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Mittlerweile ist es wieder erlaubt, von großartigen wirtschaftlichen Entwicklungen zu erzählen. Woran das liegt, während die Seuche der politischen Korrektheit ebenfalls pandemische Ausmaße annimmt, ist nicht überliefert. Arbeitslosen oder „Ein-Euro-Jobbern“ die Mär vom allgemeinen Wohlbefinden an den Kopf zu werfen, scheint sich jedenfalls auf der erlaubten Seite der allgegenwärtigen roten Linien zu befinden. Richtig wird es dadurch nicht.

Subventionierte Absätze in verschiedensten Industriezweigen, direkte Förderung von Industriegewinnen durch massive Fördermaßnahmen und die staatliche Zahlung von Lohnananteilen, weil nur so Einstellungen vorgenommen werden, das sind die Zeichen des neuen Wirtschaftswunders. Auch in den USA, die ja nur gerüchteweise keine derartigen Mechanismen aufweisen, findet eine derartige breit angelegte „Stützung der Statistiken“ statt. Dem Bürger hilft es wenig, denn von den im Kern nur auf mediale Wirkung angelegten Kampagnen, die vermeintliche „politische Erfolge“ zeigen sollen, kommt in der Realtität nichts an. Es sei denn, wir betrachten die Verlängerung der Warteschlangen vor Suppenküchen und die Verlängerung der Bezugsdauer von Stützungsgeldern als Zeichen wirtschaftlicher Prosperiät.

Nun sollte, wenn diese Entwicklung einen Sinn haben soll, auch bei den Menschen etwas ankommen. Ein Blick auf das Ausgabeverhalten, die Entwicklung der Konsumentenkredite und die eigenen Angaben zum persönlichen Konsumverhalten zeichnen ein anderes Bild der Realität. Vor dem Hintergrund der desolaten Lage am Arbeitsmarkt – die Verspannungen sind wesentlich heftiger als in vorangegangenen Krisen – ist die Einschränkung der täglichen Konsumausgaben wenig erstaunlich. Allein das Ausmaß ist beeindruckend.

und alle

Von der gepriesenen Erholung scheint nicht sonderlich viel bei den Menschen angekommen zu sein. Die Ausgaben sanken bereits unter den schwachen Wert des Vorjahres, damit liegen sie rund 35% unter dem im Jahr 2008 ermittelten Wert.

Während sich verständlicherweise die Niveaus der Ausgaben je nach Einkommensklasse stark unterscheiden, so zeigen sind doch die Trends des Konsumverhaltens einen erstaunlichen Gleichlauf. Zur Illustration folgen die Darstellungen der Ausgaben der Bezieher höherer, sowie mittlerer und tiefer Einkommen.

und die Mitte und die weniger betuchten

und oben

In beiden Bevölkerungsschichten wurde eigenen Aussagen zufolge weniger ausgegeben als im Jahr 2008. Insgesamt ergibt sich ein Rückgang um 37% (mittlere und niedrige Einkommen) respektive 21% (höhere Einkommen). Beide Kurven sind unter die Werte des Vorjahres gerutscht. Von einer großen Euphorie bei den Konsumenten ist nicht viel zu spüren.

Was heißt das alles im größeren  Maßstab? Nehmen wir einmal die gesamte Erwerbsbevölkerung als Maß der Dinge, hierin werden rund 140 Millionen Einkommenbezieher zusammengefasst, so ergibt sich anhand der Umfragen ein Rückgang der persönlichen Ausgaben von rund $4,7 Mrd. pro Tag. Auf annualsierter Basis zeigt sich eine Schrumpfung um $1.737 Mrd. – das ist alles andere als ein Pappenstiel. Klar, die Rechnung gibt sicher nicht en detail die Entwicklung der Erlöse der Einzelhändler wieder, aber das kleine Beispiel verdeutlicht die Dimension des Problems.

