Ausgezeichnet

Jährlich grüßt das Murmeltier. Neben Oscarverleihung und der Aushändigung der goldenen Himbeeren hat auch die Finanzbranche wieder zum alljährlich wiederkehrenden Triumphmarsch der Investmentprodukte gerufen. Nach dem rabenschwarzen Jahr 2008 fiel die Wahl auf die Besten der Besten natürlich nicht leicht, denn nur ausgewählte Erfolgsprodukte kommen für einen Platz auf dem Treppchen in Frage. Für den ersten Platz auf dem Podium reichen folglich nur Spitzenleistungen.

Fonds Logo

Wir wollen unseren Lesern an dieser Stelle kurz einen kleinen Einblick in diese glamouröse Welt bieten und zeigen einige Gewinner des diesjährigen „Euro-Fund Awards“. Basis der Untersuchung sind 2641 Investmentfonds.

Wie gesagt: Wir zeigen nur erste Plätze.

Wahrlich “Selected”.

Cominvest

Down under.

Dexia

First Class.

First State

Feeling Secure?

Hansasecur

Over the top.

DWS

Da möchte man die Flop 50 gar nicht erst sehen. Nach so viel Höchstleistung müssen wir uns erstmal erholen. Eins noch. Das alles ist tatsächlich Realität.

Unsere Ergänzung: Das Auto des Jahres.

Auto des Jahres

www.weinerlich.de

Aus gegebenem Anlass verfolgten wir die Worte des Postbankchefs Klein, der den Tränen nahe schien als er die Jahreszahlen für 2008 verkündete. Selten hatte man das Gefühl, jemanden an der falschen Stelle zu sehen, so deutlich gespürt wie an diesem Tag. Mit weinerlicher Stimme, hörbar gezeichnet von den Problemen mit in der Bilanz gar nicht sichtbaren Assets, versuchte uns der Vorstand sein Bild der Lage nahezubringen. Hätte es die Krise nicht gegeben, so ein durchaus bemerkenswerter Satz, dann könne man den Investoren einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro präsentieren. Schön. Hätte ich gestern nicht die Tafel Schokolade aufgegessen, wäre heute noch welche da. Bei soviel Durchblick kann man nur hoffen, dass nicht alle derart befähigten Manager bei auf gut eine halbe Million Euro reduzierten Salären das Weite suchen. Auf Grund des folgenden vielbeschworenen “brain drains” wäre die Branche womöglich bald zu solcher Weitsicht gar nicht mehr in der Lage.

Deutsche Postbank Aktie

Nun gut, angesichts des Ergebnisses mag es durchaus gestattet sein, um Worte verlegen zu sein. Immerhin hat der Herr über die Postsparbücher (was macht eigentlich das “DAX-Sparbuch”?) mittlerweile die Krise bemerkt. Bei Amtsantritt hatte man noch stolz verkündet beim Bloomberg Terminal auf die Freischaltung von Realtime-Daten zu verzichten. Ziemlich smart, so bekommt man die Probleme immer erst 15 Minuten später mit und die Infineon Aktie steht auf dem Bildschirm immer noch rund einen Cent höher als in der Realwelt. In letzterer ist die Postbank mittlerweile ein Zwerg geworden und schlingert um Marke von €2 Mrd. Marktkapitalisierung herum. Bei einem Aktienkurs von unter 10€ lag das Ergebnis pro Aktie bei -4,87€.

Postbank Statement

Ohne Echtzeitkurse hat man sicherlich erst relativ spät festgestellt, dass auch auf der Aktienseite einiges Ungemach lauerte und verkaufte im vierten Quartal das komplette Aktienbuch. Das auch noch als Optimierung darzustellen, nachdem man vorher einer Indexhalbierung zugeschaut hat, ist schon seltsam. Mit dieser Entscheidung allein fuhr man deutliche €581 Mio. Verlust ein, Hut ab.

