In der baltischen Steppe

Wie viele kleinere Nationen hat es auch die Vertreter des Baltikums hart getroffen. Die Träume, auf die Schnelle aus dem Nichts unter Zuhilfenahme billiger Kredite, steil ansteigender Immobilienpreise und massiver Mittelzuflüsse aus dem Ausland zur Riege der wirtschaftlich großen Nationen aufzuschließen ist gründlich misslungen. Derzeit plagt man sich eher mit einer drastisch schrumpfenden Wirtschaft und kollabierenden Hauspreisen herum und kann trotz einer durch IWF Eingriffe temporären Stabilisierung des Euro-Pegs nur machtlos den Auslandsgeldern beim Abfließen zuschauen.

Baltikum Abfluss

Der ein oder andere mag sagen, wen interessiert schon das Baltikum. Im Gründerland von Ikea wird man ob dieser Frage die Augenbrauen lupfen, steckt man über das heimische Bankensystem bis zur Halskrause in den baltischen Untiefen. Gut zu sehen ist die enge Kopplung der Skandinavier, wenn man sich die Korrelation zwischen der Schwedischen Krone und den Risikoaufschlägen für baltische Staatsanleihen via CDS Spreads anschaut.

Schweden Krone Baltikum CDS Spread

Den schwedischen Banken ging unterdessen auch die Luft aus, allerdings war das ja durchaus ein Branchenproblem, unter dem die Bankenwelt insgesamt litt. Interessant wird zu beobachten sein, wie sich die skandinavischen Finanzinstitute bei den kommenden baltischen Eruptionen auf den Beinen halten. Die Krücken des IWF und der EZB stehen bestimmt schon mal griffbereit.

Da die Währungen der Balten an den Euro gebunden sind (Euro-Peg) entweicht die Luft nun halt an anderer Stelle. Ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur Energie im Universum nicht verloren geht. Mit Problemen ist es genauso, nur können diese sich bei anhaltender Verdrängung ärgerlicherweise auch ausweiten. Man kann sich einfach einen großen Hefeteig vorstellen – Durch bloßes Liegenlassen ist auch der nicht kleinzukriegen.

Die Kernprobleme zeigen sich besonders deutlich am Beispiel Lettland. Im Schwerpunkt kämpfen die Balten gegen die „Dollarisierung“ und den Abfluss ihrer Bankeinlagen. Unter dem ersten Begriff fasst man generell den Umtausch von Einlagen in heimischer Währung in Fremdwährungen zusammen. Die Einlagen bleiben bei der Bank, allerdings wird über den Währungstausch zusätzlicher Druck auf den Lettische Lats ausgeübt. Durch die Währungsbindung kann der Druck aber nicht auf natürlichem Wege über eine Abwertung des Lats abgebaut werden, es baut sich eine ungesunde Spannung auf. Die britische Währung ist seinerzeit ja ebenfalls nich kollabiert, nur weil irgendjemand auf fallende Kurse spekuliert hat, sondern sie ist unter der Last ihrer fundamentalen Unzulänglichkeit eingeknickt. Das alte Ursache und Wirkung Phänomen.

Baltikum Banken Einlagen

Zweiter Brandherd ist die Verschuldung in Fremdwährungen, hier ist vor allem das inländische Bankensystem betroffen. Zudem plagen sich die Letten mit akuten Liquiditätsproblemen herum, eine Folge von schlichter Währungsintervention. Wie schnell man auf diese Art und Weise Geld verbrennen kann, davon können viele Asiaten nach den Erfahrungen aus den 90ern ein Liedchen pfeifen.

Lettland Banken und externe Verschuldung

Prima sind auch die allgemeinen Wirtschaftsdaten am schönen Ostseestrand. Diese sind mittlerweile derart übel, dass niemand ernsthaft von einer möglichen Aufrechterhaltung der Währungsbindung ausgeht (außer vielleicht extremistische Vertreter der green shoots Sekte). Das mag unspektakulär klingen, ist es aber – nicht nur für die Einheimischen – ganz und gar nicht. Eine Währungsabwertung führt zu einem enormen Kaufkraftverlust. Eine großartige Exportwirtschaft, die von den verringerten relativen Produktionskosten profitieren könnte existiert nicht wirklich. Zudem dürften die Mittelabflüsse vor und nach diesem Schritt anhalten, ändern sollte sich zwischenzeitlich dann nur die Geschwindigkeit mit dem entsprechenden katastrophalen Konsequenzen für die Assetpreise in den betroffenen Regionen. Und man sollte nicht denken, diese verdampfenden Assets lauerten nur in den Bilanzen von Banken des baltischen Raums.

Trübe Aussichten, aber jeder kann etwas tun! Fahren Sie einfach mal nach Tallinn, Vilnius oder Riga. Schöne Städte, nette Menschen und ein bisschen Seeklima haben noch nie geschadet. Es könnte allerdings noch billiger werden, Sie müssten nur noch ein bisschen warten.

Alles U.K.?

Lange Zeit schweifte der Blick von uns, den ungebildeten und augenscheinlich nur fürs grobe Handwerk taugenden Teutonen, neidisch gen Westen. Von dort aus erteilten die modernen, ganz auf Finanzdienstleistungen und kreditfinanziertem Konsum aufgebauten Nationen unbescheiden der Welt gute Ratschläge.