Das Geld, das man hat, wird eher zusammengehalten. Revolvierende Konsumkredite werden zurückgeführt, mittlerweile übersteigen sogar schon die Studentenkredite das Volumen der gesamten Kreditkartenschulden. Anhand der jährlichen Veränderungsrate dieser Kredite kann man den Wandel gut erkennen.

revolving credit outstanding yoy percent

Und noch einmal die Schrumpfung in absoluten Beträgen, wieder als Veränderung auf Jahresbasis.

revCreditabs

Der Umschwung bei den Konsumenten und beim Ausgabeverhalten scheint struktureller Art zu sein, das zeigen auch die Umsatzentwicklung verschiedener Einzelhandelsketten sowie die anhaltenden Filialschließungen im großen Stil. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.


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Sicher kein Problem

Auf der Pirsch nach der Insel der Glückseligen suchen die krisengeplagten Auguren immer wieder an Orten, an denen sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte noch auf den Beinen halten. Diese instabile Lage wird dann – wie dies vorher auch in anderen Ländern der Fall war – als dauerhaftes Wirtschaftswunder dargestellt. Auf die Fehler, die vergleichbare Einschätzungen vor einigen Jahren, zum Beispiel in den USA oder Spanien aufwiesen, wird leider nicht eingegangen. „Hohe Hauspreise gut“ ist die eingängige Formel und jeglicher Hinweis auf etwaige Fehlbewertungen oder Kredite wird rasch vom Tisch gewischt.

Ein gutes Beispiel findet sich derzeit down under in Australien. Ach, was geht es den Australiern gut, das Erz wird aus der Erde geholt, die Arbeitslosigkeit ist bis dato erst von 4,0% auf 5,1% gestiegen, und bis vor kurzem stiegen auch die Hauspreise. Wer nicht reich war, durfte sich dank der emsigen Kreditvergabe der heimischen Banken wenigstens so fühlen. Diese Entwicklung verläuft immer nach dem gleichen Muster, das ist in Australien nicht anders als andernorts. Zunächst gibt es ein bisschen mehr Wohlstand, der dann zunehmend in ein immer stärker gehebeltes Vergnügen abgleitet. Besonders am Immobilienmarkt ist dies auf Grund der lang anhaltenden Tendenzen immmer wieder gut zu beobachten.

Die Summe der in Australien vergebenen Hypothekenkredite hat bezogen auf das BIP ein beachtliches Niveau erreicht. Mittlerweile hat der Aussie diesbezüglich gar die Amerikanos hinter sich gelassen.

Eine völlig andere Situation...Klar

Wie in der Grafik vermerkt, ein Enthebeln hat hier noch nicht stattgefunden. Auch in den USA hat dieser Prozess gerade erst begonnen, das wird in der Hetze der täglichen Berichterstattung über irgendwelche Bewegungen bei irgendeinem Aktienindex gerne ausgeblendet. Die großen Themen werden nun einmal nicht im „Theater DAX“ gespielt.

In den letzten Monaten sank die Zahl der Kreditanträge kontinuierlich. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, zumindest Vorsicht walten zu lassen. Die Vergabe von Krediten lässt sich nun einmal schwerlich von der Nachfrage nach Immobilien trennen. Die wichtige Frage ist, mit welchem Zeitverzug ein solcher Nachfragerückgang sich auf das Preisniveau auswirkt. Dies ist abhängig von den Reserven der Hausbesitzer und von der generellen Einsicht, dass Preise nicht nur steigen können. Sie können auch fallen, und zwar rasch.

Ein Blick auf die Kreditvergabe und den Preisindex sollten dem einen oder anderen Hausbesitzer jedenfalls zu Denken geben. Auch wenn die Konjunktur in Australien von den ausgebuddelten Rohstoffen profitiert – was fraglos der Fall ist – und viele Menschen gut verdienen, darf das nicht über eine Tatsache hinwegtäuschen. Man kann sich unabhängig vom Einkommensniveau überheben. Das lässt sich auch am Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten gut beobachten. Angesichts einiger Zahlen verstärkt sich der Eindruck, hier sind einige Menschen gerade noch rechtzeitig zu ein bisschen Geld gekommen um sich noch schnell zu weit aus dem Fenster lehnen zu können.