Dies ist umso erschreckender, wenn man bedenkt, dass dies nicht der Brandherd der Stunde ist, dieser liegt seit nunmehr gut zwei Jahren im Bereich der illiquiden Assets. Die Frage, wie optimistisch diese denn noch bewertet sind, stellt sich dem geneigten Leser. Eine Antwort gibt es nicht, aber auch das lässt tief in den Abgrund blicken. Die Wertberichtigungen für das sogenannte Kreditersatzgeschäft (es dürfte sich um ABS, CDS und strukturierte Produkte handeln) muten mit €156 Mio. geradezu aberwitzig niedrig an, hier schwingt neben viel Hoffnung wohl auch die Notwendigkeit wieder, die Preise in der Bilanz nicht zurückzunehmen. Angesichts der Eigenkapitalquote ist dies gar nicht möglich. Interessant auch die Verluste durch Engagements bei Lehman. Wie kommt eine kleine Bank wie die Postbank dazu, sich in einer derartigen Größenordnung in einer einzelnen Risikoposition aufzustellen?

Postbank Situation

Bei den Assetklassen, die der Postbank wirklich Sorgen machen sollten, spielt die Datenversorgung keine sonderlich große Rolle. Für ABS gibt es außer sporadischen kleinen Geschäften seit über einem Jahr keinen wirklichen Sekundärmarkt. Eigentlich, seien wir ehrlich, hat es diesen nie gegeben.

Mit professioneller Ruhe ergibt sich der PB Chef nun auch in sein Schicksal und erfreut sich blühender Kreativität, die zum Beispiel in Vorschlägen zur Bilanzierung von Problemassets ihren Niederschlag finden. Man solle doch überlegen, nur die tatsächlichen Ausfälle auszuweisen, und die Marktwertverluste zu ignorieren, das könne für Entlastung sorgen. Prima Idee, leider etwas unausgegoren, macht es doch die Existenz einer Bank zu einem binären Event. Heute noch zu par in den Büchern und morgen zum recovery value. So macht das Bilanzieren Freude. Man könnte dann im Grunde gleich eine neue Produktklasse erschaffen, die beispielsweise das Event of default noch vor Ostern oder den Sommerferien als Underlying hat. Richtig verpackt und verswapped gibts auch dort keine Wertschwankungen, als Credit Linked Note bringt ein solches Asset dann auch Schwung in diejenigen Rentenfonds, die es im letzten Jahr nicht über den Rendite-Nullmeridian geschafft haben. Einfach mal bei der DWS anrufen. Im Zweifelsfalls legt man ein solches Produkt den Retailkunden nahe, von denen die Post ja einige hinzugewonnen hat. Der Werbeslogan liegt förmlich in der Luft:” Frau Müller, Sie sind jetzt 85 Jahre alt. Wenn Sie jetzt investieren, können Sie sich in 17 Jahren über eine ansehnliche Rendite freuen! Schlagen Sie den niedrigen Zinsen ein Schnippchen.”

Davon auszugehen, dass es mit den Verlusten nun ein Ende hat, sollte sich übrigens als grober Fehler herausstellen. Die Postbank mag hoffen, die kommenden Jahre zu überstehen, aber ohne Staatshilfe wird das nicht möglich sein. Die EK Quote von 7,4% ist vor dem Hintergund der Bilanzierungspraxis nur als traurig zu bezeichnen. Angesichts der sich generell schnell weiter verschlechternden Assetqualität dürfte auch der EK Bedarf der Postbänker rapide ansteigen. Gesetzlich vorgeschrieben sind übrigens 4 Prozent, an dieser Marke ist das Institut in Q3 vorbeigeschrammt, Bilanzgymnastik inklusive. Bei dem aktuell branchenüblichen Hebel braucht es nicht viel um darunter zu fallen.

Eine Beschwerde bei Herrn Lehman bringt übrigens nichts. Eine Bank, die so aufgestellt ist, dass sie bei der Pleite eines US Brokerhauses in eine unumkehrbare Krise stürzt, hat die Fehler bei sich selbst zu suchen, aber das gilt nicht nur für die Postbank. Ebensowenig steht die Postbank allein mit der Bewertung ihrer Assets, die sie zum 1.Oktober schlicht eingefroren hat. Interessanterweise fiel der Großteil des Jahresverlustes trotzdem im vierten Quartal des Jahres 2008 an.

