Weniger ist mehr

Nun sieh’ sich einer das an, die Verkäufe langlebiger Wirtschaftsgüter gehen zurück, welch Wunder. Während das überraschende an dieser Meldung eigentlich nur die Überraschung einiger Betrachter ist, schießt die Analyseabteilung einer bekannten teilverstaatlichten Bank mit ihren Kommentaren zum wiederholten Male den Vogel ab.

Die Aufträge für langlebige Güter enttäuschten im Juni. Sie schrumpften um 1,0% und damit den zweiten Monat in Folge. Der Anstieg in der Kernkategorie zeigt aber, dass der Aufwärtstrend intakt ist.

Aha, der Rückgang ist also eigentlich ein Anstieg, klarer Fall von verwechselten Vorzeichen. Der Schlagobers auf der Veröffentlichung war dann aber das Fazit:

Die Unternehmen erhöhen ihre Investitionen, was für eine steigende Beschäftigung spricht.

Sicher haben wir diesbezüglich die eine oder andere Informationen zwischen den Zeilen des komplett in Auflösung begriffenen US Arbeitsmarktes überlesen. Zur besseren Orientierung daher noch einmal ein Blick auf die Lage bei den langlebigen Wirtschaftsgütern und auf dem Arbeitsmarkt. Gerade letzteren wollen wir heute auch einmal unter dem Blickwinkel der abnehmenden Erwerbsbevölkerung betrachten. Wer keine Stelle hat und aus dieser Menge herausfällt gilt ja bekanntermaßen nicht als arbeitslos.

Kurz zu den langlebigen Wirtschaftsgütern. Hier hat sich die Entwicklung, die sich seit dem Beginn der übergeordneten und anhaltenden Krise aus dem Jahr 2000 entfaltet, nicht geändert. Strukturell findet im privaten Bereich eine Entwicklung statt, die man höflich mit dem Etikett Konsolidierung versehen könnte. Die einzigen Wachstumsimpulse kommen seither aus dem militärischen Bereich, ein Sektor, in dem die USA und einige andere ja seither auch den Verbrauch massiv angekurbelt haben. Ein Zyniker könnte anmerken, dass die Bezeichnung langlebig in diesem Sektor wohl ein wenig fehlgeht.

Wirtschaftliche Interessen - Köhlerismus a la USA

Wobei wir auch nicht wissen, welcher “Kern” im aktuellen Report des beliebten teilverstaatlichten Geldhauses denn so ansteigt, die wichtigen Bereiche zeigen jednefall seit Monaten eine wieder abflauende Tendenz. Der Sektor Computer und Elektronik beispielsweise war in den vergangenen fünf Monaten vier mal im Minus – das Segement ist vor allem für die Beurteilung der privaten Verbraucher interessant. Alles in allem war der jetzige Bericht sogar ein außerordentlich schlechter. Wie bei der Beurteilung des so genannten Stresstests stellt sich bei der ein oder anderen öffentlichen Stellungnahme die Frage, ob derjenige, der sich zu einer Analyse herablässt, die entsprechenden Dokumente überhaupt nur ansatzweise gelesen hat.

Dem ist im Grund nicht viel hinzuzufügen, denn alles Weitere lässt sich aus den sich verfestigenden Entwicklungen an der Arbeits- und Einkommensfront ablesen.

Daher folgt heute einmal ein Blick auf die Veränderung der Arbeitslosigkeit und die Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung in den Staaten. Letztere ist beeindruckend, der Anteil der Erwerbsbevölkerung an der gesamten Einwohnerschaft in den USA ist von einem Hoch bei 64,7% auf mittlerweile lediglich 58,5% zurückgegangen.

Abwärts immer, aufwärts nimmer

Bezogen auf das letzte Hoch der absoluten Zahl der Erwerbstätigen liegt die Schrumpfung bei rund 10 Millionen. Das Hoch lag ebenfalls im Zeitraum des ursprünglichen Krisenbeginns um die Jahrtausendwende.

labforce Schrumpfung

Die Schrumpfung war damit bei einer prozentualen Betrachtung in etwa doppelt so hoch wie in den Krisen seit den 60er Jahren – Hut ab. Dazu gesellt sich ein Arbeitsplatzabbau, der dreimal so hoch ist wie in den vergangenen Krisen. Eine interessante Mischung. Die Frage, wo sich hier ein Aufschwung abseits der Kostensenkungsgewinne einiger Unternehmen abzeichnet, bleibt unbeantwortet.

Woher das oben zitierte Geldhaus seine dauerhaft positive Wunschvorstellung eines Jobwachstums ableitet ist leider ebenfalls nicht überliefert. Vielleicht gibt es ja demnächst eine weitere Volkszählung. Alternativ ließen sich auch durch die Zählung von Haustieren oder die Kontrolle aller europäischen Inlandsüberweisungen auf irgendwelche Hinweise auf irgendetwas sicher krisenfeste Arbeitsplätze schaffen. In diesem Falle bleibt aber zu hoffen, die Damen und Herren mögen doch bitte nichts Sicherheitsrelevantes in den Bankdaten finden. Denn für das Einsperren von Verdächtigen reicht ja in den Bundesstaaten bekanntlich schon jetzt das Geld nicht mehr aus.