Preise und Kredite

Der Zentralbankgovernor Glenn Stevens bemerkte zum Thema Hausfinanzierung folgendes:

“Housing finance demand has moderated considerably,” Bill Evans, chief economist at Westpac Banking Corp. in Sydney, said ahead of today’s report. “Finance to first home buyers has retreated sharply.”

 Für den geneigten Betrachter mag es erstaunlich sein, aber der Immobilienmarkt in Australien wurde und wird nach wie vor staatlich subventioniert. Das ist angesichts der langjährigen Preiskurve durchaus bemerkenswert. Die Subventionen für Erstkäufer wurden allerdings in Stufen von einst A$21.000 – eine ganze Menge Geld – auf nunmehr A$7.000 reduziert. Erstkäufer machen auf dem australischen Markt rund ein Sechstel der gesamten Nachfrage aus.

Den Rest der Finanzierung besorgt dann die Bank, wenn sie noch Kredite vergibt. Eine Umfrage unter Kunden australischer Banken ergab folgendes Bild.

Vertrauen erweckend

Aber auch den Angestellten der Finanzinstitute wird es offenbar langsam mulmig. So fürchten laut einer Umfrage der Gewerkschaft des australischen Finanzgewerbes 29% der Angestellten, dass ihre Kunden nicht in der Lage sein werden, ihre Kredite zu bedienen. Rund 43% sagten aus, sie seien unter massivem Druck gesetzt worden, Kredite zu vergeben „even if customers don’t ask for them and may not be able to afford them’.” Das ist ein starkes Stück, wenn dies auch dem einen oder anderen Bankangestellen im deutschsprachigen Raum nicht ganz unbekannt vorkommen dürfte.

Mittlerweile wird in Australien versucht, rechtlich gegen derartige Zielvorgaben bei den zu vergebenen Kreditsummen vorzugehen. Das klingt sinnvoll und geht das Problem in der Tat an einer der Wurzeln an. Man darf gespannt sein, was die Richter davon halten.

 Während alle Warnlampen mittlerweile von orange auf rot umgesprungen sind, zieht es immer mehr ausländische Investoren in den australischen Markt. Hier zeigt sich das typische porzyklische Verhalten, das für die Verluste von morgen verantwortlich ist. Wenn dann deutsche Banken demnächst anfangen, dort zahlreiche neue Dependancen zu eröffnen, dürfte der langjährige Gipfel erreicht sein.

 June 9 (Bloomberg) — Foreign investors have been involved in a record number of Australian office property sales in the past year, driven by Asian buyers seeking a secure market with growth potential, CB Richard Ellis said.

Overseas buyers accounted for 70 percent of office transactions above A$50 million ($41 million) each, totaling A$2.4 billion, in the 12 months to June 8, a surge on the long- term average trend of 5 percent, directors at the world’s largest real estate broker said in an e-mailed statement today.

Die Gründe, warum man nun unbedingt in Australien investieren muss, sind die gleichen, die wir schon in Bezug auf die USA, Spanien, Irland und andere Länder zu hören bekamen.

“Australia is seen to provide a transparent, safe market with growth potential,” Rick Butler, senior managing director for international investments, said in the statement. “We are seeing an increasing number of Asian delegations in Australia, with the market being buoyed by the gains many of these groups have made from the Asian stock market or property investments.”

 Transparent, sicher und mit Wachstumspotential behaftet. Immerhin, der Hinweis auf eine vermeintlich günstige Bewertung bleibt dem Adressaten erspart.