Postbank Aussage

Die Aussage, dass eine Umbuchung von einer Kategorie (available for sale) in die andere (loans and receivables) die Vola der Neubewertungsrücklage entlastet, ist ein Witz. Hierzu eine kurze Erläuterung für die Leser, die sich nicht mit dem alltäglichen Bilanzierungswust auseinandersetzen müssen. Durch diese Maßnahmen rettet man sich aus der ohnehin schon aufgeweichten fair value Bewertung der Assets und flieht in die weiter gefasste Kategorie „Kredite und Forderungen“. In dieser Klasse dürfen die Positionen zu den fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert werden. Man reduziert hier nicht die Volatilität der Bewertung, man stoppt schlicht gesagt die laufende Bewertung.

Die Aussagen der Postbank anlässlich der Zahlen für 2008 sind mehr ein Hilferuf als ein Blick in die Zukunft. Alles in allem sollte man nicht davon ausgehen, dass die Postbank ohne Staatshilfen auskommt. Der ein oder andere wird dies aber wohl erst mit 15 Minuten Verzögerung bemerken.

Catch 225

Herrlich! Angesichts des Totalverlustes vieler Anleger, die an dem von Herrn Madoff veranstalteten Spektakel teilgenommen haben, mag sich der ein oder andere freuen, nicht derart unter die Räder gekommen zu sein. Im Hintergrund, dem großen Universum der Investmentfonds und Anlageprodukte aber, dort geschehen tagein tagaus ähnlich interessante Dinge, allerdings in wirklich großem Stil. Wer wäre nicht gerne Aktionär summte eine unwürdige Telekomwerbung den umworbenen deutschsprachigen Kleinsparern über die Mattscheibe in die Gehörgänge. Damals ging es beim Börsengang des Staatskonzerns Deutsche Telekom darum, den Deutschen schnell noch die sogenannte „Aktienkultur” einzbleuen, was auch immer der Besitz von stimmberechtigten Anteilsscheinen an Unternehmen mit Kultur zu tun haben mag. Immerhin hatte zumindest der deutsche Michel das Gefühl, sich über die Telekomaktien einen Teil seiner Telefongebühren wieder zurückzuholen, dazu noch ein Gratis-Mobiltelefon und Wirtschaft und Stimmung brummen im Einklang.

Dazu noch eine kleine Anekdote. Kai-Uwe Ricke, der ja nach Ron Sommer und dem Übergangschef Siehler den Vorstandsvorsitz inne hatte, ist übrigens der Sohn von Helmut Ricke. Was der so trieb? Nun er war Vorstandsvorsitzender bei der Deutschen Telekom (damals noch Deutsche Bundespost/Telekom). Die Entscheidung, ob hier teutonisches Leistungsprinzip oder doch eher eine Art Wirtschaftsmonarchie durchschimmert, sei dem Leser überlassen.

Aber zurück zum Thema. Millionen Anleger wurden, vor allem nach Vollzug der aktienkulturellen Umerziehung, in Aktien- und Aktienfondsinvestments getrieben. Der ewig gleiche Tenor: Langfristig schlägt keine Assetklasse die Erträge aus der Aktienanlage. Timing ist ohnehin unnötig, einfach immer schön kaufen und dem „cost average effect“ die Arbeit überlassen, dann wird’s schon was mit der Rente.

Erstaunlich, dass sich dieser Mythos trotz der Aktienschmelze nach dem Jahrtausendwechsel noch gehalten hat und durch „Riester“ und andere teils aktiengebundene Pensionsprodukte sogar politisch weitere Verbreitung erfuhr. Eigentlich wäre doch das Ende der Tech-Blase der ideale Zeitpunkt gewesen, die gesamte Idee des Buy & Hold einmal zu überdenken, wie ein Blick auf den Chart des DAX im Zehnjahreszeitraum von 1993 bis 2003 eindrucksvoll verdeutlicht.