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Jede Pleite ein Gewinn

Wer nichts hat und nichts verdient, zahlt in der Regel wenig Steuern. Die Zahl derjenigen, die sich in den Staaten und anderswo zu diesem Kreis zählen müssen, wächst unvermindert. Gleichzeitig geistern obskure Wachstumszahlen und noch obskurere Interpretationen durch die Welt der Konjunkturdaten. Angesichts einer Kapaztitäsauslastung, die auf der Höhe des Tiefs der 2000er Krise pendelt, ist das schon sehr seltsam. Da könnte sich doch der Blick auf die Daten zur absoluten Beschäftigungsveränderung und zu den staatlichen Steuereinnahmen in den USA als aufschlussreich erweisen.

So sehen Sieger aus

Vielleicht wäre es eine gute Idee, statt Horden von Volkszählern einmal ein paar Aufräumarbeiter mit dem eisernen Besen durch den Wust der US Statistiken zu schicken. Sicher ein ausfüllender Job mit dem Vorteil, dass nach getaner Arbeit gleich die Zahlenfabriken auf der europäischen Seite des Atlantiks locken. In China dürfte es für eine Bereinigung der Daten ohnehin zu spät sein, aber immerhin darf man die stets zweistelligen Wachstumsraten und sonstige Erfolgsmeldungen aus dem Land der Zwangskreditvergabekombinate als eine Art finanzstatistischen Zirkus Krone zur Kenntnis nehmen, der für entsprechend belustigende Dauerunterhaltung sorgt.

Nun gibt es neben den offiziellen und dauerhaft in den Medien präsentierten Indikatoren zur Beschäftigungssituation in den Staaten, wie den initial claims, den continuing claims, der Arbeitslosenquote  oder der umfassenden Arbeitslosenquote auch andere Daten, die einen Überblick ermöglichen. Da sich die Quote und die Meldungen auf Grund einer regelmäßigen Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung (bei ebenso regelmäßig wachsender Gesamtbevölkerung) gerne einmal gegenläufig bewegen, schauen wir uns heute einmal an, wie sich denn die Beschäftigungszahlen absolut verändert haben. Das ist übrigens auch bei anderen Indikatoren sehr lohnenswert, man denke allein an die gefühlt ja fast schon „dausend prozentigen“ Anstiege bei Industrieaufträgen oder ähnlichem. Schlussendlich zählt das absolute Niveau, oder wie es mal jemand formulierte: Es zählt, was hinten rauskommt. Wenn sie nichts verdienen, hilft Ihnen auch die Verzehnfachung des Einkommens bestenfalls psychologisch auf die Sprünge.

Die Entwicklung der Beschäftigung in den USA ist von einer seltenen Eindeutigkeit. Da darf man sich schon fragen, ob es zu einem Double Dip schon aus dem einfachen Grunde nicht kommen kann, weil man gar nicht hoch genug gestiegen ist um zu “dippen”.

Roter Januar Februar Maerz...

Abgesehen von North Dakota und Alaska, beide sicherlich wunderschön aber nicht eben für ihre Bevölkerungsmassen und dichte Besiedlung bekannt, blicken wir in ein rotes Zahlenmeer. Nicht vergessen darf man auch hier: Die schwachen Daten beziehen sich auf ebenfalls schon sehr schwache Vorjahresdaten. Diese Daten zur sinkenden Beschäftigung erklären auch die nach wie vor schwachen Zahlen zur Kapazitätsauslastung in den USA. Der ein oder andere Firmengewinn mag in einem solchen Umfeld steigen, aber das hat oftmals nichts mit eventuellen Aufschwungsfantasien, sondern vielmehr mit massiven und breit angelegten Kostensenkungen und Basiseffekten zu tun. Des einen Kosten sind nun leider des anderen Einkommen, weshalb in der Breite wohl kaum mit einem Konsumaufschwung gerechnet werden sollte. Das gleichzeitig weiterhin stark rückläufige Neugeschäft mit Konsumentenkrediten lässt es schon fast erstaunlich erscheinen, dass der Konsum in den Staaten den offiziellen Statistiken zufolge vergleichsweise langsam sinkt. Wird hier etwa schnell noch der dünne Spargroschen bei Wal-Mart gegen Marshmallows oder beim Elektrohöker gegen den ein oder anderen Schnickschnack eingetauscht?

Nun, die Steuereinnahmen deuten jedenfalls nicht auf eine nachhaltig tragfähige Nachfrage hin, die Veränderung der Nettovermögen weist ebenfalls nicht in diese Richtung, die Situation bei den Einkommen – gut abzulesen an den entsprechenden Steuern –  ist auch mau. So heißt es beispielsweise in einem Report des Rockefeller Instituts:

Only eight states reported growth in personal income tax collections. Thirty-five states showed declines in the first quarter of 2010, with 15 states reporting double-digit declines. Michigan and Louisiana reported large declines in personal income tax collections at 61.5 and 54.2 percent, respectively.

Zugleich fällt die offizielle Ermittlung der Veränderung von Einzelhandelsumsätzen gerne auch auf den survivorship bias herein. In die Insolvenz geschlitterte Geschäfte werden schlichtweg nicht mehr mitgezählt. Die Veränderung der Umsätze in diesen Läden – also der Rückgang auf Null – fällt aus den Daten heraus, während der Teil, den sich die Konkurrenz einverleiben kann, als Wachstumsblüte leuchten darf.

Im Grunde wäre es folglich das beste, wenn von einhundert Läden neunundneunzig schließen würden. Könnte der verbliebene Supermercado dank der Pleiten der Konkurrenten, also mangels Angebot, auch nur um Prozentpünktchen zulegen, dann ließe sich auf diese Weise ein Wachstum der Umsätze des Sektors ableiten. Das ist schlichtweg beeindruckend. Respekt, damit muss man erst mal so lange durchkommen.