Ein kleines Land im Atlantik hat sich diesen Ratschlägen folgend bereits selbst versenkt und harrt seither in der Büßerbank der Erlaubnis zum EU Beitritt. Wer, wie Island, darauf hofft, dem muss es wahrlich schlecht gehen. Immerhin freut sich der sicherheitsbewusste deutsche Sparer, der nun seine auf Hochzinstagesgeldkonten verdampften Gelder nicht in Kabeljau ausgezahlt bekommt. Vielleicht bekommt unser risikoaverser Investor demnächst noch ein paar Euros aus seinen sicheren Lehmanpapieren zurückerstattet. Prima, das Geld kann dann, nachdem er ja jetzt sicher weiß, dass es letzten Endes kein Risiko gibt, die Moneten wieder anlegen. Pakistanische Nachranganleihen sollen ja derzeit günstig zu haben sein. Falls die Herren dort dann nicht zahlen wollen, muss die Bundeswehr halt kurzfristig und unbürokratisch die deutschen Sparguthaben am Indus verteidigen und sich dem Inkasso widmen. Wenn man schon mal in der Nähe ist…

Aber was machen eigentlich die Urheber des ganzen Spektakels? Was ist los im Land in dem Milch und Honig fließen, die Häuserpreise niemals fielen, die Fertigungsindustrie nur noch Anschauungswert hatten und viele fußkalte WCs mit feinem Teppich ausgestattet sind. Auf der Insel ist doch sicher alles U.K., oder?

UK in Seenot

Nun, irgendwie scheint es der ehemals stolzen britischen Wirtschaft ein bisschen wie der ebenfalls ehemals stolzen britischen Flotte zu ergehen. Mittlerweile ist man schon dazu übergegangen, die nächste Stufe des Kredit-Karma zu erklimmen. Mit vereinter Anstrengung hebt man nun das Haushaltsdefizit um zumindest hier in der Weltspitze mitzumischen.

Her Majesty’s Treasury ist weder bei der Neukreditaufnahme, noch bei der Bereitstellung von Daten geizig, also her mit den Bildern!

UK Budgetsaldo

Zur Festigung des angeblich schon in den Staatlöchern kauernden Jahrhundertaufschwungs hat die Finanzagentur der Queen mal die Spendierhosen übergestreift. Der längerfristige Vergleich zeigt eindrucksvoll, wie übrigens auch bei vielen US amerikanischen Daten, dass es bereits gegen Ende der 80er Jahre mal ein bisschen eng wurde. Die aktuelle Situation stellt allerdings an Fiskalabenteuern alles Gesehene in den Schatten. Das Versprechen, es, „sobald es wieder aufwärts geht“, mit der Haushaltsdisziplin ernster zunehmen, ist nur noch als Beleidigung derjenigen zu betrachten, an die man das Versprechen richtet. In einem Falle allerdings, könnten die Damen und Herren der britischen Treasury das Gelöbnis doch noch einhalten. Wenn es nie wieder aufwärts gingen, müsste man auch nichts zurückzahlen. Der Bürger sollte angesichts dieser Aussichten allerdings kaum in Jubelarien ausbrechen.

Ach, der Bürger. Den hätten wir beinahe vergessen. Wie sieht’s denn aus im Vereinigten Hausbesitzerkönigreich? My home ist my castle (finanziert durch Bradford & Bingley…), so prangt es auf vielen alten Holzsouvenirs, die über so manchem Kamin hängen. Die vermeintlich günstigen Finanzierungen mit sehr geringen bis nicht vorhandenen Kreditvergabestandards bei privaten Hypotheken fallen den Instituten jetzt auf die Füße. Steigende Verzugs- und Ausfallraten sind die Folge. Da man bei den Banken ja dazu übergegangen ist, Kredite als Binärvariable zu betrachten und die zwischenzeitlichen Abschreibungen einfach mal weglässt, wird es bei einer zu erwartenden Verstetigung der Ausfallraten ein böses Erwachen geben. Wie es so ist, wird an der Sache dann das Überraschende sein, dass die Überraschung für überraschend viele Marktteilnehmer überraschend sein wird.

Ein Blick auf die Entwicklung der Hauspreise (Gesamt UK) zeigt, dass eigentlich noch gar nicht allzu viel passiert ist.

Hauspreise in Großbritannien

Das liegt zum großen Teil an der Neigung von Immobilieneignern, erst einmal abzuwarten, solange ein Verkauf nicht unbedingt durchgeführt werden muss. Wenn es eine größere Zahl von Anbietern dann doch zu sehr zwickt, kommen die Ask-Preise von ganz alleine nach unten. Ein Punkt, der den Druck vieler Besitzer aus einem interessanten Winkel beleuchtet ist das sogenannte „negative equity“. Das bedeutet, dass der aktuelle Preis eines Hauses tiefer liegt als der ausstehende Kredit. Eine nicht gerade erstrebenswerte Situation, wie man sich leicht vorstellen kann. Es ist sicher wenig unterhaltsam, einen Kredit zu bedienen, während das kreditfinanzierte Asset dauerhaften Preisrückgängen ausgesetzt ist. Trotz des bisher nicht gerade katastrophalen Rückgangs der Immobilienpreise ist hier schon eine erschreckend hohe Anzahl an Finanzierungen unter Wasser.