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Bodenhaftung

Vor rund einem Jahr sollte die große Konjunkturhilfe noch aus den Vereinigten Staaten kommen. Mit frischer Kraft würden die USA auf den Wachstumspfad zurückkehren, so durfte man lesen, und auf ihre Weise die Welt aus dem Schlamassel ziehen. Dann hat sich der Wind scheinbar gedreht, die so genannten Schwellenländer dürfen nun ran. Sie sollen es also nun sein, die die Weltwirtschaft auf Kurs bringen. Heute wird ein ISM, der einmal die in der Regel falschen Konsenserwartungen nach oben verfehlt, gefeiert. Die Nebensächlichkeit des industriellen Sektors in den Staaten fällt in der Beurteilung der Situation unter den Tisch. Am nächsten Tag werden dann, wie gewohnt, die Daten zum Häusermarkt betrachtet und weitgehend ignoriert. Nun mag es auf Dauer ermüdend sein, sich die Lage in diesem Marktsegment ständig vor Augen zu führen.

Nichtsdestoweniger ist die Entwicklung in diesem Teil der Realität für die weitere Entwicklung wesentlich wichtiger als der Industriesektor. Der Anteil des produzierenden Gewerbes sinkt beständig, auch das eine keineswegs neue Tendenz.

Wachstumspfad a l'Americain

Nun ist es derzeit in Mode, der amerikanischen Wirtschaft insgesamt ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft abzusprechen. Das ist, obwohl die langfristige Tendenz eine solche Entwicklung bestätigt, wohl ein bisschen zu voreilig. Der Trend dürfte sich fortsetzten, aber eine rasche Kontraktion in den USA hätte massive Konsequenzen, die weit über das amerikanische Territorium hinaus spürbar wären.

Weithin unterschätzt wird – erstaunlicherweise auch Jahre nach dem Beginn der Malaise – die Dimension der begonnenen Umwälzungen. In den Bereichen des privaten Konsums und des gesamten Immobilienmarktes kommt es zu vollkommen neuen Situationen. Dekadenlange Verhaltensmuster werden aufgebrochen, alte Gegenmittel versagen. Beides, Konsum und das vermeintliche Betongold, sind natürlich untrennbar miteinander verquickt, beinflussen doch die Hauspreise und die Kreditbedingungen direkt die Möglichkeiten zum Konsum.

Wie eine Studie der Harvard-Universität kürzlich vermerkte, zeigt sich der Immobilienmarkt insgesamt in einer nicht beneidenswerten Verfassung. Besonders frappierend ist eine für die USA vollkommen neuartige Situation. Der Wert des in allen Immobilien gebündelten Eigenkapitals ist deutlich unter die Gesamtsumme der ausstehenden Hypotheken gesunken.

uiuiui, Tiffy


Man darf sich das ruhig auf der Zunge zergehen lassen und im Hinterkopf darüber nachdenken, was das denn für die Häuser bedeutet, die noch nicht abbezahlt sind. Die Statistik sähe, wenn man nur Immobilien dieser Kategorie betrachtete, noch düsterer aus. Die sich öffnende Lücke in enorm, immerhin steht das Loch stellvertretend für gut $4.000 Mrd. Dollar. Zum Vergleich, der Betrag der weltweit realisierten Kreditverluste seit 2007 liegt bei ca. $1.800 Mrd., zwei Drittel davon in Amerika.

Da darf man sich schon einmal fragen, wie groß das Interesse der Betroffenen im Mittel sein dürfte, die Kredite überhaupt noch abzubezahlen. Eine Hypothek von $250.000 abzustottern, während das Haus nur noch $150.000 wert ist macht sicher keine große Freude. Daran ändern auch niedrige Zinsen nichts. Von der Fähigkeit, diese Zahlungen fortzuführen einmal ganz zu schweigen.

Oder, wie es in der Studie der Universität formuliert wurde:

The drop in home equity is startling when placed in historical context.Aggregate real home equity has not been this low since 1985 when there were far fewer homeowners than today. In addition, the amount of home equity and the amount of mortgage debt outstanding essentially flipped in just one decade. As a result, mortgage debt climbed from 65 percent of home equity in 2000 to 163 percent in 2009.

Gerade der letzte Satz sollte vielen Auguren zu denken geben.

