Die Bankenwelt steht Kopf

Es ist schon ein schönes Wirtschaftssystem, in dem der Aktienmarkt als Indikation für die wirtschaftliche Situation eines Landes herhalten muss. Die ein oder andere Kennzahl aus dem munteren Reigen der Konjunkurdaten wird dann gerne als Garnierung nachgereicht, vor allem in Form einer monatlichen Veränderungsrate, die mit der Realität soviel zu tun hat wie „Maggi Fix für Salzkartoffeln“ mit Omas Sonntagsbraten. Aktienmärkte haben nun einmal die Eigenschaft, sowohl nach oben als auch nach unten mehrere Meilen in den sinnfreien Bewertungsraum wandern zu können. Je aggressiver die Marktteilnehmer auf die Möglichkeit einer ambitionierten oder viel zu billigen Bewertung reagieren, desto näher ist oft der Hoch- oder Tiefpunkt. Wir erinnern uns immer wieder gerne an die legendäre „cash burn rate“ oder auch an Unternehmen, die keine Schulden und die Taschen voller Cash hatten, deren Aktien aber trotzdem nicht vom Fleck kamen. Geduld ist halt ein hohes Gut.

Viel interessanter, nicht für das Trading aber für das Gesamtbild, sind systemische Betrachtungen. Angesichts des durchaus schon humoristisch zu nennenden finanziellen Totentanzes um die Staatschulden des einen oder anderen Landes gerät das völlig auf den Kopf gestellte Finanzierungssystem derzeit arg in den Hintergrund. Dabei sind die Anzeichen für das nach wie vor steigende Fieber des Systems überdeutlich.

Derzeit hält -  weitgehend unbeachtet – die Verwerfung bei den Finanzinstituten an. Die Schwierigkeiten wachsen angesichts des mittlerweile bizarren Ausmaßes erwartungsgemäß zu einem echten Problem heran. Das Modell einer Bank ist bekannt, Geld wird zu einem Satz X ausgeliehen und zu einem höheren Satz U wieder angelegt. Von der Differenz lässt es sich eigenlich gut leben, einmal abgesehen von den immer wiederkehrenden teuren Ausflügen vieler Institute über ihren eigenen Kompetenzhorizont hinaus. Dieses Vorgehen erfordert, wenn nicht das zusätzliche Risiko einer nicht fristenkongruenten Finanzierung eingegangen werden soll, einen Refinanzierungssatz, der unter den Renditen der Finanzanlagen liegt. Klar, für 5% Geld leihen und selbiges für 4% wieder anlegen ist keine sonderlich elaborierte Strategie.

 CDS Financial versus NonFinancial

Die Differenz zwischen den Risikoprämien der Banken und der Unternehmen, denen diese Geld leihen, sollte also negativ sein. In der Regel ist das auch so, oder wir sollten besser sagen, in es war in der Regel so. Derzeit ist das ganze Finanzierungsgebäude auf den Kopf gestellt worden.

 Financials - Risikoaufschlag. Nix gut...

Während sich die Risikoprämien sowohl für den nichtfinanziellen Sektor als auch für die Banken deutlich erhohlt haben, hat sich die Ordnung der Spreads gedreht. Die in der Grafik rot dargestellte Linie zeigt die Differenz der Risikoaufschläge von Banken zu „normalen“ Unternehmen. Mittlerweile zahlen die Banken deutlich höhere Risikoprämien als andere Firmen. Die Differenz erreicht wöchentlich neue Rekordstände, aktuell berägt sie knapp 35 Basispunkte. Eine fristenkongruente Finanzierung ist so derzeit nicht möglich, beziehungsweise nicht profitabel. So kann die zunehmend kürzerfristige Finanzierung von längerfristigen Anlagen nicht überraschen. Dummerweise ist dies ein sehr instabiles Modell, die Banken sind so auf eine ständige kurzfristige Refinanzierung angewiesen. Wie sehr das in die Hose gehen kann, ließ sich in den vergangenen Jahren schön beobachten.

Im Jahr 2004 lag der CDS Spread für Banken (senior) bei teilweise weniger als 7 Basispunkten. Der bisher höchste Stand wurde bei 207 Basispunkten erreicht, aktuell liegt der Wert bei 116 Basispunkten. Nachdem sich die Prämien also auf gut das Dreißigfache ausgeweitet haben, hat die Korrektur sie nun auf das Fünfzehnfache zurück geführt. Um beindruckt in Andacht zu schweigen reicht das leider nicht aus, vor allem dann nicht, wenn wir uns die aufgewendeten Summen in Erinnerung rufen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die beschriebene Entwicklung mit dem Beginn der Erholung der Finanzmärkte erst so richtig ins Rollen kam. Während vordergründig rauschende Feste gefeiert wurden, verrottete das tragende Gerüst weiter vor sich hin. Gerade hat der Auflösungsprozess einen Gang höher geschaltet. Seit Februar 2009 hat sich die Situtation an den Spreadmärkten von einem Vorteil für die Banken in Höhe von rund 50 Basispunkten in einen Nachteil von mehr als 30 Basispunkten gewandelt. Schön zu sehen ist, wie der Credit Markt die Entwicklungen durchaus kritischer einschätzt als der Aktienmarkt, der seit jeher ein etwas schlichteres Gemüt hat, wenn es über Dinge wie das KGV hinausgeht.

EuroStoxx Total Return versus iTraxx Financial Generic 
Die relative Schwäche des Credit Marktes ist nicht zu übersehen, eine Indikation, die man durchaus ernst nehmen darf. Der iTraxx Main zeigt ein ähnliches Bild, ist aber gegenüber den Finanzwerten stärker. Die gesamte Euphoriewelle, die zumindest einige Aktienindizes zu neuen Höhen trieb, ist am CDS Markt für Bankpapiere spurlos vorbeigegangen. In Zeiten, in denen Unternehmen sich teils billiger refinanzieren können als Staaten, die sich heillos in nebulöse Bankenstützungen verstrickt haben, kann das nicht erstaunen. Erstaunlich ist aber sehr wohl, wie leicht diese und andere systemische Warnzeichen vom Tisch gewischt werden, falls sie überhaupt Beachtung finden. Das ist schade, denn niemand sollte davon ausgehen, dass ein Zustand wie der beschriebene, stabil ist und sich längerfristig aufrechterhalten lässt.