Nun lässt sich bei den Steuern, aller Kreativität der Eintreiber zum Trotz, der Makel der Verkaufsrückgänge nicht ausbügeln. Bestenfalls (für Onkel Sam) kommt man mit einer Steuererhöhung durch, die zumindest kurzfristig mehr einbringt als sie langfristig kostet. Den Weg der Steuererhöhungen hat man mittlerweile schon beschritten, gebracht hat es bis dato freilich wenig.
Nö, läuft

Wie oben bereits erwähnt, der Knick nach oben liegt im tiefroten Bereich, obwohl sich die aktuelle Jahresveränderung auf das bereits sehr tiefe Niveaus des Vorjahres bezieht.

Beachtenswert ist  vor allem die ausgeprägte Schwäche bei den Verkaufssteuern, die sich schon seit dem dritten Quartal 2007 zeigt (im obigen Chart rot markiert). Das ist im Grunde nicht erstaunlich und passt zu so gut wie allen makroökonomischen Daten außer zu den offiziell bis vor kurzem gemeldeten vermeintlichen positiven Wachstumsraten im Einzelhandel. Die Ursache ist wohl in der Erhebung der Daten zu sehen, wie oben bereits erwähnt.

Verkaufen, verkaufen

Es wird sich zeigen, wie sich das Dilemma aus schrumpfenden Kreditvolumina, sinkenden Bonitäten und anhaltender Jobmisere auf den weiteren Verlauf auswirkt. Die kumulierten Arbeitsplatzverluste in der aktuellen Krise sind allein bis jetzt schon gut drei mal so hoch wie in den vorangegangen Krisen, wenn man den Zeitraum seit den siebziger Jahren betrachtet.

Eine sichere Wette wird es wohl bleiben, wenn man darauf setzt, dass sich die Entfernung zwischen einigen offiziellen Daten und der Realität auch in Zukunft nicht verkleinern wird.

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Ja geht denn das?

Im US Staat Michigan breiten sich derzeit Münzen aus, die allen Versuchen, sie als Fälschung zu deklarieren, bisher gut trotzen konnten. Es handelt sich um Parallelwährungen, Medaillen ohne offiziell akzeptierten – also staatlich genehmen – Währungscharakter aber mit Edelmetallkern, die mittlerweile auch dem Sender NBC die ein oder andere Sendung wert waren. Wir bleiben im Folgenden auf Grund des offensichtlichen Währungscharakters übrigens bei der Bezeichnung Münze.

Die Standardmünzen sind aus Silber, aber auch Gold und Kupfermünzen (nicht ganz so edel) für Kleinbeträge setzen sich an Tankstellen, in Lebensmittelgeschäften oder auch Restaurants durch. Bei Wal-Mart dürfte die Zahlung aber  weiterhin schwierig werden, hier regieren nach wie vor die Plastikkarten, in regionalen Systemen aber wächst die Akzeptanz.

Einige Klassiker sehen so aus.

Liberty Dollars

Aber es gibt durchaus auch zahlreiche andere Gestaltungsmöglichkeiten.

I want my money back!

Ein Beispiel aus den mehr als 150 in der Regel lokalen Alternativwährungen in den Vereinigten Staaten sind die so genannten Liberty Dollars. Bekannt sind hier vor allem diejenigen, die das Konterfei des Präsidentschaftskandidaten Ron Paul zieren, aber es gibt eine reichhaltige Auswahl. Besonders auf die Nerven geht den Herren der offiziellen US Währung seit jeher die Benutzung des Begriffes Dollar auf den Stücken.

Die dahinter stehende Organisation Norfed (“National Organization for the Repeal of the Federal Reserve Act and the Internal Revenue Code”) emittierte Stücke in einer Reihe von Denominationen, u.a. $1, $5, $10, and $20 in Silber und $500 in Gold. Das offizielle Ziel war es, eine Alternative zum nicht gedeckten US Dollar anzubieten, die jeder der mag als Zahlungsmittel verwenden kann. Freunde macht man sich mit diesem Ansatz nicht, wie die Erfahrungen von Schöpfern anderer, vergleichbarer Währungen zeigen. Die Internetseite, die sich im Zeitraum 1998 – 2006 mit dem Vertrieb der Liberty Münzen beschäftigte, wurde übrigens per gerichtlicher Anordnung geschlossen.

Der Unterschied zu anderen lokalen Währungen ist die Metalldeckung. Andere Alternativen haben z.B. die Einheit „hours“. Sie definieren sich so quasi als eine Art “Arbeitszeitspeicher” und Zeittauschmittel, wenn man so will. Während andere Alternativwährungen oft für eher lokale Zwecke gedacht sind, war es von Beginn an das Ziel der Unterstützer des Liberty Dollars, eine bundesweite Akzeptanz zu schaffen.

Nun gab es nicht wenige, die ein Verbot der Münzen selbst anstrebten und die Verwendung als Zahlungsmittel unter Strafe stellen wollten. Dem steht aber der an sich unselige „Coinage Act“ von 1965 im Wege.

Eigentlich ist dieses Papier dafür bekannt, dass die damals noch offiziellen Silbermünzen geschnitten wurden. Der Silberanteil der US Münzen sank damals von 90% auf rund 40%. Die letzte Prägung des half dollar mit 90%igem Silberanteil trägt übrigens das Antlitz des Präsidenten Kennedy.

Der Schnitt liest sich im Original, das übrigens sehr lesenswert ist,  recht unspektakulär:

(1) A half dollar (…) shall be composed of an alloy of eight hundred parts
of silver of a silver-copper alloy of such fineness that the composition of
each coin shall be four hundred parts of silver and six hundred parts of
copper out of each one thousand parts by weight.

