sowie mittlerer und tiefer Einkommen.

und die Mitte und die weniger betuchten

und oben

In beiden Bevölkerungsschichten wurde eigenen Aussagen zufolge weniger ausgegeben als im Jahr 2008. Insgesamt ergibt sich ein Rückgang um 37% (mittlere und niedrige Einkommen) respektive 21% (höhere Einkommen). Beide Kurven sind unter die Werte des Vorjahres gerutscht. Von einer großen Euphorie bei den Konsumenten ist nicht viel zu spüren.

Was heißt das alles im größeren  Maßstab? Nehmen wir einmal die gesamte Erwerbsbevölkerung als Maß der Dinge, hierin werden rund 140 Millionen Einkommenbezieher zusammengefasst, so ergibt sich anhand der Umfragen ein Rückgang der persönlichen Ausgaben von rund $4,7 Mrd. pro Tag. Auf annualsierter Basis zeigt sich eine Schrumpfung um $1.737 Mrd. – das ist alles andere als ein Pappenstiel. Klar, die Rechnung gibt sicher nicht en detail die Entwicklung der Erlöse der Einzelhändler wieder, aber das kleine Beispiel verdeutlicht die Dimension des Problems.

Das Geld, das man hat, wird eher zusammengehalten. Revolvierende Konsumkredite werden zurückgeführt, mittlerweile übersteigen sogar schon die Studentenkredite das Volumen der gesamten Kreditkartenschulden. Anhand der jährlichen Veränderungsrate dieser Kredite kann man den Wandel gut erkennen.

revolving credit outstanding yoy percent

Und noch einmal die Schrumpfung in absoluten Beträgen, wieder als Veränderung auf Jahresbasis.

revCreditabs

Der Umschwung bei den Konsumenten und beim Ausgabeverhalten scheint struktureller Art zu sein, das zeigen auch die Umsatzentwicklung verschiedener Einzelhandelsketten sowie die anhaltenden Filialschließungen im großen Stil. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.


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5 thoughts on “Sonderangebot

  1. Sehr geehrter Herr Ponzi,
    vielen Dank für Ihre Artikel. Vielleicht können Sie mir den Fehler in folgender Überschlagsrechnung nennen. Die Konsumausgaben einer Volkswirtschaft machen ca. 70% der Wirtschaftsleistung aus. Die Konsumausgaben schrumpfen, bzw. wachsen negativ, um 30%. Müsste dann nicht die Wirtschaftsleistung um ca. 20% schrumpfen. 0,7 * 0,3 = 0,21.
    Mit freundlichen Grüssen

  2. Hallo,

    @Transferzahlung

    Die Rechung ist soweit stimmig, wenn auch die Betrachtungsweise natürlich vereinfachend ist, denn wenn ein Bereich derart stark schrumpft, geht das natürlich nicht ohne Nebenrechnungen von Statten.

    Zu beachten ist jedoch, was man mit “Konsumausgaben” meint. Unter “private consumption” werden sowohl Güter als auch Dienstleistungen zusammmengefasst. So setzt sich der Bereich “privater Konsum” als rund 71%iger Bestandteil des US BIP zu zwei Dritteln aus Dienstleistungen zusammen, Güter machen nur das verbleibende Drittel aus. Neben dem privaten Konsum gibt es noch den öffentlichen Konsum und die öffentlichen Investitionen (zusammen rund 20% des US BIP), die Nettoinvestitionen (14,6%) und den Saldo aus exportierten Gütern und Dienstleistungen (-4,9%).

    Wenn man also eine solche Formel aufstellt, muss man definieren, was an welcher Stelle zurückgehen soll. Nehmen wir einmal als Beispiel eine Veränderung der gesamten privaten Konsumausgaben ausgehend vom aktuellen Niveau in einem Umfang von 30% an und lassen realitätsfern alle hierdurch in Gang gesetzten anderweitigen Verwerfungen außen vor.

    Das BIP (real in $2005) liegt bei $13,228 Mrd., die Konsumausgaben betragen $9,265. Nimmt man diesen Wert um 30% zurück, verbleiben $6,485 Mrd. Das gesamte BIP betrüge nun $10,448 Mrd., der Rückgang läge also bei rund 21%. Der Anteil des privaten Konsums wäre in diesem Fall auf etwa 62% des BIP gesunken.

