Drei Fragen zur Währungsunion

Heute wollen wir Ihnen ausnahmsweise nichts erzählen. Heute können Sie uns, wenn Sie mögen, Ihre Meinung zur aktuellen Situation der Europäischen Währungsunion mitteilen.

Es war einmal

Die Umfrage besteht aus drei Fragen und läuft bis zum 14. Februar 2010, die laufenden Ergebnisse können Sie natürlich direkt nach der Stimmabgabe einsehen. Das Endergebnis wird auf unserer Seite abgelegt und steht somit auch zukünftig bereit.

Wird eher ein neuer Beitritt zur Europäischen Währungsunion oder ein Austritt erfolgen?

  • Ein Land wird aus der Währungsunion austreten (57%, 132 Votes)
  • Ein Land wird der Währungsunion beitreten (43%, 100 Votes)

Total Voters: 232

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Wann wird das erste Land die Europäische Währungsunion verlassen?

  • In einem Zeitraum von drei Jahren (bis 12.2013) (47%, 109 Votes)
  • Im laufenden Jahr 2010 (20%, 46 Votes)
  • Später oder nie (20%, 46 Votes)
  • In einem Zeitraum von fünf Jahren (bis 12.2015) (10%, 24 Votes)
  • In einem Zeitraum von zehn Jahren (bis 12.2020). (3%, 7 Votes)

Total Voters: 232

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Welche Länder sind Kandidaten für den ersten Austritt aus der Europäischen Währungsunion (bis zu drei Antworten sind möglich)?

  • Griechenland (78%, 177 Votes)
  • Spanien (45%, 101 Votes)
  • Portugal (30%, 67 Votes)
  • Irland (27%, 61 Votes)
  • Italien (19%, 44 Votes)
  • Deutschland (14%, 31 Votes)
  • Frankreich (8%, 19 Votes)
  • Zypern (6%, 14 Votes)
  • Österreich (6%, 13 Votes)
  • Luxemburg (5%, 12 Votes)
  • Niederlande (4%, 8 Votes)
  • Finnland (4%, 8 Votes)
  • Slowenien (2%, 5 Votes)
  • Slowakei (1%, 3 Votes)
  • Malta (1%, 3 Votes)
  • Belgien (0%, 1 Votes)

Total Voters: 226

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Wir sind gespannt und danken Ihnen für Ihre Teilnahme!

Beste Grüße

Bankhaus Rott

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Hebel hier. Hebel da.

Während der Wettlauf um die größten Budgetdefizite bei gleichzeitiger Verkündigung größtmöglicher zukünftiger Einsparungen oft allein die Verschuldung der Staaten in den Fokus rückt, kann ein Blick auf die gesamte Verschuldungslage in verschiedenen Ländern  interessantes ans Licht fördern. Da es sich ohnehin nicht lohnt, seine Ohren den etwaigen irrigen Ankündigungen von einer Sanierung der Staatshaushalte zu leihen, wenden wir uns heute  dem Gesamtbild der Verschuldung zu.

Wenn auch die Verschuldung der öffentlichen Hände zweifellos interessant ist und diese derzeit vor allem in den so genannten „entwickelten Ländern“ nicht dauerhaft händelbare Dimensionen erreicht hat, so befinden sich die Staatshaushalte doch nicht alleine in einem abgeschotteten luftleeren Wirtschaftsraum. Sollte ein Land darauf bauen – bei vielen Ländern eine leider vollkommen absurde Hoffnung – sich aus den derzeitigen strukturellen Problemen herauszuwachsen, dann muss dieses Wachstum irgendwo her stammen. Da die Aufnahme von Schulden zu Finanzierung öffentlicher Programme einen Kreisschluss darstellt und keine Lösung, bleibt ein Blick auf die Situation der Konsumenten und der Privatwirtschaft.