Bezogen auf das Vermögen der privaten Haushalte ist die Lage ähnlich. Die vergangene Dekade beendeten die Haushalte im Mittel mit einem marginalen Plus, man zehrtenoch von den Vorkrisenjahren. Die Summe entfällt allerdings auf eine gestiegene Zahl von Haushalten. Auf den einzelnen Haushalt bezogen ging das Vermögen um 8% zurück. In den Steigflug hingegen ging die Hypothekenlast über, von 1999 bis 2009 stieg diese um 67% auf nunmehr $10.000 Mrd. Interessanterweise ging diese steigende Verschuldung mit einem deutlichen Rückgang der Zahl der hausbesitzenden Haushalte einher.

Aufstieg und Fall

Die kurze Phase vermeintlichen Reichtums auf Basis kreditinduzierter Glückseligkeit ist wieder an ihren Ursprung zurückgehrt. Dummerweise ist das Vermögen wieder da, wo es herkam, die Schulden aber wuchsen deutlich an. So ist das, wenn man die Bratwurst auf Pump kauft.  Erst ist man satt und zufrieden. Dann ist man wieder hungrig, aber neben dem Hunger habe ich jetzt auch noch Schulden. Von nichts kommt halt nichts.

Wir lassen  noch einmal die Damen und Herren von Harvard ans Mikrofon:

Household wealth went through a sharp boom-and-bust cycle over the last decade. After sliding from $55 trillion in 1999 to $49 trillion in 2002 in the wake of the dot-com bubble, real aggregate household wealth soared to nearly $69 trillion in 2006. Then in 2008, household wealth plummeted to $51 trillion—a drop of more than $17 trillion in just two years. Although recovering to $54 trillion in 2009, household wealth ended the decade showing little gain. On a per household basis, real household wealth actually fell from $526,000 in 1999 to $486,600 in 2009. Meanwhile, household mortgage debt exploded from less than $6 trillion to more than $10 trillion in inflation-adjusted dollars.

Nun braut sich weiterhin Ungemach über dem verdatterten Häusermarkt zusammen. Der Überhang an Wohneinheiten nimmt nicht ab, sondern zu, eine Entwicklung, die auch am Vermietungsmarkt deutliche Spuren hinterlässt. So legte zwar der Anteil der Menschen, die zur Miete wohnen, stark zu. Die Zahl der fertiggestellten neuen Mietbehausungen aber konterkarierte jeden Versuch, die Leerstände zu drücken. Mehr Mieter, aber noch mehr neue Mietflächen, das ist das Dilemma der Hausbesitzer und derjenigen Kreditgeber, die solche oft gewerblich betriebenen Bauten finanziert haben.

Nun sieht man sich einer Problematik in beachtlicher Größenordnung gegenüber. Es gibt zuviele Flächen, sei es für Eigentümer oder zur Vermietung. Die finanzielle Lage der privaten Haushalte ist prekär, von einem Aufschwung ist am Arbeitsmarkt rein gar nichts zu spüren. Es ist schon vielsagend, wenn die besten Nachrichten nicht in netto geschaffenen Stellen sondern in langsamer verloren gegangenen Jobs gesehen werden. So wie es sich darstellt, müssen also die Preise weiter deutlich herunter. Damit ergibt sich aber erneuter Abschreibungsbedarf bei den Banken, die ja mangels anderer Nachfrager bei zahlreichen Zwangsversteigerungen oft als einziger Bieter zugriffen. Was glauben Sie, wieviel haben die in der Bilanz genannten Werte für diese Anwesen mit der Realität zu tun?

Unterdessen fault es auch an der Kreditfront munter weiter. Wie sollte es angesichts der geschilderten Lage auch anders sein?