DAX 1993 bis 2003

Dieses besinnliche Nachdenken ist nicht geschehen, im Gegenteil, es wurde sobald die Märkte wieder die Fühler nach oben ausstreckten, investiert und die Werbetrommel fand keine Ruhe. Sehr schön beobachten lässt sich diese Entwicklung anhand der aktuellen und historischen Zahlen aus der BVI Statistik, dem heiligen Gral der Fondswirtschaft (http://www.bvi.de/de/statistikwelt/index.html).

Nachdem man sich früher damit begnügte, eine handvoll Aktienfonds zu vertreiben, gab es dann trotz geplatzer Technologieblase und ausgedörrten Tech-Fonds wieder eine Welle an Fondsneugründungen, die Themenfonds erlebten einen Boom. Olympia ist da – kauft Turnschuhhersteller. China braucht Öl – kauft Energiefonds. Wind und Sonne sind für lau – kauft Ökofonds. Prima. Nachdem sich also die Investments auf eine Vielfalt von Fonds verteilt haben, fallen halt nicht mehr 100 Fonds sondern 1000. Aber lassen wir die Daten sprechen.

Aktienfonds in Deutschland

Von den 50 Jahren an steigerte sich das verwaltete Fondsvolumen kontinuierlich. Einen ersten herberen Rückschlag gab es dann nach der Jahrtausendwende. Was wir aktuell erleben dürfen, ist ein massiver Rückschlag.

Fonds Deutschland

Interessanterweise steigt die Anzahl der Fonds bis 2005 hin relativ stetig an, danach aber legte die Anzahl der Fonds dramatisch zu. Die Auswirkungen auf das mittlere Fondsvolumen sind entsprechend verheerend.

Was man sich fragen sollte ist, inwieweit sich bei der heute üblichen Gehaltsstruktur in großen Fondshäusern, die sich deutlich von den Verhältnissen bis weit in die 80er Jahre hinein unterscheiden dürfte, solch eine Vielzahl an Fonds für diese Anbieter noch rechnet. Zumindest vor dem Hintergrund der wohl auch zukünftig abflauenden Langfristrenditen bei Akien sollte die Nachfrage nach Fonds, die Gebühren verschlingen und trotzdem nur passiv auf dem Markt hocken, nachlassen. Zum Thema Langfristigkeit bietet sich immer wieder der japanische Leitindex an.

30 Jahre Nikkei

Der trübe Blick auf den 30-Jahresverlauf des Nikkei beschönigt die Verhältnisse ja ohnehin noch. Der Index verlangt immerhin keine Gebühren.

Für die Freunde des Rechts wäre es sicher interessant, sich einmal mit der Frage zu beschäftigen, inwieweit Werbebroschüren und verbale Aussagen mit dem Tenor „langfristig ist alles gut“ den Sachverhalt der Verschleierung erfüllen. Vorsätzliche Verschleierung wohlgemerkt. Aber irgendwie hat es ja sicher doch wieder niemand gewusst.

Hauptsache gut versichert

Ein vor einigen Tagen in der FAZ veröffentlichtes Interviews mit dem Präsidenten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Rolf-Peter Hoenen, enthielt mehrere interessante und kommentierenswerte Punkte.

Zunächst einmal sei der Tonfall festzuhalten, den man wohl am besten mit dem Terminus „Optimismus mit Absicherungsnetz“ beschreiben kann. Ein Beispiel? Auf die Frage des Journalisten, ob das Geld bei Versicherungen noch in sicheren Händen sei, antwortete Hoenen mit dem beeindruckenden Statement: „Ich kann da aus heutiger Sicht völlige Entwarnung geben.“ Na, uns hätte da eher die morgige Sicht interessiert.