Gesamtverschuldung der Industrienationen

Nimmt man die Schulden aller Sektoren zusammen, so trägt das nicht zur Beruhigung des Pulsschlags bei. Die einsamen Spitzenreiter Japan und UK dürfen mit Ratios von Verschuldung zu BIP von mehr als 450% nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die zweite Schuldenliga, die einen Großteil der westlichen Wirtschaftsnationen umfasst (auch viele, die nicht in der Tabelle abgebildet sind), hier ein gutes Tempo vorlegt. Die verschuldeten Haushalte und die verschuldeten Unternehmen sollen also nun den verschuldeten Staaten dabei helfen aus der Krise herauszuwachsen. So, so. Eine schuldenfinanzierte Steuersenkung – um an dieser Stelle nur einmal eine Absurdität herauszupicken -  wirkt vor diesem Hintergrund angesichts der offenbaren Hilflosigkeit noch mehr als ohnehin schon wie eine bestenfalls humoristische Fußnote fahriger Intradaypolitik zwischen Presseclub und politischem Aschermittwoch.

Die oben stehende Grafik und die letzten Daten zum Jahr 2009  zeigen zudem eines sehr deutlich. Das vielgepriesene Enthebeln hat auf Systemebene im Grunde noch gar nicht begonnen. Die drastische Ausweitung der staatlichen Defizite konterkarierte die Rückgänge der privaten Verschuldung und diente bisher als Puffer, was durchaus gewollt war. Die nur sehr schwachen realen Stützungseffekte der rund um den Globus angeschobenen Konjunkturprogramme mögen einen kleinen Eindruck davon vermitteln, was bei einem wirklichen Herunterfahren des Kredithebels auf der Agenda steht.

Wie bei den staatlichen Verschuldungskennzahlen gibt es auch bei der Kreditfinanzierung der privaten Haushalte deutliche Unterschiede.

Verschuldung der Haushalte

So fuhren die Konsumenten in Deutschland und Japan ihren Verschuldungsgrad gegen den internationalen Trend herunter, wenn auch das Niveau noch ansprechend ist. Die Auswirkungen sind deutschen und japanischen Einzelhändlern wohlbekannt, und das Wehklagen ist verständlich. Volkswirtschaftlich ist aber auf lange Sicht mit dem künstlichen Aufblasen des Konsums niemanden geholfen. Es führt schlussendlich in eine Sackgasse und je eher in einer Sackgasse gewendet wird, desto kürzer ist der Rückweg. Auch wenn das Wenden erst einmal unbequemer ist als den Wagen einfach rollen zu lassen.

Bei den westlichen Nationen fällt der hohe Wert für die Schweiz ebenso ins Auge wie das beindruckende Tempo des Schuldenwachstums der privaten Haushalte in Spanien und auf den britischen Inseln. Südkorea hat in diesem Zusammenhang offensichtlich den Begriff „Anlehnung an den Westen“ irgendwie in den falschen Hals bekommen und stellt die Briten beim Schuldenwachstum in den Schatten. Das gilt auch für Italien, allerdings ist das Niveau im Vergleich zu den Briten und Spaniern äußerst bescheiden.

Für alle privaten Haushalte gibt es in schwierigen Zeiten ein weiteres Problem. Bei insgesamt eher sinkenden Einkommen, es gibt zwar vereinzelte Lohnerhöhungen aber viele Menschen stehen völlig ohne Job dar, wird es schwierig die Gesamtverschuldung schneller herunterzufahren als die gesamten Einkommen sinken. Die relative Zinsbelastung nimmt zu und ist ein weiterer Klotz am Bein, der gerade in den Nationen mit hohen Verschuldungskennzahlen eine schwere Belastung für den zukünftigen Konsum darstellt.

Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung wird sich im Groben auch stark daran orientieren, welche Nationen enthebeln müssen und welche nicht. Einigen wenigen bietet sich hingegen sogar die Gelegenheit, den Leverage heraufzufahren. Gelernt ist gelernt.

Verschuldung Emerging Markets und Industrienationen

Vor allem für die westlichen Länder wird es keine lustige Zeit werden. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche politische und ökonomische Lebenslügen, wie etwa die Geschichte von den sicheren Renten oder der Glaube an die Tragfähigkeit eines nur marginal finanzierten System privater Versicherungen, im Verlaufe dieses Prozesses über die Reling wandern. Wer noch einen Gürtel hat, kann sich darauf einstellen, diesen enger zu schnallen. In der Lieblingssprache der Weltökonomen gibt es für das Ganze übrigens bereits den Terminus „belt-tightening“. Sicher lässt die Branche sich nicht lange bitten und begibt in Kürze die entsprechenden Investmentvehikel, Stichwort Themenfonds.