So schnell geht das. Bekanntermaßen hat man sich mittlerweile von der Silberverarbeitung in den normalen US Dollarmünzen vollständig verabschiedet. Das Beibehalten auch winzigster Edelmetallmengen hätte sicherlich nur zu einem lästigen Bremseffekt bei den zahlreichen von der FED maßgeblich unterstützten Blasenbildungen geführt. Sollte die Zersetzung des Geldsystems so voranschreiten wie bisher, dann reicht es demnächst sicher nicht einmal mehr für die Anteile an Nichtedelmetallen. Da kann der Weg dann über Kunststoffmünzen direkt zum reinen Digitalgeld führen. Fälschungssicherheit, einfacher Umgang, geringes Gewicht – ganz wie Sie wollen, das Argument zur Lage wird nicht lange auf sich warten lassen. Wie wäre es mit einem digitalen Zeitstempel, der das Geld mit einer Fälligkeit versieht? Husch, husch, an die Konsumtheke!

Man könnte es wohl eine Ironie des Schicksals nennen, dass sich im gleichen, oben zitierten Schrieb auch der Passus zur Akzeptanz von Zahlungsmitteln findet, auf den sich heute die Freunde der Liberty Dollars berufen.

Auf den Seiten des US Schatzamtes, in der beliebten Frageecke, liest sich dies mit Bezug auf den Coinage Act von 1965 wie folgt:

The pertinent portion of law that applies to your question is the Coinage Act of 1965, specifically Section 31 U.S.C. 5103, entitled “Legal tender,” which states: “United States coins and currency (including Federal reserve notes and circulating notes of Federal reserve banks and national banks) are legal tender for all debts, public charges, taxes, and dues.”

This statute means that all United States money as identified above are a valid and legal offer of payment for debts when tendered to a creditor. There is, however, no Federal statute mandating that a private business, a person or an organization must accept currency or coins as for payment for goods and/or services. Private businesses are free to develop their own policies on whether or not to accept cash unless there is a State law which says otherwise.

So wird also ein Schuh draus. Anstelle eines möglichen Verbotes der Alternativwährungen offenbart sich eine Freiheit bezüglich der Akzeptanz der Federal Reserve Notes. Diese „echten“ Dollars müssen gar nicht akzeptiert werden, sie sind halt generell akzeptiertes Zahlungsmittel für die oben genannten Zwecke. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Steuern wird der US Bürger demnach weiterhin in US Dollar zahlen müssen. Beim Tanken darf er – wenn die Tankstelle dies so akzeptiert – auch mit Liberty Dollars oder Kauri Muscheln zahlen.

Da sind wir mal gespannt, wie lange das so bleibt.

P.S.: Der oben erwähnte halbe Dollar mit dem Konterfei Kennedys hatte eine Zusammensetzung von 90% Silber und 10% Kupfer. Der innere Wert dieser Münze liegt heute bei rund $6,50. Das macht 5,7% Wertsteigerung pro Jahr. Nicht schlecht, oder? Und alles ohne Zinsen…

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Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Alle Quartale wieder lockt die Ergebnisssaison. Während der Anfang bekanntermaßen in den Staaten vom Aluminiumkonzern Alcoa gemacht wird, ist für die Absurditäten seit längerer Zeit der Bankensektor zuständig.

Die kürzlich gemeldeten Zahlen von JP Morgan waren erneut ein Beispiel für die in den Medien leider weit verbreitete oft kritiklose Übernahme von Meinungen, die ihren Ursprung scheinbar direkt in New York haben. So wird eine Nachricht, oder oft nur eine Überschrift, via Reuters oder Bloomberg verbreitet und findet mehr oder weniger abgewandelt und übersetzt ihren Weg in die Gazetten. So kam es auch diesmal wieder zu vielen sehr positiv gefärbten Veröffentlichungen, die den Ursprung der aktuellen Kennzahlen nicht oder sehr unzureichend zur Kenntnis nahmen. Oft geben sich die Kommentatoren sogar bass erstaunt darüber, dass die vermeintlich „guten Zahlen“ dem Aktienmarkt nicht helfen.

So lag das Ergebnis für das vergangene Quartal von JPM ungefähr auf der Höhe des Wertes aus der besten aller Bankenwelten, also aus der Zeit kurz vor dem Beginn der anhaltenden Krise. Nun ist JPM nicht mehr das gleiche Institut wie damals, daher soll uns  an dieser Stelle der Anschaulichkeit halber der Vergleich zum Vorjahresquartal genügen.

Um satte 75% stieg das ausgewiesene Ergebnis. Das ist für den unbedarften Betrachter gelinde gesagt erstaunlich, aber ein Blick ins Zahlenwerk verschafft rasch Klarheit. Zunächst einmal fällt das geringere Handelsvolumen aus, das zusammen mit rückläufigen Erträgen aus der Sparte Rentenhandel und Investmentbanking daherkommt. Nun offenbart ein gleichzeitiger 75%iger Ergebnisanstieg bei darbendem Trading und Investmentbanking, dass hier irgendwas im Argen liegt. Die Suche nach dem Ursprung ist kurz, die Bank hat die Risikovorsorge zurückgefahren und zwar drastisch.