Schaut man auf die Kurse der Versicherer, hier beispielsweise die Allianz relativ zum DAX und zum S&P 500 in Euro so fällt die sehr schlechte Performance sofort ins Auge.

Allianz versus DAX

Wie der Charttechniker weiß, kommt ein schlecht aussehender Chart nicht von ungefähr sondern zeigt in der Regel nur frühzeitig, oder wie im Falle der Allianz laufend, die fundamentalen Probleme auf.

Besonders interessant ist vor dem Hintergrund möglicher Staatshilfen für Versicherer, die wir für auf lange Sicht für unvermeidlich halten, die Anlagepolitik der Gesellschaften. Dazu gab es folgende Zahlen. 75% der Assets bestehen aus Zinspapieren, davon entfällt die Hälfte auf Bankenschuldverschreibungen. Der Aktienanteil beträgt 7%. Zu den verbliebenen Prozenten gab es keine Informationen, allerdings bergen diese Informationen allein genügend Potential.

So sei die Aktienquote seit Beginn der Krise abgesenkt worden, und zwar von 10% auf nunmehr die genannten 7%. Das klingt ja im ersten Moment nach atemberaubendem aktiven Management. Ein Blick auf die Kurstafel offenbart dann allerdings bei Verlusten der internationalen Indizes von mehr als 40%, dass man allein durch Nichthandeln schon eine Reduzierung der Quote erfuhr. Bei einem Rückgang von 10% auf immer noch 7% muss die Branche eigentlich sogar gekauft haben, um nicht noch tiefere Quoten auszuweisen. In ehrlichen Sprech übersetzt hat man schlicht Geld mit Aktien verloren, und zwar massiv. Der Effekt ist dann halt ein geringerer Anteil. Nicht gerade preisverdächtig.

Interessanter aber als die Aktienquote ist der Anteil an Bonds, und hier vor allem der große Part der Financials. 50% der gesamten Quote macht satte 37,5%, die die gesamte Branche in Banktiteln investiert hat. Geht man davon aus, dass ein nicht unbedeutender Anteil dieser 37,5% in Nachranganleihen investiert wurde, so steht dem Sektor mal ein Sturm bevor, der sich gewaschen hat. Sub Bonds notieren teilweise näher an Null als an par, und das nicht weil der Markt versagt, wie gerne behauptet wird, sondern weil es gewaltige Risiken gibt, die der Besitzer von Nachrangpapieren auf sich nimmt. Schaut man sich die Spreads auf nachrangiges Kapital an, erinnert die Kulisse mittlerweile nicht mehr an ein Alpenpanorama sondern eher an die Gipfel des Himalaya.

Tier 1 Capital Spread

Eines der beiden Risiken ist der Wegfall der Kuponzahlungen auf absehbare Zeit. Angesichts der desolaten Lage der Finanzinstitute und des zunehmenden öffentlichen Drucks, ein sehr reales Risiko. Dazu kommt das Hauptrisiko, die lauernde Verstaatlichung. Die Recovery, die der Halter eine senior Anleihe erhält mag in einem solchen Falle noch annehmbar sein, Besitzern von Subs drohen hier aber massive Verluste.

Die Frage, wie Versicherer wegfallende Kupons und echte Verluste auf Anleihenbestände ausgleichen wollen, ist nicht beantwortet worden. Das kann daran liegen, dass es schlicht an einem Ausweg fehlt. Wie üblich verfährt man dann nach der Methode sich erstmal nicht um diesen Fall zu kümmern. Beruhigen, ein bisschen nebulös formulierten Optimismus verbreiten und vielleicht ein paar eigene Aktien verkaufen – natürlich nur um das eigene Vermögen zu diversifizieren.