Zu rechnen ist im Zuge des Enthebelns, sollte es überhaupt in geordneten Bahnen verlaufen, was angesichts der globalen Dimension der Verschuldungssituation durchaus fraglich ist, mit einer langen ökonomischen Dürreperiode. Mit einer Dauer von unter einer Dekade zu rechnen, sollte sich als äußerst optimistisch herausstellen. Ähnlich wie bei einem Abwertungswettlauf wird es im späteren Verlauf zu einer Konkurrenzsituation der verschiedenen Nationen kommen. Welche Nationen folgen dem „kurz und schmerzhaft“ Ansatz und welche werden sich dem lange anhaltendem Siechtum hingeben? Hier wäre die Politik gefragt, die samt und sonders nicht attraktiven aber dennoch unterschiedlichen Alternativen aufzuzeigen. Der Haken an der Sache ist, dass es selbst bei sofortigem Beginn wohl mindestens zwei Dekaden dauern würde, die dafür notwendige Glaubwürdigkeit des Politgewerbes wieder herzustellen. Das wäre dann ein bisschen spät.

Wir kennen die beliebten Versuche der Politik und von Teilen der Wirtschaft, bestehende ökonomische Probleme auf die Vorgänger und eventuelle Lösungen auf die Nachfolger zu schieben. Wer hier eher Teil des Problems als der Lösung ist, lassen wir einmal dahingestellt. Die angestrengte Rhetorik jedenfalls verbucht man besser als Zeit konsumierende Taktiererei beim langjährigen Warten zwischen den Wahlterminen. Eine implizite Annahme ist allerdings richtig. So entsteht eine derart verfahrene Situation, wie sie derzeit herrscht, in der Tat nicht über Nacht. Der Aufbau eines Scheinwohlstandes, der auf Krediten – privat oder öffentlich – basiert, hat in der Vergangenheit zu einem überhöhten Konsum (im privaten wie im öffentlichen Bereich) geführt, der der realen Lage nicht angemessen war.  Den Konsum hatten wir, die Quittung ist unterwegs. Es bleibt die Frage, ob auch immer derjenige die Quittung bekommt, der konsumiert hat.

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Gewerbliches

Die Probleme am US Gewerbeimmobilienmarkt standen lange im Schatten der Misere des Marktes für private Wohnungen und Häuser. Der Fall „Stuyvesant Town“ und „Cooper Village“ (http://www.stuytown.com/), zwei insgesamt 32 Hektar beanspruchende Siedlungen in Manhattan, liefert nun neuen Brennstoff und wird in den kommenden Wochen sicher für zahlreiche Gespräche –zumindest im Verborgenen – sorgen.

Stuyvesant Town New York

Im Zuge des Immobilienbooms kauften die Gesellschaften Tishman Speyer und BlackRock Realty die Siedlungen mit insgesamt 110 Gebäuden und mehr als 11.200 Wohnungen für $5,4 Mrd. vom Versicherungskonzern MetLife.  Das war am 17. November des Jahres 2006 und stellte den größten derartigen Immobiliendeal der amerikanischen Geschichte dar, die Transaktion wurde in aller Eile im Zeitraum von nur 30 Tagen abgeschlossen.

Dervon MetLife geplante Verkauf und die Auktion selbst hatten seinerzeit zahlreiche Bieter auf den Plan gerufen, stieß aber auf wenig Gegenliebe der Bewohner, hatte doch der Konzern sich über Jahrzehnte auf geringe Mietsteigerungen eingelassen und war dafür durch staatliche Subventionierung (z.B. über Steuervergünstigungen) entlohnt worden. Die Verpflichtung zur Begrenzung der Mieten und die entsprechende Steuerbefreiung liefen 1974 aus, eine neue 10 Jahre laufende Regelung mit dem Ziel der künstlichen Mietsenkung wurde in der Folge abgeschlossen. Diese Subventionierung ist nicht zu unterschätzen, so lag die Miete von gut 75% der Wohnungen bei lediglich der Hälfte der marktüblichen Sätze. Die Investoren witterten Nachholbedarf und Mietsteigerungen und liefen vor lauter Eile mit Höchstgeschwindigkeit vor die Wand der amerikanischen Immobilienkrise. Tishman und BlackRock waren nicht in der Lage, die Mieten von den regulierten Niveaus auf die angestrebten „marktüblichen Mieten“ anzuheben. Im Gegenteil, in der Rezession sanken die Mieten sogar unter die vorherigen Sätze und warfen die schöne Projektplanung über den Haufen. Die Mieteinnahmen deckten nicht die Hypothekenraten.