Großbritannien negative equity

Es stellt sich natürlich die Frage, wie sich die Kennzahlen entwickeln werden, wenn die Preise für Wohnimmobilien erst einmal so richtig ins Schwimmen geraten. Für die Zentralregion Großbritanniens sollte das ein besonders übles Erwachen geben.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht. In wirtschaftlich kargen Zeiten zeigt sich angeblich der Trend, weniger in Urlaub zu fahren, und stattdessen mehr Geld im Baumarkt auszugeben um das eigene Heim zu verschönern. Für Millionen britischer Klos könnte das einen neuen Teppich bedeuten, und das kann man sich nur wünschen.

Lukas gehen die Kohlen aus

Meine Damen und Herren, es ist soweit, und es ging einfacher als gedacht. Der Staffelstab ist übergeben und offizielle Stellen bekunden: Der Retter ist gefunden. Die neue Lokomotive der Weltwirtschaft heißt China, und zwar ab sofort! Tusch, bitte!

China Lokomotive

Vielerorts war zu lesen, „Shiao Normalchinese“ strecke jetzt mit seinem erklecklichen Beitrag zum chinesischen Binnenkonsum den Strohhalm aus, nachdem doch alle so gerne greifen würden. Nun denn, schauen wir doch einmal auf ein paar Kennzahlen und Entwicklungen aus dem chinesischen Lokschuppen, da muss es ja vor Erfolgen nur so strahlen! Und Gewinne werden da doch sicher auch eingefahren, oder?

Profit der chinesischen Unternehmen

Ach, die Gewinne der Industrieunternehmen sinken. Na, das ist ja wirklich mal eine Überraschung, das ist ja wie daheim. Man könnte auch, wenn man etwas realistischer wäre, sagen, die Gewinne sind im freien Fall. Green shoots scheinen also auch im Land des langen Marsches nicht zu sprießen, gegen diese Gewächse scheint sich wirklich alles verschworen zu haben.

Schauen wir doch lieber andernorts nach. Mal sehen, wo sich etwas bewegt. Vielleicht bei den Importen und Exporten?

China Importe Exporte

Na so was, beide Segmente sind kollabiert. Herzliche Grüße vom Welthandel. Aber, seien wir ehrlich, auch das kann nicht wirklich überraschen. Der Export liegt am Boden, denn die Importe der ehemaligen Profiteure des schuldeninduzierten Wachstums sind weggebrochen. Die Importe verringern sich schon allein durch sinkende Rohstoffimporte aber natürlich auch durch wegfallende Investitionsgüter. Wo soll man die auch hinstellen, bei den aktuellen Überkapazitäten?

Der Witz des Ganzen, nun soll der Binnenkonsum in China nicht nur Chinas Wirtschaft retten, was durchaus möglich ist, sondern gleichzeitig noch die Weltwirtschaft aus dem Schlamm ziehen. Mit Verlaub, aber das ist ein nicht haltbarer Blödsinn und lässt jegliches Gespür für die aktuelle Ausgangslage vermissen. Das Pro-Kopf BIP in China liegt laut IWF bei ca. $5963, das ist, um ein Gefühl für den Level zu bekommen, ungefähr 60% tiefer als der Vergleichswert der Weltwirtschaftsmacht Botswana. Selbst in Weißrussland und Kasachstan, auch nicht gerade die zukünftige ökonomische Giganten, liegt diese Kennzahl doppelt so hoch. Der Reichtum der wenigen hübsch aufgemachten Küstenstädte Chinas täuscht hier genauso über den Gesamtzustand hinweg, wie die edlen Kaminzimmer in der Zentrale von Merrill Lynch über deren desolate Bilanz. Da ist der Ofen allerdings schon aus. Einen Platz vor China rangiert übrigens Kiribati.

Ein Blick auf die Einzelhandelsumsätze in China und die durch die massiven Konjunkturprogramme aus dem Ruder laufende Geldmenge.

China Geldmenge und Konsum

Eines wird angesichts der Werte klar, die Umsätze im Einzelhandel sind massiv angestiegen, beim Binnenkonsum tut sich wirklich etwas. Trotzdem gingen die Werte unlängst zurück (wohlgemerkt, die Anstiegsraten) obwohl derzeit parallel eine extreme Ausweitung der Geldmenge vonstatten geht, die natürlich nicht direkt den Konsum ankurbelt, aber über Liquiditätsinjektionen bzw. Stützungsprogramme auf indirektem Wege allein über den Erhalt der Systemstabilität eine positive Auswirkung hat. Zudem gibt es auch in China reine Ankurbelungen wie etwa eine Art Abwrackprämie und ähnliches. Frei nach dem Konzept des abnehmenden Grenznutzens lässt sich so etwas nicht ewig fortsetzen (auch wenn dieses Experiment gerade in den USA durchgeführt zu werden scheint). Die Frage ist, wie lange die Konsumenten und der Staat dieses Tempo durchhalten können. Die Zeit vor dem großen letzten Schwung, der derzeit noch nachhallt, kann einen ungefähren Eindruck vom möglichen – konservativ geschätzten – Rückschlagspotential vermitteln.