Die Rücklagen für Verluste aus dem Kredit- und Bondgeschäft wurden um rund $5,3 Mrd. eingedampft. Wir möchten hier anmerken, dass der wundervolle, für das Quartal ausgewiesene Gewinn bei insgesamt $4,8 Mrd. zum Stehen kam. Bei konstanter Risikovorsorge wäre das Bild des Bankenriesen folglich schon ziemlich rissig. Angesichts der weiter anziehenden Ausfallraten in den  meisten Kreditkategorien und der wohl doch eher „L“ als „V“-förmigen Wirtschaftsentwicklung mit den bekannten Auswirkungen auf Konsumentenkredite, Hypotheken und Finanzierungen im Bereich Gewerbeimmobilien, erscheint uns die Rückführung der Reserven zum jetzigen Zeitpunkt als ziemlich gewagter Schritt. Vielleicht ist man bei den Morgans derzeit eher auf die Öffentlichkeitsarbeit als auf die Einschätzung kommender Risiken fokussiert, wer weiß das schon.

Reserven JP Morgan, Ausfallrate Hypotheken insgesamt

Angesichts der schieren Größe von JP Morgan lässt sich das Argument, die Bank habe vielleicht eine sehr gute Auswahl bei der Kreditvergabe oder den Anleihenkäufen getätigt, schnell entkräften. Ein Blick auf die Allokation der verschiedenen Investments lässt wie zu vermuten ist,  das Fazit zu, dass sich die Bank auch bei vielleicht besseren Auswahlverfahren als die Konkurrenz dem Gesamtmarkt nicht entziehen kann. Wenn dies nicht der Fall wäre, lägen die Problemkredite halt bei den anderen Banken, so dass diese die Risikovorsorge steigern sollten.

Eine solche Entwicklung ist in der Breite nicht erkennbar. Vielmehr gehen die Institute in der Breite dazu über, die Erholung der letzten Quartale in die Zukunft fortzuschreiben. Damit folgen die Firmen den zahlreichen Analysehäusern, die eben dies mit den Erholungen bei Firmeneinnahmen, Auftragseingängen und einigen makroökonomischen Kennzahlen zu tun pflegen. Das sollte sich angesichts der Ausgangslage wohl als deutlich zu optimistisch herausstellen.
Immerhin nimmt die Rückführung der Risikovorsorge zukünftige Intransparenzen aus dem Markt, schlagen doch Verschärfungen der Situation demnächst wieder direkt auf die Ergebnisse durch Aber bis dahin hat der ein oder andere seine Prämie bereits wieder vereinnahmt.

JP Morgan ist übrigens nicht allein. Allerdings ist die Bank jede Woche ein bisschen einsamer, denn bei vielen Banken kommt es in den Staaten gar nicht mehr zur Anpassung der Risikovorsorge, da sie vorher zum Konkursrichter schreiten. Am vergangenen Wochenende hat es erneut sechs Insitute erwischt, im laufenden Jahr kommt man bei der FDIC derzeit auf 96 Geldhäuser (siehe auch unser aktualisiertes Pleit-O-Meter).

Nur nicht drängeln - im Horrorkabinett der FDIC

Nun ist diese Tendenz kein Zufall sondern vielmehr eine absehbare Entwicklung, die zu nicht unwesentlichen Anteilen auf eine branchenweit viel zu geringe Risikoreserve zurückzuführen ist. So sinkt die coverage ratio, das Verhältnis von Reserven zu problematischen Krediten, seit Jahren und pendelt derzeit um die Marke von 64%.

 

Ein branchenweites Phänomen

Für kritische Positionen in einer Höhe von $1 Mio. liegen also lediglich $640.000 an Reserven bereit. Da zudem der Quotient der Summe sich verschlechternder Kredite zu sich verbessernden Krediten bei deutlich mehr als zwei liegt, ist hier mit einer Entspannung vorerst nicht zu rechnen.

Es ist also ein ganz erstaunlicher Zeitpunkt, zu dem sich JP Morgan zum Abbau von Reserven entschließt. Aber wie heißt es so schön? „Man muss die Feste feiern wie sie fallen“. Wir wünschen ein frohes Fest.

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Volle Taschen und leere Teller

Für zahlreiche US Bürger ist Wall Street eine ferne Fiktion und die Politik eine Art fremdsprachiger Radiosender. Die Gehälter einiger Protagonisten klingen in ihren Ohren derart hoch, dass man meinen könnte, es handele sich um Zahlungen in einer anderen Währung. Eine fremde Welt, denn zig Millionen Menschen können sich lediglich die Frage stellen, wo sie einen vollen Teller herbekommen. Die zunehmende Anzahl der Empfänger von Beihilfen zur täglichen Ernährung zeichnet ein trauriges Bild der alltägliche Nöte von Millionen Bürgern. Daran können auch die Stützungsprogramme nur wenig ändern, von denen es gibt eine ganze Menge gibt.

Sehr bekannt ist das ehemals Food Stamp Assistance genannte Program SNAP. Das neue Kürzel steht für Supplemental Nutrition Assistance Program. Geändert wurde lediglich der Name, es geht weiterhin um Lebensmittelmarken. Mehr als 40 Millionen Menschen beziehen diese Tickets mittlerweile, Tendenz steigend. Wer aber diesen Wert alleine als Maßstab für die Zahl der Menschen heranzieht, die sich nicht aus dem laufenden Einkommen oder aus anderen finanziellen Transferleistungen heraus ernähren können, der erhält ein ins Positive verzerrtes Bild. Die Lage ist komplizierter und – leider – schlechter als dies die Zahl der SNAP Teilnehmer allein nahe legt.