Nun, ein paar Jahre später, werden die Investoren wohl am kommenden Freitag eine Zinszahlung in Höhe von $16 Millionen nicht leisten, was einen technischen Default auf den Kredit bedeuten würde. Im November waren Verhandlungen zur Restrukturierung eines Teils der Schulden im Volumen von $3 Mrd. gescheitert. Bei solchen Restrukturierungen handelt es sich in der Regel um Zahlungsaufschübe oder den Verzicht der Gläubiger auf einen Teil der ausstehenden Summe.

Während es generell unschön ist, wenn ein Kredit ausfällt und Verluste der Kreditgeber in substantieller Höhe lauern, ist an diesem Fall auch die Struktur interessant. Man muss mit einem mehrmonatigen Prozess des „Aufdröselns“ der Transaktion rechnen, ist doch die Struktur kein einfacher Immobilienkredit. Neben den schlichten Hypotheken stehen noch $1,4 Mrd. an nachrangigen und mezzanine Finanzierungen aus, die unter anderem von Pensionsfonds und interessanterweise der Church of England bereitgestellt wurden. Dazu kommen noch $2 Mrd. Kredite, die von den unter US Conservatorship stehenden Hypothekeninstituten Freddie Mac und Fannie Mae gehalten werden und mit Gebäuden besichert sind.

Die Gläubiger werden entsprechend der Seniorität der Papiere bedient. Je nachdem, wer so alles auf Basis der Besicherungen Gegenwerte erhält, ist Druck auf die Gebäudepreise zu befürchten, wenn es infolge der Abwicklung zu Verkäufen kommt. Schätzungen beziffern den Wert des gesamten Komplexes auf nunmehr lediglich $1,9 Mrd., das sind gut 65% weniger als der Kaufpreis. Man darf gespannt sein, wie die Reaktion am Gewerbeimmobilienmarkt ausfällt.

Insgesamt werden in diesem Segment alleine in den USA in den kommenden vier Jahren etwa $1,4 Billionen an Krediten fällig, da darf man auf die Refinanzierungserfolge wirklich gespannt sein. Die Verzugsraten im CRE Bereich liegen laut FDIC schon jetzt bei 8,7%.

S&P CRE Preise

Eine Besserung ist vorerst nicht zu erwarten, liegen doch bereits 55% all dieser Kredite unter Wasser, das heißt der Wert der Gebäude ist unter die Kreditsumme gefallen. Angesichts eines Preisrutsches von über 45% ist das wenig überraschend. Es ist schon bitter, wie wenig die ganzen Aktionen von Fed und Schatzamt gegen dieses fundamentale Angebots-Nachfrage Problem ausrichten.

Trotz künstlich niedriger Hypothekenraten, massiver impliziter Begünstigung von Finanzierungen durch Bankgarantien und Bail-outs sowie der ausufernden Immobilienkäufe von Banken, die zwangsversteigerte Immobilien selbst kaufen, um weitere Abschreibungen zu verhindern („real estate owned“), ist bisher am fundamentalen Ende nicht viel herausgekommen. Klar, es bleibt natürlich das beliebte Argument, wie es denn ohne diese Maßnahmen aussähe. Die Preise wären tiefer, die Abschreibungen höher und wir wären wohl alle näher an der realen Welt als in der aktuellen Datenmatrix. Kurz gesagt wäre man einen Schritt weiter auf dem Weg zu ohnehin unausweichlichen strukturellen Veränderungen.

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Entkoppelt

Die Daten zum US Arbeitsmarkt sind bekanntermaßen mit Vorsicht zu genießen. Neben den offensichtlichen Schwächen einiger modellbasierter Adjustierungen sind in den vergangenen Monaten vor allem die Notfallhilfen (Emergeny Unemployed Compensation, ECU), eine Art Sozialhilfe, interessant. Wie wir es auch aus dem deutschsprachigen Raum kennen, tauchen Arbeitslose in der Statistik nur bis zu einer gewissen Dauer der Arbeitslosigkeit auf. Danach rutscht man in eine andere Kategorie, wird nicht mehr als Arbeitsloser ausgewiesen, was leider nichts an der eigenen Arbeitslosigkeit ändert.