Viel haben die Steuergelder also bisher nicht erreicht, aber wie sagt schon eine ebenso alte wie richtige Traderweisheit: Wirf niemals gutes Geld schlechtem hinterher. Bis ins Parlament hat sich das offensichtlich noch nicht herumgesprochen. Schade.

****************************************************

Wollen Sie regelmäßig über neue Artikel informiert werden?

Hier geht es zur Anmeldung!



Wer gut ölt, der gut fährt.

Der anhaltende Niedergang der britischen Wirtschaft zieht sich nun schon einige Dekaden hin. Unterbrochen von mehr oder weniger unterhaltsamen Episoden – etwa einer temporären Rettung durch einen IWF Kredit – zeigt der langfristige Trend stetig nach unten. Die Ausschläge nach oben waren durch die Bank kurzfristiger Natur. In der einen Periode fand man Öl in der Nordsee, dann fand man sein Heil (und Kapitalertragssteuern) in der Techblase und bis vor einigen Jahren dachte man, mit einer steigenden Verschuldung tatsächlich Werte schaffen zu können. Der Fokus auf den so genannten Dienstleistungssektor mit einer gediegenen Schwerpunktsetzung im Bereich der FIRE Ökonomie (Financial, Insurance, Real Estate) sorgte dafür, dass die britische Wirtschaft die Stufen des gefühlten Wohlstands so rasch emporkletterte, dass sie es gar nicht mitbekam, als sie über die Klippe lief. Wie Wile E. Coyote, der ewige Konkurrent von Road Runner, folgten noch ein paar Schritte in der Luft bevor es abwärts ging.

Nun, in Zeiten des Wahlkampfes, wird wieder verbal um die richtigen Konzepte und Theorien gefochten. Abwerten, Sparen, Angebotspolitik, Nachfragepolitik, und so weiter. Auch im deutschsprachigen Raum kennen wir die geschliffenen Reden zu Genüge. Gerne werden vermeintlich in der Vergangenheit umgesetzte Modelle mit den damals an der Spitze der Regierung stehenden Personen verknüpft. So wie die oder der es gemacht hat, so muss es auch heute gemacht werden. Dabei werden die großen Strömungen der Ökonomie gerne ausgeblendet, und die Streithähne tänzeln um ein paar Jahre, die es später in die Rente gehen könnte oder um eine Verschiebung von Steuerlasten von einem zum anderen. Es ist aus Sicht der Politiker durchaus verständlich, möglichst kleinteilige Dinge in den Vordergrund zu rücken, von denen dann noch kleinteiligere Dinge umgesetzt werden. Dies schafft, man kennt es aus der Bankenbranche, den gewünschten Eindruck von Komplexität und Intransparenz, der für so manchen Arbeitskreis erst die Berechtigung schafft.

Ohne den einzelnen Entscheidungen ihre jeweilige Wirkung auf einzelne Menschen abzusprechen, soll unser Blick heute einer größeren wirtschaftlichen Strömung gelten, die einen beachtenswerten Einfluss auf die volkswirtschaftliche Gesamtlage hat, die Abhängigkeit von Energieimporten.

Vor allem die britische Wirtschaft profitierte seit den späten siebziger Jahren von den Ölfunden in der Nordsee. Großbritannien wurde innerhalb weniger Jahre vom Nettoimporteur zum Exporteur von Energieträgern. Von der Wirtschaft – und von der Währung – wurde einer enormer Druck genommen.

UK Energiesaldo und Haushaltsdefizit

Die in der Grafik invertiert dargestellte Importquote ist der prozentuale Anteil der Importe am gesamten Energiebedarf des Landes. Ein Wert von –10% bedeutet also, dass im entsprechenden Zeitraum 10% des gesamten Energiebedarfs durch Importe gedeckt werden mussten.

Sehr gut zu sehen ist die in den siebziger Jahren stetig abnehmende Importabhängigkeit. Seit der Mitte der folgenden Dekade begann eine Phase der Energieüberschüsse, dem Nordseeöl sei es gedankt. Mittlerweile, die Vorkommen in der Nordsee schrumpfen mit beeindruckenden Jahresraten, ist die Insel wieder zum Nettoimporteur geworden. Die steigenden Preis für Energieträger sorgen für eine enorme Belastung für die Ökonomie, die schwächelnde Währung eingeschlossen.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die Betrachtung, wie sich die Amtszeiten der gemeinhin als wirtschaftlich erfolgreich geltenden Premiers Thatcher und Blair in dieses Bild einfügen.

Energiesalden und Amtszeiten

Während sich die so genannte eiserne Lady zunächst einer sinkenden Importabhängigkeit erfreuen durfte, erhielt das von ihr regierte Land später anhaltenden Rückenwind durch die Phase massiver Energieüberschüsse.

Auf Margaret Thatcher folgte der gerne als glücklos titulierte John Major. Bezogen auf den Energiesaldo hatte er in der Tat kein fortune. Sein Nachfolger, der stets vom Trauma einschlagender Raketen aus Nahost verfolgte Anthony Blair, durfte sich dann wieder anziehender Exportmöglichkeiten im Energiesektor erfreuen. Angesichts der Kombination aus sinkenden Ölvorkommen und steigenden Energiepreisen dürfte der kommende britische Premier diesbezüglich wenig Unterstützung erhalten. So schließt sich dann der Kreis. Die finanzielle Situation des Vereinigten Königreichs ist durch den Einsturz des Finanzsektors schwer angeschlagen, an Haushaltsdefizite im zweistelligen Prozentbereich scheint sich Her Majesty’s Treasury gerade zu gewöhnen und auch die Notwendigkeit eines IWF Kredits ist durchaus realistisch.

Im Jahr 1976 war es in Großbritannien erstmals soweit. Im Dezember des Jahres beantragte die Regierung einen Kredit in Höhe von £2.3 Mrd. beim Internationalen Währungsfonds. Das ist ein Wert, der im Hinblick auf die aktuelle Verschuldung und die Fälligkeiten in 2010 und 2011 wohl in den Schatten gestellt werden dürfte, wenn der Ernstfall eintritt.