Dies alles soll nicht bedeuten, dass es keine Investmentchancen in China oder im asiatischen Raum gibt, weit davon entfernt. Wir wollen nur darauf hinweisen, dass auch dort das Potenzial begrenzt ist. Nicht vergessen werden dürfen etwas der gigantische Überhang an Gewerbeimmobilien sowie die selbst für Westler beeindruckende Höhe an öffentlichen Transferleistungen zur Erhaltung des sozialen Friedens.

Zum Abschluss ein Blick auf den Aktienindex Shanghai Composite und den Vertreter desjenigen Landes, dem in den 70er und 80er Jahren die uneingeschränkte wirtschaftliche Vorherrschaft zugeschrieben wurde: Japan. Es bleibt abzuwarten, ob dem aktuellen Lokomotivführer nicht auch auf halbem Wege die Kohlen ausgehen.

Nikkei versus Shanghai Composite

Wie sagte einst „der Kaiser“ so schnell, sicher und falsch? Der deutsche Fußball wird auf absehbare Zeit unschlagbar sein.

So kann man sich irren.

Doktor, wir sind on air!

An gewagten Aussagen ist derzeit kein Mangel, aber der Chef von Boeing hat kürzlich eine selten gesehene Weitsicht an den Tag gelegt. Er sagte, was an sich nicht so selten ist, er könne sich vorstellen, der Tiefpunkt für seine Branche sei erreicht. Das denken viele, aber bei den großen Herstellern von Passagierflugzeugen ist diese Aussage nicht so mutig, wie sie vielleicht klingt. Warum? Das zeigt ein Blick auf die Nettoaufträge für die amerikanische Boeing und die oft mehr mit sich selbst als mit dem Bau von Flugzeugen beschäftigte Schmiede Airbus.

Zur Vorbereitung eine kleine Betrachtung des Begriffes „Tiefpunkt“. Ein Tiefpunkt kann erreicht sein, wenn etwa Werder Bremen nach dem siebten Spieltag auf dem 13. Tabellenplatz steht. Die Aussage „das ist der Tiefpunkt“ hat eine gewisse Substanz, denn theoretisch gibt es ja noch schlechtere Platzierungen. Stünde Bremen allerdings auf dem letzten Tabellenplatz, dann könnte man sich die Aussage sparen, denn das dort der Tiefpunkt für die Saison erreicht ist, ist unstrittig. Die Frage müsste in diesem Falle eher lauten, ob man gedenkt, sich von diesem Tiefpunkt zu entfernen, und wenn ja, wie weit.

Die Lage der Flugzeugbauer ist derzeit leider nur mit Platz 18 in der Liga vergleichbar, das zeigt ein Blick auf die Nettobestellungen in 2009. Wir sehen dort eine ein- und eine zweistellige Zahl. Airbus hat netto, sprich nach Stornierungen, gar erstaunliche 11 (elf) Aufträge, Rivale Boeing deren 7 (sieben) vorzuweisen. Na, da müssen in den Werken ja die Schraubenschlüssel glühen und die Aluminiumnachfrage sollte ungeahnte Ausmaße annehmen. In den Jahren zuvor lagen die Bestellungen bei jeweils um die 1000 Stücke, wir sind also im Bereich von etwa einem Prozent des alten Auftragsvolumens.

Aufträge Airbus Boeing Krise

Diesbezüglich stimmen wir dem Boeing Flugzeugchef Carson zu, das ist ein Tiefpunkt, denn auf die paar Flieger, die man noch von der Nulllinie entfernt ist, kommt es auch nicht mehr an. Die Frage, ob und wie man sich bei Boeing von diesem Tiefpunkt zu entfernen gedenkt findet eine hochinteressante Antwort.

In der FTD heißt es „einige interne Boeing-Analysten rechneten bereits für Ende 2009 wieder mit einem Anziehen der Nachfrage.“ Eine nicht besonders mutige Aussage angesichts einer im Augenblick bei fast Null liegenden Nachfrage, da fällt uns gleich die alte Bauernregel wieder ein: „Regen im Mai, April vorbei“.

Bei Airbus spricht man derzeit von Produktionskürzungen, die ab 2010 greifen, und bei ca. 20% liegen sollen. Angesichts der Situation der Carrier (siehe dazu auch unseren Artikel), der kommenden Pleiten zahlreicher Airlines und dem deutlich abgesackten Luftfrachtvolumen wird sich zeigen ob man damit auskommt. Allein die gestiegenen Kosten bei der Finanzierung bzw. dem Leasing neuer Maschinen sind nicht sonderlich förderlich und werden einigen kleineren bis mittleren Luftfahrtunternehmen den Hahn abrehen, Entscheidend wird sein, ob es annähernd gelingt, die Fixkosten entsprechend in den Griff zu bekommen. Angesichts der Fähigkeit, gerade bei Airbus, auch in guten Zeiten kein Geld zu verdienen, sollte man diese Wette nicht eingehen. Höhere Preise werden sich zudem in diesem Umfeld wohl kaum durchsetzen lassen.