In den Staaten ist die gegenläufige Entwicklung der anhaltenden Arbeitslosmeldungen und der Anträge auf Notfallhilfe derzeit besonders augenfällig. Schaut man sich die Berichterstattung an, die ja sich in der Regel allein auf die gerade an einem Tag gemeldeten wöchentlichen Daten bezieht, kann der Eindruck einer Stabilisierung am US Arbeitsmarkt entstehen. Das wäre in der Tat wünschenswert, käme aber doch recht überraschend. Ein Blick auf die gesamte Situation, also die Tendenzen bei den Meldungen zur Arbeitslosigkeit und den Anmeldungen auf EUC klärt das Bild und zeigt, dass der Trend bei den Arbeitsplatzverlusten anhält.

Arbeitslosigkeit und Emergency Unemployment Benefits

Während die Continuing Claims seit Mitte des Jahres sinken, steigen die Meldungen zur Notfallhilfe mit wachsender Geschwindigkeit an und haben mittlerweile sogar absolut die Führung übernommen. Die aggregierte Zahl beider Werte steigt an. Betrachtet man die sich zu Gunsten der Notfallhilfe verschiebende Statistik, so lässt sich diese Komposition durchaus als eine „schlechtere Qualität der Arbeitslosigkeit“ interpretieren. Kurz gesagt, es geht den Menschen – zumindest ökonomisch – schlechter.

Diese veränderte Qualität der Arbeitslosigkeit zeigt sich auch bei der Betrachtung anderer entsprechender Kennzahlen. So steigt der Median der Dauer der Arbeitslosigkeit rasant an und erreichte unlängst neue Rekordwerte. Auch der Anteil der Menschen, die länger als 27 Wochen arbeitslos sind hat mit mehr als 38% aller Arbeitslosen ein neues Allzeithoch erreicht.
Dauer der Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslose in den USA

Die Grafik zeigt keine Anzeichen einer Stabilisierung oder gar Besserung der Situation. Die Lage ist trostloser geworden und es ist wahrscheinlich, dass viele der Betroffenen sich eher in Richtung ECU als auf einen geregelten Job hin bewegen. Neben den einzelnen Schicksalen, die sich hinter diesen schlichten Zahlen verbergen, wirft diese Entwicklung auch volkswirtschaftlich einige Fragen auf.

Eine kredit- und konsumbasierte Volkswirtschaft lässt sich nicht innnerhalb von wenigen Jahren auf eine neues Grundgerüst stellen. Die finanzielle Ausgangslage großer Bevölkerungsteile ist mit dem Wort miserabel höflich umschrieben, der Anteil der Transferleistungsempfänger ist wie in vielen westlichen Nationen (aber auch in vermeintlichen  „Wunderländern“ wie China) auf Wachstumskurs. Eine Transferleistung finanziert sich bekanntlich durch Steuern oder Schulden, sprich Steuern von morgen. Eine Erhöhung der gesamten Kaufkraft ist durch eine Transferleistung nicht gegeben, es ändert sich nur die Verteilung. Davon auszugehen, ein strukturelles Problem am Arbeitsmarkt bliebe ohne Folgen für den Konsum und die Volkswirtschaft, sollte sich als Fehler herausstellen. Doch in den Staaten lässt man sich bisher von den Realitäten nicht bremsen, so legen es zumindest die Daten nahe.

Konsum, Kredite und Gehälter in den USA

Die Arbeitslosigkeit steigt, die Zahl der Menschen, die auf Lebensmittelmarken angewiesen sind steigt, die Gehälter sinken, selbst die eins unverwüstlichen Konsumentenkredite gehen zurück. Der Konsum steigt trotzdem. Weniger verdienen, weniger Geld leihen und mehr konsumieren: Das ist die Zukunft nach dem Motto „Geben Sie das Geld, dass Sie weniger bekommen, doch einfach aus“.

Das alles erinnert uns ein wenig an das von den chinesischen Behörden vor einiger Zeit veröffentlichte Effizienzwunder, als man bei stark sinkendem Energieverbrauch einen starken Anstieg der Industrieproduktion meldete. Bei den Daten schreitet die Globalisierung anscheindend munter weiter voran.