Die Frage, wer denn schlussendlich für die Rettung des IWF zuständig ist, bleibt leider offen. Die Liste der Mitgliedsstaaten des IWF und die aktuelle Zusammensetzung der Sonderziehungsrechte des Fonds lässt hier leider ebenfalls fast nur Staaten erscheinen, die wirtschaftlich nicht eben auf Rosen gebettet sind. Eine „Rettung“ würde sich wohl ähnlich gestalten, wie die so genannte Bankenrettung in vielen Ländern. Große Banken sind insolvent. Diese Banken bekommen Geld vom Staat, von Zentralbanken oder von durch Staaten finanzierte Institutionen. Den Staaten geht dann verständlicherweise ebenfalls das Geld aus. Die entstandenen Löcher stopft man nun mit Krediten, die bei den de facto insolventen Banken aufgenommen werden. Klingt schon ziemlich absurd, aber so ist sie manchmal, die Realität.

****************************************************

Wollen Sie regelmäßig über neue Artikel informiert werden?

Hier geht es zur Anmeldung!



Japan, Japan. Nanakorobi yaoki!

„Sieben Mal hinfallen, acht Mal aufstehen“ sagt ein japanisches Sprichwort. Wir wissen nicht, ob dieser Ratschlag einige Jahrhunderte alt ist oder erst in der Zeit seit 1989 – also nach dem wohl noch einige Zeit bestehenden Allzeithoch des Nikkei – entstanden ist. Wie dem auch sei, die wirtschaftliche Verfassung des schönen Inselstaates könnte durchaus für eine Wiederkehr vergleichbarer Weisheiten sorgen.

Nach dem Sonnenuntergang ist vor dem Sonnenaufgang. Irgendwann...

Der bekannteste Aktienindex des Landes, der Nikkei 225 Index, notiert derzeit gut 72% unter seinem Allzeithoch, das vor rund 20 Jahren markiert wurde. Annualisiert schlägt über die beiden Dekaden ein Minus von etwas mehr als 6% zu Buche, was dem westlichen Riestersparer zu denken geben sollte. Sehr gut beobachten lässt sich bei diesem Index, wie auch eine Erholung von 64%, wie wir sie gerade beobachten durften, im großen Bild nicht weiter ins Gewicht fällt. Billig sind die Anteilsscheine an der fernöstlichen Börse allen Kursverlusten zum Trotz noch lange nicht. Das KGV ist negativ, die Dividendenrendite liegt bei 1,41%, also in etwa auf der Höhe japanischer Staatsanleihen. Da darf es sich jeder aussuchen, ob es eher ein Anteil an einer Firma, der das Geld ausgeht, oder ein Versprechen des Staates, dem das Geld ebenfalls nicht aus den Taschen quillt, sein darf.

Nicht vergessen sollte man bei der leidigen Diskussion um das verallgemeinernde Sätzchen „Aktien sind ein Sachwert“, dass ebendiese Papiere in der Kapitalstruktur eines Unternehmens ganz unten stehen. Bei Insolvenzen wie der von GM kann man problemlos beobachten, was das bedeuten kann. Die Aktie ist nichts mehr wert, die Schulden werden restrukturiert, und aus den ehemaligen Gläubigern werden die neuen Anteilseigner. So wendet sich das Blatt. Wie heißt es doch so schön? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und in diesem Falle kommt „Qual“ trotz der schönen Aussage eines deutschen Fußballtrainers nicht von Qualität.

Zurück auf die Pazifikinseln. Nicht nur im Maschinenbau, den die aktuelle Krise nach allen Regeln der Kunst zerlegt hat, sondern vor allem im Konsumverhalten der Einwohner kommt die Zähigkeit der Krise zum Ausdruck. Die jährlichen Wachstumsraten der Kaufhausumsätze haben es sich mittlerweile unter der Nulllinie häuslich eingerichtet.

Japan Kaufhausumsaetze

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Erstaunlich, dass es überhaupt noch einen Einzelhandel gibt. Die in der Grafik nicht dargestellten kleineren Geschäfte und die Kioskläden sind in den letzten beiden Dekaden ebenfalls ordnungsgemäß gerupft worden. So ganz überraschend sollte dies aber für die Beobachter der Situation nicht sein. Die Arbeitslosigkeit steigt und liegt derzeit mit 5,6% nur knapp unter dem im vergangenen Sommer erreichten Nachkriegshoch. 1970 lag der Wert bei 1%, 1980 und 1990 bei 2%. Nebenbei haben sich die Chancen, eine neue Stelle zu erhalten nicht verbessert. Die „Stelle-zu-Bewerber Ratio“ liegt unter 0,5 und befindet sich in der Nähe des Vorjahrestiefs. Auch dieser Wert stellte in 2009 den schlechtesten Wert der Nachkriegsgeschichte dar. Die aktuellen statistischen Veröffentlichungen zeigen trotz deutlich abnehmender Dynamik eine Fortsetzung der bestehenden Trends.

Stellen runter, Arbeitslosigkeit rauf

Vor allem die beschäftigungsintensive Bauwirtschaft leidet immer noch unter den Immobilienexzessen der 80er Jahre. Auf den ehemals saftigen Wiesen der Baufirmen wächst kein Gras mehr, so dass auch die Lieferanten darben. Welchen Ausmaß das kontinuierliche Leiden hat, zeigt die folgende Darstellung eindrucksvoll.

Großhandel: SubIndex Baumaterial

Der Subindex für das Großhandelssegment Baumaterial hat seit 1992 satte 60% abgegeben. Ein Überangebot an Häusern ist offensichtlich keine gute Grundlage für einen Aufschwung des Baugewerbes. Das Ausmaß des Niedergangs ist schlichtweg beeindruckend. Neben dem Überangebot an Immobilien sorgt die Kombination aus zwar gesunkenen aber trotzdem gemessen an den Einkommen der Menschen alles andere als günstigen Preisen und einer schwachen Kreditausweitung für nachhaltige Bremseffekte. Es sieht so aus, als bräuchte der japanische Markt erst einen noch übleren Abwärtsimpuls, der ein Verschleiern von versteckten Lasten in den Bank- und Versicherungsbilanzen nicht mehr möglich macht, um wieder den Boden für eine Gesundung zu schaffen. Kommt kein rascher Einbruch, so kann sich das ökonomische Elend wohl noch sehr lange hinziehen. So lange, bis die Tragfähigkeit des japanischen Fiskus selbst in Frage gestellt wird. Denn eines steht fest. Von alleine trägt sich in der japanischen Wirtschaft schon seit längerem gar nichts mehr.