Es gibt zahlreiche andere Programme zur Ernährungsunterstützung, so dass die Zahlen für SNAP nur einen Teil der Wahrheit zeigen. So gibt es zum Beispiel die Initiative Feeding America, die früher unter dem Namen America’s Second Harvest bekannt war. Sie stellt das größte Ernährungsunterstützungsprogramm der USA dar. Die gemeinnützige Organisation stellt Lebensmittel, Suppenküchen aber auch Notunterkünfte bereit. Und der Bedarf ist riesig.

High and rising - Klienten von Feed America

Ein weiteres Programm auf bundesstaatlicher Ebene ist das vergleichsweise unbekannte aber weit verbreitete Government Mass Distribution Program, auch TEFAP genannt. Viele der von der FA betreute Menschen greifen auch auf diese Hilfe zu.

Zucker und Salz, Butter und Schmalz - TEFAP

Es handelt sich um eine auf bundesstaatlicher Ebene angesiedelte Initiative. Unter dem Motto eat right – be bright beschreibt man etwa im Staate Utah das Programm wie folgt:

TEFAP provides food assistance to needy Americans through the distribution of USDA commodities. Under TEFAP, commodity foods are made available by the U.S. Department of Agriculture to states for distribution to households for use in preparing meals for home consumption, or to organizations that prepare and provide meals for needy people. Foods are distributed free, but recipients of food for home use must meet program eligibility criteria set by the states.

Wie so manch andere politische Initiative war der ursprüngliche Sinn und Zweck bei der Schaffung des Programms ein anderer als er es jetzt ist. Das 1981 ins Leben gerufene Temporary Emergency Food Assistance Program, das im Jahre 1990 das „Temporary“ im offiziellen Titel aber nicht im Kürzel verlor, wurde zum Abbau von Überschussproduktionen in der Landwirtschaft an den Start gebracht. Wie wir es auch aus Europa kennen, waren Subventionsprogramme und andere ökonomische Fehlleitungen für gigantische Lebensmittelberge verantwortlich. Diese wurden nicht vernichtet – sehr lobenswert – sondern in das genannte Programm gegeben. In den Jahren 1984 und 1985 erreichten die Überschüsse ihren Zenit, sie beliefen sich auf rund $1 Mrd. jährlich, was damals wie heute eine ganze Menge ist. 1988 waren dann auf Grund von Änderungen in der Agrarpolitik keine Überschüsse mehr vorhanden, so dass die Bundesstaaten dazu übergingen die zu verteilenden Lebensmittel zu kaufen. Kurz darauf ging der Initiative das „Temporary“ flöten.

Eine Umfrage von Feeding America unter ihren Klienten ergab, dass mehr als 27% der Nutzer der FA Hilfen auch auf dieses Programm zugreifen. Schaut man sich in den Statistiken der einzelnen Programme um und nimmt den letzten Report von Feeding America zur Hand, so ist die Menge an Programmen in der Tat überraschend. Auch die Nutzung verschiedener Angebote für Familien mit Kindern oder finanziell schwach gestellten Senioren ist überaus hoch. Angesichts der Änderung der Einkommen in den letzten 30 Jahren und im Hinblick auf die Ausweitung der Zahl der Menschen, die so gerade eben über die Runden kommen, ist die zunehmende Notwendigkeit dieser existenziellen Hilfen ebenso bitter wie logisch.

Die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten sind traurig. Aber auch in Europa gibt es angesichts der massiven Krisen der nationalen Arbeitsmärkte, wie etwa in Spanien mit seiner Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 40%, ein sehr hohes Potenzial für ähnliche Entwicklungen. Die volle Härte, die die Menschen in den Vereinigten Staaten trifft ist auch ein Ausdruck der zwiegespaltenen Arbeitswelt. Auch in der schärfsten Jobkrise erhalten staatliche und private Angestellt teils absurde Gehaltserhöhungen während andere vom Lohnzettel verschwinden. Die bereits weit offene Gehaltsschere öffnet sich mit zunehmender Dynamik. Wir zeigen hier aus gegebenem Anlass noch einmal die Aufstellung zur historischen Gehaltsentwicklung in den USA aus unserem vorangegangenen Artikel.

Wer hat, der hat. Wer nicht, der nicht.

Was die Tabelle auf einen Blick zeigt, ist nichts anderes als sozialer Sprengstoff in Reinform. Die zahlreichen Versuche, solche Entwicklungen über vermeintlich herausragende „Leistungen“ von oft ebenso vermeintlichen „Leistungsträgern“ wegzureden sind angesichts der hochbezahlten Fehlleistungen der vergangenen Jahre allenfalls lächerlich. Das beschränkt sich übrigens nicht auf die Finanzbranche. In Deutschland muss man ja nur an Expansionen deutscher Firmen in die USA denken, um das ein oder andere Milliardengrab zu finden.

Vielleicht könnte die Einsicht helfen, dass bei ernstzunehmenden sozialen Unruhen die Zahl der Gewinner in der Regel verschwindend gering ist. Der Mittelstand, oder diejenigen, die sich dafür halten, gehören in der Regel ebenso wenig dazu, wie die gefühlte Oberschicht, die mit ausgefahrenen Ellenbogen den Weg im Hamsterrad freizuschaufeln versucht und gar nicht merkt, wie sie Tag für Tag ihre Lebensmünzen für die nächste Gehaltsstufe opfert. Leider hat der Konsum die Eigenschaft über vieles, auch existenzielles, hinwegzutäuschen – zumindest für eine gewisse Zeit.

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Das zahlt der Staat, zumindest teilweise…

Die Schulden im griechischen Gesundheitssystem sind das Thema der Stunde. Zumindest sollten sie es sein, denn der Vorschlag zur Umstrukturierung eines Teils der Schulden ist ebenso forsch wie schlecht dokumentiert. Da sich die offiziellen Stellen bis auf eine gemeinsame Presseerklärung des Finanz- und Gesundheitsministeriums in beredtes Schweigen hüllt, hier zunächst einmal der Stand der Dinge.