Vorreiter

Andere haben den Weg zum Abgrund dank starker Führung schon schneller gefunden. Der Einzelhandelskonzern Arcandor (allein für die Kreation oder den Kauf dieses Namens sowie für den ebenso stumpfsinnnigen Bezeichner der Tochter „Primonda“ wäre es gerechtfertigt das Pfählen wieder einzuführen) hat nun die weltliche Existenz des nicht insolventen Wirtschaftsunternehmens abgelegt und umgibt sich mit dem hochaktuellen Konkurs-Karma. Sehr spannend dürften die recoveries, also die Restwerte der faulen Arcandor Kredite werden, hat doch die zweibeinige Zahnleiste aus Gütersloh im Zuge der Aktion „Besenrein“ mit den Immobilien auch die letzten Assets der Warenhauskette unter nebulösen Umständen verkauft. Immerhin zeigt sich die prognostische Gabe des Meisters, wenn man einen Blick auf das seinerzeit ausgegeben Kurzsziel „40“ schweifen lässt. Er meinte sicherlich 40ct, und das Ziel könnte durchaus noch in dieser Woche erreicht werden. Dann wird Vollzug gemeldet und Frau Schickedanz wird sich die ergrauten Strähnen aus der Stirn streichen und sich ob der Fehlinterpretation grämen. Wie konnte sie nur glauben, der Meister habe 40 EURO gemeint?

Middelhoff

Wirklich fahrlässig, aber beim Tanztee mit Frau „Gucci“ Schaeffler können die Damen ja gemeinsam ein paar Zwiebeln schneiden, falls die Tränen mittlerweile getrocknet sind. Tränen kommen nämlich immer gut an, vor allem wenn der Grund der Trauer ein quasi auf Hartz IV Niveau eingedampftes Vermögen im bemitleidenswerten dreistelligen Millionenbereich ist. Auch wir werden noch das ein oder andere Solidaritäts-Kerzlein entzünden und den düsteren Himmel der großen Entscheider ein wenig auszuleuchten. Halleluja. Oder steht es schlimmer um die Finanzen? Dann sollte es bei Sal. Oppenheim aber lichterloh brennen. Warten wir’s ab…

Ach, ja. Erst im Januar 2008 wurde einem bekannten, an Misserfolgen nicht armen Kaufhaus-Angestellten die Ehrendoktorwürde in Leipzig verliehen. In der Begründung heißt es unter anderem:

Mit seinem Führungsstil ‘Trust and Speed’ fordert, fördert und motiviert Middelhoff seine Mitarbeiter.

Dem geneigten Leser stellt sich die Frage, wer Personen aus welchem Grund für einen derartigen Titel auswählt. Wenn es wirtschaftliche Erfolge nicht sein können – erinnern wir uns an das Bertelsmann Desaster und die Firma Lycos – liegt es vermutlich an der Hoffnung auf Drittmittel. Schon toll, dass man sich Titel in unserer Demokratie nicht kaufen kann….

Die Frage was „Trust and Speed“ eigentlich heißen soll, lassen wir mal offen. Sicher ist diese Phrase so inhaltsschwer wie die Begriffe „Arcandor“ und „Primonda“. Oder müssen wir uns etwa Sorgen mache, dass Arcandor vor lauter Trust and Speed nicht bei „Keine macht den Drogen“ mitmacht? Pardon, mitgemacht hat.

Schwerwiegend

Hoppla. Da wollte die bundesdeutsche Wirtschaft so schnell den akuten Fall bremsen, dass sie nun vor lauter Hektik Gas und Bremse vertauscht hat. So markierte die Veränderung der auf Jahresbasis kalkulierten Industrieproduktion ein neues Allzeittief. Für einen gefühlten Exportweltmeister keine ganz unwichtige Zahl. Erstaunlicherweise scheint sich der aktuelle Rückgang in allen Bereichen der Wirtschaft so um die Zahlenwerte zwischen -20% und -25% einzupendeln. Das betrifft nicht nur die Produktion, sondern naturgemäß auch die Logistik, wo der Mangel an zu transportierenden Gütern zu entsprechenden Einbrüchen in den Bereichen Häfen, Luftfahrt und Bahntransport geführt hat. Allein bei der Deutschen Bahn stehen derzeit von 120.000 Güterwaggons gute 35.000 in der Gegend herum, womit wir mit 29% Leerstand bei einer Auslastung von 71% landen. Da wird wohl demnächst der Kohlepfennig für Bahnfahrer direkt am ICE Schalter fällig, wobei €2,50 nicht ausreichen dürften.

Industrieproduktion Deutschland

Angesichts des Grades an Sättigung der westlichen Volkswirtschaften ist auch auf lange Sicht hier wohl bestenfalls mit einer Stabilisierung auf tieferen Niveaus als in der Vergangenheit zu rechnen. Die reale Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in den USA in den letzen Jahren weist diesbezüglich den Weg. Man wandert sukzessive auf tiefere Niveaus, beachten Sie die horizontalen Durchschnittslinien im folgenden Chart.