Bei der japanischen Wirtschaft ist offensichtlich Geduld gefragt, eine Eigenschaft die in großen Teilen der westlichen Welt wohl erst wieder gelernt werden muss. Langer Exzess, langer Kopfschmerz, so ist das leider meistens. Wer dies nicht lernen mag, kann sich wieder der Süße fernöstlicher Posie zuwenden. So sagen die Weisen des Landes unter anderem auch folgendes: Baka wa shinanakya naoranai. Oder, für uns, die wir kein japanisch sprechen: “Ein Dummkopf wird erst durch seinen Tod geheilt.”

****************************************************

Wollen Sie regelmäßig über neue Artikel informiert werden?

Hier geht es zur Anmeldung!



Schaut: Ein Wunder!

Die US Statistiker erstaunen auch den vorbereiteten Empfänger ihrer Publikationen immer wieder aufs Neue. Während wir uns im Immobiliensektor schon an vieles gewöhnt haben, erstaunen uns vor allem die Aussagen zur schon bald wieder vor der Tür stehenden Profitabilität angeschlagener Baufirmen und die zauberhaften Produktivitätssteigerungen in diesem  Sektor. Wo sonst als in den Vereinigten Staaten bekommt man sinkende Verkaufspreise, Neueinstellungen von Personal, eine sinkende Zahl verkaufter Einheiten und eine steigende Produktivität unter einen Hut? Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wir neigen in Ehrfurcht unser Haupt.

Unterdessen schert sich die Realität wenig um die Pressemeldungen, die von Firmen wie Lennar Corp. oder Beazer veröffentlicht werden. Ein Blick auf die Bauinvestitionen zeigt den erwarteten Verlauf.

US Bauinvestitionen

Einen sonderlich großen Anreiz, die Bauinvestitionen hochzufahren, gibt es leider auf absehbare Zeit nicht. Die Immobilienpreise fallen ja nicht deshalb, weil es zu wenige Häuser gibt. Selbst auf dem von der Spitze aus betrachtet bereits deutlich ermäßigten Preisniveau sind die Wohnhäuser im Verhältnis zum Vermögen und zum Einkommen der Menschen historisch nach wie vor alles andere als günstig. Einen großen Teil des Überangebots haben Banken bei Zwangsvollstreckungen selber erworben, um einen stärkeren Preisverfall zu verhindern (so genanntes „real estate owned“). Nun bringen leerstehende Immobilien weder Zinsen, noch werden Sie am Ende eines Zeitraums getilgt, so dass ein Zeitgewinn, wie das bei Zinspapieren der Fall ist, nicht viel bringt.

Im Gegenteil, die Häuser verursachen laufend Kosten und verlieren im aktuellen Umfeld weiter an Wert. Ein Aussitzen gestaltet sich unter diesen Umständen schwierig. Nun ist das alles nicht unbekannt, und ein am Kauf interessierter Kunde, der sich der Lage bewusst ist, wird das machen, was in dieser Situation angemessen ist. Er wird einen Preis nennen, der ihm attraktiv erscheint. Entweder er kommt zu seinen Bedingungen zum Zuge oder er wartet. Ihn kostet das Warten nichts. Da die Mehrheit potenzieller Hauskäufer sich noch mit den alten Krediten herumschlägt, deren Restwerte nicht selten über dem Wert der alten Immobilien liegen, hält sich die Zahl zahlungsfähiger und kaufwilliger Personen aber ohnehin in engen Grenzen.

Da die kreditfinanzierte Bauwut sich bereits Jahre vor dem Kollaps der Finanzierungen nicht mehr an der Nachfrage nach Häusern sondern am Angebot von hirnlos-Finanzierungen orientierte, schwappten die Fertigstellungen der letzten Jahre in einen Markt, der schon mehr als gesättigt war. Viele Bauprojekte sind vor der Fertigstellung abgebrochen worden, weil Anschlussfinanzierungen platzten. Die Aussicht auf einen profitablen Abschluss der Vorhaben, also die Basis für eine Fortsetzung, war nicht mehr vorhanden. Allein der Anteil der für einen Abbruch schon zu weit fortgeschrittenen Baumaßnahmen aber sorgt immer noch für ein zusätzlich auf den Markt drängendes Angebot.

Sehr gut zu erkennen ist dies am Mietmarkt. Trotz landesweit sinkender Mieten steigen die Leerstände selbst in sogenannten Toplagen munter weiter an. Mittlerweile schwingt sich der Anteil der leerstehenden Mietflächen stetig zu neuen Allzeithochs auf.

Nicht vermietete Mietflächen

Die oben stehende Grafik verdeutlicht, wie diese Kennzahl sich auch in den ersten Jahren nach dem wirklichen Ursprung der Krise, dem Niedergang nach der Jahrtausendwende, nicht verbessern konnte. Es ist beeindruckend, in wie vielen verschiedenen Indikatoren sich der große Bruch des Systems im Jahr 2000 abzeichnet. So hat sich beispielsweise auch das Konsumentenvertrauen der US Amerikaner nie wieder vom Absturz von den Hochpunkten aus den Zeiten der Tech-Blase erholt. Das Verhältnis vom Goldpreis zu Aktienkursen legte ebenfalls zu dieser Zeit seine große bis heute anhaltende Wende aufs Parkett. Die gesamte Befeuerung des Immobilienmarktes, die unter der Ägide Greenspans ab 2002 für einen rein kreditfinanzierten Schub aus dem tiefen Loch der Aktienbaisse sorgte, hat fundamental nichts bewirkt. Allein die Schulden bleiben uns erhalten.

Reale Werte werden nicht durch Schulden kreiert, selbst wenn es manchmal den Anschein erweckt. Der hintergründige Satz des ehemaligen Fed-Chefs, jeder solle sich ein Haus leisten können, auch derjenige, der sich keines leisten könne, spricht für sich. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aus seiner Aussage, er könne einen Zusammenhang zwischen unangemessenen Zinsen und der aktuellen Misere nicht erkennen, spricht denn auch eher der Trieb, das eigene Denkmal nicht zu stürzen als Wahrhaftigkeit.