Das Elend ballt sich besonders in einigen bekannten Krisenstaaten. So sind in Kalifornien und Florida allein gut ein Viertel aller Kredite beheimatet, die länger als 90  Tage in Verzug sind. Man könnte diese Gegend einen Problemballungsraum nennen. Die insgesamt schon nicht geringe Zahl anstehender Zwangsvollstreckungen wird zunehmen und noch lange auf die Preise drücken. Das gilt gerade hinsichtlich des zusätzlichen Angebots, das noch in den Bankbilanzen lauert. Ein Haus wird ja im Zeitverlauf nicht besser, wenn niemand mehr darin wohnt.

Trotz der höheren Problemquote bei subprime loans und ähnlichen faulen Früchten stammt die Mehrzahl der angeschlagenen Papiere mitttlerweile aus dem prime Segment.


in Verzug


Die Schwere der Immobilienkrise unterscheidet sich um Größenordnungen von den Schwierigkeiten in vorangegangenen harten Zeiten. Dies lässt sich gut an den Verzugsraten für prime loans ablesen.

In „normalen“ Abschwungphasen liegt die entsprechende Kennzahl in der Regel deutlich unter 2%. Aktuell liegt der Wert – alle prime loans zusammen betrachtet – bei 7,1%. Laut Freddie Mac nennen übrigens 58% der Menschen, die ihre Raten nicht zahlen können, Arbeitslosigkeit oder Einschnitte beim Gehalt als Begründung. Diese Tendenz wird sich wohl ebenfalls noch lange halten. Auf den Beinen ist der desolate Immobilienmarkt in den Staaten noch lange nicht. Es wird Zeit, dass auch die Banken dies bei der Bewertung der entsprechenden Risiken in den Bilanzen anerkennen. Gewinnausweise, die aus der Rückführung von Reserven resultieren, sind jedenfalls nicht das richtige Signal.


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Nachfrage Marke Eigenbau

Wer keine Nachfrage hat, der schafft sich welche. So oder so ähnlich lautete wohl das Credo der Investmentbanken, als sie es nicht mehr schafften, genügend Abnehmer für ihre Finanzkreationen zu finden. Der geniale Clou: Alle Produkte, die man nicht los wurde, verpackte man einfach in die nächste Transaktion. Sieht toll aus, denn den Investoren wurde auf diesem Weg eine weiterhin stabile Nachfrage suggeriert. Alles in Ordnung, kaufen Sie in Ruhe weiter ein!

Da sich die zahlreichen Dämlacks wahrscheinlich auch von einer nicht mehr vorhandenen Nachfrage nicht hätten abschrecken lassen, war diese Vorgehensweise wohl vollkommen unnötig. Aber selbst der Anbieter strukturierter Produkte darf die Dummheit der Abnehmer unterschätzen – auch eine Art kaufmännischer Vorsicht.

Das beliebte Beispiel der CDOs, seit einigen Jahren unter den bekanntesten Strukturen, zeigt, wie der Hase lief. Zunächst einmal der kurze Blick, wie eine derartige Transaktion sich in Hinblick auf den Risikotransfer vom klassischen Kreditgeschäft unterscheidet.

Strukturiert ja, durchdacht nein

Die Darstellung des IWF zeigt, wie aus einer schlichten Kreditvergabe ein vergleichsweise unübersichtlicher Prozess wurde. Anstatt einer Risikodiversifikation, wie sie in vielen Präsentationen beworben wurde, gab es schlichtweg mehr Ebenen, die alle an der Transaktion mitverdient haben. Insgesamt sank also die Risikoprämie auf Grund der höheren Kosten, das Risiko wurde schlechter bezahlt und gleichzeitig schwieriger bis gar nicht zu händeln. Geschätze $5 Millionen blieben bei einem mittleren CDO bei der Investmentbank hängen, der Bonusanteil für die Mitarbeiter wird von einigen auf rund die Hälfte dieser Summe geschätzt. Furchbar viele Menschen  haben übrigens nicht an diesen Strukturen gearbeitet, es blieb also für den einzelnen eine Menge hängen.