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Unter Druck

Eine einfache Regel des Finanzgeschäftes lautet: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Ein wenig uneinsichtig geben sich Land und Leute, wenn es um Tagesgeld oder Bankeinlagen geht. Vor gar nicht allzu langer Zeit war es daher sehr beliebt, sein Erspartes zum Beispiel bei isländischen Banken zu parken. Unheimlich clever schien es, dort ein zwei Prozentpunkte mehr an Zinsen zu vereinnahmen. Mit dieser Cleverness gingen viele erst hausieren und dann baden, als sich nach der höheren Rendite auch das höhere Risiko zu Wort meldete. Die Banken meldeten ihre Pleite, die Einlagen waren futsch.

So soll es sein. Allerdings konnte nicht sein, was nicht sein durfte, und so nahmen die ausgewiesenen Experten aus der hohen Politik die Sache in die Hand. Der Sparer durfte doch kein Geld verlieren, das ging nun wirklich nicht. Und der englische schon gar nicht! Nein, nein, das Geld sollten die Isländer mal schön zurückzahlen. Die Regierung des Inselstaates, durch unsägliche Drohungen mit fast schon militärischem Unterton unter Druck gesetzt und vielleicht mit der Aussicht auf wichtige Posten bei einem kommenden EU Beitritt gelockt, stimmte der Rückzahlung der Einlagen an die ausländischen Zahler zu. Dummerweise fühlt sich die isländische Bevölkerung in diesem Punkt nicht im Ansatz gut von ihren vermeintlichen Repräsentanten repräsentiert, gute 70% sprachen sich kürzlich gegen die Rückzahlung aus. Der Präsident weigerte sich nun, die Rückzahlung mit seiner Unterschrift zu legitimieren und will nun die Bevölkerung per Referendum entscheiden lassen. Ein wahrlich lichter Moment der Demokratie und somit ein krasser Gegensatz zur institutionalisierten Entmündigung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Falls jemand aufschreit und sagt, man könne doch nicht das Volk entscheiden lassen, ob man Geld zurückzahlt oder nicht, wollen wir noch einmal wiederholen. Wenn ich Geld bei einer Bank anlege und diese ist pleite, so sind meine Einlagen futsch. Gegebenenfalls gibt es etwas von einem Einlagensicherungsfonds erstattet, aber im Falle Island existiert dieser für ausländische Sparer nicht. Sollten die Isländer sich zur Zahlung entscheiden, gebührt ihnen Dank. Zahlen Sie nicht, so ist dies ihr gutes Recht.

Für die Isländer selbst wäre es in den vergangenen Jahren übrigens ebenfalls eine gute Idee gewesen, nicht auf Tagesgeld zu setze, wie die Grafik zeigt. Es ist schon interessant, welches Verhalten verschiedene Assetklassen an den Tag legen. Die isländischen Anleihen haben wir aus den bekannten Gründen aus der Darstellung herausgelassen.

Gold und Aktien in ISK

Die eingeforderte Summe sollte auch jeden außenstehenden Betrachter nachdenklich machen. Auf Basis der verdampften Einlagen von Sparern aus UK und den Niederlanden wären Zahlungen in Höhe von €3,8 Mrd. zu leisten. Zum Vergleich, die Einlagen deutscher Sparer bei der Kaupthing Bank betrugen rund €330 Mio. Die Regierungen dieser Länder haben die Sparer allerdings bereits entschädigt und fordern nun ihrerseits das Geld von Island zurück. Das GDP Islands lag laut IWF im Jahre 2008 bei etwas mehr als €12 Mrd. Zur Entschädigung ausländischer Sparer, die augenscheinlich die AGB nicht lesen konnten und Geld per Mausklick auf die Insel transferierten soll nun also Island eine Summe in Höhe von etwa einem Drittel seines BIP überweisen? Für jeden der 320.000 Einwohner wären dies €11.875, die sie oder er aus freien Stücken abgeben soll, weil andere Länder politisch motiviert in Vorleistung gingen?

Die ausgesprochenen Drohungen folgen dem alten Muster, an das sich zahlreiche asiatische Staaten noch gut erinnern können. Die späten 90er lassen grüßen.