Reales GDP USA

Die Entwicklung der Kapazitätsauslastung in den Staaten stößt ins gleiche Horn. Es geht hier nicht um diese oder jene Rezession, von Interesse ist der Trend, und der ist eindeutig, auch ohne die aktuelle Beschleunigung.

USA Kapazitätsauslastung

Was auch immer der ein oder andere Ökonom in seinem wirtschaftlichen Kramladen findet, „green shoots“ sollten sich nach wie vor nicht zeigen. Im Gegensatz zu vielen Volkswirtschaften des asiatisch-pazifischen Raums liegen in den westlichen Industrie- und „Dienstleistungsgesellschaften“ die Zeiten der „Hurrah-Booms“ vorerst in der Vergangenheit und die Zeiten struktureller Anpassungen an die Realität voraus.

Nur einmal zur Verdeutlichung. Der Einfachheit halber einmal angenommen, die Ökonomie stabilisiert sich auf dem aktuellen Niveau. Die Überkapazitäten liegen nicht nur in den USA auf oder in der Nähe der Allzeithochs. Für die Ausrüstungsinvestitionen sähe es folglich düster aus, für die Transporteure und Weiterverarbeiter ebenfalls. In sämtlichen Bereichen wäre – wie ja bereits in Ansätzen zu beobachten – ein Investitionsstopp die logische Folge. Bei den Automobilherstellern und Zulieferern, die die Rezessionsgeißel direkt als erste auf den Rücken bekamen, kam es teils zu negativen Auftragseingängen. Der Wert der Stornierungen übertrag den der Neuaufträge. Wie gesagt, einer weiteren Verschlechterung würde es gar nicht bedürfen.

Beste Voraussetzungen also für einen Boom? Abgesehen von einer Katastrophenhausse, frei nach Ludwig von Mises, dem bekanntesten Vertreter der österreichischen Schule der Volkswirtschaft (sehr lesenswerte Texte zu dieser Ausrichtung gibt es hierzu unter http://mises.org/) wohl kaum. Die Bewertungen der Unternehmen sind, in Amerika noch mehr als in Europa, selbst auf Basis der wohl nach wie vor signifikant zu hohen Konsensusschätzungen, jenseits von gut und böse. Zudem schützt die gerne als Realwert betrachtete Aktie nur dann vor Geldwertverlusten, wenn das Unternehmen an dem man einen Anteil hält, nicht zum Insolvenzrichter schreitet. Ein Schicksal, dass nicht nur den Arcandors dieser Welt widerfahren kann.

Ein Blick auf den DAX, der sich durch die Erholung seit den Tiefkursen im Frühjahr bis an die Widerstandszone 5130/50, und somit fast in Schlagweite zum 5320er Level gepirscht hat. Nachdem man diese Party, jeder auf seine Weise, genossen hat, mahnt das aktuelle Bild zur Vorsicht. Die Volumensentwicklung ist eher trostlos und, was angesichts der Deutlichkeit nicht unterschätzt werden darf, verläuft gegen den Trend, die Dynamik der Aufwärtsbewegung ist versandet und Ausbruchsversuche nach oben wurden nicht akzeptabel angenommen.

MDAX Trend und Volumen

Bisher fehlt eine technische Bestätigung eines Impulswechsels, da dieser sich aber wie der Name schon sagt in der Regel dynamisch entlädt, besteht wenig Anlass sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Auch ein guter Ausstieg gehört zum Trading, für einen Buchgewinn bekommt man nicht einmal eine Arcandor Aktie.

Schwächer als der DAX zeigt sich unserer Meinung nach übrigens der Kollege MDAX. Technische Anzeichen eines Impulswechsels sollten sich folglich zuerst in diesem Index zeigen. Augen auf im Straßenverkehr! Zeigt sich technische Schwäche, die in diesem Falle mit einem üblen fundamentalen Bild einhergeht, so ist dies ein seltenes Geschenk.

Der Kranich. Hurz.

Als Mitglieder einer der zahlreichen großen Kulturnationen kennen wir ja alle Hape Kerkelings Kleinod „Hurz“ (sehr empfehlenswert auch Kerkeling als iranischer Schachgroßmeister, die 9 Minuten lohnen sich: Youtube-Video). Ein Blick auf die Daten der International Air Transportation Association (IATA) lässt nicht nur für den Habicht sondern auch für Herrn Kranich und Kollegen nichts Gutes vermuten. „Fasten your seatbelts“ heißt denn auch eine der treffenden Aussagen des seriösen und in seinen Publikationen nicht zu emotionalen Ausbrüchen neigenden Verbandes.

Nach drei Monaten mit drastischen Rückgängen im Fracht- und Personenverkehr, strafen die aktuellen Daten die green shoots Jünger ein weiteres Mal lügen. Auch für den vergangenen Monat war auf Jahresbasis ein Rückgang von 20% zu vermelden. Nach den durchgängig nicht gerade erquicklichen Zahlenwerken der Airlines im Vorjahr (und viele Jahre davor) sieht es nun wahrlich nach einem Katastrophenjahr aus. Der Sektor muss mit Umsatzrückgängen von $62 Milliarden (!) rechnen, was auf einen Verlust in einer Höhe von mindestens $4,7 Mrd. hinauslaufen sollte. Wie gesagt, das sind die Werte, auf die man abzielt, wenn die Lage sich nicht verschlechtert sondern stabilisiert (Anmerkungen durch uns).