Die zahlreichen Schwierigkeiten des Staates und seiner Bundesstaaten reichen von der Finanzierung der wuchernden Staatsverschuldung über den eher planwirtschaftlichen Versuch, die Zinsen am langen Ende und damit die Hypothekenraten zu bändigen, bis hin zu einigen Billionen ungedeckter Verpflichtungen aus Pensionsansprüchen und Versprechungen zur medizinischen Versorgung. Vor diesem Hintergrund ist nicht nur Obamas Gesundheitsreform nichts anderes als ein fader Marketing Gag.

Die weiterhin wachsende Arbeitslosigkeit ist bedrückend, vor allem wenn der Betrachter die viel zu selten erwähnte massiv gestiegene der Zahl der Sozialhilfeempfänger in die Analyse einfließen lässt. Die bundesstaatlich organisierten Arbeitslosenversicherungen stehen, wie viele Bundesstaaten selbst, vor dem Bankrott. Ein anschauliches Beispiel liefert das System Kaliforniens.

Kalifornische Arbeitslosenversicherung

Aktuell schüttet die kalifornische Unemployment Insurance geschätzte $100 Millionen pro Tag aus. Falls Sie also überlegen sollten, sich kalifornische Municipal Bonds zu kaufen, können Sie das vielleicht demnächst als Spende absetzen. Das dürfte auch nötig sein, denn ob Sie Ihr investiertes Geld wiedersehen, ist fraglich. Angesichts der Probleme zahlreicher Bundesstaaten kann die Initiative, Munis durch Subventionen für ausländische Investoren attraktiver zu machen, nicht überraschen. Leider haben die Amerikaner bereits verdrängt, dass die europäischen Banken sich auf Grund akuter Kreditvergiftung bereits auf der Bahre befinden. Sollten einige Institute nun noch in der Lage sein, auf diesen Blödsinn reinzufallen, wäre zumindest der „Orden wider den tierischen Ernst“ angemessen. Alternativ bietet sich natürlich der Friedensnobelpreis an, der sich ja als Universalauszeichnung wachsender Beliebtheit erfreut.

Da Menschen ohne Arbeit und ohne Einkommen nicht in der Lage sind, den amerikanischen Häusermarkt zu stützen sondern ganz andere Sorgen haben, ist mit wachsender Nachfrage nach Bestandsimmobilien und Neubauten auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Sinkende Mieten und steigende Leerstände senken zudem substantiell die Anfangsrenditen auf Immobilienportfolios. Wir sind gespannt, wie die Baufirmen mit dieser Situation umgehen. Geht es nach den amerikanischen Statistikern, so werden demnächst im Baugewerbe zahlreiche Arbeiter eingestellt, es werden weniger Häuser zu tieferen Preisen verkauft, und die Produktivitätskennzahlen fliegen gleichzeitig auf den Mond. So einfach kann das manchmal sein.

****************************************************

Wollen Sie regelmäßig über neue Artikel informiert werden?

Hier geht es zur Anmeldung!

Gibt es die Goldaq?

Von Blasen ist derzeit häufig die Rede. Allenthalben wird eine Bondblase, eine Goldblase oder auch eine wieder aufflackernde Aktienblase gewittert. Nun sind Blasen in der Regel kreditgetrieben, während die Kreditvergabezahlen seit zahlreichen Quartalen vor allem in der westlichen Welt geradezu kollabieren. Nicht jeder Anstieg ist eine Blase, selbst wenn das für diejenigen die dabei sind, sei es auf der falschen oder auf der richtigen Seite, ohnehin keine große Rolle spielt. Ein gewonnener oder verlorener Schilling ist und bleibt ein Schilling, ob er nun in einer Blase seinen Ursprung hat oder nicht. Zu unterscheiden sind Blasen und Phasen nominal steigender Preise, die ihre Ursache in einer zunehmenden und beinahe vorsätzlich wirkenden Zersetzung von Währungen haben. Das weltweit herrschende fiat money System und die absurde Vorstellung, über eine Abwertung der eigenen Währung nachhaltig Werte zu schaffen, sorgen für die wachsende Bekanntheit von Begriffen wie dem „Abwertungswettlauf“.

Die Entwicklung am Goldmarkt, der ja gerne der Titel „Blase“ angehängt wird, hat ihren Ursprung wohl eher in dem zunehmend fahrlässigen Umgang mit unserem ohnehin inhärent instabilen Geldsystem. Die Finanzierung von Staatsschulden über die eigene Zentralbank oder mittels in das fragile Gesamtgefüge verstrickter Geschäftsbanken, weil sich sonst kein Dummer mehr findet, fällt sicher nicht in die Kategorie Stabilitätspolitik. Die Rettung von vollkommen desolaten Banken, die es fertig brachten, in wenigen Jahren mehr Verluste zu fabrizieren, als sie in ihrer gesamten Lebenszeit an Profiten einspielten, ist weder auffallend schlau noch nachhaltig. Auf das Gourmet-Argument, Gold könne man nicht essen, wollen wir nicht weiter eingehen sondern verweisen lieber auf Produkte wie „Maggi fix für Aktiensuppe“. Gold bringt keine Zinsen ist ein ebenso oft gehörtes Argument. Gerne wird es von vermeintlichen Researchern geäußert, deren Arbeitgeber trotz offenbarem Hand zu Zinseinnahmen erstaunlich wenige Hemmungen haben, Vehikel wie Kunst- oder Weinfonds an die Frau oder den Mann zu bringen. Diese Anbieter können gerne einmal versuchen, Kupons aus einem Van Gogh herauszuschnippeln (bitte nicht das falsche Ohr auf einem Selbstporträt erwischen).

Aber lassen wir das und schauen uns an, wie sich der Goldpreis entwickelt hat, und ob die Entwicklung offensichtliche blasenähnliche Züge trägt.

Auf Grund der Zustände an den Aktienmärkten finden wir hervorragende Beispiele für eine Blase in der jüngeren Vergangenheit. Der Nasdaq 100 Index hat sich im Zeitraum von 1989 bis zum Jahr 2000 in etwa verzehnfacht, nachdem er sich bereits von 1985 bis 1989 verdoppelt hatte. Diese Verdoppelung lassen wir in unserer Grafik einmal außen vor und vergleichen die Entwicklung des Goldpreises seit dem Beginn des aktuellen Bullenmarktes mit dem damaligen Verlauf der Nasdaq seit 1989.