Nachdem teilweise auch die Bilanzen vieler Hinterlandsinstitute mit diesem Unrat verstopft waren sackte angesichts der weiter sinkenden Risikoprämien auch die Nachfrage ab. In den Präsentationen und Meetings mit den Anbietern klang  das aber ganz anders. Man plane bereits länger als zehn Jahre laufende Papiere, da „auf den 10-jährigen nicht mehr viel drauf steht“. Diese Aussage ist nach wie vor unfassbar und in ihrem generellen Unverständnis hinsichtlich Ertrags- und Risikomanagement das saure Sahnehäubchen auf dem Ignoranzgipfel. Die vermeintliche Nachfrage schafften sich viele Emittenten offenbar selbst. Viele neue Geschäfte wurden wie gesagt mit den Resten der alten Transaktionen befüllt. Die alte war somit vom Markt – Wahnsinn, welche Nachfrage.

Ge-Mezzel


Die Grafik von Bernstein und Eisinger veranschaulicht den Prozess der Kreation von CDOs. Zunächst wird ein Portfolio von Risiken in Tranchen zerlegt. Diese sind auf Grund der Struktur mit unterschiedlichen Risiken behaftet. Der sicherste Teil der Struktur wurde von den Banken einbehalten, was den Vorteil einer verschwindend geringen Eigenkapitalunterlegung hatte. Der unsicherste Part ging an Hedge Funds und andere Abnehmer verkauft. Die Reste des mitttleren Teils der Transaktion wurden erneut tranchiert, der oberste Teil des neuen CDOs bleibt wieder bei der Bank und so fort. Insgesamt stieg der Anteil der CDOs, die ihrerseits in CDOs investierten im Zeitverlauf drastisch an.

Künstliche Nachfrage

Der Witz an der Sache ist folgender. Wenn der Mezzanine Part generell für die Banken wegen der notwendigen Eigenkapitalunterlegung unattraktiv war, wie kann es dann sein, dass ein Teil dieser Transaktion durch erneutes Tranchieren attraktiver wurde? Das Risiko ist ja durch diesen Prozess nicht verringert worden. Dies ist eine der vielen Fragen, denen sich die ehemaligen Käufer derartiger Produkte stellen sollten. Leider werden diese Fragen nicht gestellt und die Finanzkrise immer mehr zu einem diffusen externen Schock verklärt. Das zeigt sich vor allem beim Beispiel Lehman, der ja tatsächlich bereits von einigen als Ursache der Krise angesehen wird, was natürlich vollkommen falsch ist.

Das folgende Schaubild verdeutlicht am Beispiel Merrill Lynch und UBS, wie das Ausmaß dieser Vorgehensweise im Verlauf der Ära der CDOs zugenommen hat. So gab es bei Merrill 2007 31 Transaktionen. Dreizehn Transaktionen wurden mit Restanten alter Merrill CDOs aufgefüllt. Soviel zum Thema Nachfrage.

Die Resterampe


Ein derartiges Vorgehen kann  eine normale, früher einsetzende Konsolidierung des Marktes verschleppen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit allein diese Verzögerung zum Ausmaß der bekannten und anhaltenden Krise beigetragen hat.

Das mag alles abstrakt erscheinen, sollte aber nicht dazu verleiten, von einer kleinen Nische im globalen Finanzgefüge zu reden. CDOs gab es basierend auf Unternehmensrisiken, auf anderen CDOs und gerne auch auf Hypothekenkrediten. Allein der Markt für derartige mortgage CDOs erreichte in 2006 ein Volumen von $226 Mrd. Angesichts der teils katastrophalen Entwicklung dieser Produkte haben sie ein ordentliches Schärflein zur Eigenkapitalschrumpfung der Banken beigetragen.

Neben der Regulierung, die auf Grund ausufernder Lobbyarbeit immer weiter in den Hintergrund zu geraten scheint, wäre eine Aufarbeitung zahlreicher Vorgänge im Zusammenhang mit Investmententscheidungen in Finanzinstituten wichtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, ist wohl gering. Aufgearbeitet wurde bisher jedenfalls gar nichts.

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