So gibt es denn auch drei schlichte und ehrlich formulierte Ziele der IATA:

  1. Sicherheit (klar, existenziell)
  2. Kapazitätsanpassung (weniger Jobs, Maschinen und Infrastruktur)
  3. Cash zusammenhalten (oder auftreiben, neuer Margendruck bei den Flughäfen)

Sicherheit ist von jeher das originäre Ziel und bedarf keiner Erläuterung. Die Rückführung von Kapazitäten sollte aber den Auguren zu denken geben, die sämtliche ökonomische Indikatoren für „lagging“ erklären und den Aktienmarkt als neuen vorlaufenden Universalindikator ausgemacht haben. Wohlgemerkt, an beiden Ideen ist etwas Wahres dran, viele wirtschaftliche Kennzahlen laufen der Entwicklung hinterher, manche mehr, manche weniger. Und auch an der Aussage, der Aktienmarkt laufe der realwirtschaftlichen Entwicklung voraus ist etwas dran. Falsch sind nur die Generalisierungen. Wenn die Arbeitslosigkeit, die zweifelsohne ein „lagging“ Indikator ist, steigt, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass in Kürze ein Aufschwung bevorsteht. Genauso falsch wäre es, in jedem Anstieg des S&P 500 seherisch einen Konjunkturaufschwung am Horizont zu wähnen.

Da viele Unternehmen vor einer ähnlichen Situation wie die Airlines stehen, werden wir uns noch an massiven „Kapazitätsanpassungen“ erfreuen dürfen. Was nichts anderes als Auftragsrückgänge bei Ausrüstern, Jobverluste bei Anbietern und Ausrüstern,, Dividendenstreichungen et cetera bedeutet.

Ein Aufschwung sieht jedenfalls anders aus und wird sich erst von anderen Niveaus ausgehend bilden können. Die Japaner können davon ein Liedchen singen. Was bei den bisherigen durch Kurzarbeit und anderweitige Puffer gemilderten Reduzierungen der Arbeitsplätze herauskam zeigt die Arbeitslosenquote für Europa, die gerade ein frisches Zehnjahreshoch markiert hat. Beeindruckend ist vor allem Spanien, das direkt vom Scheinboom in die tiefe Job-Siesta übergetreten ist und mit einer Arbeitslosenquote von über 18% noch vor dem geprügelten und de facto insolventen Baltikum rangiert. Besonders die Jungen Iberer sind betroffen, satte 36,2% der unter 25-jährigen Spanier sind ohne Job. Olé! Beim heiteren Quotenraten hätte man bei dem Niveau eher auf den Tschad getippt.

Arbeitslosigkeit Europa

Zurück zu den Luftfahrtunternehmen, bei denen die Kapazitäts- und Kostenreduktion wirklich drängt. Schaut man auf die Verläufe von Kapitalkosten und Return on Capital an, wird jedem wirtschaftlich veranlagten Wesen übel. Man ist geneigt, die Frage zu stellen, wer eigentlich dieser Branche noch Fremdkapital zur Verfügung stellt.

Airlines unter Margendruck

Na Prima! Während sich die Branche den verbliebenen und potentiellen Kunden mit Werbegesülze à la “the only way to fly” präsentiert, verdient man seit 1993 (und wie der Chart nahelegt wohl auch vorher) nicht einmal die Kapitalkosten. Das bedeutet, auf mittlere Sicht ist die finanzielle Position der Carrier ungefähr so bequem wie die Bockwurst-im-Glas Sitze auf einem Flug nach Sydney. Da fühlt sich der Anleihegläubiger sicher bestens aufgehoben. Um die Position des Investors zu perfektionieren, bietet sich dann noch die Teilnahme an einer Kapitalerhöhung mit dem Zwecke der Auszahlung von Dividenden an. So ist man dann mit beiden Füßen im Irrsinn. Rendite war gestern.

Mittlerweile spricht denn auch die ehemals stolze British Airways offen vom Überlebenskampf. Noch vor einigen Jahren stellte man die absurden Bewertungen an den Tech-Börsen gerne mit Vergleichen zu alten Standardwerten dar. In UK hieß es seinerzeit oft: Rubbish.com stellt nichts her und ist so teuer wie BA. Mittlerweile hätte diese Analogie ihre ganz eigene Absurdität. So teuer wie BA zu sein hat jedenfalls nicht mehr viel zu bedeuten.

Und was sagt der Kranich dazu? Hurz!