Eins noch. Wie Herr Hoenen, so sprechen auch viele andere marktferne Beobachter, Berater und Politiker davon, dass man den Markt nicht „herunterreden“ dürfe. Er sagte wörtlich: „Wenn Sie den DAX auf 2000 Punkte herunterreden beschleunigen Sie das Verhalten vieler Anleger.“ Immerhin wird in diesem Statement nicht die Sinnhaftigkeit des Anlegerverhaltens, also von Verkäufen, in Frage gestellt. Trotzdem ist es albern, verbale Äußerungen zu nach wie vor vorhandenen Überbewertungen als „Herunterreden“ zu diskreditieren, nur weil nicht sein kann was nicht sein darf. Vielmehr sollte man sich die Frage stellen, inwiefern die Finanzbranche nicht die Märkte hinaufgeredet und Millionen von Anlegern immer wieder prozyklisch in gerade die falschen Märkte gelockt hat. Dies gilt auch in Bezug auf den kürzlich öffentlich gewordenen Fall DWS. Die Fondgesellschaft der Deutschen Bank hat mal einfach einen großen Teil ihrer wegfaulenden ABS Bestände in die Publikumsrentenfonds umgebucht. Prima, so spart man sich auch die schlechten Marktpreise. Wer glaubt, dass dies ein Einzelfall ist, dem raten wir, darauf nicht zu wetten. Aber wie sagte schon Herr Ackermann, 2009 werde wohl ein schwieriges Jahr für die Branche und die Kunden der Deutschen Bank. Da könnte er ausnahmsweise mal Recht behalten.

Den Investoren kann man es gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Dekade nicht verübeln, wenn sie die Glaubwürdigkeit solcher Institutionen generell in Frage stellen und sich unabhängige Quellen und Berater suchen.

Oh Jammer

Nutzen wir einen dieser Tage, an dem sich die Weltgemeinschaft über eine Aufwärtskorrektur an den Aktienmärkten freut. Nutzen wir diesen Tag um einen kurzen Überblick zu geben, was denn so alles noch kommen mag.

Der wichtigste Belastungsfaktor wird auf absehbare Zeit der sich noch verschlechternde Kreditmarkt sein. War der Großteil der Probleme, vor allem am synthetischen Credit Markt (iTraxx, CDX) bisher vielfach ein reines Bewertungsproblem auf Grund von Spreadausweitungen, so hat sich in diesem Jahr schon ein dramatischer Umbruch vollzogen. Zu beobachten sind deutlich ansteigende Ausfallraten, vor allem im High Yield Bond und Leveraged loan Segment. Klar, werden die vielen beruhigenden Stimmen munkeln, diesen Bereich trifft es ja im Abschwung am stärksten. Richtig, aber das Ausmaß der Probleme sollte nur Ignoranten kalt lassen, denn allein im Januar 2009 lag das Ausfallvolumen so hoch wie im Gesamtjahr 2008. Es ist somit schon nach 30 Tagen bedenklich nahe an die Jahreswerte der Krisenjahre 2001/2002 herangerückt. Diese Werte dürften in 2009 nicht nur erreicht sondern regelrecht zerbröselt werden.

Defaults High Yield und Leveraged Loans

Die Emissionstätigkeit im High-Yield Bereich ist fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Das ist nicht verwunderlich, denn wer bei der Refinanzierung oft locker über 1000BP allein an Risikoprämie auf den Tisch legen darf, der kann sich die Refinanzierung schlicht nicht mehr leisten. Selbst das allgemein sehr niedrige Zinsniveau hilft hier leider wenig. So schwächelt die High Yield Neuemissionstätigkeit, während derweil das Niveau der distressed debt die Niveaus der Jahrtausendwende schon weit übertroffen hat.

Distressed Debt

Kann schon aktiv nichts getan werden, außer Personal zu entlassen und Investitionen zu streichen, geht man halt zum Prinzip Hoffnung über und wartet auf die Erholung der Kreditmärkte. Wir wünschen schon mal im Voraus viel Geduld, denn die wird nötig sein. Auch an den Börsen ist Geduld gefragt. Stattfindende Aufwärtskorrekturen, die durchaus auch einmal ausgeprägt ausfallen können, sollten als das eingestuft werden, was sie sind: Bear Market Rallyes. Eine Interpretation dieser Bewegungen als vorlaufender Indikator für die Volkswirtschaft sollte man vorerst noch einige Zeit in der Schublade reifen lassen. Bevor wir einen Blick auf die nächsten bekannten Einflussfaktoren nach Subprime werfen, schauen wir in Gedenken an das fast schon vergessene Bonmot „The subprime crisis is contained“ auf das, was bisher geschah.