Nasdaq versus Gold

Eine Blase sieht offensichtlich anders aus als das, was uns der Goldmarkt derzeit präsentiert. Zugegebenermaßen ist von sonderlich erfolgreichen Abwärtsmanipulationen ebenfalls nicht viel zu sehen. Sehr gut zu erkennen ist die Beschleunigungsphase, in die der Nasdaq Index in den letzten Jahren auf dem Weg zum Hochpunkt eintrat. Von einem vergleichbaren parabolischen Verlauf ist der Goldpreis trotz der sehr guten Performance der vergangenen Jahre weit entfernt. Das heißt nicht, dass es zu einer solchen überhaupt kommen muss. Es heißt aber, dass der Kursverlauf des seltenen Metalls zwar schön aber bisher alles andere als auffällig ist. Vielleicht erscheint ein kontinuierlich steigender Markt mittlerweile ungewöhnlich, denn an den für unser aller Altersversorgung so oft angepriesenen Aktienmärkten lässt sich eine derart stetige Entwicklung nicht ablesen. Was soll’s, es geht ja nur um die Rente.

Wir haben einmal die Trends der Suchanfragen beim Anbieter Google konsultiert. Ein Ansturm der Bevölkerung auf Goldanlagen könnte sich auch in der Häufigkeit entsprechender Suchanfragen widerspiegeln. Das ist natürlich kein wissenschaftlicher Ansatz, aber interessant ist es trotzdem. Die Trends für die Häufigkeit verschiedener Suchanfragen sind nicht handverlesen, ein vergleichbares Bild gibt es auch mit ähnlichen Suchbegriffen.

Suchanfragen Goldmünzen und Goldbarren

Die Häufigkeit der Suchanfragen zu den Begriffen „Goldmünzen“ und „Goldbarren“ sind am oberen Ende mehrjähriger Spannen, ein drastischer Anstieg ist aber nicht auszumachen. Wie solch ein Hype aussehen kann, zeigt sich zum Zeitpunkt der Pleite des desolaten Investmenthauses Lehman Brothers im Jahre 2008.

Was sagt die Auswertung zum auch in den deutschsprachigen Medien – nicht nur in Gratisblättern – beinahe allgegenwärtigen „Goldankauf“?

Suchanfragen Goldankauf

Ein ansteigender Trend der Suchanfragen lässt sich deutlich ausmachen, auch das Niveau ist vergleichsweise hoch, ein Hype ist aber auch hier nicht festzustellen. Vielleicht nutzen viele Menschen, die Gold verkaufen wollen, aber auch das Internet nicht. Die Ankaufskurse, die bei teils dubiosen Händlern geboten werden, legen jedenfalls nahe, dass sich nicht allzu viele, die sich von alten Backenzähnen oder dem Familienschmuck trennen wollen, vorher ernsthaft über die Preise informieren. Schade, hier ließe sich, wenn man schon verkaufen möchte, sicher mehr Geld herausholen als beim Vergleich von zwanzig „Spare drei Euro bei 3000 sms!“-Flatrates der Telefonanbieter.

Goldankauf hin oder her, der Markt bleibt in Bewegung. Dafür sorgten neben Minenbetreibern, die Shortpositionen eindeckten (siehe dazu den Artikel Ausgeliefert), seit 2009 auch die Zentralbanken. Im vergangenen Jahr traten diese bekanntermaßen erstmals seit Jahren wieder als Nettokäufer auf und das mit der höchsten Rate seit 1964, also zu einem Zeipunkt weit vor dem bezogen auf die Goldbindung vollzogenen Vertragsbruch der USA. Der SPDR Gold Trust hält mittlerweile rund 1115 Tonnen des Edelmetalls, eine Menge, die über dem Reservebestand der Schweiz liegt.

Apropos Schweiz. Den Eidgenossen ist in den Jahren von 2000 bis 2009 nicht nur absolut die größte Menge Gold abhanden gekommen. Auch beim Abfluss pro Kopf liegt das Land weltweit an der Spitze.

Goldreserven Veränderung absolut

Und wie sieht es bei der Veränderung pro Kopf aus?

Globale Goldreserven Veränderung per capita

Zu beachten ist, dass die Daten lediglich die öffentlichen Bestände zeigen. Als bekannt voraus setzen wir die seltsame aber unter Zentralbanken durchaus übliche generöse Praxis, auch “Goldforderungen” als Gold auszuweisen. Für die persönlichen Besitztümerder Bevölkerung liegen leider keine verlässlichen Werte vor. Es ist allerdings davon auszugehen, dass in Ländern, in denen Gold seit jeher einen festen Platz als Wertspeicher hat, substantielle Goldmengen in privatem Besitz vorliegen. Beispielhaft seien Indien, Vietnam oder viele andere asiatische Ländern genannt. So kauften etwa die Vietnamesen als sie noch konnten im Schnitt pro Person und Jahr ebensoviel Gold wie die Deutschen – trotz eines massiven Einkommens- und Vermögensgefälles. Die Riesterrente ist kein globales Phänomen und wird es wohl auch nicht mehr werden.

Zugegeben, Länder wie Großbritannien, die sich nahe der Tiefs von nahezu allen Reserven getrennt haben, können nicht mehr in nennenswertem Ausmaß als Verkäufer auftreten. Auf den britischen Inseln wird das letzte Tief am Goldmarkt übrigens von einigen auch treffend als „Brown low“ bezeichnet, benannt nach dem damaligen Schatzkanzler und aktuellen Premier Gordon Brown. Wäre es seinerzeit nicht nach der Bundesbank gegangen sondern nach der damaligen Regierung, hätte auch die BRD ihr Waigel-Tief zu betrauern. Unfassbar, dass man damals die Goldreserven verkaufen wollte, um damit Defizite zu verringern. Das ist in der Tat nicht schlauer, als die ewigen Forderungen, öffentliche Assets zu verkaufen, um die Budgetdefizite nicht ganz so arg aussehen zu lassen. Die komplette Energieinfrastruktur eines Landes zu privatisieren, damit ein einziger Haushaltsplan einen Hauch besser dasteht, ist schlicht Irrsinn. Vielleicht denkt man auf der Regierungsseite aber schon einen Schritt weiter, frei nach dem Motto, was ich heute verkaufe, kann ich ja später enteignen, entweder explizit oder über Steuern. Die aktuelle Diskussion über eine erhöhte Grundsteuer zielt in die gleiche Richtung. So kommt eine Gesellschaft schließlich dahin, dass man auch nach dem Erwerb eines Hauses immer schön im Hamsterrad seine Runden drehen muss, damit man sich die Miete auf den eigenen Besitz auch leisten kann. Ein solches Vorgehen ist nichts anderes als eine schleichende Enteignung, es klingt nur harmloser. Für glänzende Mobilien ist erstaunlicherweise bisher noch keine dauerhafte Abgabe geplant.