Das Warten hat ein Ende

Marktwirtschaft ist schon was Feines. Immer wieder überrascht sie uns mit einer Flut an Innovationen. Gestern war es wieder so weit, eine Weltpremiere wurde uns auf Plakaten verkündet. Frei nach dem Motto „entscheidend ist, was hinten rauskommt“ präsentierte uns der Beiersdorf Konzern sein neuestes Produkt: Klopapier. Hui, da rotiert das Innovationskarussel ja beinahe mit Lichtgeschwindigkeit. Das ist er also, der kleine Luxus, den sich der Bundesbürger in der Rezession gönnt. Das Werbemotto zum Produkt lautet denn auch folgerichtig „Endlich!“

Ja, so ist es, werte Freunde, darauf haben wir gewartet, endlich eine neue Lokusrolle in der formschönen blauen Folienverpackung. Da können wir also, wie Millionen anderer Toilettengänger endlich den Sack mit dem kratzigen Laub aus dem Bad räumen. Ein harter Schlag stellt das neue Produkt „made in Germany“ sicher auch für viele minderwertige importierte Grobwaren dar.

Bush Lokuspapier

Soviel Innovationskraft gibt es nur in einer im wahrsten Sinne des Wortes Output-orientierten Wirtschaft. Eine vergleichbare Kreativität gab es denn auch bei der vermeintlichen Rettung der GM Tochter Opel durch die bundesdeutsche Opel Gang, das Trio Merkel, Steinbrück, Guttenberg. Oh, Roland Berger hätten wir fast vergessen, der war ja auch mal wieder dabei. Kein Wunder, nach den guten Erfahrungen, die man mit ihm bei der Holzmannpleite gemacht hatte. Auf soviel Erfahrung verzichtet man selbstverständlich ungern.

Nachdem man nun eine schier endlose Hin- und Herfliegerei, die in einem ebenso endlosen Tauziehen mündete, kurz vor der GM Insolvenz abschloss, betrachten die „Flying Business Doctors“ nun ihr Werk. Aber, oh weh. Was ist eigentlich geblieben? Hm, ok, wir haben also das Risiko und die Arbeitsplätze, letztere ausgestattet mit den alten Verträgen, womit man grob bei der alten Kostenbasis bleibt. Das klingt ja vielversprechend. Außerdem hat man noch das Kreditrisiko, das ja auf Grund der ausgesprochenen Kreditgarantien beim Bund liegt. Im Gegenzug erhält der Bund – nichts. Keine Beteiligung, kein Mitspracherecht, nada, hiçbir şey.

Erstaunlicherweise erhält sogar die Pleitemutter GM (Government Motors) einen erklecklichen Anteil an Opel, ebenso wie der russische Autobauer Gaz (Gorkovsky Auto Plant) in Gemeinschaft mit der Sberbank, Russlands größtem Finanzinstitut. Dritter im Bunde ist bekanntermaßen der Zulieferer Magna.

GAZ Aktienkurs

Was auch immer aus dem Konzern wird – bei den Protagonisten braucht es schon eine Menge Optimismus um einen Turnaround am Horizont zu sehen – es stellt sich mal wieder die Frage, warum der Bund Garantien ausspricht, ohne dafür eine echte Gegenleistung zu erhalten. Einzig die, wie Merkel noch einmal betonte, unverbindlichen Versprechungen des Konsortiums, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, waren dem Fiskus also milliardenschwere Garantien wert. Hut ab. Bei der Commerzbank erhielt der Staat gemessen am injizierten Eigenkapital einen viel zu geringen Anteil an der Bank, bei der Hypo Real Estate lässt man sich am Nasenring durch die Arena führen und bei Opel zieht man die Spendierhosen mal so richtig an.

Der Finanzinvestor Ripplewood fasste es kürzlich übrigens hervorragend und bemerkenswert ehrlich zusammen. Auf die Frage, warum das Unternehmen an dem Opel Deal interessiert sei, antwortete ein Sprecher, die Risikoasymmetrie sei schlicht zu verlockend um ein solches Investment nicht zu tätigen. Ehrlichkeit wird bestraft, von daher geht die Firma nun an den kanadisch-österreichischen Märchenonkel und den Autobauer aus Nishni Novgorod. GM wird sicherlich auch viele seiner guten Erfahrungen mit in die Ehe einbringen.

Nun sollen es also zukünftig die in der BRD weiterhin zu hiesigen Lohnkosten hergestellten Fahrzeuge richten. Glaubt ernsthaft jemand, die hier produzierten Autos kann man dauerhaft konkurrenzfähig an China verkaufen? Oder noch aberwitziger, in Indien? Aber was soll’s, man leistet sich also neben VW, Daimler und BMW einen vierten Autobauer. Es wäre allerdings schon einmal interessant, was diejenigen, die den haarsträubenden Plan jetzt befürworten, in den 80er und 90er Jahren zum Thema Kohlesubventionen gesagt haben. Aber wir befinden uns ja in einer Sondersituation. Ja, das hätten wir beinahe vergessen, Marktwirtschaft gilt nur im Aufschwung.

Es bleib abschließend die Frage offen, warum man Opel nicht aus der Insolvenzmasse heraus gekauft hat. Wahrscheinlich wäre das zu günstig gewesen, denn wie heißt es so schön: Was nix kost’, ist auch nix. Aber in den nächsten Jahren wird sich diese Gelegenheit sicherlich noch einmal bieten.

Von daher harren wir der Dinge und ziehen uns nun zum weiteren Nachdenken über Innovationskraft und Investitionen kurz aufs Klo zurück: Endlich!