Die vor kurzem herausgegebene Presseerklärung, die das bereits angekündigte Vorgehen offiziell verkündete, sagt lapidar in wenigen Zeilen unter anderem Folgendes:

Aha...

Die Schulden der genannten Jahre werden also nicht mit Cash bedient, vielmehr erhält der Investor,  wer auch immer meint, solche Papiere noch halten zu müssen, im Gegenzug Nullkuponanleihen. Das entspricht dem, was im Vorfeld angekündigt wurde. Leider ist die Ausführlichkeit der weiteren Erläuterungen weiterhin so gering wie die Solidität des griechischen Staatshaushaltes, so dass wir diese Zeilen interpretieren müssen, was andere ebenfalls getan haben.

Nimmt man die Zeilen beim Wort, so bekommt ein Investor anstatt des Nennwertes seiner Anleihe in Höhe von 100% nun also Papiere mit einem Kurswert zwischen 68% und 88%, je nach Laufzeit. Nun ist ein Kursabschlag für Zerobonds natürlich normal, allerdings heißt das im Umkehrschluss, dass der Investor seine 100% erst mit der Fälligkeit der neuen Papiere in die Hände bekommt – falls es nicht vorher zu einer offiziellen Pleite kommt.

Beim dreijährigen Papier gehen dem Investor, wenn man eine grobe Peilung entlang der Zinskurve vornimmt, rund 30% verloren. Diese würde er ja erhalten, wenn er seine 100% bekäme und diese wieder zu den neuen Konditionen anlegt. Ein starkes Stück und nichts anderes als eine mehr schlecht als recht getarnte Restrukturierung der Schulden und somit ein Credit Event.

Mittelmäßig

Von einer vollständigen Rückzahlung der neuen Papiere gehen wohl auch nur die ganz hartgesottenen oder auch die ganz weichgekochten aus. Die Zahlungsmoral im Sektor ist ohnehin schlecht, aber auch die Verlagerung der Schulden zum angeschlagenen Staat wird nicht helfen. Der Haushalt Griechenlands selbst wird ja ebenfalls durch Sparen  nicht zu retten sein. Ohne Default geht hier nichts mehr, außer dass weiter munter Geld in einer aussichtslosen Aufschieberei verbrannt wird.

Zahlungsmoralelastix

Nun kursierten Gerüchte über die Höhe des so genannten haircuts (in diesem Zusammenhang ist das der Teil, der von den Schulden gestrichen wird) bei der Umstrukturierung der staatlichen Schulden. Viele orientierten sich dabei an dem Beispiel der oben genannten Papiere, was doch arg optimistisch sein dürfte.

Es wurden Zahlen zwischen 10% und 25% genannt. In unseren Augen sind beide Werte viel zu niedrig um einen strukturellen Neuanfang erfolgreich umsetzen zu können. Das Minimum sollte 50% sein, besser (für Griechenland, nicht für die Investoren) wären 75%. Solche Werte werden gegen die massierte Lobbyfront der Banken wohl nicht durchsetzbar sein, was sehr schade ist. Wenn schon eine Lösung implementiert wird, wäre es gut, wenn die Saat des nächsten schnellen Scheiterns nicht gleich mit gesät wird.

Ach so, die Schulden, die nun von den Gesundheitsunternehmen genommen werden landen natürlich auf dem staatlichen Schuldenberg. Dann schmilzt der auch nicht so forsch ab, nur keine Hektik. Unnötig zu erwähnen, dass die Annahmen für haircuts, die die EZB in ihren so genannten Banken-”Stresstests” für Staatsanleihen einsetzt, weit von realistischen Annahmen entfernt ist. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema.

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Der geht auf’s Haus

Trotz der zahlreichen vermeintlichen Jobwunder in den Vereinigten Staaten lässt das Immobilienwunder weiter auf sich warten. Angesichts der plumpen Versuche aus arbeitsstatistischem Blei Zahlengold zu gewinnen, kann das Ausbleiben des Häuserweihnachtsmannes nicht für Erstaunen sorgen. In diesem Segment schwingt weiterhin Knecht Ruprecht die Knute.

alea iacta est

Der gute Mann hat sich vor allem den Staat Nevada ausgeguckt, wo die Würfel für die meisten Hausbewohner – den Begriff Besitzer mag man kaum noch verwenden – bereits gefallen sind. Trotz der gewachsenen dicken Felle der Betrachter sind die kürzlich verkündeten Zahlen erneut bemerkenswert. Die weiter zurückgehenden Hauspreise haben dafür gesorgt, dass der Anteil der Häuser, die weniger wert sind als die ausstehende Hypothek, bei nunmehr gut 70% liegt. Auf Nevada folgen in dieser Kategorie Arizona (51%) und der Küstenstaat Florida (47,8%). Am niedrigsten liegt der Wert in Oklahoma. Hier werden auch auf Grund eines nicht annähernd so hirnlosen Baubooms wie im Casinostaat gerade einmal 6% erreicht. Der genannte Zustand, auch negative equity genannt, ist problematisch, da der Anreiz zur Kredittilgung in diesem Falle naturgemäß abnimmt.