    Wir hoffen, mit der Antwort ist Ihnen geholfen!

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  3. “Bankrott”, “Ponzi” – das sind ja vielsagende Pseudonyme, ich hoffe, Sie haben sich nicht auch noch den Vornamen “Clyde” zugelegt :-)

    Ansonsten kann ich eigentlich nur meine Verwunderung darüber ausdrücken, dass Arbeitslose und Geringverdiener immer ausschließlich ein soziales bzw. ein politisches Problem darstellen. Normalerweise sollten doch auf Unternehmerseite die Köpfe rauchen, um Lösungen zu finden, wie man diese vielen Millionen Menschen wieder in den Wirtschaftskreislauf integriert und als Kunden gewinnt. Stattdessen werden alle Zelte abgebrochen und man zieht weiter zum nächsten Markt. Aber das ist eine endliche Geschichte. Irgendwann sind alle Märkte erschlossen und was kommt dann?

  4. Hallo zusammen,

    @MH

    Das ist eine sehr interessante Frage. Derzeit funktioniert das System so, dass eine gewisse “Konsumfähigkeit” über Transferleistungen zumindest in Teilen erhalten wird. Im Ernstfall sind dies Notfallhilfen, wie die Sozialhilfe, aber auch bei mehr oder weniger normalen Arbeitsverhältnissen gibt es Subventionen. So gibt es zum Beispiel der Einstellung von Arbeitslosen einen Lohnkostenzuschuss in Höhe von bis zu 50%.

    Zum einen ist dies natürlich eine Kostensenkung für den Arbeitgeber und somit ein Anreiz zur Einstellung. Das ist die gängige Diskussion. Zum anderen verdeckt dieses Verhalten aber auch die Schwächen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen. Wenn die Mittel für eine derartige Stützung vorhanden sind, ist dies unkritisch. Aktuell ist bekanntermaßen kein Geld vorhanden, so dass eine Finanzierung nur über Schulden erfolgen kann.

    Dies lässt sich prima im Wahlkampf einsetzen, denn die Einstellungen erfolgen heute, die Schuldenprobleme kommen später. Zusammengefasst heißt das aber nichts anderes, als dass der Steuerzahler nicht nur seinen eigenen Konsum sondern auch den von anderen bezahlt. Da der aktuelle Steuerzahler das nicht leisten kann, verschiebt man es zur nächsten Generation der Steuerzahler.

    Eine Lösung dieser Problematik erfordert aber eine andere Denkweise in allen Lagern. Die Politik sollte sich nicht über Unternehmen freuen, die zwar ihren Sitz in Deutschland haben, aber die Wertschöpfung außer Landes transferiert haben. Die Arbeitgeber sollten berücksichtigen, dass Autos in der Tat keine Autos kaufen, und dass ein Problem mit den Staatsfinanzen auch für die Unternehmen auf Dauer nicht lustig ist. Zum guten Schluss muss auch auf Arbeitnehmerseite wohl weiter mit Einschnitten gerechnet werden. Das muss man übrigens nicht alles schön oder begrüßenswert finden, die Entwicklungen werden aber stattfinden, ob man sich darauf vorbereitet oder nicht.

    Wer sich beispielsweise mit dem Strukturwandel in NRW oder im Saarland beschäftigt und sich dann anschaut, wie vergleichsweise arglos optimistisch die Zukunft der Autoindustrie in der BRD betrachtet wird, dem kann schon mulmig werden. Hier sind in den kommenden Jahrzehnten massive strukturelle Probleme absehbar, das wird auch das vom Kofferraum aus bedienbare Head-up Display in Trendfarben nicht ändern.

    Wir sind übrigens selber gespannt, wie auf diese Entwicklungen reagiert werden wird. Die vollkommene Unfähigkeit in einer Krise wie jetzt, eine Umstrukturierung des Bankensektors anzustoßen,ist mehr als erstaunlich. Über die Zähigkeit des Lobbyismus kann man wirklich nur staunen.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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