Ob sich die Bundesbank seinerzeit gegen den Verkauf der Goldreserven gewehrt hat, weil sich die so genannten Währungshüter der Bedeutung des Metalls für das Zentralbank- und das Währungssystem bewusst waren, oder ob es schlicht nicht mehr da war, ist übrigens nicht überliefert.

****************************************************

Wollen Sie regelmäßig über neue Artikel informiert werden?

Hier geht es zur Anmeldung!

An der CoBaCabana

Während schon wieder der Begriff von der Rückzahlung der Staatshilfen durch die zum guten Teil in Staatshand befindliche Commerzbank die Runde macht, klagt die “gelbe Landesbank” mittlerweile gemeinsam mit anderen Instituten nun über das Privatkundengeschäft.  Es sei schwierig, in diesem Segment Erträge zu erwirtschaften. Ein Blick auf die in den vergangenen Jahren von der Bank gemeldeten Zahlen zeigt, dass es dem Institut eigentlich in allen Segmenten schwerfällt, nachhaltig Erträge zu erwirtschaften. Wenn jemals wider Erwarten eine Rückzahlung der Staatshilfen – immerhin ein Mehrfaches der aktuellen Marktkapitalisierung der Bank – über eine Kapitalerhöhung erfolgen sollte, so dürften vorher noch einige Jahre ins Land gehen, denn sobald der Betrachter der einen Baustelle den Rücken zuwendet, schaut er auf die nächste.

Ach, es ist schwierig!

Die Bedingungen sind angeblich„ruinös“, womit sie wunderbar zum sonstigen Geschäftsverlauf des Institutes in den vergangenen Jahren passen würden. Der Privatkundenvorstand der Commerzbank, Herr Kassow, beklagte daher laut FTD auch unlängst auf einer von einer Wirtschaftsgazette organisierten Tagung:

“Im letzten Jahr habe ich gesagt: Wenn es jemals goldene Zeiten im Privatkundengeschäft gegeben hat, dann sind sie vorbei. Dieses Jahr kann ich nur anfügen: Und das wird auch so bleiben”

Herr Schmitz, der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken stößt ins selbe Horn.

“Im Retailgeschäft bleibt Geld verdienen auch dieses Jahr schwierig”.

Auch die Deutsche Bank bezeichnet das Privatkundengeschäft als „Sorgenkind“. Vor dem Hintergrund der nicht sonderlich günstigen Beteiligung an der Postbank ist das schon eine interessante Feststellung. Zur Erinnerung, die Deutsche Bank kaufte in 2008 eine 29,75%ige Beteiligung an der Postbank. Pro Aktie legte man seinerzeit €57,25 auf den Ladentisch, so dass allein für diesen Anteil ein Verlust von mehr als €1 Mrd.  zu Buche steht. Dividenden gab es bisher keine. Die weiteren seinerzeit ausgehandelten Details umfassen eine Option auf den Kauf weiterer 18% der Postbank zum Preis von €55 pro Aktie. Die Laufzeit endet drei Jahre nach dem Abschluss des Kaufs der ersten Tranche. Derzeit liegen die Optionen mehr als 50% aus dem Geld. Falls jemand an der Kapitalerhöhung der Deutschen Bank in Höhe von €2,2 Mrd., die in 2008 abgesegnet wurde, teilgenommen haben sollte, weiß er wenigstens wohin sein Geld geflossen ist. Im Januar 2009 wurden noch weitere Änderungen an den Modalitäten des Handels beschlossen, so dass die Post einen schnellen Zufluss an liquiden Mittel vorweisen und die Deutsche Bank die Transaktion “eigenkapitalschonender” abwickeln konnte. Wer sich für Kapitalmarkttransaktionen interessiert, dem sei ein Blick in die Details dieses Geschäftes, das die Verwicklungen einer an sich einfachen Unternehmensbeteiligung sehr anschaulich offenbart, empfohlen.

Bei der deutschsprachigen Ausgabe der Financial Times fand man kürzlich in der laut Aussage der Banken schwierigen Lage des Privatkundengeschäfts das Gute für den Kunden. So heißt es dort:

Traditionell gilt Deutschland als schwieriger Markt im Privatkundensegment. Banker beklagen immer wieder, mit knapp 2000 Kreditinstituten sei das Land überversorgt. Für Verbraucher ist das grundsätzlich positiv: Die Banken werben aggressiv mit günstigen – und für sie selbst teilweise ruinösen – Konditionen um sie.

Na, das funktioniert schon bei einfachen Dienstleistern wie Tankstellen, von denen es in der BRD ebenfalls sicher nicht zu wenige gibt, ganz prima. Ob es bei Banken ebenfalls ein Frühstückskartell zur „allgemeinen Besprechung von Konditionen“ gibt, lassen wir einmal dahingestellt. Wenn die Gebühren, die Finanzinstitute für teils lächerlich simple und zudem oft vollkommen automatisierte Dienstleistungen von den Kunden verlangen, ruinös sind, dann muss die Frage erlaubt sein, ob die internen Kostenstrukturen der Banken noch zeitgemäß sind. Ist Deutschland „overbanked“ oder ist das Bankgewerbe vielleicht eher „overpaid“?

Angesichts der Konditionen, die nicht nur die Gebühren für Barabhebungen sondern auch teilweise anfallenden hohe Kosten für die Änderung von Daueraufträgen, die Ausführung von Überweisungen oder sonstige zum Alltagsgeschäft zählende Dienstleistungen umfassen, wäre es interessant zu erfahren, wie hoch denn die entsprechenden Preise sein müssten, um das Privatkundengeschäft für Banken attraktiv zu gestalten. An der Zinsspanne jedenfalls lässt sich ein ruinöser Wettbewerb nun wirklich nicht ablesen. Ein Blick auf die aktuellen Bedingungen bei einer Bank – die Struktur unterscheidet sich auch bei anderen Protagonisten nicht wesentlich – offenbart wenig überraschendes.