Mit diesen Schwierigkeiten kennt sich der amerikanische Bänker natürlich mittlerweile bestens aus. Die Versuche, eine sofortige Belastung der Bilanz zu vermeiden, nehmen in der Ausweitung des Zeitraumes der Zinsstundung ihren Anfang. Das Prozedere zieht sich teilweise mehr als ein Jahr in die Länge. Bei der Verschleppung von Zwangsvollstreckungen artet es dann so richtig aus. Klar, warum soll man sich mit dem erzwungenen Verkauf einer Immobilie beeilen, wenn man sie als verkaufende Bank ohnehin mangels anderer Bieter auf die eigene Bilanz nehmen muss?

Die über diesen Umweg in die Bücher der Banken gelangten Häuser, das so genannte real estate owned, schwillt weiter an. Die Preise nehmen im Gegenzug trotzdem ab, aber da der Ermessenspielraum bei der Bewertung derartiger Vermögensgegenstände sehr generös ist, warten die Institute  einfach mal ab, bevor sie allzu forsch abschreiben. Wer sich angesichts der nicht sonderlich gesunden Eigenkapitalausstattung vieler Banken als großzügiger Investor finden soll, bleibt fraglich. Lassen wir uns überraschen. Vielleicht findet sich ja ein Weg zur Verbriefung dieser unbewohnten Häuser, in Europa gibt es ja noch genug Käufer, es durfte ja keine noch so unfähige Insitution pleite gehen. Unter dem Namen Uninhabited Real Estate Income Swap ließe sich da sicher noch die ein oder andere Transaktion einstielen. Was nicht bewohnt wird, kann ja schließlich vom Bewohner auch nicht kaputt gemacht werden, ein klarer Vorteil!

Es wäre jedenfalls so langsam an der Zeit, sich etwas einfallen zu lassen, denn die Lage wird augenscheinlich nicht besser. Gute 68% aller Immobilientransaktionen in Nevada sind Zwangsvollstreckungen. Falls Sie also mal von jemanden hören, ein anziehendes Transaktionsvolumen wäre generell als Zeichen einer Marktgesundung zu interpretieren, dann sollten Sie einen Blick auf die Versteigerungsstatistik werfen. Immerhin, im Wüstenstaat lag der Wert in 2009 bereits einmal bei 75%.

Auch bundesweit ist die Zahl bedrückend. Trotz der mittlerweile etwas gesunkenen Gesamtzahl der Zwangsvollstreckungen liegt der Wert hier rund fünfundzwanzig mal so hoch wie im Jahr 2005. Die leichten Rückgänge bei den Zwangsvollstreckungen sind durchaus erwünscht und haben ihre Ursache zu einem nicht unwesentlichen Teil in der angewandten Verschleppungstaktik. Diese soll den Instituten helfen, zunächst einmal die auf einem Rekordniveau befindlichen eigenen Notkäufe bei Versteigerungen zu verdauen.

Mittlerweile erinnert die mittlere Dauer des Prozesses, gemessen von dem Zeitpunkt, zu dem ein Kredit in Verzug geraten ist (30+ delinquent), bis zum Termin der Zwangsversteigerung eher an Don Bürokrato aus Absurdistan als an ein effizient arbeitendes System. Gute 449 Tage dauert das Ganze. Vom ersten Tag an gerechnet, also vom Beginn der ausbleibenden Zinszahlung an, vergehen ein Jahr und fast vier Monate. Wie erfolgreich solch ein Bremsprozess vor dem Hintergrund der riesigen Zahl der abzuarbeitenden Fälle noch sein kann, darf sich jeder selbst ausmalen.

Die Verzugsraten legten jedenfalls gänzlich unbeeindruckt weiter zu und liegen nun bezogen auf alle Hypotheken bei 9,2%. Simultan verschlechterte sich die so genannte deterioration ratio. Dieser Wert gibt die Ratio aus sich verschlechternden und sich verbessernden Krediten an. Die Kennzahl kletterte auf 2,5 – hier ist kein Land in Sicht. Ein Blick auf die Einkommensverteilung in den vergangenen Dekaden ist ebenfalls aufschlussreich.

Einkommensverteilung

Bekanntermaßen wurden die Reste der Kreditwürdigkeit der Bezieher geringerer Einkommen durch die subprime Kredite ausgewrungen – mit den bekannten Folgen. Die abnehmende Mittelschicht kämpft nun ebenfalls mit der hohen Belastung durch Konsumentenkredite und Hypotheken (siehe zum prime Segment). Zudem ist der Druck vom Arbeitsmarkt enorm.

Gleichzeitig äußern sich die Manager von Immobilienverwaltern zu Wort und bekräftigen allen Ernstes, sinkende Volumina am Häusermarkt hätten ihre Ursachen vor allem in einem mangelnden Angebot. Das ist ein interessanter Gedanke. Es gibt zu wenige Immobilien und daher sinkt das Transaktionsvolumen und gleichzeitig die Preise? Das ist nun wirklich ausgemachter Blödsinn und erinnert an die oft hilflos wirkenden Überzeugungsversuche von Verkäufern offener Immobilienfonds in Europa kurz vor der Schließung und Neubewertung.

Viele US Banken werden derzeit neben dem eigenen Markt auch die Entwicklung im Nachbarland Kanada mit Sorge betrachten. Auch hier wird derzeit noch vielerorts ein nicht tragfähiger Boom schöngeredet (schön rechnen lässt sich dort nichts mehr). Damit fängt es leider immer an, das durften wir in den vergangenen Jahren mitverfolgen. Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, dann wartet das Ungemach bereits vor der Haustür.

Immerhin, im Falle Nevadas lässt sich das Spektakel kurz aber ungewöhnlich zusammenfassen: „Zero“ – die Bank verliert.

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