“The Icelandic people, if they were to reach that conclusion, would effectively be saying that Iceland does not want to be part of the international financial system, that Iceland doesn’t want access to multinational, national and bilateral funding and doesn’t want to be regarded as a safe counterparty with whom to do business.”
Paul Myners, Financial Services Secretary, UK

So der auch ‚City Minister’ genannte britische Baron Myners, dessen unverhohlene Drohungen gegen einen souveränen Staat als eher kläglicher Versuch zur Ablenkung von der desolaten, größtenteils selbstverschuldeten Lage der britischen Finanzinstitute eingestuft werden sollten. Vielleicht sind es ja die alten Verbindungen aus seiner Zeit bei NatWest und N.M. Rothschild in London, die den Mann umtreiben. Als Chairman der Guardian Media Group dürfte es ihm jedenfalls nicht schwerfallen, unabhängig von der Qualität seiner Aussagen ein Sprachrohr zu finden. Die emotionalen Ausbrüche sind allerdings nur schwer nachvollziehbar, wenn man berücksichtigt, dass Myners hauptamtlich am ₤500 Mrd. Stützungspaket für die britischen Banken maßgeblich beteiligt war. Hätten sie doch einfach ₤503,5 Mrd. daraus gemacht. Da man die Staatsschulden ohnehin via Zentralbank monetarisiert, sind Forderungen wie die an Island nur als symbolischer Akt anzusehen.

An vorderster Front der zappeligen Drohgebärden steht neben dem zeternden britischen Landadel erwartungsgemäß auch der IWF, der sich ja gerne instrumentalisieren lässt. Auch die Ratingagenturen ließen sich nicht lange bitten, es folgte umgehend ein Downgrade, der CDS Spread legte zu und notiert aktuell  bei etwa 470 BP (Schluss Vortag 426).

CDS Spread Island

Das ist über alle Maßen erstaunlich, denn die finanzielle Situtation würde sich ja durch die Ersparnis von €3,8 Mrd. eindeutig verbessern. Allein auf Basis der von den Briten angedrohten „politischen Isolation“ wird hier also die Kreditwürdigkeit eines Landes herabgestuft. Sehr interessant. Man sähe es also lieber, wenn sich Island die nötigen Gelder beim IWF liehe und seine Verschuldungskennzahlen nach oben schraubte. Hohe Schulden gleich hohe Kreditwürdigkeit. Klingt ein wenig nach „Krieg ist Frieden“ wenn Sie uns fragen.

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Tanker voraus

Ein beliebtes Vorgehen an den Rohstoffmärkten war es vor einiger Zeit, die Terminstruktur der Öl Futures auszunutzen. Die Situation, dass Kontrakte für die weiter in der Zukunft liegende Lieferung des Rohstoffes signifikant höher notierten als der Spotpreis (ein sehr deutliches so genanntes Contango) lockte zahlreiche Protagonisten auf den Plan, darunter so illustre Namen wie Royal Dutch oder BP. Die Geldbranche durfte natürlich nicht fehlen, so fanden sich unter anderem JP Morgan und Morgan Stanley auf der Spielfläche ein.

Tanker Intro

Das Prozedere ist vergleichsweise einfach und funktioniert auch bei anderen lagerfähigen Rohstoffen mit entsprechender Terminstruktur. Wir bleiben aber aus gegebenem Anlass beim schwarzen Gold.

Der Marktteilnehmer kauft das Öl physisch und sichert sich über die entsprechenden Futures ab. Zum Ende der Kontraktlaufzeit konvergieren Spot- und Terminpreis, aus dieser Konvergenz ergeben sich wegen der Terminstruktur bei Abschluss teils massive Gewinne. Zur Einschätzung der Größenordnung des Trades: Eingelagert wurde eine Menge Öl, die den gesamten Verbrauch der 27 EU Staaten für drei Tage decken könnte. Insgesamt wurden zu diesem Zwecke 168 Tanker für die Lagerung eingesetzt.