Weltweite Kreditverluste

Es bleibt festzuhalten, dass Subprime genauso wenig „contained“ war, wie die Höhe der Verluste. Diese haben allein bis zum heutigen Tage die Schätzung von Fachmann Bernanke ($100 Mrd., das schafft Wachovia alleine) leicht um den Faktor 10 übertroffen. Kredite vom Typ Alt-A und Option Arm haben mittlerweile bezüglich der Ausfallraten schon deutlich Boden gegenüber Subprime Transaktionen gut gemacht. Zuletzt hat es nun mit den Problemen bei Jumbo loans auch das Prime Segment deutlich erwischt. Während die Ausfälle bei den Prime loans eher stetig ansteigen werden, besteht bei den variablen Hypotheken immer die Gefahr eines sprunghaften Anstiegs, da ja beispielsweise die Option Arms in der Regel mit aberwitzig niedrigen Anfangs-Zinsen vergeben wurden. Da steigt die monatliche Rate am Zinsanpassungstermin dann gern mal um über 100%. Aber auch das ist ja prima, denn ob man $1000 nicht hat oder $2000 ist im Grunde egal. Der mittlere erwartete Anstieg der Raten liegt derzeit übrigens bei gut 60%.

Hypotheken, Zinsanpassungen

Etwas, das in der aktuellen Diskussion um fair-value Bilanzierung immer wieder unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass sehr viele Kredit-Transaktionen nicht allein an unter einem Marktwertverfall leiden. Vielmehr wird ein dramatischer Teil dieser Papiere tatsächlich ausfallen. Eine Abkehr von der Bewertung nach Marktpreisen mag hier temporär beruhigen, eine nachhaltige Problemlösung ist sie definitiv nicht. Zudem möchten wir daran erinnern, dass viele Banken, unter anderem auch die Deutsche Bank, regen Gebrauch von der fair value Bewertung gemacht haben, als es darum ging, die eigenen Verbindlichkeiten herunterzuschreiben und somit Gewinne auszuweisen wo keine waren. Sollten die Verbindlichkeiten wieder hochgeschrieben werden, würde das z.B. für die Monoliner in den USA ein Riesenproblem werden. Aber sicherlich lässt man sich auch hier etwas kreatives einfallen.

Nicht unterschätzen sollte man indes das Volumen der noch ausstehenden Problemkredite allein am US Häusermarkt. Ein Blick auf den Verlaufsplan der Anpassung der Kreditraten variabler Kredite verheißt nichts Gutes. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund des Zustands des Bank- und Finanzsystems sowie der desolaten Staatsfinanzen. Bis 2011 aber dürften die USA ja ihre Interpretation des lange verteufelten venezolanischen Modells, also die Verstaatlichung der gesamten Wirtschaft mit dann noch zwei bis drei im Staatsbesitz befindlichen Banken ja ohnehin vollzogen haben. Im Gegensatz zum Eigenkapital hat es den Banken ja an politischer Nähe nie gemangelt.

Bis dahin nutzen wir die Zeit und überlegen uns schon mal, ob, und wenn ja in welcher Währung, die USA und so manch europäischer Staat denn eigentlich seine Schulden begleichen wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Meles Meles geht in Pension

Nachdem sich nun auch der Mainstream damit anfreundet, tief in einer Rezession zu stecken, wagten sich einige Auguren in der vergangenen Woche so richtig nach vorne. „In der kommenden Zeit könnte auch ein DAX Konzern wackeln“. Ach, wie originell. Es scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben, was der heilige deutsche Index in den letzten Jahren und vor allem Monaten für Kapriolen geschlagen hat, mal ganz abgesehen vom Kursniveau.