Geben ist einträglicher denn nehmen

Das Sparkonto mit Sonderzins oder auch mit Extrazins erfreut den Anleger mit 50 Basispunkten und das Jahr für Jahr. Wenn Sie sich über €1000 Euro Guthaben freuen, dann können Sie sich (je nach Bank) möglicherweise schon nach nur einem Jahr den Luxus einer Abhebung an einem fremden Bankautomaten leisten. Wenn Sie sogar €10.000 Euro auf Ihrem Sparbuch vorweisen können, so haben Sie dank Zinseszinseffekt bereits nach etwas weniger als sechs Jahren die Bearbeitungsgebühren für einen ebenso hohen Ratenkredit beisammen. Da lacht der Sparfuchs, und der Weltspartag überflügelt Weihnachten und Ostern als familiäres Jubelfest. Wenn Sie gegebenenfalls noch einen Kugelschreiber als Werbegeschenk in die Hand gedrückt bekommen, steigert sich die Rendite dramatisch.

Natürlich ist der Zinssatz, den Banken anbieten können, abhängig von den kurzen und langen Zinssätzen die durch Zentralbanksätze und (zumindest teilweise) durch den Markt beeinflusst werden. Doch liegen die Kreditkosten für Privatkunden in einer Höhe, die es schwer nachvollziehbar macht, warum sich bei den Zinsspannen angeblich so schwer Geld verdienen lässt.

Sollte es generell nicht mehr attraktiv sein, Kontodienstleistungen für Privatkunden anzubieten, so gibt es eine naheliegende Lösung. Warum sollte nicht der Staat die Grunddienstleistungen für den Zahlungsverkehr für seine Steuerzahler übernehmen. Jeder Bürger erhält ein Girokonto eines staatlichen Dienstleisters. Damit meinen wir nicht ein wie auch immer geartetes System von Sparkassen, sondern eine kleine Einheit, die nur die Aufgabe hat, den einfachen Zahlungsverkehr abzuwickeln. Die Einlagen werden den staatlichen Refinanzierungssätzen entsprechend verzinst, die Anpassungen nach oben oder unten erfolgen automatisch. Eine separate Einlagensicherung ist nicht erforderlich, sie funktioniert im Ernstfall ohnehin nicht. Ein Risiko für die bei diesem Institut liegenden Einlagen durch Geschäfte, die etliche Banken teils selbst nicht mehr durchblicken, bestünde nicht. Wer weitere Dienstleistungen braucht, etwa Kreditkarten, einen Immobilienkredit oder ähnliche klassische Bankdienstleistungen, wendet sich an entsprechende Kreditinstitute. Das gleiche gilt für die Geldanlage. Wer das Geld diesen Banken zur Verfügung stellt, weiß, dass er ein Bankenrisiko eingeht und kann die entsprechende Risikoprämie einfordern. Geht eine Bank vor die Hunde, ist nicht gleichzeitig das gesamte Einlagensystem betroffen.

Zudem wäre es jedem Kunden möglich, seine Geschäfte mit den Instituten abzuwickeln, die nicht eine sozialistische Jobsicherheit mit angelsächsischen Vergütungsstrukturen für so genannte Führungskräfte koppeln. Könnten dann noch die Anteilseigner der Banken darüber bestimmen, wie die Vergütungsmodelle ausfallen, wäre auch die ebenso verständliche wie leidige Bonusdiskussion einen Schritt weiter. Wer ob dieses Gedankenspiels gleich „kommunistische Umtriebe“ wittert, sollte überlegen, wie denn das aktuelle System mit im Zweifelsfall impliziten Staatsgarantien strukturiert ist.

Wie gesagt, ein reines Gedankenspiel. Wir haben nichts für eine Ausweitung der staatlichen Einflussnahme übrig, allerdings ist die Situation des Finanzsektors und das Verhalten einiger Hauptdarsteller ebensowenig unterstützenswert, so dass das Festhalten an der bisherigen Struktur eines nur scheinbar privaten Bankensektors keine dauerhafte Alternative ist.

Wer seinerzeit die Diskussionen um die Einführung der Tagesanleihe durch die Finanzagentur des Bundes verfolgt hat, der kann sich vielleicht daran erinnern, wie sehr das “unattraktive Geschäft mit dem Tagesgeld” von einigen Banken plötzlich mit Zähnen,  Klauen und lancierten Presseartikeln verteidigt wurde. Gäbe es ein Girokonto des Bundes, würde sich die vermeintliche Unattraktivität des Privatkundengeschäfts sicher schnell relativieren. Oder sind die Einlagen der Kunden ebenfalls nicht mehr interessant? Falls dies der Fall ist, so kann der Privatkunde die Banken von dieser schweren Last befreien und einfach einen Großteil seiner Barreserven vom Konto abheben, sich für ein paar Euro im Jahr ein kleines Schließfach mieten und seine Geldscheine dort lagern. Da gibt’s zwar keine Zinsen und es fallen geringe Kosten an, aber mit dem eigenen Geld kann dann auch kein anderer mehr arbeiten. Eigentlich gar nicht so uninteressant.

Wenn das Privatkundengeschäft „schwierig“ bleibt, das Investmentbanking im Grunde nur ein großes Beta-Spiel auf die Finanzmärkte ist, und die Kreditbücher auf Grund nicht realisierter Verluste vor sich hinvegetieren und die Handlungsfähigkeit weiter einschränken, dann fragt sich der geneigte Betrachter, wo denn eigentlich die Profite in den kommenden Jahren herkommen sollen. Vor allem aber möchte man wissen, wie bei dieser Ausgangslage die Erträge ausreichen sollen, um die anhaltenden Kreditverluste in bedeutendem Ausmaß zu mildern.

Was soll’s! Der erste Schritt in eine rosige, profitable Zukunft des Sektors kann angesichts der Kreativität einiger Insitute nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Das legt zumindest das folgende Angebot nahe.

Geld riecht doch

Da soll noch jemand sagen „Geld riecht nicht“. Für schlappe 5 Euro ist auch das möglich.

****************************************************

Wollen Sie regelmäßig über neue Artikel informiert werden?

Hier geht es zur Anmeldung!