Diesem synthetischen Preis muss man die realen Kosten gegenüberstellen. Die Versicherungskosten sind in der Regel vernachlässigbar. Die realen Finanzierungskosten orientieren sich an den aktuellen Zinskurven und unterscheiden sich für verschiedene Investoren. Auch die echten Lagerkosten können in Abhängigkeit vom Investor sehr stark variieren. Kurz gesagt, wer über günstige Finanzierungsmöglicheiten verfügt und dazu noch Lagerkapazitäten besitzt oder günstig mieten kann, ist klar im Vorteil. In der Regel handelt es sich bei solchen Entitäten um Banken und Anbieter von Lagerkapazitäten. Viele Banken besitzen für derartige Spielchen eigene Rohstoffhandelshäuser oder sind an solchen beteiligt. Diese Firmen arbeiten sowohl im physischen Handel als auch am Terminmarkt. Es ist leicht nachvollziehbar, warum oft beide Aktivitäten in einem Konzern integriert sind. In einem Bullenmarkt sind die Lagerhäuser leer, aber der Terminhandel blüht, in einer lang anhaltenden Periode wirtschaftlicher Schwäche dünnt der Futureshandel aus, aber die Läger schwillen an, so dass hier Einnahmen aus der Lagerung generiert werden können.

Die Entwicklung des Contango bis zu ihrem Maximum im Jahre 2009 lässt sich an den folgenden Grafiken ablesen. Von der inversen Terminstruktur im Juli 2007 dreht sich die Struktur komplett um und zum  Januar 2009 wird eine Differenz zwischen Front Monat und dem 5 Monate später fälligen Futures Kontrakt von mehr als $10 erreicht.

contango am Ölmarkt

Seit Beginn des Jahres hat sich im Zuge der Normalisierung der Terminstruktur diese Differenz bereits wieder um 50% reduziert und liegt aktuell in etwa bei $5.

contango am Ölmarkt 2009

Zu den Lagerkapazitäten gehören in Zeiten des drastisch eingedampften Welthandels auch die nicht benötigten Schiffe. Bedeutende Teile der weltweiten Tankerflotte liegen brach, was viele Handelshäuser und Banken dazu inspirierte, diese Tanker nicht als Transportvehikel sondern als einfache Lagerkapazitäten anzumieten. Die so entstandene zusätzliche Nachfrage nach Tankern aus Gründen der Lagerung ließ den Einbruch auf dem eigentlichen Frachtmarkt milder erscheinen, als er wirklich war, und sorgte für eine Abfederung des Einnahmeneinbruchs bei den Betreibern der Schiffe. Nun endet aber bald der Öltrade, denn die entsprechenden Kontrakte werden fällig, Positionen werden aufgelöst und das Öl wird gegen die Futures geliefert. Die Tanker werden nun nicht mehr benötigt und schwimmen fortan wieder als leere Kostenstellen über die Meere oder werden eingemottet. Da der Welthandel weiterhin darbt, stoßen diese Schiffe unglücklicherweise auf weiterhin bestehende deutliche Überkapazitäten.

Die Tanker, die für den oben beschriebenen Trade eingesetzt wurden, haben aneinandergereiht eine Länge von etwa 40 Kilometern. Allein innerhalb der kommenden sechs Monate werden mehr als ein Viertel der Kontrakte fällig. Diese wieder frei gewordenen Kapazitäten stoßen zudem auf einen hohen Ausstoß der Werften, der sich noch aus alten Aufträgen aus der seligen Boomzeit speist.

So wird die weltweite Tankerflotte in 2010 trotz sinkender Frachtnachfrage um 12% wachsen, wobei 5 Prozentpunkte der Ausweitung allein auf das Konto der nicht mehr zur Lagerung eingesetzten Schiffe gehen. Der Einfluss auf die Frachtraten ist sehr negativ einzuschätzen. Es wird mit einem Rückgang um rund 25% gerechnet. Diese weitere Senkung der Einnahmen kommt für viele Schiffseigner zu einem Zeitpunkt, zu dem es ohnehin nicht um das Geldverdienen geht, sondern um das Kleinhalten von Verlusten.

Oder, wie es Herr Stopford, Director beim weltweit größten Schiffsbroker Clarkson Plc, ausdrückt:

“There are a lot of things to worry about on the economic front,” Clarkson’s Stopford said. “You don’t get over body shocks like that overnight. You get run over by an 8-wheeler truck and you don’t go back to work the next day.”
Bloomberg

So wie es ausschaut, werden noch viele Schiffsfonds ihre Eigner mit Nachschussforderungen erfreuen….

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