Ein Vergleich mit der Welt der Fauna. Gewöhnlich hat der Dachs (Meles meles) eine Lebenserwartung von 15-20 Jahren. Nimmt man dies als Maßstab, so handelt es sich beim DAX um einen Methusalem. Leider treten die Zeichen von Schwäche mittlerweile deutlich zu Tage, nehmen wir es dem Index auf Grund seiner langen Lebensspanne nicht übel.

Dachs Bild

Leider müssen wir, bei aller Sympathie, die wir dem sympathischen Pelztier entgegenbringen, das Konzept des Namensvetters bei der Deutschen Börse in seiner jetzigen Form in Frage stellen. Das dauernde hin und her bei der Aufnahme neuer Titel ist schlicht unsäglich. Den Gipfel aber stellt die aus der Not geborene völlig selbstverständliche Änderung der entsprechenden Kriterien für diese Aufnahmen dar. Wenn nichts mehr geht, schmeisst man halt alle Regeln über Bord. Man denke aus aktuellem Anlass etwa an Beiersdorf, die jahrelang als nicht indextauglich galten. Schaut man sich die anderen Unternehmen an, die in den vergangenen Jahren den DAX bildeten, so kommt man zu dem Schluss, dass es an der Qualität des Unternehmens in diesem Falle nicht gelegen haben kann, immerhin befanden sich einige offensichtlich weniger erfolgreich geführte Unternehmen im Aushängeschild der Deutschen Börse, man denke nur an das Strategiechamäleon TUI oder, ganz schlimm, an das inkarnierte Börsenleiden Infineon.

DAX Umschichtungen historisch

Das gesamte Konzept eines DAX 30 sollte grundsätzlich überdacht werden. Die Struktur des deutschen Aktienmarkts macht diese Notwendigkeit deutlich. Betrachtet man die Gesamtheit der in der DAX Indexgruppe notierten Unternehmen, zeigt sich wie ungleich die Verteilung der Marktkapitalisierung ist.

Deutsche Aktien, Marktkapitalisierung

Die gemessen am Börsenwert größten 30 Unternehmen machen allein 88% der gesamten Marktkapitalisierung aus. Daraus ergibt sich schnell ein Problem, wenn eines der großen Unternehmen ins Wackeln gerät oder schleichend verdampft, wie das genannte Beispiel Infineon.

Deutsche Aktien, Marktkapitalisierung Verteilung

Es stellt sich dann die Frage nach einem möglichen Nachrücker. Die rapide Abnahme der Market Caps im Gesamtmarkt, führt zu einer skurrilen Situtation. Entnimmt man die größten 30 Werte, so hat der verbliebene Gesamtmarkt das gleiche Gewicht wie das größte Unternehmen allein.

Eine Liste nach Marktwerten zu sortieren, dass allein schafft ein Investor auch ohne die Hilfe der Deutschen Börse. Auch das zögerliche Eingreifen im Falle Volkswagen lässt ahnen, dass der Indexanbieter entweder nicht weiss was er will, oder gewissen Zwängen untervorfen ist. Schließlich gibt es mittlerweile eine Menge Anbieter von Indexprodukten, die abhängig vom DAX sind. Warum lässt man eine bekanntermaßen unter dem steigenden Einfluss einer öffentlich bekannten Übernahme stehende VW Stammaktie im Index und ersetzt diese nicht durch die Vorzugsaktie? Ein lange sichtbares Problem wurde ignoriert bis es zur totalen Farce verkam.

VW Stammaktien Vorzugsaktien

Die Deutsche Börse sollte sich folglich daran machen, ihr Produktangebot und ihre Produktpolitik zu überdenken. Den Investoren ist sicherlich mit einem übergeordneten umfassenden Deutschen Aktienindex wie dem HDAX 100 ausreichend gedient. Jede weitere Zersplitterung der Indexwelt mag in Haussephasen eine Menge Lizenzgebühren abwerfen, als Orientierungshilfe ist dieses Konzept wenig hilfreich.